Lieblingsgeschichten // Seite 1

Ein echtes Buch!

Wenn ich denn mal ein Buch schreiben werde, so wie alle, dann erfinde ich nicht nur neue Wörter, sondern auch eine neue Zeichensetzung. Vielleicht sogar eine neue Grammatik. Eine, die sich den künstlerischen Aussagen unterordnet und nicht bürokratisch und diktatorisch über meine Wortkunst bestimmt!

Ich stelle mir vor, wie ich mit dem lektierenden Korrektor streite. Er: da kann man kein Komma setzen! Ich: Doch! Ich möchte das so, es erhöht die DRAMATURGIE!

Dann musste ich den Verlag wechseln und hatte schließlich Glück bei einem kleinen, vollkommen unbekannten, erfolglosen, desinteressierten, kleinkarierten Einzelunternehmen, das mein Komma akzeptieren würde, natürlich unter einer Bedingung: Ich müsste mich dazu verpflichten, alle Probleme, die sich jemals aus dem falsch gesetzten Komma ergeben würden, selbst zu lösen und die rechtliche und finanzielle Verantwortung für alle Konsequenzen und zu allen Lebzeiten dafür zu übernehmen und niemals, niemals, den Verlag dafür zur Verantwortung ziehen zu wollen.

Muss ich denn ein Buch schreiben? Igitt! Das ist ja so – analog! Virtuelles ist doch auch ganz schön. Und flexibel. Und seeehr unabhängig.

Und ich WERDE noch ein Buch schreiben. Dann Eigenverlag und Selbstvermarktung. Und Selbstkassierung. Aber wohl wenig. Titel: „Ich wollte auch mal ein Buch schreiben“.

Mit Schreiben Geld verdienen!

Vorbemerkung: Wenn Ihr über eine Suchmaschine auf diesen Artikel stoßt, seid Ihr hier vermutlich falsch und braucht nicht weiter zu lesen, da das hier kein Ratschlagmedium ist, eher der Unterhaltung dient und der Titel  nicht das hält, was er mutmaßlich verspricht.

Niemals möchte ich mit dem Schreiben Geld verdienen! Man fängt an, sich zu verkaufen. Sobald man einen Geldgeber hat, fühlt man sich verpflichtet, kompatibel zu schreiben, sich anzupassen, sich zu verbiegen – sich zu PROSTITUIEREN. Nein, das hier ist Kunst. Absolut, unabhängig und frei von jeglichen Zwängen, Rücksichtnahmen, Gefälligkeiten, politischen Korrektheiten. Hier kann ich schreiben, was ich will, und deswegen mache ich das.

Ganz selten, aber doch auch öfter mal in letzter Zeit, frage ich mich unter anderem – aus reinem Interesse – trotzdem manchmal, ob es vielleicht auch möglich wäre, ähh – damit Geld zu verdienen. Da ich niemanden kenne, der das erfolgreich umsetzt, habe ich mal die Suchgeräte mit diesem etwas beschränktem Halbsatz bestückt. Natürlich gibt es hunderte Ergebnisse, Vorschläge, Portale, Blogs, die einem aufzeigen, und es total leicht machen, wie man mit der schriftlichen Aneinanderreihung von Wörtern haufenweise Geld scheffeln kann.

Ich bin aber noch etwas skeptisch. Hintergrund ist ja die Vorstellung, dass ich in meinem Beruf vielleicht nicht mehr lange angesagt bin und mir daher ein zweites, hoffnungsvollerweise später erstes Standbein aufbauen möchte. Ist das realistisch? Ich bin doch kein Profi, habe etwas ganz anderes studiert. Egal, aktuell verdiene ich ja auch in einem nicht erlernten Beruf. Die angebotenen Möglichkeiten überzeugen mich aber nicht. Genaugenommen ist es erschreckend, was einem im Netz da angeboten wird. Habe aber keine Lust das jetzt weiter auszuführen.

Aber eines muss ich doch loswerden! Ein abschreckendes Beispiel – immerhin an fünfter Stelle der Suchergebnisse: „Blogger“ [das sollte Bloggen heißen; ein Vorschlag unter dem Haupttitel] 4 [hier sollte man vier schreiben] Alternativen [gemeint sind Möglichkeiten; hier fehlt ein Komma] wie du [sollte man hier groß schreiben] mit deinen [sollte man hier groß schreiben] eigenen [das Wort ist hier überflüssig; einfacher wäre es natürlich mit fremden] Texten Geld verdienen kannst“. Weiter im Text: „Bloggen ist aber [warum aber?] kein einfacher Beruf: du [s.o.] musst genau wissen, was deine [s.o.] Zielgruppe will und auch genau das liefern [puh, also in erster Linie sollte man das machen, was man möchte und sich eine Zielgruppe dazu erarbeiten]. Du musst ständig neuen genialen [klar!] Inhalt schreiben und das am besten 2 [s.o.] bis 3 [s.o.] Mal die Woche oder noch öfter [klar!]. Je besser dein [s.o.] Inhalt, desto mehr Erfolg wirst du [s.o.] haben [immerhin; toller Ratschlag: der Inhalt ist wichtig]. Natürlich musst du [s.o.] es schaffen, deinen [keine Lust mehr] Inhalt auch richtig gut zu promoten [gemeint ist vermarkten]. Die Formel für den Blogerfolg lautet: 20 % [hier setzt man kein Leerzeichen] schreiben, 80 % promoten [der Inhalt ist also doch unwichtig; es geht vor allem um Vermarktung! Ich glaube sogar, dass das heutzutage stimmt. In meinen Träumen ist das Verhältnis umgekehrt!]. Wenn du das schaffst, also regelmäßigen und noch dazu genialen Inhalt zu liefern sowie diesen entsprechend zu promoten [kotz], dann kannst du sehr schnell, sehr gutes [lieber wäre mir viel] Geld mit deinen Texten verdienen! [wow, das war echt hilfreich und spornt mich jetzt total an]

Was für ein Müll. Diese Frau verdient angeblich ihren Unterhalt mit so etwas. Um die Ergüsse von „Jenny – selbstständige Webdesignerin & Content Marketing Managerin“, nicht bekannt zu machen, verlinke ich das nicht; der Quellennachweis erfolgt gerne auf Anfrage, aber finden kann man sie auch so.

Und ja, ich könnte meinen Blog ausbauen; der ist ja schon da und hat auch vielleicht ein paar Leser. Aber die Möglichkeiten dafür gefallen mir nicht. Niemals würde ich, unter gar keinen Umständen, Werbung einbinden, da sie meine Seite zerstört, da fremdes und nicht kontrollierbares in mich eindringt, sie vom Inhalt ablenkt und wohl nur ein paar lächerliche Kröten einbringt. Werbung ist eine Vergewaltigung der Kultur. Oder bezahlte Links auf irgendwelche Großkonzerne einbinden: würg! Ich würde vielleicht etwas verdienen, aber nicht mit den Inhalten, was mein Anspruch ist, und dabei einen Großteil meiner gewünschten Zielgruppe, kultivierte Menschen, die sich für Inhalte und neue Gedankengänge und Sprache interessieren, und nicht abgelenkt werden möchten, verlieren.

Auch bin ich nicht überzeugt von Medien im Netz. Es gibt auch gute, aber tendenziell wäre ich eher stolz darauf, professionelle, etablierte, klassische, seriöse, erwachsene Medien als Partner zu gewinnen. Aber keine Auftragsarbeiten erstellen, das setzt einen nur unter Druck und behindert die Kreativität und Freiheit. Es sollte andersherum gehen: ich schreibe, was ich will, und andere können das kaufen, exklusiv erstveröffentlichen und bezahlen. Auch würde ich gerne nur an Medien verkaufen, die ich mag und gut finde. Es kommt das Gefühl auf: die Zielgruppe und die Chancen schrumpfen damit leider auf ein Minimum. Genaugenommen: ca. Null. Aussichtslos.  Vielleicht sollte ich doch lieber Dachdeckermeister werden. Aber falls jemand doch mal Interesse hat: meldet Euch!

Was ist eigentlich normal?

Grundsätzlich bedeutet es ja „der Norm entsprechend“. Nun ich denke, wir sind Weltmeister der Normung, also extrem normal. Im technischen Bereich macht das DAS DIN, aber alles ist noch nicht erfasst. Und das ist gut so! Außerhalb DER DIN (aufmerksame Leser hätten sich jetzt gefragt: warum nicht „DES DINS“; Antwort siehe unten) ist alles normal, was der Mehrheit entspricht, oder? Die meisten Menschen haben zwei Beine, also ist das normal. Die Mehrheit der Männer sieht sich als Mann. Die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland ist christlich geprägt. Die meisten Menschen stehen zu ihrer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Statistiken, die die Normalität beschreiben. Ich sehe das entsprechend nicht wertend, sondern als Feststellung und wunderbaren Gedanken. Es ist gut, dass es auch Abweichungen von der Norm gibt, sonst gäbe es ja auch keine Normalen! Und: das macht das Leben interessant! Aber die anderen dürfen sich nicht als normal proklamieren.

Interview mit GORG nach Veröffentlichung
Er: Sag mal, Gorg, warum schreibst Du einmal DAS DIN und einmal DER DIN in Versalien?
Ich: och, ich fand das Wortspiel ganz lustig. Der Artikel ändert die Bedeutung des Wortes!

Ein Urknall deutscher Rockmusik

Vorbemerkung: Als Urknall wird in der Kosmologie der Beginn des Universums, also der Anfangspunkt der Entstehung von Materie, Raum und Zeit bezeichnet. (Wikipedia) Ok, das ist vielleicht ein kleines bisschen übertrieben in diesem Zusammenhang, aber manche verstehen  sicher, was ich meine.

Es gibt Künstler, die ich früher schonmal gehört habe und toll fand, aber mit der Zeit verblasst das Bild, auch weil das Werk nicht mehr aktuell erscheint. Dann entdeckt man zufällig mal ein Video, hört sich die Musik nochmal an, entdeckt ein noch tolleres Video und ist so hingerissen, das man möglichst alles konsumieren möchte, was es dazu gibt. Das passierte mir in diesem Fall.

Ich weiß, es ist schon sehr lange her und es wurde schon alles dazu geschrieben und keiner will mehr irgendetwas dazu lesen, dennoch kann man dieses Weibsbild nicht genug würdigen und ich möchte auch einfach mal meinen Senf dazu geben:

Nina heißt eigentlich Catharina und ist – wie alle schon längst wissen – eine Ostberliner Pflanze, der es in der DDR zu eng wurde. Die Tochter der Schauspielerin Eva-Maria Hagen, und als „Ziehvater“ wird Wolf Biermann genannt. Beides Größen ostdeutscher Kulturgeschichte. Der leibliche Vater Hans Oliva Hagen wird selten erwähnt. Sie machte rüber (oder wurde rübergemacht?) und ging kurz nach Hamburg und knüpfte wohl einen ersten Kontakt mit der Band einer anderen Koryphäe deutscher Popmusik: Udo Lindenberg. Diese lehnten eine Zusammenarbeit ab: „Zu viel Chaos“, obwohl sie sich selbst „Das Panikorchester“ nannten ;) Also Flucht nach England – in der Hochzeit des Punk und der damals wildesten Musikszene der Welt, suchte sie eine Gruppe, mit der sie Musik machen könnte.

Die Ansprüche waren hoch und wurden nicht erfüllt, so ging sie wieder zurück nach Berlin, und fand in der links-alternativen, gewerkschaftsnahen, bis dato wohl wenig erfolgreichen, in Geldnot lebenden Politrock-Gruppe mit dem wunderbar altmodischen Namen „Lokomotive Kreuzberg“ den – wie sich nachher herausstellte – idealen Partner. Daraus entstand die „Nina Hagen Band“. Mehr möchte ich zur Geschichte nicht erzählen, die ist einzigartig und umwerfend und wechselhaft. Ich würde niemals den Auftrag annehmen, eine Biographie über diese Furie zu schreiben, da müsste man jahrelang recherchieren und hätte trotz immensen Arbeitsaufwands doch nicht alle Fakten dieses unglaublich vielseitigen Lebens zusammen. Aber interessant wäre es schon!

Egal: mir geht es vor allem um diese erste Schallplatte mit dem schlichten Namen „Nina Hagen Band“ (1978). Es ist – objektiv gesehen – eines des wichtigsten Alben, der (deutsch-)deutschen Musikgeschichte. Es war unglaublich beliebt, aber dennoch denke ich, dass es bisher nicht ausreichend als historisch gewürdigt wurde.

Die ikonische Hülle zur Platte mit der maßgeblich verantwortlichen Protagonistin eines deutschen Rock-Urknalls, genial in schwarz-weiß abgelichtet durch einen recht bekannten Lichtbildner mit dem wunderbaren Namen Rakete – der sich auch professionell um die Band gekümmert hat – und schön, aber etwas kitschig nachkoloriert durch ihn, oder den Plattengestalter Herr Meinaß.

Ich dachte immer, nur die Engländer können in der Popmusik so wunderbar selbstironisch sein, und sich auf geniale Art und Weise aus Versatzstücken der Popwelt bedienen. Frau Hagen junior kommt daher und treibt das Ganze in nie dagewesener Art auf den Höhepunkt – und darüber hinaus. Die Sex Pistols waren brave Jungs dagegen – und vor allem nicht so echt.

Dies ist natürlich kein Punk! Aber ja, Nina selbst ist ein waschechter Punk, oder?  („Ich war immer Hippie gewesen, und wusste eigentlich gar nicht, dass ich Punk war“). Nein, sie ist beides! Rotzgöre und Herz (unverschämt, frech, ungehörig, respektlos, unbekümmert, provozierend, herausfordernd, humorvoll, charmant, liebevoll, sozial, empathisch). Nur, die Musik, die sie hier macht, ist eindeutig die Richtung siebzigerjahre Funkjazzrockdiscoreggaepunk, beeinflusst durch ältere und aktuelle Strömungen in der Popmusik, auch etwas Progrock, aber kein Krautrock. Das Besondere ist natürlich die umwerfende Opernstimme, ausgebildet am „Zentralen Studio für Unterhaltungskunst“ der DDR, als staatlich geprüfte Schlagersängerin, die auch Rockröhre, Geschrei, Kreischen, Jammern, Jodeln und alles andere kann. Ein Hoch auf diese Institution! Und sie ist leicht extrovertiert, mit einem gewissen Hang zur Selbstdarstellung,  und  übertreibt es ständig vollkommen  hemmungslos, und nervt damit natürlich auch. Egal! Der Punk ist damals prägend und die Hagen hat sich wohl irgendwann gedacht: „das kann ich auch“ und ein entsprechendes und perfektes Stück mit dem passenden Namen „Pank“ aufgeführt; damit war das Thema aber auch abgehakt. Sie ist da vielseitiger und wollte mehr.

Frau Hagen hat sich auch um den Spaß an der deutschen Sprache und deren Verbreitung verdient gemacht, die sie anfangs sehr selbstbewusst und kindlich-genial-originell-einzigartig-ostdeutsch in ihren Liedtexten einsetze (alle Texte, besser: lyrics) stammen von ihr; dazu muss ich wohl mal einen gesonderten Artikel schreiben!). Und das ziemlich unmanierlich, anstößig, unanständig, radikal, unflätig (= „so, dass es nicht den üblichen Regeln des guten Benehmens oder Anstandes entspricht“). Wir haben die Platte auch in den Achtzigern noch rauf- und runtergehört, konnten die Texte in- und auswendig. Und ich habe als junger Mann – wie alle damals – voller Inbrunst feministische Parolen und schräge Anspielungen in der Disco getanzt und mitgegrölt. Es gibt viele geniale Textschnipsel, die sich langfristig in unser Hirn eingenistet haben. Ein paar Beispiele:

Ich küsste Dich, Du küsstest mich, wiiir – küssten uuuns! (Eine musikalisch wunderbar dramatische Steigerung. Konjugieren kann sie auch! Und benutzt dabei das wunderbare Präteritum, das heutzutage etwas vernachlässigt wird. Und: Pfui, sie treibt es mit einer Frau!)

Dann lagen wir auf der Veranda, übereinander. (dieser Reim ist einzigartig in der deutschen Popwelt)

Marlene, hatte and’re Pläne (unglaublicher Reim)
Simone de Beauvoir sagt: „Gott bewahr‘!“ (unglaublicher Reim)
Und vor dem ersten Kinderschrei’n
Muss ich mich erst mal selbst befrei’n. (starke Stellungnahme)

In meiner Tasche klebt ’n Bonbon. (entsprechend süß gesungen und ist mir irgendwie hängen geblieben.)

Allein! Die Welt hat mich vergessen. (glaubt man nicht, passt aber zum Lied)

Ich glotz von Ost nach West. Ich kann mich gar nicht entscheiden – ist alles so schön bunt hier. (eine viel zitierte Anspielung)

Ich schenk‘ dir keine Kinder zum Zeitvertreib
Leg mir lieber Puder Kamm und Lippenstift bereit (eine humorvolle Form des Feminismus)

Ich wusste nichts von Deinen Ufern! (Was bedeutet das? Eine Anspielung für Eingeweihte?)

Off’nes Fenster präsenti-iert
Spatzenwolken, Himmelflattern (poetisch!)
Wind bläst, meine Nase friert
Und paar Auspuffrohre knattern (sie meint die Trabbis!)
A-aah.

Und hier der Anlass für diese Würdigung

 

Die Platte ist schon toll. Aber die Konzertauftritte erst! Ich bin zufällig auf ein Video („Naturträne“) eines Konzerts der legendären Reihe „Rockpalast“ gestoßen, die unbedingt sehenswert ist. Dieser Auftritt sollte nochmal ausführlicher betrachtet werden. Er hat mich dazu dazu gezwungen, diese Rezension zu schreiben. Die Musik wird durch eine unglaublich theatralische Mimik unterstützt. Sie kann auch wirklich tolle Grimassen schneiden! Ich habe Euch mal ein paar zusammengestellt:

Phänomenale Rotzgöre in Aktion, während eines grandiosen Konzertes im Rahmen der legendären Reihe „Rockpalast“ des WDR (1978).

Man kann diese Scheibe nicht verherrlichen, ohne die Musiker zu würdigen, die die Musik auch im Wesentlichen  komponiert haben, bis auf TV-Glotzer, eine Interpretation von White Punks on Dope, sowie Naturträne und Fisch im Wasser, die Nina eingebracht hat.  Der Gitarrist (Bernhard Potschka), als klassischer Macho-Gitarrist, aber mit Kajal-Augen. Er sieht aus und verhält sich so, als ob er eigentlich viel lieber in einer Heavy Metal Band spielen würde, ist aber vielseitig und spielt nicht nur unglaublich gut und unglaublich lässig, sondern hat auch einen Sinn für unglaublich gute Gitarrensounds. Er hat Riffs produziert, die mir in Herz und Blut übergegangen sind.  Und der Bassist (Manfred Praeker, leider †) auch mit wunderbarem Spiel, mit Aussehen und Sex-Appeal eines Mick Jagger. Mit großer Freude am Spiel, das ist sympathisch.  Und er spielt später auch mal einen Bass ohne Bünde, das muss man können! Der Tasteninstrumentenspezialist (Reinhold Heil) sah schräg, geradezu spießig  aus und hat wunderbar ursprüngliche Synthie-Sounds drauf gehabt und auch nachher noch eine ansehnliche Karriere hingelegt. Der Schlagzeuger (Herwig Mitteregger), auch mit tollem Spiel, achtet mal darauf,  ein Ösi, der auch später noch einiges von sich gegeben hat. Zusammengefasst: alles Individuen und Selbstdarsteller, die sehr professionell ihre Instrumente spielten und das auch sehr gut gemeinsam konnten.

Für diese historische Schallplatte kam alles gewollt und zufällig auf eine historisch und einzigartig geniale Art und Weise zusammen: die Sängerin mit der unglaublichen Stimme und Attitüde, deren irre Ost-West-Geschichte, die Punkzeit als wildeste Zeit der gesamten Popmusikgeschichte, die Gruppe mit Musikern, die zum Besten zählten. Ein Gesamtkunstwerk. Alleine über diese Scheibe könnte man ein Buch schreiben.

Leider war Madamechen etwas wechselhaft und wollte unbedingt Neues erkunden, wo ihr doch auf einmal  die ganze Welt offen stand. Die zweite Platte wurde aus vertraglichen Verpflichtungen noch aufgenommen (Musik und Gesang, nacheinander, getrennt!), aber dann war sie weg. Den genauen Grund konnte ich nicht recherchieren, ein Zerwürfnis wird genannt, Unberechenbarkeit und egozentrische Starallüren, Angst vor dem Erfolg, der unbändige Freiheitswillen der Sängerin; würde mich bei Gelegenheit sehr interessieren. (Nachtrag)   Die Rest-Gruppe war danach unter dem Namen „Spliff“ weiterhin sehr erfolgreich und supergut (wäre auch noch Artikelwürdig), bei Frau Hagen ging es auf und ab. Sie kehrte aber auch gerne nach Berlin zurück und engagierte sich auch politisch. Eine bodenständige Weltbürgerin. Schade um die Trennung [Seufz]. Ehrlich gesagt, ärgert es mich total! Sie hat später mit verschiedenen Musikern zusammengearbeitet, bei denen ich aber selten dieses gemeinsame Bandgefühl wiederfinden konnte. Vielleicht wollte sie sich selber mehr in den Mittelpunkt stellen.  Aber ich verstehe ihren absoluten Willen und sie hat es durchgezogen und sie ist sich treu geblieben (bis auf ein paar Kleinigkeiten: Kinder kriegen, mit einem Mann zusammen sein, englisch singen, vertiefter christlicher Glaube). Eine hochinteressante Persönlichkeit. Und superhübsch. Mit einem Superpunkoutfit.  „ICH HABE MICH IN SIE VERKNALLT!“

Schafft die Reklame ab! (Ein Buchprojekt)

Schon länger möchte ich mal ein Buch schreiben; so wie alle!

Darüber, dass Werbung verboten werden sollte. Weil Sie unser Leben nachteilig beeinflusst, weil sie uns manipuliert, weil sie nur Großunternehmen nutzt, die unsere Daten abgreifen und verkaufen und den Großunternehmen, die diese Daten für personalisierte Werbung benutzen, weil sie lügt, weil sie uns wirtschaftlich schadet, weil wir sie nicht brauchen.

Ich habe das Bedürfnis, die Welt ein wenig schöner und lebenswerter für uns alle zu machen. Ich kann mich nur noch nicht entscheiden, ob das ein Sachbuch wird (mit dem Ziel eventuell tatsächlich etwas in dieser Hinsicht zu bewirken, weil es fundiert ist, aber mit dem großen Nachteil, das man alle Behauptungen auch belegen muss) oder einen Roman (eher mit dem Ziel der Unterhaltung und dem Vorteil, das ich schreiben kann, was ich will, hemmungslos den Gedanken hingeben). Gibt es eigentlich auch etwas dazwischen? Ich hasse Entscheidungen für etwas und gegen das andere. Entweder, oder? Ich bin eigentlich mehr für das sowohl als auch. Ein Sachroman wäre doch gut!? Ich erfinde nebenbei ein neues Genre! Vielleicht wird es auch ein Glossenbuch. Oder ich muss zwei Bücher schreiben. Aber ich wäre wohl tot, bevor die fertig werden – etwas unbefriedigend. Eigenverlag oder etablierter Verlag? Welcher? Oh, das wird kompliziert. Aber eine Auswahl an Titeln habe ich mir bereits überlegt:

Werbung – Das Grundübel unserer Zeit
Reklame verbieten!
Werbung: Sollte abgeschafft werden
Ich und die Werbung.
Wie Werbung unser schönes Leben zerstört.
Schafft die Werbung ab!
Ohne Werbung wären wir alle glücklicher
Gegen Werbung – Für mündige Bürger

Bitte Idee und Titel nicht klauen. Ihr schafft das sowieso nicht so gut wie ich.

Querdenkerbommel

Ein schönes Wort, das ich bisher nie gehört oder gelesen hatte. Es ist mir in einer Film-Dokumentation des Spiegel über Verschwörungstheoretiker aufgefallen. Ein Thema, das ich sehr interessant finde. Ausgesprochen hat es die Teilnehmerin einer Demonstration gegen Maßnahmen der Bundesregierung zur Eindämmung des Virus‚.

Das Schmuckstück sei ein Zeichen für die Unabhängigkeit und die Nutzung des eigenen Gehirns. Das ist ja grundsätzlich gut (so einer bin ich auch), in diesem Fall aber leider nicht zutreffend, da das Gehirn nicht eingesetzt wurde, sondern ein diffuses Gefühl. Immerhin hat sie bestätigt, dass der Bommel sie nicht vor der Invasion einer schrägen Weltmacht oder vor den Strahlen schlimmer Mobilfunktechnik schützen sollte, sondern einfach nur eine Stellungnahme sei.

Eine verkrumpelte Kugel aus Aluminiumfolie wird zum Erkennungszeichen von Menschen, die Erkenntnisse hassen und das als eigenständiges Denken bezeichnen, obwohl es nur diffuse Ahnungen sind. Aluminiumfolie spielt übrigens in der Szene eine wichtige Rolle; bisher war auch der Aluhut sehr beliebt. Beides aktuell leider sehr verbreitet.

Natürlich kann und sollte man über Verschwörungstheoretiker lachen und sie nicht ernst nehmen. Weil sie einen ziemlichen Quatsch erzählen. Das ist besser, als wenn man sie ernst nähme. Dann müsste man sie verfolgen und einsperren, da sie genau genommen schlimme Lügen verbreiten und die Bevölkerung aufhetzen.

Ratschlagsucht

Wir leben in einer Zeit der aufstrebenden Ratgeberindustrie. Alles wird immer komplizierter, gleichzeitig lassen Wissen, Erfahrung, Geschicklichkeit und Intelligenz der Bevölkerung kontinuierlich nach und die Menschen brauchen mittlerweile professionelle Unterstützung, um ihren vollkommen anspruchslosen Alltag zu bewältigen, um einfachste, logische, klassische Lebensweisheiten zu erkennen und umzusetzen. Als vielversprechender Unternehmensgründer würde ich heutzutage ein Portal mit verbindlichen Ratschlägen für alle Lebenslagen meiner Nutzer erschaffen und einen Haufen Geld scheffeln.

Selbst der SPON – ein ehemalig angesehenes Nachrichtenmagazin – hat sein Angebot im politischen Bereich verringert und auf mehr Ratgebung umgestrickt; dort kann man jetzt Anleitungen zur Entspannung, zur gesunden Ernährung oder vielleicht auch zur Veringerung von Gesichtspickeln finden – gegen Gebühr! Anscheinend gibt es großes Bedürfnis danach, selbst, wenn es etwas kostet. Ich gebe eigentlich auch gerne Ratschläge (kostenlos!) und weiss, dass keiner darauf hört, und es ist mir egal. Aber einen wichtigen habe ich noch, und den müsst Ihr befolgen: Hört nicht so viel auf Ratschläge!

Ein Problem ist, dass es zu viele Ratschläger gibt. Und jeder sagt etwas anderes. Auf wen soll man hören? Was hilft wirklich? Warum sagen die einen dies, die anderen das? Das ist frustrierend. Die vielen Ratschläge zum Umgang mit Stress, Burnout, Erschöpfung setzen mich außerdem total unter Druck und bewirken das Gegenteil!

Schluss damit. Hört auf die innere Stimme, auf Euren Verstand, auf Euer Gefühl, auf Eure Erfahrung. Spart Geld und Stress. Und fragt bei Bedarf mal Eure Mama.