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Ein Urknall deutscher Rockmusik

Vorbemerkung: Als Urknall wird in der Kosmologie der Beginn des Universums, also der Anfangspunkt der Entstehung von Materie, Raum und Zeit bezeichnet. (Wikipedia) Ok, das ist vielleicht ein kleines bisschen übertrieben in diesem Zusammenhang, aber manche verstehen  sicher, was ich meine.

Es gibt Künstler, die ich früher schonmal gehört habe und toll fand, aber mit der Zeit verblasst das Bild, auch weil das Werk nicht mehr aktuell erscheint. Dann entdeckt man zufällig mal ein Video, hört sich die Musik nochmal an, entdeckt ein noch tolleres Video und ist so hingerissen, das man möglichst alles konsumieren möchte, was es dazu gibt. Das passierte mir in diesem Fall.

Ich weiß, es ist schon sehr lange her und es wurde schon alles dazu geschrieben und keiner will mehr irgendetwas dazu lesen, dennoch kann man dieses Weibsbild nicht genug würdigen und ich möchte auch einfach mal meinen Senf dazu geben:

Nina heißt eigentlich Catharina und ist – wie alle schon längst wissen – eine Ostberliner Pflanze, der es in der DDR zu eng wurde. Die Tochter der Schauspielerin Eva-Maria Hagen, und als „Ziehvater“ wird Wolf Biermann genannt. Beides Größen ostdeutscher Kulturgeschichte. Der leibliche Vater Hans Oliva Hagen wird selten erwähnt. Sie machte rüber und ging kurz nach Hamburg und knüpfte wohl einen ersten Kontakt mit der Band einer anderen Koryphäe deutscher Popmusik: Udo Lindenberg. Diese lehnten eine Zusammenarbeit ab: „Zu viel Chaos“, obwohl sie sich selbst „Das Panikorchester“ nannten ;) Also Flucht nach England – in der Hochzeit des Punk und der damals wildesten Musikszene der Welt, suchte sie eine Gruppe, mit der sie Musik machen könnte.

Die Ansprüche waren hoch und wurden nicht erfüllt, so ging sie wieder zurück nach Berlin, und fand in der links-alternativen, gewerkschaftsnahen, bis dato wohl wenig erfolgreichen, in Geldnot lebenden Politrock-Gruppe mit dem wunderbar altmodischen Namen „Lokomotive Kreuzberg“ den – wie sich nachher herausstellte – idealen Partner. Daraus entstand die „Nina Hagen Band“. Mehr möchte ich zur Geschichte nicht erzählen, die ist einzigartig und umwerfend und wechselhaft. Ich würde niemals den Auftrag annehmen, eine Biographie über diese Furie zu schreiben, da müsste man jahrelang recherchieren und hätte trotz immensen Arbeitsaufwands doch nicht alle Fakten dieses unglaublich vielseitigen Lebens zusammen. Aber interessant wäre es schon!

Egal: mir geht es vor allem um diese erste Schallplatte mit dem schlichten Namen „Nina Hagen Band“ (1978). Es ist – objektiv gesehen – eines des wichtigsten Alben, der (deutsch-)deutschen Musikgeschichte. Es war unglaublich beliebt, aber dennoch denke ich, dass es bisher nicht ausreichend als historisch gewürdigt wurde.

Die ikonische Hülle zur Platte mit der maßgeblich verantwortlichen Protagonistin eines deutschen Rock-Urknalls, genial in schwarz-weiß abgelichtet durch einen recht bekannten Lichtbildner mit dem wunderbaren Namen Rakete – der sich auch professionell um die Band gekümmert hat – und schön, aber etwas kitschig nachkoloriert durch ihn, oder den Plattengestalter Herr Meinaß.

Ich dachte immer, nur die Engländer können in der Popmusik so wunderbar selbstironisch sein, und sich auf geniale Art und Weise aus Versatzstücken der Popwelt bedienen. Frau Hagen junior kommt daher und treibt das Ganze in nie dagewesener Art auf den Höhepunkt – und darüber hinaus. Die Sex Pistols waren brave Jungs dagegen – und vor allem nicht so echt.

Dies ist natürlich kein Punk! Aber ja, Nina selbst ist ein waschechter Punk, oder?  („Ich war immer Hippie gewesen, und wusste eigentlich gar nicht, dass ich Punk war“). Nein, sie ist beides! Rotzgöre und Herz (unverschämt, frech, ungehörig, respektlos, unbekümmert, provozierend, herausfordernd, humorvoll, charmant, liebevoll, sozial, empathisch). Nur, die Musik, die sie hier macht, ist eindeutig die Richtung siebzigerjahre Funkjazzrockdiscoreggaepunk, beeinflusst durch ältere und aktuelle Strömungen in der Popmusik, auch etwas Progrock, aber kein Krautrock. Das Besondere ist natürlich die umwerfende Opernstimme, ausgebildet am „Zentralen Studio für Unterhaltungskunst“ der DDR, als staatlich geprüfte Schlagersängerin, die auch Rockröhre, Geschrei, Kreischen, Jammern, Jodeln und alles andere kann. Ein Hoch auf diese Institution! Und sie ist leicht extrovertiert, mit einem gewissen Hang zur Selbstdarstellung,  und  übertreibt es ständig vollkommen  hemmungslos, und nervt damit natürlich auch. Egal! Der Punk ist damals prägend und die Hagen hat sich wohl irgendwann gedacht: „das kann ich auch“ und ein entsprechendes und perfektes Stück mit dem passenden Namen „Pank“ aufgeführt; damit war das Thema aber auch abgehakt. Sie ist da vielseitiger und wollte mehr.

Frau Hagen hat sich auch um den Spaß an der deutschen Sprache und deren Verbreitung verdient gemacht, die sie anfangs sehr selbstbewusst und kindlich-genial-originell-einzigartig-ostdeutsch in ihren Liedtexten einsetze (alle Texte, besser: lyrics) stammen von ihr; dazu muss ich wohl mal einen gesonderten Artikel schreiben!). Und das ziemlich unmanierlich, anstößig, unanständig, radikal, unflätig (= „so, dass es nicht den üblichen Regeln des guten Benehmens oder Anstandes entspricht“). Wir haben die Platte auch in den Achtzigern noch rauf- und runtergehört, konnten die Texte in- und auswendig. Und ich habe als junger Mann – wie alle damals – voller Inbrunst feministische Parolen und schräge Anspielungen in der Disco getanzt und mitgegrölt. Es gibt viele geniale Textschnipsel, die sich langfristig in unser Hirn eingenistet haben. Ein paar Beispiele:

Ich küsste Dich, Du küsstest mich, wiiir – küssten uuuns! (Eine musikalisch wunderbar dramatische Steigerung. Konjugieren kann sie auch! Und benutzt dabei das wunderbare Präteritum, das heutzutage etwas vernachlässigt wird. Und: Pfui, es geht hier um eine Frau!)

Dann lagen wir auf der Veranda, übereinander. (dieser Reim ist einzigartig in der deutschen Popwelt)

Marlene, hatte and’re Pläne (unglaublicher Reim)
Simone de Beauvoir sagt: „Gott bewahr‘!“ (unglaublicher Reim)
Und vor dem ersten Kinderschrei’n
Muss ich mich erst mal selbst befrei’n. (starke Stellungnahme)

In meiner Tasche klebt ’n Bonbon. (entsprechend süß gesungen und ist mir irgendwie hängen geblieben.)

Allein! Die Welt hat mich vergessen. (glaubt man nicht, passt aber zum Lied)

Ich glotz von Ost nach West. Ich kann mich gar nicht entscheiden – ist alles so schön bunt hier. (eine viel zitierte Anspielung)

Ich schenk‘ dir keine Kinder zum Zeitvertreib
Leg mir lieber Puder Kamm und Lippenstift bereit (eine humorvolle Form des Feminismus)

Ich wusste nichts von Deinen Ufern! (Was bedeutet das? Eine Anspielung für Eingeweihte?)

Off’nes Fenster präsenti-iert
Spatzenwolken, Himmelflattern (poetisch!)
Wind bläst, meine Nase friert
Und paar Auspuffrohre knattern (sie meint die Trabbis!)
A-aah.

Die Platte ist schon toll. Aber die Konzertauftritte erst! Ich bin zufällig auf ein Video („Naturträne“) eines Konzerts der legendären Reihe „Rockpalast“ gestoßen, die unbedingt sehenswert ist. Dieser Auftritt sollte nochmal ausführlicher betrachtet werden. Er hat mich dazu dazu gezwungen, diese Rezension zu schreiben. Die Musik wird durch eine unglaublich theatralische Mimik unterstützt. Sie kann auch wirklich tolle Grimassen schneiden! Ich habe Euch mal ein paar zusammengestellt:

Phänomenale Rotzgöre in Aktion während eines grandiosen Konzertes im Rahmen der Reihe „Rockpalast“ des WDR (1978).

Man kann diese Scheibe nicht verherrlichen, ohne die Musiker zu würdigen, die die Musik auch im Wesentlichen  komponiert haben, bis auf TV-Glotzer, eine Interpretation von White Punks on Dope, sowie Naturträne und Fisch im Wasser, die Nina eingebracht hat.  Der Gitarrist (Bernhard Potschka), als klassischer Macho-Gitarrist, aber mit Kajal-Augen. Er sieht aus und verhält sich so, als ob er eigentlich viel lieber in einer Heavy Metal Band spielen würde, ist aber vielseitig und spielt nicht nur unglaublich gut und unglaublich lässig, sondern hat auch einen Sinn für unglaublich gute Gitarrensounds. Er hat Riffs produziert, die mir in Herz und Blut übergegangen sind.  Und der Bassist (Manfred Praeker, leider †) auch mit wunderbarem Spiel, mit Aussehen und Sex-Appeal eines Mick Jagger. Mit großer Freude am Spiel, das ist sympathisch.  Und er spielt später auch mal einen Bass ohne Bünde, das muss man können! Der Tasteninstrumentenspezialist (Reinhold Heil) sah schräg, geradezu spießig  aus und hat wunderbar ursprüngliche Synthie-Sounds drauf gehabt und auch nachher noch eine ansehnliche Karriere hingelegt. Der Schlagzeuger (Herwig Mitteregger), auch mit tollem Spiel, achtet mal darauf,  ein Ösi, der auch später noch einiges von sich gegeben hat. Zusammengefasst: alles Individuen und Selbstdarsteller, die sehr professionell ihre Instrumente spielten und das auch sehr gut gemeinsam konnten.

Für diese historische Schallplatte kam alles gewollt und zufällig auf eine historisch und einzigartig geniale Art und Weise zusammen: die Sängerin mit der unglaublichen Stimme und Attitüde, deren irre Ost-West-Geschichte, die Punkzeit als wildeste Zeit der gesamten Popmusikgeschichte, die Gruppe mit Musikern, die zum Besten zählten. Ein Gesamtkunstwerk. Alleine über diese Scheibe könnte man ein Buch schreiben.

Leider war Madamechen etwas wechselhaft und wollte unbedingt Neues erkunden, wo ihr doch auf einmal  die ganze Welt offen stand. Die zweite Platte wurde aus vertraglichen Verpflichtungen noch aufgenommen (Musik und Gesang, nacheinander, getrennt!), aber dann war sie weg. Den genauen Grund konnte ich nicht recherchieren, ein Zerwürfnis wird genannt, Unberechenbarkeit und egozentrische Starallüren, Angst vor dem Erfolg, der unbändige Freiheitswillen der Sängerin; würde mich bei Gelegenheit sehr interessieren. (Nachtrag)   Die Rest-Gruppe war danach unter dem Namen „Spliff“ weiterhin sehr erfolgreich und supergut (wäre auch noch Artikelwürdig), bei Frau Hagen ging es auf und ab. Sie kehrte aber auch gerne nach Berlin zurück und engagierte sich auch politisch. Eine bodenständige Weltbürgerin. Schade um die Trennung [Seufz]. Ehrlich gesagt, ärgert es mich total! Sie hat später mit verschiedenen Musikern zusammengearbeitet, bei denen ich aber selten dieses gemeinsame Bandgefühl wiederfinden konnte. Vielleicht wollte sie sich selber mehr in den Mittelpunkt stellen.  Aber ich verstehe ihren absoluten Willen und sie hat es durchgezogen und sie ist sich treu geblieben (bis auf ein paar Kleinigkeiten: Kinder kriegen, mit einem Mann zusammen sein, englisch singen, vertiefter christlicher Glaube). Eine hochinteressante Persönlichkeit. Und superhübsch. Mit einem Superpunkoutfit.  „ICH HABE MICH IN SIE VERKNALLT!“

Querdenkerbommel

Ein schönes Wort, das ich bisher nie gehört oder gelesen hatte. Es ist mir in einer Film-Dokumentation des Spiegel über Verschwörungstheoretiker aufgefallen. Ein Thema, das ich sehr interessant finde. Ausgesprochen hat es die Teilnehmerin einer Demonstration gegen Maßnahmen der Bundesregierung zur Eindämmung des Virus‚.

Das Schmuckstück sei ein Zeichen für die Unabhängigkeit und die Nutzung des eigenen Gehirns. Das ist ja grundsätzlich gut (so einer bin ich auch), in diesem Fall aber leider nicht zutreffend, da das Gehirn nicht eingesetzt wurde, sondern ein diffuses Gefühl. Immerhin hat sie bestätigt, dass der Bommel sie nicht vor der Invasion einer schrägen Weltmacht oder vor den Strahlen schlimmer Mobilfunktechnik schützen sollte, sondern einfach nur eine Stellungnahme sei.

Eine verkrumpelte Kugel aus Aluminiumfolie wird zum Erkennungszeichen von Menschen, die Erkenntnisse hassen und das als eigenständiges Denken bezeichnen, obwohl es nur diffuse Ahnungen sind. Aluminiumfolie spielt übrigens in der Szene eine wichtige Rolle; bisher war auch der Aluhut sehr beliebt. Beides aktuell leider sehr verbreitet.

Natürlich kann und sollte man über Verschwörungstheoretiker lachen und sie nicht ernst nehmen. Weil sie einen ziemlichen Quatsch erzählen. Das ist besser, als wenn man sie ernst nähme. Dann müsste man sie verfolgen und einsperren, da sie genau genommen schlimme Lügen verbreiten und die Bevölkerung aufhetzen.

Ratschlagsucht

Wir leben in einer Zeit der aufstrebenden Ratgeberindustrie. Alles wird immer komplizierter, gleichzeitig lassen Wissen, Erfahrung, Geschicklichkeit und Intelligenz der Bevölkerung kontinuierlich nach und die Menschen brauchen mittlerweile professionelle Unterstützung, um ihren vollkommen anspruchslosen Alltag zu bewältigen, um einfachste, logische, klassische Lebensweisheiten zu erkennen und umzusetzen. Als vielversprechender Unternehmensgründer würde ich heutzutage ein Portal mit verbindlichen Ratschlägen für alle Lebenslagen meiner Nutzer erschaffen und einen Haufen Geld scheffeln.

Selbst der SPON – ein ehemalig angesehenes Nachrichtenmagazin – hat sein Angebot im politischen Bereich verringert und auf mehr Ratgebung umgestrickt; dort kann man jetzt Anleitungen zur Entspannung, zur gesunden Ernährung oder vielleicht auch zur Veringerung von Gesichtspickeln finden – gegen Gebühr! Anscheinend gibt es großes Bedürfnis danach, selbst, wenn es etwas kostet. Ich gebe eigentlich auch gerne Ratschläge (kostenlos!) und weiss, dass keiner darauf hört, und es ist mir egal. Aber einen wichtigen habe ich noch, und den müsst Ihr befolgen: Hört nicht so viel auf Ratschläge!

Ein Problem ist, dass es zu viele Ratschläger gibt. Und jeder sagt etwas anderes. Auf wen soll man hören? Was hilft wirklich? Warum sagen die einen dies, die anderen das? Das ist frustrierend. Die vielen Ratschläge zum Umgang mit Stress, Burnout, Erschöpfung setzen mich außerdem total unter Druck und bewirken das Gegenteil!

Schluss damit. Hört auf die innere Stimme, auf Euren Verstand, auf Euer Gefühl, auf Eure Erfahrung. Spart Geld und Stress. Und fragt bei Bedarf mal Eure Mama.

Bankgeschäfte

Banken sind Schweine, das wissen wir alle. Schon lange. Verlangen überhöhte Überziehungszinsen, beraten falsch und eigennützig, ziehen einen bei Krediten über den Tisch, kündigen mir den Kontokorrentkredit nachdem ich 20 Jahre treuer Kunde ohne Probleme war. Ab und zu verzocken sie sich und stehen kurz vor der Pleite; dann müssen wir als Steuerzahler den armen Versagern wieder auf die Beine helfen, ohne, dass wir etwas davon hätten.

Im Laufe der Jahre kann man beobachten, wie immer neue Maßnahmen und Gebühren erdacht werden, um einem das Geld aus der Tasche zu ziehen und normale Bürger unmündig zu stellen. Eine absurde Neuentwicklung ist zum Beispiel die Festlegung von Minuszinsen. Das heißt, wenn ich Geld bei der Bank habe, muss ich nicht nur die normalen Gebühren zahlen, sondern soll zusätzlich auch noch Zinsen auf die Geldsumme zahlen. Hallo?

Nachdem alles an Filialen oder Mitarbeitern und persönlichen Ansprechpartnern eingespart wurde, gibt es fast nur noch die Möglichkeit, Bankgeschäfte über das Netz abzuwickeln. Ich finde das eigentlich gut und freue mich darüber, mich nicht mit unfreundlichen, schnöseligen, häßlichen, jungen, unmotivierten, pickeligen  oder unfähigen Miatarbeitern herumschlagen zu müssen. Aber: auch hier werden immer neue Methoden erdacht, einem das Leben/Banking so schwer wie möglich zu machen. Bei meiner privaten Bank muss ich – um mich anzumelden – mittlerweile folgendes tun: Seite aufrufen, Kontonummer eingeben, persönliche PIN eingeben, zwei vorgegebene Ziffern der speziellen Sondernummer eingeben, eine Mobiltan anfordern, dann die Mobiltan eingeben, die mir auf das Telefon geschickt wurde. Selbst, wenn ich drin bin, kann ich nichts weiteres machen, ohne eine zusätzliche PIN zu empfangen und dann einzugeben. Ich bin durchaus für Sicherheit zu haben, aber das hier ist hysterisch!

Bei der beruflichen Bank eines Postdienstleisters wurde man quasi dazu gezwungen, ein Programm auf sein Mobiltelefon herunterzuladen, um überhaupt noch Geschäfte machen zu können. Ich bin froh, dass ich das nicht gemacht habe und mich dann doch noch anders durchgewurschteln konnte. (Diese Programme dienen nur dazu, einen auszuspioneren, und sämtliche privaten Daten, Kontakte, Aufenthaltsort, sexuelle Vorlieben, abzugreifen und individuell oder statistisch auszuwerten, an andere zu verkaufen und im Zweifel gegen einen zu verwenden). Als Alternative sollte man einen TAN-Generator kaufen (normalerweise ca. 10 €; Empfehlung: Luxusgerät für 50,00 €) und betreiben. Ein Gerät, mit dem man Informationen der Aktion auslesen kann und verifizieren kann. Der folgende Ablauf geht dann in etwa so:

Sie haben eine Einzelüberweisung an die Empfänger-IBAN DEXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX bei dem Institut XXX in Höhe von 500,00 EUR erfasst.

Stecken Sie Ihre Girokarte (Kartennummer ******9556) in den TAN-Generator und drücken Sie die Taste TAN.
Geben Sie den Startcode 88186138 ein und drücken Sie die Taste OK.
Geben Sie die letzten 10 Ziffern der IBAN des Empfängers ein und bestätigen Sie diese mit OK.
Geben Sie den Betrag ein (Euro und Cent durch Komma getrennt) und bestätigen Sie diese mit OK.
Sollten die angezeigten Daten von Ihrem Auftrag abweichen, brechen Sie den Vorgang bitte ab und informieren Sie uns.

Ich überlege manchmal, ob es nicht sinnvoll wäre, wieder mehr Transaktionen mit Bargeld durchzuführen. Gottseidank habe ich eine Möglichkeit entdeckt, doch noch mit einer Verifizierung durch eine Mobil-TAN, Bankgeschäfte abzuwickeln, das ist gerade noch noch akzeptabel. Aber nutzerfreundlich ist das alles nicht. Kryptowährung wäre doch eine schöne Alternative!?

Meine Achtzigerjahre-Hedonistenkarriere

Habe nicht mehr alle Informationen parat und muss etwas recherchieren, wo meine liebsten Diskos (so hießen die Klubs früher (früher war mehr Lametta)) und Kneipen in den Achtzigern waren und was sie zu bieten hatten. Es gibt relativ wenig dazu im Netz, da es dies damals nicht gab, deswegen im wesentlichen nur meine eigenen Erfahrungen, ergänzt durch ein paar offiziell gefundene Infos.

Wichtiges

Turbine Rosenheim – Eisenacher Straße
Sehr gute Musik. Ich habe dort meine heutige Frau näher kennengelernt. Auch der damals noch unbekannte Plattenaufleger „Dr. (ich nehme an, eine illegale Titelaneignung) Motte“ hatte sie angebaggert, ohne Erfolg. Finanziell wäre das für sie sicher die bessere Partie gewesen.  Egal. Glück gehabt! Eines Abends kam Jim Jarmush durch die Tür, was mich begeisterte. Der war nach „Stranger than Paradise“ und „Down by Law“ ein Held! Der schlimme Wichtigtuer von Türsteher wohnte bei uns im Nachbarhaus und man konnte immer Abends durch sein Fenster beobachten, wie er vor dem Spiegel stand und stundenlang in genussvoller Eitelkeit sein wallendes langes Haar bearbeitete.

Dschungel – Nürnberger Straße
Den kennen alle. Und ja, war schon cool. Aber für mich damals viel zu etabliert, bäh, für die Schickeria! Aber auch für andere – eigentlich war es eine wunderbare Mischung. Aus heutiger Sicht sympathisch unkommerziell und mit wirklich guter, neuer Musik. Es wurde natürlich alles mögliche genommen und geraucht; einmal hatte ich einen wirklich bestialischen Gestank in der Nase, würde mich interessieren, was das war. Promis waren auch da, aber die erkenne ich meistens nicht. Ich erinnere mich auch an einen Besuch mit einem Freund F., der vorschlug, eine Frau anzusprechen, ob sie nicht einen flotten Dreier mitmachen wollte (was aus verschiedenen Gründen nicht umgesetzt wurde). Aber ich freue mich heute noch, dass wir neben den ganzen Promis vom Türsteher akzeptiert wurden und Spaß haben konnten: Mich hat eigentlch mehr die Stimmung und das Tanzen interessiert, als Promis zu sehen.

XXX – Adenauerplatz
Wie hieß noch der Laden am Adenauerplatz – Zugang nur über eine Außentreppe? Runde Tanzfläche,wie im Zirkus, nur mit einer einzelnen nackten Glühbirne beleuchtet. Kommt wohl auch kurz im Film B-Movie vor (?)… Freue mich über Hinweise.

Nachtrag: So langsam denke ich, das war das frühe Linientreu, das erst später in die Budapester umgezogen ist und dann uninteressant wurde?

Loft – Nollendorfplatz
Das war eigentlich DIE Konzertlocation. Im Nebeneingang zum Metropol. Ein legendäres Konzert von Fad Gadget (in dem er anfing, mit einem gekonnten Feldaufschwung die Hängedecke zu zerstören), ein legendäres Konzert der Einstürzenden Neubauten, die mit einem Presslufthammer die Wände bearbeiteten und ein erstes Konzert der Hosen, bei dem dieses passierte. Mich würde noch interessieren, wer für die ganzen Schäden aufgekommen ist. Am Eingang stand ein freundlicher, oft uniformierter Brite, der viel später zu einem glorreichen Film über die Achtziger beisteuerte.

Was macht man nur mit dem Mikro, wenn keine Hand mehr frei ist? Frank Tovey macht es vor. Und produziert dabei noch Geräusche, die gut zur Musik passen! Ich war dabei und ich glaube, das war ein Coitus Interruptus.  (Foto Boo Anderson / lastfm)

Metropol – Nollendorfplatz
Die Mutter des Loft? Aber auch langweiliger. Ich erinnere mich aber an ein – natürlich – legendäres Konzert von The Cramps. Ich hatte meine Kamera mit und stand ziemlich weit vorne und habe tolle Fotos geschossen. Damals analog – auf Filmstreifen, die von entsprechenden Dienstleistern  entwickelt und abgezogen werden mussten. Davon war eine Bekannte so begeistert, dass ich sie ihr ausgeliehen habe. Leider habe ich sie nie wieder bekommen. Ein paar Abzüge müssten aber noch irgendwo sein. Wenn ich Rentner bin, suche ich sie mal, weil die waren wirklich gut. Ansonsten uninteressante Disko.

Café Swing – Nollendorfplatz
Keine Disco aber tolle Konzerte. Direkt neben Loft und Metropol. Immer zu voll und zu eng, aber schwer Avantgarde. Beginn 1.00 Uhr morgens und meist umsonst.

SO36 – Oranienstraße
Darf natürlich nicht fehlen. Ein furchtbarer, stickiger, enger, verrauchter, voller, dreckiger Punk-Laden, legendär. Die Geschichte dazu sollte man sich mal durchlesen/streamen/zappen! Auch unbedingt die geniale und einzigartige Dokumentation ansehen: „So war das S.O. 36“. Da möchte ich nochmal eine Kritik zu schreiben. Ich wohnte damals in der Nähe und war daher gerne öfter da. Habe ein fast legendäres Konzert der Dead Kennedys verfolgt. Zum starkfühlen hatte ich mir eine Kunstleder-Punkjacke von meinem Freund F. ausgeliehen, der klamottenmäßig immer für alle Fälle gewappnet war. In die passten gerade mal zwei Dosen Karlsquell; zwei weitere musste ich in der Hand mitnehmen. Damals ging sowas noch. Und wenn das Konzert schlecht war – oder besonders gut war – pfefferten manche die leeren bzw. vollen Dosen auf die Künstler auf die Bühne. Das war nicht so schlimm, wie das auch übliche Anspucken. Und Ratten-Jenny war natürlich auch immer da. Den Laden gibt es heute noch.

Viel später habe ich nochmal mit AND ein Konzert hier gesehen. Bei Ankunft bekam ich einen Schreck: die Leute stehen alle brav in einer Schlange, um Eintrittskarten zu kaufen. Drinnen war es wie immer. Schlechter Sound, eng, stickig. Mit etwas Gras ertragbar.  Und Interpol ist schon ziemlich achtziger und ziemlich gut. Aber nochmal muss ich nicht hin.

Tempodrom – Potsdamer Platz
Auch ein legendärer Veranstaltungsort, an einem besonders historischen Platz – heute nicht mehr vorstellbar! Damals ein Zirkuszelt, mit einem Zaun drumherum. Ich wollte auf ein Konzert von DAF und ging solange am Zaun hin und her, bis der Aufpasser dahinter nicht mehr zu sehen war. Schwupp, drübergestiegen und im Zelt verschwunden. Damals war ich noch ein armer Student und es gehörte auch zum sportlichen Ehrgeiz, sich irgendwie an der Kasse vorbeizuschummeln, obwohl die Eintrittspreise lächerlich gering waren.

Drinnen in der Manege waren mehrere halbstarke Männer mit nackten und schweißnassen Oberkörpern zu sehen, die in weißem Licht auf irgendwelche Geräte einhauten und einen irren Sound verursachten. Das war noch am Anfang meiner Berlin-Karriere und ich war sehr beeindruckt. In der Pause lief Gabi Delgado Lopez zufällig durch die Sitzreihen zwei Meter an mir vorbei, ein Held im Publikum! In späteren Interviews hat er sich als sehr sympathischer und reflektierter Zeitgenosse präsentiert. In der Zeit wohnte sein Bruder Eduardo in Neukölln (Sonnenallee) direkt neben mir und wir sind mal zusammen mit anderen in einem VW-Bus auf eine Party in der Pfuehlstraße gefahren. Er hat dabei ständig The Gun Club gehört, was mich etwas nervte. Ansonsten habe ich dort noch den wahren Heino und später die Ramones gesehen. Das war nicht mehr so beeindruckend. Aber La Fura Dels Baus schon.

Dank an und Bewunderung für Irene Moessinger, die diesen wunderbaren alternativen Veranstaltungsort mit einem Erbe, ohne Businessplan, aber mit vielen Freunden einfach geschaffen und erfolgreich betrieben hat. Heute würde ich ihr gerne das Eintrittsgeld zurückgeben. Später musste der Laden in den Tiergarten ziehen und dann wegen des Neubaus des Bundeskanzleramtes dort wieder verschwinden. Kurze Zeit später steht neben dem Kanzleramt ein anderes Veranstaltungszelt. Das habe ich nie verstanden und finde es nach wie vor ungerecht! Das Tempodrom wurde dann mit viel Geld am Anhalter Bahnhof komplett neu gebaut und besteht seitdem ohne Charme aber immer noch ganz gut.

Linientreu – Budapester Straße
Legendär, selten besucht, aber wohl gut.

Ferner liefen

Basement – Mehringdamm
Eine kleine unbekannte Absackerdisco mit guter Musik. Eher regional bedeutend. Etwas rockiger und erst später besucht. Ansonsten bisher keine weiteren Infos gefunden

bronx – Wiener Straße
War halt in der Nähe. „Das bronx in der Wiener Straße 34 in Kreuzberg befand sich in einem ehemaligen Kinosaal, der in den 70er Jahren unter dem Namen Wiener Lichtspiele als Underground-Discothek genutzt wurde.“ http://www.rockinberlin.de/index.php?title=Bronx
Mehr habe ich dazu nicht gefunden.

XXX – Am Ende der Hauptstraße (?)
Weiß den Namen nicht mehr, nur dass ich selten da war und zu Tears for Fears getanzt habe.

Sektor – Hasenheide
Späte Achtziger. Man tanzte auch mal zu Pop und Rap. Großer Laden mit einem eindrucksvollen Tunnel als Zugang. Habe ich da C. kennen- und liebengelernt? Die später dann zu meinem Freund R. umgeschwenkt ist?

Grex – Muskauer Straße
Ein kleiner Tanzschuppen in Kreuzberg 36. Das war schon eher in den späten achtzigern. Ich habe mich als DJ beworben und hatte Chancen. Weiß aber nicht mehr warum nix daraus wurde, ist auch ok so.

Sound – Genthiner Straße
Im Nachhinein sehr interessant. Scheint sogar mal in einem Tatort thematisiert worden zu sein. Eher ein Überbleibsel aus den Siebzigern? Weiß nicht mehr, warum ich so selten da war. Wird auch oft mit Drogenkonsum in Verbindung gebracht. Würde ich gerne mehr drüber erfahren.

Ballhaus Spandau
Etwas rockiger und ok, aber zu weit weg und kein Kult. Gibt es wohl heute noch!?

Madonna – Wiener Straße
Eine angesagte „Szenekneipe“ mit guter Musik; war mal eine Zeitlang Treffpunkt mit anderen. Gibt es wohl heute noch?

Trash – Oranienstraße
Ja, blöder Name, aber der Laden immerhin etwas punkiger als die anderen.

Triebwerk – Flughafenstraße
Etwas angesagte Kneipe in Neukölln, das damals sonst vollkommen uninteressant war. War Schichtleiter in einem Kraftwerk. Nach der Nachtschicht, ca. 6.00 Uhr morgens, gingen wir mit der ganzen Mannschaft noch dorthin, weil nichts anderes mehr auf hatte. Kollege P. spendierte etwas zu rauchen und wir haben uns wunderbar amüsiert und entspannt, bevor es dann doch ins Bett ging. Später war ich mal alleine dort und die hübsche Bedienung interessierte sich ungemein für die Hose, die ich an hatte. Das war eine Hose aus rotem Leder, zusammengehalten durch braune Lederstriemen, die ich mir mal selber geschneidert hatte. Am nächsten Tag brachte ich ihr die Hose; sie ging mit mir ins Nebenzimmer, zog sich – bis auf die Unterhose aus – und zog meine Hose an. Gekauft! Für 80,00 DM oder so. Etwas wenig im Nachinein und vor allem aus heutiger Sicht.

Exxcess – Kurfürstenstraße
Ich war wohl nur einmal da, hat aber einen bleibenden Eindruck vermittelt. Alles mit Weißen Fliesen; das obligatorische Neonlicht. Und dann standen noch drei Gestalteten in extremen New Wave Stil mit den wildesten Frisuren herum. Cooler und abweisender hatte ich es noch nie empfunden. Später zog dort eine Sauna ein. Heute ist in dem Haus oder Komplex wohl der „Ruhesitz am Zoo“. Wie sich die Zeiten ändern…

Madow – Pariser Straße am Olivaer Platz
War das die Disko, die Bowie betrieb? So raunte man sich zu. War für mich aber etwas uninteressant.

Far Out – Kudamm
Von den Sanyassins und später sehr angesagt. Hat mir nicht gefallen.

Fischlabor – Frankenstraße
Einer der Läden, die neu und wirklich außergewöhnlich waren. Gemütliche Athmosphäre – das war in den Achtzigern eine Revolution. Aber doch noch mit Neonlicht. Das war das, was man heute Lounge und Chillen nennen würde.

Cri du chat – Joachimstaler Straße
War ich mehrfach, kann aber nicht mehr dazu sagen.

Oranienbar – Oranienstraße
War sehr angesagt. Man trank Campari Orange oder Curacao Blue. Hinter der Theke war ein Spruch auf die Wand gemalt: „No fucking Beck’s“. Der gefällt mir heute noch.

 

Sonstige

Mir fällt auf, das mein heutiges Schöneberg mal total angesagt war. Hier noch ein paar bekannte Namen:

Risiko – Yorckstraße
Ich erinnere mich, wie ein Herr  Bargeld mir ein Bier über die Theke reichte.
Mr. Dead & Mrs. Free – Bülowstraße
Ein legendärer Plattenladen, der erst vor kurzen geschlossen wurde.
Scheißladen – Großbeerenstraße
Inhaber: Der wahre Heino. Hat sich neben seinen Auftritten im echten Heino-Stil einen Namen damit gemacht, unsere Nationalhymne zu FURZEN. War in Kreuzberg, und in der Nähe; war aber nie da.
K.O.B – Potsdamer Straße
Selten da, aber im besetzten Nachbarhaus öfter meine Kommilitonin D. besucht.
Ex‘n‘Pop – Schwäbische Straße
War ich nie, obwohl es wohl auch eine Reminiszenz an meinen Lieblingsmoderator war.
Cafe Mitropa – Goltzstraße
Hat mir nie so gefallen, gibt es aber heute noch – wegen Namensstreitigkeiten unter dem Namen Cafe M.
Domina Bar – Winterfeldtstraße
Dort ging man hin, wenn der Dschungel oder die anderen geschlossen hatten, also ca. ab 4.00 Uhr. Und man traf die anderen Diskogänger deren Läden geschlossen wurden. „Wo wart Ihr denn heute?“
Slumberland – Winterfeldplatz
Eine Legende, aber war ich auch selten. Und gibt es heute noch(?) Auch noch mit Sand auf dem Boden?
Music Hall – ?
War wohl mal da, weiß aber nicht mehr wo!?
Cafe Anfall – Gneisenaustraße
Ein netter, origineller, kleiner Laden. Betrieben unter anderen von einem Schulkumpel RCM (†). Beliebter Treffpunkt der Clique.
Offline – Kreuzbergstraße
Kein Klub, eine neue und leicht avantgardistische Modemesse. Schwer angesagt. Meine spätere Frau hat als Studentenjob die Models eingekleidet. Und ich habe – unabhängig davon – mich mal als Model beworben. Der Typ, der das Casting veranstaltete, sagte zu mir, er hätte mich gerne engagiert, der Chef (war das Offline-Frank?) aber nicht. Mein Gang war ihm nicht forsch genug, zu federnd. Egal. Ich lebe noch.

Ein paar mehr Infos gibt es noch von „Westbams Club-ABC“ auf der Seite von Zitty.

Berliner Politik

Wenn es nicht so dramatische Auswirkungen hätte, könnte man herzhaft und nachhaltig darüber lachen, wie einfältig und kurzsichtig der Berliner Senat mit Problemen umgeht und durch stümperhafte Flickschusterei und populistische Maßnahmen versucht, große Probleme unserer sonst ganz schönen Hauptstadt zu lösen. Seit Jahren beobachte und verachte ich das auf dem Bildungssektor. In letzter Zeit versucht der Stadtentwicklungssektor diesen zu übertrumpfen und mit aller Macht den Titel „Dümmste politische Führung“ an sich zu reißen.

Seit einigen Jahren gibt es in der Billigstadt – wie überall – ansteigende Mieten und Immobilienkosten. Viele können sich die geforderten Mieten nicht mehr leisten und müssen deshalb umziehen. (Ich beziehe mich hier erstmal auf die Mieter; der Kauf von Wohnungen wird auch astronomisch teuer.) Ich finde es durchaus zumutbar, dass man in ein anderes Viertel mit günstigeren Preisen umzieht. Man hat kein Recht darauf, dort zu wohnen, wo man möchte. Aber ich finde es auch durchaus richtig, dass man in unserem wunderbaren Sozialstaat das Recht auf eine „bezahlbare“ Wohnung haben sollte. Wohnen in vier Wänden ist schon ein Grundbedürfnis. Aus diesem Grund wurde übrigens der Soziale Wohnungsbau erfunden. Berlin war mal ganz gut darin. Leider haben die Unverantwortlichen vor vielen Jahren angefangen, diese Wohnungen an private Gesellschaften zu verkaufen. Ich weiß nicht warum: Geldmangel? Desinteresse? Kurzsichtigkeit? Opportunismus? Unprofessionalität? Egal. Diese fehlen jetzt.

Immerhin wurde das Problem erkannt. Und es werden Möglichkeiten erdacht und mal ausprobiert, um dem entgegenzuwirken. Die Losung lautet: bloß nicht selbst etwas umsetzen, lieber andere dazu zwingen. Eine einfache Lösung wäre natürlich der Neubau von Wohnungen und dessen Förderung. Es ist alles eine Sache von Angebot und Nachfrage! Leider ist die zuständige Senatorin ziemlich Links und findet Investoren doof. Daher werden Neubauvorhaben nur noch schleppend zugelassen. Man versucht sich lieber mit kleinen Schritten – ganz vorsichtig – an das Problem heranzutasten. Versuch und Irrtum ist ein beliebtes Mittel Berliner Politik (vor Allem letzteres).

Eine schlimme und bereits umgesetzte  Maßnahme ist die Einführung von sogenannten „Milieuschutzgebieten“. Hier wird die Weiterentwicklung der Menschheit per Dekret gestoppt. Mieter müssen ein Lebenlang mit ihren einfachen Verhältnissen zurechtkommen. Jetzt soll auch die Gegend um die Kurfürstenstraße zum Schutzgebiet erklärt werden. Ich frage mich, welches Milljöh (das horizontale Gewerbe?)  da geschützt werden soll. Ein zweites Bad oder ein Balkon werden ab sofort verboten. Investitionen in die Substanz verhindert. Eine weitere Idee, die bei manchen Randgruppen auch noch Beifall fand: Enteignung der bösen Eigentümer. Das ist sicher eine gute Methode, um jegliche Investitionen in Zukunft zu verhindern und den Sozialismus aus dem Ostteil der Stadt wieder für alle einzuführen.

Die aktuelle Idee: Einfrieren der Mieten, für fünf ganze Jahre. Genial: Wir haben etwas angestoßen und können uns über die Legislaturperiode retten. Aber was passiert nach den fünf Jahren? Dasselbe wie vorher! Und: Die Vermieter haben natürlich eine Schock bekommen und setzen alles dran, die Mieten vor diesem Zeitraum so hoch wie möglich anzusetzen. Und zwar auch die, die bisher moderat waren. Toller Effekt; so ungefähr das Gegenteil vom gewünschten Ziel. Besonders lustig finde ich aber die Reaktion der Politiker: „Ooch, das ist aber unfair, jetzt noch schnell die Mieten zu erhöhen. Spielverderber!“ Kurz vor Verabschiedung gab es doch noch kurze Bedenken: Da sind ja auch die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften betroffen. Die haben dann kein Geld mehr für den Neubau. Egal. Wir ziehen das durch.

Man sollte bedenken, dass die Hauptakteurin Mitglied einer Partei ist, die aus der DDR als sozialistische Einheitspartei hervorgegangen ist. Wollen die das Rad zurückdrehen?

Berlin eben.

Diesen Spruch mag ich nicht, aber es fällt mir gerade nichts anderes dazu ein: „Herr, lass Hirn auf sie regnen. Ein winziges kleines bisschen wenigstens. Bitte! Amen.“