„Soziale“ Medien

Habe schon etwas über ein Medium mit F. geschrieben, hier aber nochmal etwas grundsätzlicher. Es ist absurd: Medien, die es jedem ermöglichen, sich der Öffentlichkeit mitzuteilen – ein grundlegendes Prinzip der Demokratie – tragen selbst dazu bei, die Demokratie zu zerstören. Weil sie ausgenutzt, manipuliert, gesteuert, zensiert werden. Und weil die Menschen nicht so weit sind. Auch weil die Anbieter nichts dagegen unternehmen; um möglichst viel Profit herauszuschlagen.

Die Demokratie funktioniert nur als repräsentative Demokratie. Es graut mir vor ein „Mehr an Demokratie“, wo mit Volksabstimmungen der Wille der beschränkten Allgemeinheit umgesetzt werden soll. In der repräsentativen Demokratie lenken Menschen mit Erfahrung meist professionell die Geschicke eines Landes. Natürlich nicht immer gut, zufriedenstellend, erfolgreich, und für alle nützlich. Aber immer besser, als das gemeine Volk es jemals machen könnte. Weil sie weiter denken. Man braucht für Entscheidungen Ausbildung, Erfahrung, Hintergrundwissen. In Deutschland klappt das bisher und vor allem in letzter Zeit sehr gut!

In den sog. sozialen Medien kann jeder schreiben, was er denkt. Veröffentlicht wird nur das, was der – meist – US-Amerikanische Anbieter erlaubt: Gewalt, Werbung, Verschwörungstheorien, Kriminalität: kein Problem. Nackter Busen, das schlimmste, was es gibt.

Und natürlich werden die Medien von Geheimdiensten verschiedener Länder unterwandert und dazu genutzt, Propaganda zu betreiben. Es hat sich gezeigt, dass diese wohl zur Manipulation der US-Wahl und dem unsäglichen Brexit-Referendum beigetragen haben. Die Masse ist manipulierbarer geworden. Die Mächtigen freuen sich. Und die Medien werden zu einer ernsthaften Gefahr für die Demokratie, da auch alles in Frage gestellt wird. Bisherige Errungenschaften der politischen und sozialen Entwicklung haben keine Bedeutung mehr. Es gibt keine Werte mehr.

Hier muss dringend eingeschritten werden. Bekämpft diese Medien. Schafft sie ab! Rettet die Demokratie!

08. Mai 2019 // Politisches // Kommentar schreiben!

Blixa – In Memoriam

Bin heute Abend im Schnee mal wieder die Yorckbrücken entlang gelaufen. Mit einer Flasche Bier in der Hand. Man braucht mal einen Auslauf. Und in der Goebenstraße / Yorckstraße an einer Kneipe vorbei gekommen: Die Zwitscherstube. Die hieß früher mal Risiko und wurde von einem gewissen Blixa Bargeld betrieben. Dürfte bekannt sein. Herr Bargeld war ein (führendes) Mitglied der Einstürzenden Neubauten. In den achtzigern war ich mal da, und er hat mir ein Bier über die Theke gereicht. Viele Jahre später habe ich ihn mit seinem großen Schlapphut – noch ganz in schwarz – in der Bioinsel gesehen, als er gerade einen Bund Biomöhren in den Einkaufswagen legte. Noch schlimmer wurde es, als ich ihn bei Betten Anton in der Hauptstraße entdeckte, als er gerade eine Matratze prüfte. Nicht, dass ich Ihm irgendwie auflauere, er scheint – wie ich – in Schöneberg zu wohnen! Wie auch David Bowie. Das Ende eines Mythos‘!

Kindheitserinnerungen

Kinder haben noch Phantasie! Ohne gesellschaftliche Beschränkungen. Ohne Erfahrungswerte. Ohne Zensur. Anarchisch! Also sehr interessant… Gerne würde ich das mal ausführlicher erforschen. Die Erwachsenenwelt ist doch viel zu rational und langweilig, oder?

Ein paar Beispiele aus eigener Erfahrung:

Mein Vater hält mir seine wunderschöne antike goldene Taschenuhr vor die Nase und sagt: puste mal! Ich puste – und die Uhr klappt auf unerklärliche Weise den Deckel auf. Faszinierend! Nur, immer wenn ich das heimlich mal alleine versucht habe, hat es nie geklappt. Den Trick habe ich erst spät herausgefunden: es gibt einen kleinen Knopf, den man drücken muss, wenn man die Uhr in der Hand hält. Das Pusten hat leider keinerlei Auswirkung. Keine Magie, wie schade…

Beim Schlafengehen, sagten meine Eltern gerne, dass ich über Nacht „Wolken schieben“ müsste, damit es morgens schönes Wetter gäbe. Ich habe geglaubt, dass ich im Schlaf, in den Himmel steige und mit einem großen Besen die Wolken wegschiebe. Und manchmal hat es funktioniert!

Meine Eltern haben manchmal zu mir gesagt, ich sei ein Engel mit einem B davor. Jahrelang habe ich mir vorgestellt, wie ich als leuchtender weißer Engel mit Flügeln durch den dunklen Weltraum schwebe und ein großes dickes B vor mir hertrage. Aber was meinen die bloß damit?

Es war in der Grundschule in Irland. Der Lehrer sagt irgendetwas und alle stürmen nach draußen. In verschiedene Richtungen. Ich schließe mich begeistert den meisten an und werde gefragt, warum ich da mitlaufe. Der Lehrer hatte Schulschluß verkündet und alle liefen freudig nach Hause; nur ich lief in die vollkommen falsche Richtung. Klassisches Mitläufertum.

Ich war 13 und es gab ein Ereignis, das mich irritierte, mich beschäftigte, mich bekümmerte. So ein Gefühl hatte ich vorher noch nie: Es gibt auch Probleme im Leben! Der Einstieg in die Pubertät.

Waldbühne – Glockenturmstraße

Ja, die gibt es auch noch! Kein Klub, nicht so trendy, aber ein toller Veranstaltungsort (besser: eine tolle Location)! Und sehr vielseitig: Klassik, Rolling Stones, Deutschpop und alles andere. Ich habe ein Konzert von Spliff besucht, die legendäre Nina Hagen Band, aber ohne die Hauptprotagonistin, und trotzdem sehr gut. Dann ein Konzert von Prince; ein Held; aber ich wollte/konnte die hohen Eintrittspreise nicht bezahlen. Und da waren noch mehr Leute, die vor der Mauer standen und auf eine Gelegenheit warteten. Irgendwann ergriff einer die Initiative und stürmte über die relativ kleine Mauer und alle sind hinterher. Dahinter lauerten natürlich mehrere Aufpasser, die die ersten Erstürmer gleich ergriffen und festhielten. Und dann beschäftigt waren. Es ist manchmal gut, nicht in der ersten Reihe zu sein. Ich kam durch und konnte kostenlos ein wunderbares Konzert eines großen Helden genießen.

Flüchtlinge

DAS Thema derzeit (und ich liebe Wörter mit der Endung -ling).

Eine kleine Begebenheit dazu: Ich bringe den Sohn zum wöchentlichen Fußballtraining bei der alten Schule und fahre wie gewohnt in die Einfahrt, um im Hof zu parken. Huch so viele Menschen hier heute, dass ich kaum durchkomme. Ein Mann im Anzug faucht mich an: „Was wollen Sie? Sie können hier nicht durch!“ „Aber ich will doch nur meinen Sohn zum Fußball bringen“. „Das geht nicht, hier ist jetzt ein Flüchtlingsheim“.

Ich darf nicht mal weiterfahren, um zu drehen und bekomme etwas Panik: viele Menschen, in Zeitnot und komme nicht weiter. Da helfen mir zwei nette Flüchtlinge: schieben die Kinder beiseite und geleiten mich wieder raus … Alles ok. Der Sohn kann die paar Schritte auch laufen. Nur der Anzugmann (vermutlich Vertreter der  Flüchtlingshilfeorganisation) sollte etwas gelassener sein. Bin ich auch.

Nachtrag vom 5. Mai 2017: Der Parkplatz ist wieder frei. Keine Flüchtlinge mehr. Es ist eine Volkshochschule eingezogen. Flüchtige Flüchtlinge …

06. Oktober 2015 // Erfahrungen // Kommentar schreiben!

Was ist wichtiger: Kunst oder Künstler?

Was passiert eigentlich mit toller Kunst, Musik, Literatur, Bilder, wenn der Künstler schlimmes verbockt hat? Ist sie noch gut?

Natürlich kann und soll man Kunst vom Künstler trennen. Aus aktuellem Anlass bewerte ich die Verleihung des Literaturnobelpreises an einen Künstler, der für manche „umstritten“ (mein Unwort des Jahres) ist.

Kunst ist absolut. Entscheidend ist allein, ob sie einem persönlich gefällt. Und das sollte man ohne jegliches Hintergrundwissen entscheiden. Kunst spricht für sich allein – wenn sie gut ist.

Das Problem dabei ist möglicherweise,dass man den Künstler durch den Konsum seiner Kunst (oder durch eine Preisverleihung) unterstützt. Es läuft darauf hinaus, wie wichtig ist mir das Werk.

In diesem Sinne finde ich die Entscheidung des Nobelkommites gut und richtig und angenehm unpopulistisch.

11. November 2019 // Gedanken, Kulturelles // Kommentar schreiben!

Entwickler

Ich bin unter Anderem Entwickler. D.h. ich entwickle Rechnerprogramme, die im Netz lauffähig sind. Privat bin ich ein Spätentwickler. Aber ich entwickele mich. Im Gegensatz zu manchen.

19. November 2015 // Gedanken // Kommentar schreiben!