Wir leben alle viel zu gesund

Und verspielen damit unser Leben und die Lust! Es ist doch viel schöner zu sagen: „Ich esse jetzt diese Tüte Chips, und hole mir ein Bier dazu!, als: „Nee, lieber nicht, ich esse jetzt ein paar Möhren.“ Warum soll ich mich quälen, wenn ich doch Spaß haben kann? Ich mache heute keinen Sport, sondern gucke Fernsehen. Anstatt: Du Schatzi, ich geh Jogen, bis heute Nachmittag!

Gut, der Bauch ist in letzter Zeit dann doch etwas überproportional voluminöser geworden. Aber ich lebe noch! Warum also diese Selbstbeschränkung? Nun, es hat mit Selbstoptimierung zu tun, mit überzogenen Ansprüchen, mit falschen Bildern in der Öffentlichkeit mit dem extremen Hang zur Anpassung, mit einem faschistischen Körperwahn und mit dem Zwang zur  optimalen Selbstdarstellung in den Medien.

Und das ist krankhaft. Gibt es keinen Mittelweg mehr? Einfach gesund essen und nur abundzu mal zuschlagen, manchmal Sport treiben, und viel spazieren gehen. Ach ja: und nur eine Tüte Chips im Monat. Und selten mal: Eine Zigarre.

Ich bin überzeugt: das zusätzliche Glücksgefühl ist wertvoller und nachhaltiger als der Verlust an Gesundheit!

Kleiner Nachtrag dazu: Im Fahrstuhl zu meinem Büro der Geschäftsführer einer anderen Firma. Aus seiner Tasche am Boden lugt eine Packung Zigarren mit der Aufschrift „Rauchen tötet“ (oder ähnlich) heraus. Ich spreche das etwas provokativ ihm gegenüber aus, um zu sehen, wie er reagiert: „Ja, aber bis dahin habe ich jede Menge Spaß gehabt.“

Jahrhundertregen

Ich bin ja, wie die meisten, ein aktiver Verkehrsteilnehmer. Im Wesentlichen betrifft das die Bereiche Autofahrer, Fahrradfahrer, Fußgänger. Es gibt aktuell noch andere Fortbewegungsmethoden, die ignoriere ich jetzt mal. Also, ich fahre gerne mit dem Fahrrad. Es ist emotionaler, sensibler, als mit dem Auto. Und natürlich nicht ganz so haptisch, wie zu Fuß gehen, aber schneller. Egal. Mit dem Fahrad, komme ich mittlerweile genausoschnell in mein Büro, wie mit dem Auto. Und das ist vor allem zuverlässiger! Keine Staus, Umleitungen, Sperrungen, Verkehrsidioten. Voraussetzung ist: entsprechendes Wetter. Es darf nicht regnen, nicht zu kalt sein. In dem Sinne sehe ich mir immer die Wettervorhersage an, an, bevor ich mich für das Fahrrad entscheide. Es ist manchmal ein Wagnis. 50% Regenwahrscheinlichkeit heißt: es kann regenen, aber auch nicht.

Eines Tages bin ich – etwas waghalsig – mit dem Fahrrad ins Büro gefahren, weil die Vorhersage für den Vormittag ansprechend aussah. Für den Nachmittag wohl leider nicht. Auf der Rückfahrt bin ich in einen extremen Regenschauer gekommen, der sich im Nachhinein als der extremste Niederschlag seit XXX Jahren herausgestellt hat. Die Rede war von „Jahrhundertregen“. Als es losging, war ich gerade Unter den Linden und dachte,  es wäre eine gute Idee, unter dem Brandenburger Tor Schutz zu suchen und den Regenguß abzuwarten. Wie ca. 100 andere Menschen, Touristen, die auf die gleiche Idee kamen oder keine andere Wahl hatten. Es war kaum noch Platz unter dem Tor. Der Regen ließ nicht nach, sondern wurde eher schlimmer. Dann kam auch noch ein starker Wind auf, der den Regen quasi horizontal durch das Tor fegte, so daß das Dach keinen Schutz mehr bot.

Die ersten Touristen entschieden sich dafür, loszulaufen und ein Taxi aufzurufen. Ich entschied mich aufgrund der aussichtslosen Lage dann dazu, einfach weiterzufahren. Egal. Wenn man sich erstmal damit abgefunden hat, dass alles nass wird, ist es egal! Man fährt durch 10cm hohe Pfützen, das Wasser spritzt an die Schuhe, die jetzt auch total durchnässt sind. Egal. Alles andere ist sowieso schon naß. Dann macht es auch auf einmal Spaß: im schlimmsten Jahrhundertregen durch die Stadt zu fahren und sich einen Scheiß darum zu kümmern, dass alles naß wird. Zu Hause angekommen, einfach alles ausziehen, die Haare föhnen, die Wäsche in die Waschmaschine stopfen, ein Kurzen zu sich nehmen und entspannen. Alles wieder gut.

Jahrhundertregen in Berlin. Ich war dabei. An historischem Ort.

15. November 2019 // Erfahrungen // Kommentar schreiben!

Gewaltdarstellung im Film

Gewalt ist ja auch in japanischen Filmen sehr beliebt. Sie wird im Gegensatz zu US-Amerikanischen Filmen aber meistens in künstlerischem Sinne eingesetzt. Dort soll sie dagegen Betroffenheit provozieren.

20. April 2010 // Gedanken // Kommentar schreiben!

Großkotz

„Angeber · Aufpudler (österr.) · Aufschneider · Blender · Großsprecher · Großtuer · Möchtegern · nichts dahinter (sein) · Prahler · Renommist · Selbstdarsteller · Sprücheklopfer · Sprüchemacher · Wichtigmacher (österr.) · Wichtigtuer · (großer) Zampano · Gleisner (geh., veraltet) · aufgeblasener Gimpel (ugs.) · Gernegroß (ugs.) · Graf Koks von der Gasanstalt (Ruhrdeutsch veraltend) (ugs.) · Graf Rotz von der Backe (ugs.) · große Klappe und nichts dahinter (ugs.) · Großschnauze (ugs.) · (der) Held vom Erdbeerfeld (ugs.) · jemand, der viel erzählt, wenn der Tag lang ist (ugs.) · Kneipenkaiser (ugs.) · Muchtprinz (ugs., berlinerisch) · Prahlhans (ugs.) · Profilneurotiker (ugs.) · Schaumschläger (ugs.) · Stammtischexperte (ugs.) · Windbeutel (ugs.) · Großkotz (derb) · Großmaul (derb) · Maulheld (derb) · Maulhure (derb, weibl.)“ (openthesaurus.de – Synonyme und Assoziationen)“

Ein Wort, das etwas aus der Mode ist. Den so bezeichneten Menschen gibt es leider immer noch und aktuell immer mehr. Er kommt aus den VSA. Es ist nicht irgendein dahergelaufener Idiot, sondern zum Beispiel der (vermutlich mit russischer Unterstützung „gewählte“) Präsident. Aber nicht nur der: viele Anführer großer Unternehmen verhalten sich so, mir fallen ein Raumfahrtunternehmer ein, der auch Elektroautos baut, sowie ein Mensch, der Privatleute ausbeutet, um illegale Taxifahrten zu organisieren.

Alles Menschen, die ihre Macht bewußt nutzen, um noch mehr Macht und Geld zu bekommen. Dennoch zeigt sich, dass sie auch nur Menschen sind: Der Raumfahrtunternehmer hatte sich zur Rettungsaktion in der Thailändischen Höhle gedacht: dort schicke ich mal mein kleines U-Boot hin, das könnte einen Wahnsinns-Werbe-Effekt geben, wenn es klappt. Leider hat die Mannschaft vor Ort andere Sorgen, als Werbung für einen G. zu machen.

Einer der Beteiligten hat es sogar gewagt, die Idee als Hirngespinst und Werbecoup zu entlarven. Mit Recht, da das U-Boot trotz der kleinen Abmessungen überhaupt nicht in der engen Höhle hätte eingesetzt werden können. Dies erfolgte öffentlich, und öffentlich kam ein massive Reaktion des G. zurück, die den Beteiligten der Rettungsmannschaft auf das schlimmste denunzierte.

Interessant dabei ist: ein jemand, der alle Macht und Geld hat, fühlt sich noch persönlich beleidigt und reagiert massiv auf eine einfache Feststellung eines unbekannten Helfers. Also doch „nur“ ein Mensch? Jedenfalls bin ich froh, dass es noch sozial denkende Menschen gibt, die ihre Zeit und ihr Leben für andere einsetzen, und dass sie in der Lage sind, auf diese Weise erfolgreich zu sein. Technik, Geld und Macht ist eben nicht alles.

G. gab es wohl schon immer. Umschlag des gleichnamigen Buches von Nathias Nolte (bearbeitet) Quelle: https://www.zvab.com/servlet/BookDetailsPL?bi=22890496493&searchurl=hl%3Don%26sortby%3D20%26an%3DNolte%252C%2BMathias%2B%2528Verfasser%2529%253A

22. Juli 2018 // Politisches // Kommentar schreiben!

Restaurantkritik: Buddha Haus

Ich verstehe die teilweise guten Kritiken für dieses Restaurant auf qype nicht. Wir hatten einen Tisch reserviert, aber der einzige innen reservierte Tisch wurde uns vorenthalten. So entscheiden wir uns, im Hof zu sitzen. Ein Vorredner hat den Hof als gemütlich eingestuft, das ist quatsch! Der Hof ist ein großer berliner Hinterhof, ohne Charme und zum kultivierten Essen vollkommen ungeeignet. Die Bepflanzung wahllos und teilweise verdorrt. Das ist so die berliner Schlunzigkeit, die eher nach Kreuzberg passt. Anyway, zum Essen: Ja es ist günstig, aber auch ausgesprochen langweilig. Das Lammgericht war als „etwas scharf“ gekennzeichnet und de facto vollkommen unscharf. Die als typisch nepalesisch gewürzt angepriesene Speise fade. Auch für so wenig Geld kann man sehr viel besser essen. Die zudem lust- und charmelose Bedienung inspirierte mich zu dem Gedanken: Das Leben ist zu kurz, um in schlechten Restaurants zu essen …

15. Juli 2011 // Kulturelles // Kommentar schreiben!

Textschnipsel aus populärem Liedgut

Im angelsächsischen Raum werden die Texte der populären Musik ja anerkennend als „lyrics“ bezeichnet, was mir gefällt. In vielen Fällen trifft diese Wertschätzung auch zu. Tendenziell, muss ich sagen, eher nicht bei deutschsprachiger Popmusik, weshalb hier wohl üblicherweise der banale Begriff  „Texte“ verwendet wird. Aber ein paar sind mir auch aufgefallen.

Nun, im Laufe der Geschichte der populären Musik haben sich auch einige legendäre lyric-Schnipsel angesammelt, die sich allgemeiner oder subjektiver Anerkennung erfreuen und ich möchte an dieser Stelle gerne ein paar davon – unvollständig, ohne Hierarchie – wiedergeben und bitte um Ergänzung (und: Kommentare dazu konnte ich mir nicht verkneifen ;})

  • I blew up your body, but you blew my mind
    Roxy Music – In Every Dream Home A Heartache
    Puh, was für eine Anspielung!
  • I drive a Rolls Royce ‚cause it’s good for my voice
    T.Rex – Children Of The Revolution
    Das ist echt cool.
  • Nail her Cunt to the Wall
    SPK – ?
    Etwas brutal, aber doch ungewöhnlich.
  • Someday he’ll come along, the Man I love
    Billie Holiday – The Man I Love
    Passt nicht zu mir, aber nett.
  • Deutschland muss sterben, damit wir leben können
    Slime – ?
    Bin nicht ganz sicher, ob ich das hier veröffentlichen darf, also bitte nicht weiter sagen; siehe auch hier oder hier und noch mehr im Volksliederarchiv (!!)
  • It’s better to burn out – than to fade away
    Neil Young – Hey Hey, My My (Into the Black)
    Ja, etwas pathetisch, aber auch historisch.
  • You thaught me a lesson, I didn’t want to learn
    PJ Harvey – The Darker Days Of Me & Him
    Puh, das klingt nicht gut!
  • I hope I die before I get old
    The Who – My Generation
    Schöne rebellische Jugendattitüde!
  • I don’t need that fuckin‘ shit
    Patti Smith – My Generation
    Geht mir oft so.
  • Ich hab‘ heute nichts versäumt, denn ich hab‘ nur von Dir geträumt.
    Nena – Nur geträumt
    Wunderbar jugendlich-weiblich-pubertär.
  • I once had a girl, or should I say she once had me.
    The Beatles – Norwegian Wood (This Bird Has Flown)
    Schöne Differenzierung.
  • You don’t have have to be rich to be my girl, you don’t have to be cool to rule my world.
    Prince – Kiss
    Auch etwas cool.
  • God knows I’m good –
    David Bowie – God knows I’m good
    Mein Lieblingszitat.
  • Last Night a D.J. Saved My Life
    Indeep – Last Night a D.J. Saved My Life
    Musik ist für uns alle lebenswichtig.
  • I’ve come to whish you an unhappy birthday, ‚cause you’re evil and you lie. And if you should die, I may feel slightly sad, but I won’t cry.
    Morrissey – Unhappy Birthday
    M. gehört zu den wichtigsten Lyrikern. Einfach schön, ehrlich, schräg und etwas sarkastisch.
  • Ram sam sam, a ram sam sam
    Guli guli guli guli guli ram sam sam
    Haykayay yipi yaykayé
    Ahou ahou a nikichi.
    Wordy Rappinghood
    by Tom Tom Club- Wordy Rappinghood
    Interessant. Scheint zumindest teilweise einem beliebten marokkanischen Kinderlied entnommen zu sein
  • Und unsere Nina darf natürlich nicht fehlen: Dann lagen wir auf der Veranda – übereinander.
  • Ich liebte ein Mädchen in Mainz – die war gar keins.
    Ingo Insterburg – Ich liebte ein Mädchen
    Das war in den Siebzigern!
09. Dezember 2010 // Musikalisches // Kommentar schreiben!

Morgens mit dem Fahrrad durch den Tiergarten

Früher musste ich nach Moabit zur Arbeit fahren. Da konnte ich ab und zu auch in 25 Minuten hin radeln. Bei schönem Wetter, im Sommer, tauche ich von der hektischen und lauten Straße in den Wald ein. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und ab und zu hoppelt ein Kaninchen über den Weg. Ich bin glücklich.

06. August 2016 // Glücksmomente // Kommentar schreiben!

Mannfrau

Ich bin eigentlich eine Frau. GORG-IA. Aber eine mit einem Hang zum Maskulinismus. Der Schniedelwutz heißt doch noch lange nicht, dass ich ein Mann bin, oder? Aber auch mit einem Körper, der mir nicht mehr sooo gefälllt, da er nicht mehr sooo gut funktioniert, wie früher (früher war mehr Lametta). Das Gute: das Hirn ist noch aktiv. Das sagt mir: Du bist ein Mann! Im Stehen gezielt zu pinkeln ist schon ein Vorteil. Aber, sich ständig rasieren zu müssen nervt auch. Aber mir gefällt diese vorvorletzte und eindeutige Erkenntnis.

Musikimmissionen

Immissionen sind vor allem negativ besetzt, wie die von Schadstoffen, die ungefragt auf einen treffen, in einen eindringen, über die Blutbahnen verteilt werden und ihrem Namen aller Ehre machend körperliche Schäden verursachen. Aber es gibt auch gute, freiwillige, schadlose, zum Beispiel durch Musik verursachte! Es ist erstaunlich, was das für Auswirkungen haben kann: Ich bin erfreut, betroffen, gelangweilt, entspannt, genervt, angeregt, aufgemuntert oder traurig – fange an zu tanzen oder gar zu weinen! Bestimmte Klänge, Geräusche, eine Abfolge von Tönen, Instrumentierungen, Melodien, Krache verursachen emotionale bis körperliche Reaktionen!

Und das geht so: Menschen mit Gemeinsamkeiten und Talent spielen gemeinsam auf Instrumenten herum und sorgen dafür, dass es gut klingt, nehmen das auf und verbreiten es an Medien, die das digitalisieren und über das Netz verbreiten. So kann man als Nutzer die Musik wieder empfangen und abspielen. Diese gelangt in einen Verstärker, wird in analoge Schallwellen umgewandelt und in die Boxen/den Ohrstöpsel geleitet. Die Wellen gehen dann – ob man will oder nicht – direkt in das Ohr, treffen auf das Trommelfell, das das Ganze über Schwingungen irgendwie elektronisch oder digital (?) in das Hirn befördert. Dort wird das Ganze weiterverarbeitet und geht dann wohl in den ganzen Körper und verursacht Auswirkungen.

Und wie werden die Emotionen erzeugt? Keine Ahnung. Aber sie kommen vor. Und sie machen Spaß!

02. Januar 2023 // Erfahrungen, Musikalisches // 1 Kommentar