Anfrage als temporärer Radiomoderator

<erfindungsmodus_an>Neulich hat mich Radio1 angefragt. Ich sollte ins Studio kommen, meine Lieblingsmusik vorstellen und etwas dazu erzählen. Ich dachte toll, da kann ich wirklich gute Musik einem breiten Publikum vorstellen! Und: das ist eigentlich ein Platz für Promis. Aber ich stelle natürlich gerne meine(gute) Musik vor und helfe mit zur Verbreitung.

Aber dann: was soll ich bloß für Musik auswählen? Mir bleibt nur eine Stunde. Meine liebsten 10; Die 10, die leider noch unbekannt sind und ich gerne bekannt machen möchte? Oder die 10 von denen ich weiß, dass sie beim Publikum gut ankommen? Musik, die sich so tief in meine Seele gräbt, daß ich sie nur in bestimmten Momenten hören kann. Oder die liebsten psychedelischen Stücke, das schrägste, das mir bisher begegnet ist? Oder meine aktuellen Neuentdeckungen? Musik, die mich zum Weinen bringt?  Klassische Elemente in der Popmusik? Oder von allen der erste Platz? Da mir die Aufgabe dann doch zu anspruchsvoll wurde, habe ich abgesagt. Aber jetzt beiße ich mir dafür in den Hintern!</erfindungsmodus_aus>

28. Januar 2019 // Gedanken // Kommentar schreiben!

Verschiedene Lokalitäten

Mr. Dead & Mrs. Free – Bülowstraße

Ein legendärer Plattenladen, der erst vor kurzen geschlossen wurde.

Scheißladen – Großbeerenstraße

Inhaber: Der wahre Heino. Hat sich neben seinen Auftritten im echten Heino-Stil einen Namen damit gemacht, unsere Nationalhymne zu FURZEN. War in Kreuzberg, und in der Nähe; war aber nie da.

K.O.B – Potsdamer Straße

Selten da, aber im besetzten Nachbarhaus öfter meine Kommilitonin D.F. besucht.

Cafe Mitropa – Goltzstraße

Hat mir nie so gefallen, obercool, aber neu: Ich konnte das erste Mal in meinem Leben Öko-Energiebällchen probieren – bäh! Und Milchkaffee war nie mein Fall. Hier trieb sich die gesamte Szene ohne mich herum. Den Laden gibt es heute noch. Wegen Namensstreitigkeiten mit einem kleinkarierten ostdeutschen Bahnessenunternehmens aber unter dem Namen Cafe M. Externer Erfahrungsbereicht.

Cafe Anfall – Gneisenaustraße

Ein netter, origineller, kleiner Laden. Betrieben unter anderen von einem Schulkumpel RCM (†). Beliebter Treffpunkt der Clique.

Off-Line – Kreuzbergstraße

Kein Klub, sondern eine neue und leicht avantgardistische Modemesse. Schwer angesagt und später richtig etabliert. Meine spätere Frau hat in der Anfangszeit als Studentenjob die Models eingekleidet. Und ich habe – unabhängig davon – mich mal als Model beworben. Der Typ, der das Casting veranstaltete, sagte zu mir, er hätte mich gerne engagiert, der Chef (war das Offline-Frank?) aber nicht. Mein Gang war ihm nicht forsch genug, zu federnd. Egal. Ich lebe noch.

Rosa Winkel – Kreuzberg 61

Schwulenbar auch für nicht-schwule. Mein Vater kam zu Besuch nach Berlin und ich habe ihn dorthin eingeladen. Keine Ahnung warum – zur Bekehrung? Er war Nazi, aber auch sehr nett. Egal, jedenfalls hatte er Mitleid: Schwule täten ihm Leid, da sie es so schwer im Leben hätten.

 

Gründer

Unternehmensgründer sind auch etwas gutes. Im Idealfall nutzen sie der Gesellschaft und verdienen auch noch daran. Gesellschaft ist vielleicht das falsche Wort – eher Wirtschaft.

Wenn ich mir so die aktuellen Ideen von Gründern ansehe („Die Höhle der Löwen“ war ein interessanter Einblick), werde ich skeptisch, ob damit irgendeine Bereicherung stattfindet. Die meisten Geschäftsideen, haben nicht viel zu bieten. Und die Zielgruppe ist oft winzig.

Es ist ein Phänomen, wie das Image der Gründer heutzutage ins irrationale gewachsen ist: jeder, der das Wort „startup“ in den Mund nimmt, ist bereits ein Held. Die Phantasie macht daraus jemanden, der in 10 Jahren Milliardär ist. So wie es manche Unternehmen durchaus geschafft haben. Aber eben nur sehr manche.

Gründer sind die neuen Rockstars. Schade. In meiner Jugend hatte ich andere Vorbilder. Da ging es um Musik, Kultur, Rebellion und Lebenseinstellung. Geld war total verpönt!

Ich möchte mal eine Liste der beklopptesten Geschäftsideen erstellen, das ist aber aufwändig und kommt bei Gelegenheit nach. Heute habe ich – passend zur Jahreszeit – von folgender erfahren: „Weihnachtsbäume zu vermieten“. Das läuft unter dem Motto Umweltschutz und Ressourcenschutz; klingt immer gut! Leider wachsen die Bäume nach 3 Wochen Aufenthalt in einer warmen Bude oft nicht mehr an und müssen doch entsorgt werden. Das kommt sicher in die Liste.

Interessant ist es auch, dass das Image der jungen Unternehmen so gut gepflegt wird, dass Leute, die dort arbeiten, schlimmste Bedingungen in Kauf nehmen, und ihre Arbeitskraft billig und unterwürfig verkaufen. Vielleicht denken sie: „ich nehme gerade an einer großen Sache teil“. Oder: „Ich muss nur 10 Jahre durchhalten, dann bin ich ein Krösus (… war der letzte König des in Kleinasien gelegenen Lydiens. Er regierte von etwa 555 v. Chr. bis 541 v. Chr. und war vor allem für seinen Wohlstand und seine Freigiebigkeit bekannt. Wikipedia).“ In Wirklichkeit beuten die Gründer ihre Arbeitnehmer nach US-Amerikanischem Vorbild gnadenlos aus. Hinzu kommt, dass diese meist erfolglose Unternehmen mittlerweile so viele Arbeitskräfte binden, dass es für mich schwierig wird, noch einen vernünftigen Programmierer zu finden.

Das Vorhaben, sich selbständig zu machen und eine Geschäftsidee umzusetzen finde ich grundsätzlich super – aber die Idee sollte irgendwie sinnvoll sein und der ganze Rummel darum gefällt mir auch nicht. Bin selber selbständig, ohne geniale Geschäftsidee – und es läuft auch ganz gut ;-}

19. Dezember 2018 // Glossen, Politisches // Kommentar schreiben!

Dumme Anglizismen

Dieser Wahn zum Anglizismus bringt ja bisweilen auch lustige und ungewollte Ergebnisse zutage: Ein bekanntes Beispiel ist der Spruch einer Parfümeriekette. „Come in and find out“. Von vielen wurde das als Herausforderung angesehen: wie finde ich aus dem Laden wieder raus?

Ein Beispiel aus meiner Feder ist die Parfumwerbung: „Get XXX the new fragrance from YYY“.

Habt ihr das schon mal gehört, das Wort FRAGRANCE, amerikanisch ausgesprochen? Vollkommen unpassend, brutal, ja abstoßend! Da lobe ich mir das französische „Parfum“. Selbst „Duftstoff“ klingt verlockender. Gut, das interessiert nur Sensibelchen.

05. Oktober 2017 // Anglizismen // Kommentar schreiben!

Tageshandel

Da es in letzter Zeit geschäftlich nicht so gut lief, suchte ich nach neuen Aufgabengebieten, genauer gesagt Einkommensgebieten, und kam – neben anderem, wie Minijob, Autos überführen, Testcenter betreiben, Rechner reparieren, im Callcenter arbeiten – auf die leicht absurde Idee, es mit Daytrading zu probieren. Das ist einfacher und unabhängiger!

So nennt man den Vorgang, bei dem man virtuelle Produkte, die es eigentlich gar nicht gibt, an der Börse billig einkauft und wenn der Kurs steigt, wieder teuer verkauft. Die Differenz ist der Gewinn! Ich fand die Vorstellung schon immer attraktiv und vor allem ohne große Einstiegshürden: man sitzt gemütlich am Rechner, macht ein paar Klicks, und Abends sieht man in Echtzeit, wie sich der Betrag auf seinem Konto erhöht hat.

Davon träumen Tageshändler. Aber leider wussten sie das nicht im Voraus.

Oder erniedrigt. Es ist leider so, dass mann nicht immer Gewinn macht, sondern auch mal Verlust. Das Problem ist, man kann die Kurse nicht vorhersehen. Es ist mal so, mal so, oder auch mal ganz anders. Natürlich kann man sich informieren und sehen, wie die Nachrichtenlage ist: Unruhen in Afrika? Leitzinserhöhung in den USA? Flugzeugabsturz in Alaska? Neue Erkenntnisse zum Klimawandel? Russland droht mit Einmarsch? Sturm auf das Kapitol? Gerüchte über einen bevorstehenden Umsturz in XXX? Naturkatastrophe in YYY? Oder auch positive Meldungen: die Menschheit hat beschlossen, keine Kriege mehr zu führen, es herrschen nur noch Friede, Freude, Eierkuchen, das Wetter ist nur noch schön, es gibt keine Armut mehr. Aber die gibt es ja selten.

Das kann sich alles auf den Kurs auswirken. Aber es ist vollkommen unmöglich, aus diesen Informationen eine Vorhersage zu treffen. Und vor allem dann noch schneller als die Konkurrenz zu sein, die ja ähnliches im Sinn hat und mit ihrem An- und Verkauf den Kurs fleißig mitmanipuliert. Selbst wenn ich die Information hätte, dass ein Kurs steigt, haben schon Tausende Menschen auf der anderen Seite der Welt die gleichen Informationen früher bekommen und kräftig zugeschlagen, was den Kurs schon wieder erhöht hat und meinen Ankauf sinnlos macht. Tageshandel ist reine Zockerei. Und extrem nervenaufreibend.

Mich hat es getroffen, als eine bedrohliche neue Virusmutante irgendwo am Ende der Welt auftauchte. Ein schwerer Kursabsturz kurz nach dem Kauf, aus dem ich mich nicht wieder erholte. Ein millimikrometer großer Virus bestimmt über das Weltfinanzsystem, über mein Geld! Dann noch ein paar Anfängerfehler. Aber langfristig wird es doch wieder etwas. Es gibt auch abundzu mal gute Nachrichten und Kurse steigen ja auch mal wieder. Man muss nur etwas Geduld haben. Oder Geld, auf das man notfalls verzichten kann (haha). Niemals sollte man seine letzten Kröten einsetzen. Aber selbst dann: der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Ertrag. Außer man hat einfach mal Glück (nochmal haha). Dann doch lieber Arbeiten gehen oder im Lotto spielen. Ich arbeite eigentlich gerne, also her mit den Aufträgen und der gemütlichen, kalkulierbaren, altmodischen Erwerbsarbeit!

Hype

Das aktuelle Lieblingswort der Medien, zum Beispiel SPON und alle, die cool und dabei sein wollen. Weiß jemand, was es bedeutet? Rummel! Medienrummel hat man früher gesagt und das trifft es besser, weil es nicht so cool und nichtssagend klingt. Also lasst Euch nicht von dem ganzen Rummel einlullen. Es muss nicht jeder ein iphone haben …

03. Februar 2010 // Anglizismen // Kommentar schreiben!

Rauchkultur

Eine zu qualmen ist ja vollkommen aus der Mode geraten. Zu Recht. Meistens wurde ja nicht gepafft, sondern inhaliert. Das ist eher Unkultur. Und es tötet manchmal nicht nur den Akteur sondern verkrüppelt auch seine Mitmenschen. Aktuell ist es aber soweit gekommen, dass Raucher vollkommen geächtet und von der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Es sind schlimme Aussätzige ohne jegliche Lobby. Ihrem archaischen Bedürfnis können sie nur noch heimlich, draußen, verboten, alleine, elektronisch, teuer nachgehen. Die tun mir fast schon wieder ein wenig Leid.  // weiterlesen! 

Die unerträgliche Schönheit des Untergangs

Auf dem Gymnasium habe ich in Kunstgeschichte unter anderem gelernt, Bilder zu beschreiben und zu interpretieren. Dabei ging es um klassische Kunst, große und bekannte und vor allem anerkannte Künstler. Man kann aber natürlich auch andere Bilder betrachten. Wichtig ist, dass diese besonders sind, eine Aussage und/oder eine Bedeutung haben. Also, hier nach mehreren Jahrzehnten ein neuer Versuch der Bildbeschreibung, an einem Objekt, das mich dazu inspirierte und das eine gewisse gesellschaftliche Rolle spielt(e).

Hat sich hier jemand einen Scherz erlaubt?

Man sieht eine karge Landschaft in düsteren Farben. Alles ist in Grautönen gehalten, mit leichten Nuancen in das rötliche. Tief hängende Wolken, ein unendlicher Horizont. Im Hintergrund könnte das Meer sein. Eine Szene am Strand? Egal, entscheidend ist das monströse Gebilde in Bildmitte. Auf den ersten Blick ein riesiger Pilz. Auf den zweiten: eine Rauchwolke, wie sie typisch für Fotos von Atomexplosionen ist, also ein „Atompilz“. Mit Fuß, mit Stamm und mit Kopf.

Das abweichende ist vor allem der Kopf. Es sieht eher aus wie eine dreiköpfige Hydra. Einer nach links, einer nach rechts und einer nach vorne. Und dieser ist nochmal besonders: wenn man genauer hinsieht, erscheinen ein Knollennase, zwei Augen, ein groß geöffneter lachender Mund. Ein Clowngesicht! Als ich dies bemerkte, fragte ich mich: ist das ein echtes Foto? Ist das vielleicht gemalt, manipuliert, eine Persiflage?

Ich fing an zu recherchieren. Es gibt Suchmaschinen, die ähnliche Bilder oder Webseiten finden, die das Bild darstellen. Ich konnte keine Originalquelle finden. Kein Hinweis darauf, ist das ein Foto oder gemalt? Das macht die Sache mystischer, aber etwas unbefriedigend. Falls jemand hierzu etwas sagen kann, gerne, danke. Es gibt aber noch andere Bilder mit beeindruckender und erschreckender Schönheit (LINK)

Ich fürchte, das Bild ist nicht echt. Zumindest kein Foto. Schade.

Ich hatte damals in Kunst eine 4. Ich denke und hoffe, dass der Lehrer von dieser Interpretation begeistert wäre. Aber es liegen ja auch viel Jahrzehnte dazwischen. Sehr wahrscheinlich ist er tot und kann sein Urteil nicht mehr revidieren.

01. Oktober 2018 // Kulturelles // Kommentar schreiben!