Lieblingsgeschichten // Seite 1

Das Beste vom Besten. Oder: die Management-Summary für Faulpelze

Vorurteile

Sind Urteile, die man fällt, vor etwas, aber was? Nun ich nehme an, bevor man sich ausführlich informiert hat. Hatte ich schon erwähnt, dass ich Vorurteile liebe? Die machen einen Riesenspaß! Und sind natürlich vollkommen unkorrekt und sollte man auf keinen Fall mehr einsetzen, da sie falsche Meinungen festigen und oft unzutreffend sind. Aber manchmal doch: Vorurteile entstehen ja nicht von alleine, oder weil sich jemand etwas ausdenkt. Sie gründen auf individuellen Erfahrungen, also Tatsachen, haben aber die ungünstige Tendenz, diese zu verallgemeinern. Das ist das Problem. Ein Vorteil von Vorurteilen ist: sie machen einem das Leben einfacher. Es ist doch viel schöner zu sagen: alle xxx sind yyy, als zu differenzieren: nun, manche sind so, manche so und manche ganz anders. Man müsste auch den Anteil nennen, wer wie ist, um ernst genommen zu werden. Daher nutze ich gerne auch Vorurteile, meine es aber auch nicht immer ernst.

Deutsche Welle Unbekannt

Das hier ist ja eigentlich ein Tagebuch mit Liebe zur Sprache, aber ehrlich gesagt ist mir die Musik eigentlich ein kleines etwas wichtiger; ohne sie könnte ich tatsächlich nicht überleben (sorry an PJ)! Anders formuliert: Sprache ist mein Steckenpferd, damit befasse ich mich gerne, aus Spaß, nach der Arbeit, am Feierabend, nebenbei. Musik hören ist dagegen eher mein Zweitberuf! Ich mache das professionell und bin sehr vielseitig. Lange Jahre war für mich die Musik aus den Achtzigern die einzig wichtige. Aber ein bekanntes Strömungsportal mit S. hat mir auch unglaublich viele sehr gute Musik aus der Zeit danach und aktuell beschert und meinen Horizont erweitert. Das wird von Zeit zu Zeit auch dokumentiert, zum Beispiel unter gorgs // gutes oder gorgs // deutschpop schön und schräg

Dennoch, die Achtziger waren prägend: mehr schräges, experimentelles, psychedelisches, politisches, saxophonisches, unkorrektes, deprimierendes, rohes, kreatives, nicht medienoptimiertes, autotuneloses, künstlerisches, welliges, dilettantisches, sympathisch unprofessionelles (aber oft auch unsympathisch unprofessionelles), punkiges, anarchisches, originelles; und vor allem mehr Charme!

Jeder konnte auf einmal Musik machen, und damit Erfolg haben, das war neu und wurde ausgiebig praktiziert und ist sehr interessant. Eine Demokratisierung der Musik, die aber teilweise auch zu ihrem Tod geführt hat. Man findet die Einflüsse dieser Musik heute noch in gefühlt 50% aller Musik. Ich plane noch eine Liste mit dem Namen „klingt wie achtziger“ (erledigt!). Das kann gut sein, aber nicht so einzigartig – es fehlt der historische Kontext der wilden Achtziger. Das Flair! (oder der Flair, le Flair? Das möchte ich bei Gelegenheit mal näher ausführen.) Egal. Wenn ich mich entscheiden müsste, nur noch aus einem bestimmten Jahrzehnt Musik hören zu dürfen, würde ich mich gerne und gefügig auf dieses einschränken und wäre trotzdem glücklich.

Es sind vor allem die Tommies, die damals unglaublich vieles und gutes hervorgebracht haben. Hierzu kann ich keine Liste erstellen, viel zu umfangreich und aufwendig! Aber auch die Krauts waren nicht schlecht – das wird unterschätzt, auch weil die nicht so ein wahnsinniges Marketing hatten und wie immer im eigenen Land nicht so wichtig genommen wurden. Ich sehe die Achtziger als zweite wichtigste Periode für deutsche Popmusik aller Zeiten, nach den Siebzigern mit dem sehr erfolgreichen und anerkannten Krautrock.

Dies möchte ich daher (auch für  mich) dokumentieren und ein wenig fördern und habe eine Liste mit unglaublich guten, weitgehend unbekannten definitiv deutschen Stücken (inkl. ein paar Ösis und Ricolas) – strikt nur aus den Achtzigern – zusammengestellt und bei dem genannten Musikportal veröffentlicht.

Vieles davon habe ich damals in den Sendungen von John Peel gehört, manches, aber auch erst jetzt entdeckt. Dabei sind Stücke, die dauern nur 37 Sekunden.

Hier mal ein paar Namen zum Anreiz und als Futter für die Suchaggregate, mit extrem subjektiven Kommentaren:

1. Futurologischer Kongress (akademisch und schräg), 39 Clocks (klingt wie Velvet Underground und ist gut), AG Geige (die einzige Ossi-Kapelle, erst kürzlich entdeckt), Abwärts (Helden), Bärchen und die Milchbubis (poppig und punkig), Carambolage (neu entdeckt, sehr hörenswert), Christiane F. (die hat auch Musik gemacht), Conrad Schnitzler (ein Klassiker der elektronischen Musik), DAF (Deutsch-Amerikanische-Freundschaft; Helden; haben auch bisher unbekannte tolle Sachen gemacht), Der Moderne Man (wunderbar punkwavig und supergut), Die Krupps (bekannt und musste mit rein), F.S.K. (schräge Deutsche Welle, musikalisch und eingängig), Geisterfahrer (schräg-punkiger Untergrund mit Mathias Schuster), Hans-A-Plast (bekannter, aber unterschätzter Frauenpunk; Feminismus zum Mitgröhlen), Kleenex/Liliput (wunderbarer Teenie-Mädels-Wave), Malaria! (bekannt, auch international erfolgreich, wunderbar psychedelisch), Mathias Schuster (eine tolle Elektronik-Neuentdeckung), Mittagspause (ja, mit Peter Hein, später bei Fehlfarben) , Mythen in Tüten (wunderbare Popstücke mit viel Saxophon), Notorische Reflexe (eine Künstlergruppe, die nebenbei auch Musik machte und mich damals schon sehr beeindruckt hat),  Östro 430 (Frauenwavepunk mit toller Hauptdarstellerin; Video ansehen! Starkes Saxophon, ohne Gitarre, das ist bemerkenswert.), Phillip Boa and the Voodooclub (professionell und international), Pyrolator (herausragende und originelle Elektronik, vollkommen unterschätzt!), Silvia (wunderbarer wavepop, vollkommen unbekannt, wohl mit dem genialen Tommi Stumpff; die später schlimme Schlagermusik gemacht hat?), S.Y.P.H. (sehr psychedelisch und gut), X Mal Deutschland (ja bekannt und Helden, mussten aber mit rein)  und noch mehr.

Ist das nicht Bettina Köster, zumindest, die halbe (und 1/2 Gudrun Gut?), die ziemlich androgyne, Sängerin und gelegentliche Saxophonikerin von Malaria!? Vorher Mania D. Ein tolles Bild und eine Frau mit einer tollen Stimme! Die ist heute noch aktiv, zum Beispiel bei radioeins und spielt zwar furchtbare Musik, hat aber mittlerweile ein vollkommen unglaubliches, dunkles Timbre bekommen, das mich zuerst an einen Übertragungsfehler glauben ließ. Die Staatsanwältin im Münster-Tatort ist nichts dagegen! Siehe unten. (Foto: https://de-de.facebook.com/bettinakoster/)

Es gehört nicht ganz hierher, aber ich möchte hier gerne mal die aktuelle unglaubliche Stimme der Frau Köster dokumentieren, da sie einzigartig ist. Ich hoffe, ich breche hiermit keine Urheberrechte und bitte um Nachsicht/Nachricht, falls doch.

Dokumentation des aktuellen Stimmorgans von Bettina Köster in Radio1 vom 19.01.2021, aber wohl auch technisch etwas nachgeholfen …

Es haben sich auch ein paar bekannte Gruppen eingeschlichen, aber dann eher mit unbekannten Stücken. Das war mir wichtig, wie im Titel angedeutet. Es gibt natürlich auch sehr viele bekannte tolle Sachen, HELDEN, sehr erfolgreich, die sind hier nicht berücksichtigt, da ja schon bekannt. Und: die Musikauswahl war leider recht beschränkt, da nur ein kleiner Teil bei diesem Portal verfügbar war. Es fehlen zum Beispiel Kapellen, wie PVC, Die Tödliche Doris, Neonbabies.

Zu finden unter
https://open.spotify.com/playlist/1BmOoEAdcNDmpc2fpwl2Vo

Hier der Link für das Programm:
spotify:playlist:1BmOoEAdcNDmpc2fpwl2Vo

Oder nur teilweise hier:

Probleme

Manchmal, wenn es mir schlecht geht (das kommt vor!), sehe ich mir Sendungen im Unterschichtenfernsehen an, wie „Hartes Deutschland“. Oder „Armes Deutschland“. Dokumentationen über Menschen, die abgestürzt sind, drogensüchtig, allein, arm, obdachlos und wo auch alles andere schlimm läuft. Und denke, auf einmal, Mann, geht es mir gut! Es ist sehr traurig zu sehen, wie manche Menschen leben müssen. Ich habe durchaus auch Probleme, die mich beschäftigen und ich weiß, dass ich grundsätzlich abgesichert bin, Familie, Arbeit, Gesundheit, Wohnung, und dass ich, solange ich keinen schlimmen Mist baue, ganz gut klar komme. Trotzdem leide ich auch manchmal. Das relativieren hilft nur kurzfristig, Probleme und Sorgen sind ja trotzdem da. Subjektiv gesehen. Egal, ich habe immer noch den Vorteil und den Luxus zu denken: irgendwie komme ich schon durch’s Leben. Eine Hoffnung, die manchen leider abhanden gekommen ist. Das ist tragisch.

Ein echtes Buch!

Wenn ich denn mal ein Buch schreiben werde, so wie alle, dann erfinde ich nicht nur neue Wörter, sondern auch eine neue Zeichensetzung. Vielleicht sogar eine neue Grammatik. Eine, die sich den künstlerischen Aussagen unterordnet und nicht bürokratisch und diktatorisch über meine Wortkunst bestimmt!

Ich stelle mir vor, wie ich mit dem lektierenden Korrektor streite. Er: da kann man kein Komma setzen! Ich: Doch! Ich möchte das so, es erhöht die DRAMATURGIE!

Dann musste ich den Verlag wechseln und hatte schließlich Glück bei einem kleinen, vollkommen unbekannten, erfolglosen, desinteressierten, kleinkarierten Einzelunternehmen, das mein Komma akzeptieren würde, natürlich unter einer Bedingung: Ich müsste mich dazu verpflichten, alle Probleme, die sich jemals aus dem falsch gesetzten Komma ergäben, selbst zu lösen und die rechtliche und finanzielle Verantwortung für alle Konsequenzen und zu allen Lebzeiten dafür zu übernehmen und niemals, niemals, den Verlag dafür zur Verantwortung ziehen zu wollen.

Muss ich denn ein Buch schreiben? Igitt! Das ist ja so – analog! Virtuelles ist doch auch ganz schön. Und flexibel. Und seeehr unabhängig.

Und ich WERDE noch ein Buch schreiben. Dann Eigenverlag und Selbstvermarktung. Und Selbstkassierung. Aber wohl wenig. Titel: „Ich wollte auch mal ein Buch schreiben“.

Mit Schreiben Geld verdienen!

Vorbemerkung: Wenn Ihr über eine Suchmaschine auf diesen Artikel stoßt, seid Ihr hier vermutlich falsch und braucht nicht weiter zu lesen, da das hier kein Ratschlagmedium ist, eher der Unterhaltung dient und der Titel  nicht das hält, was er mutmaßlich verspricht.

Niemals möchte ich mit dem Schreiben Geld verdienen! Man fängt an, sich zu verkaufen. Sobald man einen Geldgeber hat, fühlt man sich verpflichtet, kompatibel zu schreiben, sich anzupassen, sich zu verbiegen – sich zu PROSTITUIEREN. Nein, das hier ist Kunst. Absolut, unabhängig und frei von jeglichen Zwängen, Rücksichtnahmen, Gefälligkeiten, politischen Korrektheiten. Hier kann ich schreiben, was ich will, und deswegen mache ich das.

Ganz selten, aber doch auch öfter mal in letzter Zeit, frage ich mich unter anderem – aus reinem Interesse – trotzdem manchmal, ob es vielleicht auch möglich wäre, ähh – damit Geld zu verdienen. Da ich niemanden kenne, der das erfolgreich umsetzt, habe ich mal die Suchgeräte mit diesem etwas beschränktem Halbsatz bestückt. Natürlich gibt es hunderte Ergebnisse, Vorschläge, Portale, Blogs, die einem aufzeigen, und es total leicht machen, mit der schriftlichen Aneinanderreihung von Wörtern haufenweise Geld zu scheffeln.

Ich bin aber noch etwas skeptisch. Hintergrund ist ja die Vorstellung, dass ich in meinem Beruf vielleicht nicht mehr lange angesagt bin und mir daher ein zweites, hoffnungsvollerweise später erstes Standbein aufbauen möchte. Ist das realistisch? Ich bin doch kein Profi, habe etwas ganz anderes studiert. Egal, aktuell verdiene ich ja auch in einem nicht erlernten Beruf. Die angebotenen Möglichkeiten überzeugen mich aber nicht. Genaugenommen ist es erschreckend, was einem im Netz da angeboten wird. Habe aber keine Lust das jetzt weiter auszuführen.

Aber eines muss ich doch loswerden! Ein abschreckendes Beispiel – immerhin an fünfter Stelle der Suchergebnisse: „Blogger“ [das sollte Bloggen heißen; ein Vorschlag unter dem Haupttitel] 4 [hier sollte man vier schreiben] Alternativen [gemeint sind Möglichkeiten; hier fehlt ein Komma] wie du [sollte man hier groß schreiben] mit deinen [sollte man hier groß schreiben] eigenen [das Wort ist hier überflüssig; einfacher wäre es natürlich mit fremden] Texten Geld verdienen kannst“. Weiter im Text: „Bloggen ist aber [warum aber?] kein einfacher Beruf: du [s.o.] musst genau wissen, was deine [s.o.] Zielgruppe will und auch genau das liefern [puh, also in erster Linie sollte man das machen, was man möchte und sich eine Zielgruppe dazu erarbeiten]. Du musst ständig neuen genialen [klar!] Inhalt schreiben und das am besten 2 [s.o.] bis 3 [s.o.] Mal die Woche oder noch öfter [klar!]. Je besser dein [s.o.] Inhalt, desto mehr Erfolg wirst du [s.o.] haben [immerhin; toller Ratschlag: der Inhalt ist wichtig]. Natürlich musst du [s.o.] es schaffen, deinen [keine Lust mehr] Inhalt auch richtig gut zu promoten [gemeint ist vermarkten]. Die Formel für den Blogerfolg lautet: 20 % [hier setzt man kein Leerzeichen] schreiben, 80 % promoten [der Inhalt ist also doch unwichtig; es geht vor allem um Vermarktung! Ich glaube sogar, dass das heutzutage stimmt. In meinen Träumen ist das Verhältnis umgekehrt!]. Wenn du das schaffst, also regelmäßigen und noch dazu genialen Inhalt zu liefern sowie diesen entsprechend zu promoten [kotz], dann kannst du sehr schnell, sehr gutes [lieber wäre mir viel] Geld mit deinen Texten verdienen! [wow, das war echt hilfreich und spornt mich jetzt total an]

Was für ein Müll. Diese Frau verdient angeblich ihren Unterhalt mit so etwas. Um die Ergüsse von „Jenny – selbstständige Webdesignerin & Content Marketing Managerin“, nicht bekannt zu machen, verlinke ich das nicht; der Quellennachweis erfolgt gerne auf Anfrage, aber finden kann man sie auch so.

Und ja, ich könnte meinen Blog ausbauen; der ist ja schon da und hat auch vielleicht ein paar Leser. Aber die Möglichkeiten dafür gefallen mir nicht. Niemals würde ich, unter gar keinen Umständen, Werbung einbinden, da sie meine Seite zerstört, da fremdes und nicht kontrollierbares in mich eindringt, sie vom Inhalt ablenkt und wohl nur ein paar lächerliche Kröten einbringt. Werbung ist eine Vergewaltigung der Kultur. Oder bezahlte Links auf irgendwelche Großkonzerne einbinden: würg! Ich würde vielleicht etwas verdienen, aber nicht mit den Inhalten, was mein Anspruch ist, und dabei einen Großteil meiner gewünschten Zielgruppe, kultivierte Menschen, die sich für Inhalte und neue Gedankengänge und Sprache interessieren, und nicht abgelenkt werden möchten, verlieren.

Auch bin ich nicht überzeugt von Medien im Netz. Es gibt auch gute, aber tendenziell wäre ich eher stolz darauf, professionelle, etablierte, klassische, seriöse, erwachsene Medien als Partner zu gewinnen. Aber keine Auftragsarbeiten erstellen, das setzt einen nur unter Druck und behindert die Kreativität und Freiheit. Es sollte andersherum gehen: ich schreibe, was ich will, und andere können das kaufen, exklusiv erstveröffentlichen und bezahlen. Auch würde ich gerne nur an Medien verkaufen, die ich mag und gut finde. Es kommt das Gefühl auf: die Zielgruppe und die Chancen schrumpfen damit leider auf ein Minimum. Genaugenommen: ca. Null. Aussichtslos.  Vielleicht sollte ich doch lieber Dachdeckermeister werden. Aber falls jemand doch mal Interesse hat: meldet Euch!

Wichtiges

Es ist schön, zu sehen, wie etwas, das einem mal extrem wichtig war, auch mal wieder unwichtig wird. Zunächst wollte ich dieses Tagebuch unbedingt einem bekannten Schreiberling nahebringen, den ich großartig fand, der aber totz wiederholter Kommunikationsversuche, nicht willens war, zu antworten. In der Zwischenzeit rasen die Gedanken davon. Und ich entdecke andere Schreiberlinge, die auch nicht schlecht sind und die sich als Zielgruppe anbieten. Konkurrenz ist etwas gutes (wenn man der Konsument ist)! Mittlerweile bin ich gar nicht mehr soo wild auf den Erstwunschkontakt. Phasenweise sogar eher auf gar keinen Kontakt. Das kann einen ja auch unter Druck setzen. Ich existiere auch so.

Dazu fällt mir eine extrem gute und komprimierte Szene aus „Blow Up“ ein. Späte Sechzigerjahre, genaugenommen 1966. Der Hauptprotagonist läuft etwas ziellos durch die Stadt und landet in einem Beatkeller, dem wohl damals real existierenden und einflussreichen Ricky-Tick (das bedeutet: „as soon as possible“ oder es bezeichnet „A style of jazz regarded as old-fashioned or unsophisticated“). Es spielt, in einer legendären Szene, eine legendäre Band, mit den später legendären Jimmi Page und Jeff Beck, ein tolles Stück (für die Liebhaber unter Euch: The Yardbirds – Train Kept A Rollin‘).

Das Publikum schaut stoisch und unbeweglich zu. Nur ein Paar tanzt am Rande, selbstverliebt und etwas lustlos, dazu. Dann passiert etwas unerhörtes. Der Gitarrist zerdeppert – vor Publikum – aus Frust vor dem schlechten Verstärker seine Gitarre;  kaputt! (hat er hier von Pete von The Who abgeguckt oder umgekehrt?) Während die Musik weiter läuft! Die funktioniert auch ohne Leadgitarre. Und wirft den übriggebliebenen Gitarrenschaft in die Menge. Alle flippen aus und stürzen sich wie verrückt darauf. Zufällig erhascht unser Protagonist das Teil, kann sich gerade noch aus der ihn wild verfolgenden Menge winden und schafft es nach draußen. Dort ein kurzer Blick auf die Beute und dann schon ehemalige Devotionalie: das gute Stück wird desinteressiert in die Ecke geworfen. Ein Passant sieht es, hebt das Teil nochmal prüfend auf – und wirft es etwas achtlos wieder weg.

Die Wichtigkeit ergibt sich manchmal nur aus dem Zusammenhang heraus, aus Vorstellungen und Bildern – und kann sich auch wieder verflüchtigen. Das entspannt.

Und hier das Werk zum Beweis.

Wunderbare Szene aus Blow Up von Antonioni, die zeigt, dass wichtiges auch sehr schnell mal wieder  unwichtig werden kann.