Bewegtbild

Die drittwichtigste Kunstform – nach dem Laut und dem Wort – ist das Bewegtbild. Und sorry: erst danach kommt das Standbild, das ich auch sehr schätze. Vor dem Film aber habe ich großen Respekt. Er ist ein Gesamtkunstwerk! Ein Gemeinschaftsprojekt. Ich hätte einen Horror davor, diese Vielzahl an Beteiligten zu koordinieren, im Zaum zu halten und dazu zu bringen, das zu machen, was ich mir vorstelle. Bild, Schnitt, Bewegung, Geschichte, Spannungsaufbau, Musik, Drehort, Geräusche, Hintergrund, Technik, Requisiten (den Schnitt als Unterkunstform möchte ich bei Gelegenheit hervorheben, der wird unterschätzt). Ist alles entscheidend. Und dann noch die Schauspieler! Menschen mit Allüren. Eigenheiten. Stimmungen, die alles tragen oder auch zerstören können (ich denke da zum Beispiel an Herrn Kinski, über den noch ein Artikel fällig wird).  // weiterlesen! 

24. Juli 2021 // Kulturelles // 2 Kommentare

Eire

Wie bereits erwähnt, bin ich in Irland aufgewachsen. Auf dem Land; in einem riesigen Haus, mit einem riesigen Grundstück. Und ich hatte ein riesiges Kinderzimmer, mit Blick über ca. 1km eigene Felder zum Meer. Ich möchte hier nicht angeben, aber dokumentieren, was mich geprägt hat. Die Natur, das Meer, die Tiere, die Weite, die Freiheit, die Einsamkeit, die Natürlichkeit, die Einfachheit – und natürlich das Essen.

Mein Vater hatte entschieden, nach Irland zu ziehen. Es war Anfang der sechziger Jahre, kalter Krieg und der Russe wurde immer bedrohlicher. War kurz davor, die Mauer zu bauen. Viele sind in dieser Zeit aufgrund der politischen Verhältnisse ausgewandert.

Es gibt viele Geschichten aus dieser Zeit zu erzählen, aber ich beschränke mich etwas unwillig auf das Thema Essen, damit das hier nicht ausufert.

Mein Vater hat neben seinem Job als Arzt in einem Krankenhaus in Dublin – die Ländereien bewirtschaftet, Korn und Kartoffeln angebaut und geerntet. Ich saß mit Vorliebe auf dem riesigen Mähdrescher, um das Korn einzuholen. Auch ging mein Vater auf die Jagd. Und schoss mal einen Fasan, mal eine Taube und mal ein Kaninchen. Alles landete in unserer riesigen Speisekammer. Ein extra Raum zur Lagerung von Lebensmitteln, neben der Küche. Dort wurde das Wild erstmal ein paar Tage aufgehängt/abgehängt, weil das wohl einen besseren Geschmack bewirkt.

Der Autor mit Vater und dem Trecker, mit dem das Feld bestellt wurde

Ich durfte dann dabei sein – und es hat mich sehr interessiert – wenn meine Mutter den ganzen Kram für das Essen vorbereiten musste. Das heißt, das Wild, nehmen wir den Fasan, musste gerupft zerschnitten und ausgenommen werden. Dabei lernte ich, wie man die Federn am besten abzupft, wo man den Schnitt setzen muss, und wie Leber, Niere, Magen, Herz, Lunge beim Fasan (bzw. Taube, Fisch, Kaninchen) aussehen. Dass man auf keinen Fall die Milz anschneiden darf, damit das Ganze nicht ungenießbar wird.

Manchmal musste zur Verpflegung der Familie auch ein Huhn aus dem hauseigenen Bestand dran glauben. Schon das Einfangen war gar nicht so einfach, wie man denkt. Dann hielt man es mit gestrecktem Hals über einen großen Holzklotz. Ein Mittäter haute das Beil genau auf den Hals, was das Huhn in zwei Teile trennte und durchaus mit einigen Blutspritzern erfolgte. Es kam vor, dass der Körper dann noch ein paar chaotische Schritte unternahm, aber dann war das Abendessen für die weitere Zubereitung verfügbar. Damals war vegetarisches Essen noch nicht so ein Thema.

Wir sind auch auf das Meer zum Angeln gefahren und haben Fische mitgebracht. Ich hatte einmal sieben Makrelen an einer Nylonleine mit Federködern, weil wir zufällig in einen Schwarm geraten waren.

Manchmal gab es auch einen Hummer. Das war damals nicht elitär, aber schon etwas besonderes. Lebend natürlich. Der wurde so in das kochende Wasser geworfen und wechselte während des verzweifelten Zappelns seine Schalenfarbe von Blau zu dem bekannten Rot-Orange.

Auch bin ich mit meinem Freund durch die Wälder gestreift und zu einem Bach gewandert, aus dem wir Aale gefangen haben. Übrigens sehr schwer, zu töten. Üblicherweise steckt man den Daumen in den Mund des Fisches und knickt den Kopf nach hinten ab, so dass das Genick bricht. Beim Aal war das schwierig, weil er auch so glitschig war. Egal, ich drifte ab: Er hat sehr gut geschmeckt.

Das Essen hat mich wohl auch geprägt. Ich mag Lamm, das dort viel gegessen wird, Fisch, billige Sausages und manchmal sogar Instant-Kaffee. Oder Cheddar-Käse. Damals war es so: wenn man in den Laden ging, um Käse zu kaufen, wurde gefragt: „Do you want the red one or the yellow one?“. Mehr gab es nicht.

Es gab auch kein vernünftiges Brot, Vollkorn schon gar nicht, nur Toast in vielen Varianten. Für Menschen aus Deutschland eine Qual. So wurde meine Mutter dazu verpflichtet, eigenes Vollkornbrot zu backen. Das braucht übrigens viel Geduld und Erfahrung: Sauerteig ansetzen und pflegen, davon immer einen Teil für das nächste Brot einsetzen und den Ursprungsteig gut und gekühlt aufbewahren. Leider weiß ich das nicht mehr so genau wie das geht.

Um das mal zusammenzufassen: das Essen in Irland war damals furchtbar. Nur durch die Selbstversorgung und Beschaffung durch meinen Vater, sowie die Kreativität und Kochkunst meiner Mutter konnten wir überleben. Im Garten wurden dazu dann die wichtigsten Gemüse- und Obstsorten angebaut. Ein Ideal der Selbstversorgung!

Flash

Ja, ich habe Flash nie so gemocht – obwohl ich immer ein Faible für die Visualisierung und die Animationsmöglichkeiten hatte. Ich weiß noch, vor acht (?) Jahren oder so,kam das total auf. Es wurden ganze Websites in Flash programmiert. So tolle Effekte! Und Geräusche! Und vor allem – Bewegung!!!

Ein kleines Problem war immer, dass man nicht scrollen konnte, nicht zurückblättern konnte und all das liebgewordene Browserverhalten grundsätzlich nicht unterstützt wurde. Viel schlimmer noch: erst später merkte man, dass Flash-Seiten auch von Suchmaschinen nicht besonders gemocht wurden, was heißt, sie waren praktisch nicht vorhanden.

Ich weiss noch, wie Adobe (eine recht unsympatische Softwarefirma, aber dazu an anderer Stelle mehr), Websites mit „Rich Media“ (für mich „schwerfällige medien“) propagierte und selbst auch exerzierte. Später dann aber auch sang- und klanglos beerdigte, weil sie einfach nicht nutzerfreundlich waren.

Nun, Flash hatte natürlich auch Vorteile, die man gezielt nutzen konnte; für Intros oder bewegte Key Visuals, Images, Einbindung von Videos und Musik. Aber die Zeiten ändern sich. Heute gibt es wunderbare JavaScript-Bibliotheken, die vieles von dem ermöglichen, was vorher nur Flash konnte (das übrigens auch auf einer Art Javascript, nämlich Actionscript, basiert). Flash ist zu dem geschrumpft, was es kann und was es soll: ein Bestandteil und Werkzeug für bestimmte Teilbereiche in klassischen (X)HTML-Seiten. Aber selbst das Hauptargument für den Einsatz, nämlich die Darstellung von Videos ist nicht mehr gültig: Durch HTML5 können diese mittlerweile Plattformübergreifend und ohne Plugin in aktuellen Browsern widergegeben werden. Und jetzt – schlagt mich! :)

03. September 2010 // Internetz // Kommentar schreiben!

Rassismus

Ist eigentlich nicht so gut. Ich bin liberal und tolerant, und finde, man sollte etwas dagegen tun!  („Unklarer Bezug!“ hätte mein Deutschlehrer hier angemahnt. Zu Recht! Aber ich liebe nunmal solche sprachlichen Spielereien und ich denke, er würde das verstehen und entsprechend benoten.)

Aber was? Nun: einfach alle Neger außer Landes bringen und keine mehr reinlassen – so einfach ist das! Aber: selbst wenn man dies täte, es gibt ja noch die Gelbhäutigen, die Schlitzaugen, die Mischlinge, Spaghettis, Amis, Polacken, Tommies, Ösis, Bayern. Die kann man natürlich auch alle raus schmeißen. Nur noch native Biodeutsche und Christen zulassen. Puh, aber was ist, wenn die einen Uronkel haben, der aus dem Ausland kam? Eine muslimische Großnichte vielleicht? Einen nicht-arischen Stiefvater? Was passiert, wenn wir die alle rausschmeißen?

Also, das wird zu kompliziert, hat schon früher mal nicht funktioniert und könnte ein paar Nachteile mit sich bringen. Was kann man noch tun? Nun, Aufklärung. Wird seit vielen Jahren praktiziert: alle sind gleich! Und wenn jemand mal nicht gleich ist, sind wir gefälligst tolerant! Der krampfhafte Versuch, Ausländer oder Behinderte (Neuschlimmdeutsch: Benachteiligte) in Filmen als besonders nette Menschen darzustellen, und damit Klischees mit Gegenklischees zu bekämpfen, wird seit vielen Jahren praktiziert. Ohne Erfolg. Das hängt mit dem Netz zusammen – und mit der individuellen Persönlichkeit der Betroffenen.

Auch bin ich der Meinung, zuviel des Guten kann kontraproduktiv sein. Es gibt Menschen, die sich dadurch provoziert fühlen und jetzt erst Recht eine Gegenmeinung entwickeln.

Es ist interessant – und aktuell etwas beklemmend – zu sehen, wie sich die öffentliche (oder mediale, oder politische) Einstellung zu manchen Erscheinungen starken Wandlungen unterworfen ist. Während wir früher als Kinder noch ohne Sorgen, unbedarft und mit großer Freude (ohne rassistisch zu sein – es gab damals auch keinen Anlaß) „Wer hat Angst vor’m schwarzen Mann“ gepielt haben, wäre das heute ein riesen-Skandal. Ich erinnere mich auch an ein Lied aus dem Musikunterricht in den Siebzigern, das eigentlich dazu diente, die Noten besser zu lernen:

„C-A-F-F-E-E, trink‘ nicht so vi-iel Ka-a-ffee. Nichts für Kinder ist der Tü-ür-ke-en-trank, schwächt die Nerven macht Dich bla-ass u-und krank. Sei doch kein Muselmann, der das nicht lassen kann!“

Wäre heute auch nicht mehr so angesagt. Der Zentralrat der Muslime fühlte sich verpflichtet, wegen schlimmster Verunglimpfung auf das Schärfste zu protestieren. Aber so waren die Siebziger. Es ist gut, dass es heute ein Bewusstsein für Diskriminierungen und Übergriffe gibt. Es wird aber manchmal dogmatisch übertrieben. Was mich zum Beispiel geärgert hat: In einem Kinderbuch mit Pippi Langstrumpf taucht das Wort „Neger“ auf. Das war damals kein Schimpfwort. In Neuauflagen musste dies aber wohl zensiert werden. Damit wird die Kunst vergewaltigt. Ich finde, man darf diese nicht verändern, egal warum. Und: Man kann das Wort doch einfach stehen lassen und den Kindern anhand des Beispiels wunderbar erklären, dass sich die Einstellungen in der Welt auch wandeln; Wörter bekommen andere Bedeutungen. So ist das eben. Aber, wenn es weg ist, gibt es auch kein Bewußtsein mehr!

Es ist so: Rassisten haben oft ein Minderwertigkeitsgefühl, denken nicht rational (ein kleiner Widerspruch; Denken ist ja immer rational; vermutlich denken sie gar nicht, sondern FÜHLEN unberechtigterweise etwas) und haben zum Beispiel die Angst, dass andere ihnen etwas wegnehmen. Oder sind einfach nur bescheuert intolerant. DAGEGEN  muss man etwas tun. Selbst wenn es keine Ausländer mehr gäbe, gäbe es noch Rassismus, dann eben gegen Ossis, Homophile, Frauen. Irgendwer ist Schuld an meiner Misere, nur nicht ich!

Ein Teil der Frauen aus Medien, die mich beeindruck(†)en

In Ergänzung zum Männerteil, hier der Frauenteil.

Unbekannt
Es war in den siebzigern. Im Jungen-Internat. Einmal im Jahr kam eine Busladung aus dem Mädcheninternat vorbei, um eine Party zu feiern. Dabei gab es auch Vorstellungen durch die jeweiligen Geschlechter. Die Mädels waren als Männer verkleidet. Mit Anzug und Schnurrbart und Zigarillo. Und performten zur Musik von Lou Reed – Walk on the Wild side. Das hat mich beeindruckt.

Iris Radisch
Ressortleiterin im Ressort Feuilleton, DIE ZEIT. Gesehen vor vielen Jahren in einer Gesprächsrunde im Fernsehen. Wunderhübsch, lässig, schön maskulin in einem Hosenanzug. Sie redet nur kluge Sachen. Die hätte ich an dem Abend sofort geheiratet.

© Klaus Kallabis

Angela Merkel
Ja, wirklich! Nicht ganz mein Typ, aber wunderbar solide und zuverlässig. Ich verstehe das aktuelle „Bashing“ nicht. Seit Frau Merkel geht es uns so gut wie nie. Sei macht einfach ihren Job.  Und sie hat alle Utopien der Sozis und Grünen verwirklicht. Was will man mehr?

Maybritt Illner
Die einzige Quatschrunde, die ich mir ab und zu gerne ansehe. Weil es nicht um die Moderatorin geht, sondern um die Gäste und das Thema. Vor vielen Jahren sind wir ihr im Tiergarten begegnet und sie sagte irgendetwas nettes zu unserem kleinen Sohn. Das hat die Wahl aber nicht beeinflusst.

Charlotte Roche
Die war mal bei einem großen Fernseh-Musiksender. Sie erzählt etwas, beim Autofahren, durch das Fenster, in die Kamera, die wohl irgendwie außen befestigt ist. Inhaltlich alles Quatsch, aber sehr charmant und unterhaltsam. Ich bin gebannt! Irgendwann fängt sie an, sich einen Spaß daraus zu machen, immer länger in die Kamera zu gucken. Ich halte das kaum aus: Mädel, guck nach vorne, nach vorne!!! Aber es geht dann doch noch  gut…
(Ich weiß um die Bedeutung und die Auswirkung des Wortes „Mädel“ aber ich fand das hier passend. )

Sahra Wagenknecht
Ja, Vertreterin der Linken, Nachfolgepartei der SED. Aber überzeugend. Angenehm sachlich und klassisch links. Die Aussagen gegen Großkonzerne unterstütze ich voll und ganz. Auch alles für Abrüstung und erneuerbare Energien. Leider ist sie in der falschen Partei.

Isabelle Huppert
Französische Schauspielerin, mit roten Haaren. Und das unglaublich gut. Gesehen das erste Mal in „Die Spitzenklöpplerin“ Als beeindruckter Jugendlicher. Viel später auf der Berlinale: Malina. Und im Netz La Pianiste. Sehr schön schräge Rollen. Später habe ich sie (nicht wirklich, oder?) in Berlin gesehen, wie sie über die Straße ging.

Hier noch eine private Erfahrung.

OK, Musikerinnen gelten wohl nicht; trotzdem hier drei davon: Siouxsie SiouxPJ Harvey und Nina Hagen.

Jetzt muss ich wohl auch noch ein Rubrik für Transgender und sonstige machen. Aber da fällt mir nur einer ein: Genisis P. Orridge, oder auch Anthony?

14. September 2018 // Kulturelles // Kommentar schreiben!

Schankwirtschaften

Risiko – Yorckstraße

Sehr bekannt und beliebter Hedonistentreff. Aber eher eine Eckkneipe. Ich erinnere mich, wie mir auch ein gewisser Herr Bargeld ein Bier über die Theke reichte. Es gibt einen etwas langweiligen Film über den letzten Tag im Risiko (1986)

Oranienbar – Oranienstraße

Eine Schankwirtschaft. War sehr angesagt, aber unter dem Namen O-Bar! Man trank Campari Orange oder Curacao Blue. Hauptsache farbig.  Oder Bier. Hinter der Theke war für Touristen, die keine Ahnung hatten,  ein Spruch auf die Wand gemalt: „No fucking Beck’s“. Der gefällt mir heute noch.

Fischlabor – Frankenstraße

Einer der Läden, die neu und wirklich außergewöhnlich waren. Gemütliche Athmosphäre – das war in den Achtzigern eine Revolution. Aber doch noch mit Neonlicht. Das war das, was man heute Lounge und Chillen nennen würde.

Madonna – Wiener Straße

Eine angesagte „Szenekneipe“ mit guter Musik; war mal eine Zeitlang Treffpunkt mit anderen. Auch Berühmtheiten wurden schon gesichtet. Im Film „Herr Lehmann“ verewigt. Gibt es heute noch!

Das Madonna am Abend. Foto: Facebook.

Ex‘n‘Pop – Schwäbische Straße

War ich nie, obwohl es wohl auch eine Reminiszenz an meinen Lieblingsmoderator war.

Domina Bar – Winterfeldtstraße

Dort ging man hin, wenn der Dschungel oder die anderen geschlossen hatten, also ca. ab 4.00 Uhr. Und man traf die anderen Diskogänger deren Läden geschlossen wurden. „Wo wart Ihr denn heute?“

Ruine -Winterfeldtplatz

Wohl ein Überbleibsel aus den Siebzigern. Ein Punk-Rockiger Schlunzladen, der nur mit viel XXX oder YYY zu ertragen war. Habe ich eher selten besucht, war aber interessant. Info extern

Nomen est Omen. Ein schlimmes Etablissement mit schlechtem Bier, aber relativ bekannt und berüchtigt. // Quelle: kneipenlog.de Foto: Timeline Images/xingxeng

 

Slumberland – Winterfeldplatz

Eine Legende, aber war ich auch selten. Und gibt es heute noch. Auch noch mit Sand auf dem Boden? Hier war früher mal der bis 1978 der Dschungel drin. Benannt nach der vom Vorgängerladen verbliebenen Fototapete mit Szenen aus Disney’s „Dschungelbuch“. Das waren aber noch die Siebziger!

Wirtschftswunder – Yorckstraße

Etwas schrammeliger Laden mit spießigen Fünzigerjahre-Möbeln. Weiß nicht mehr genau, warum der so angesagt war, aber man traf sich öfters dort und ich gebe zu, dass ich zu der Zeit auch einen Nierentisch in der Bude hatte, obwohl ich die 50er hasse! Praktisch auch: daneben war das angesagte Yorck-Kino. Bewundernswert: Beide Läden gibt es heute noch/wieder. Ersterer wurde wohl durch die Kinder übernommen, wie auf wiwu.berlin zu lesen ist. Ein Familienbetrieb in zweiter Generation!

Das Wirtschaftswunder gibt es heute noch – zumindest in Form eines Cafes.

Triebwerk – Flughafenstraße

Etwas angesagte Kneipe in Neukölln, das damals sonst vollkommen uninteressant war. War Schichtleiter in einem Kraftwerk. Nach der Nachtschicht, ca. 6.00 Uhr morgens, gingen wir mit der ganzen Mannschaft noch dorthin, weil nichts anderes mehr auf hatte. Kollege P. spendierte etwas zu rauchen und wir haben uns wunderbar amüsiert und entspannt, bevor es dann doch ins Bett ging. Später war ich mal alleine dort und die hübsche Bedienung interessierte sich ungemein für die Hose, die ich an hatte. Das war eine Hose aus rotem Leder, zusammengehalten durch braune Lederstriemen, die ich mir mal selber geschneidert hatte. Am nächsten Tag brachte ich ihr die Hose; sie ging mit mir ins Nebenzimmer, zog sich – bis auf die Unterhose aus – und zog meine Hose an. Gekauft! Für 80,00 DM oder so. Etwas wenig im Nachinein und vor allem aus heutiger Sicht.

Oma Leidicke

Nicht der coolste Achtziger-Laden, aber eine Institution und sollte daher erwähnt werden. Um die Ecke vom Risiko. Und man musste schon sehr vielseitig sein, um dieses Urgestein genießen zu können. Urige Einrichtung, freundliche Bedienung und gepflegte – äh – Fruchtweine und Liköre. Ekelhaft! Aber ein paarmal war ich da. Und auch diesen Laden gibt es heute noch. Als Leidicke. Aber wohl mit etwas anderem Publikum.