Freiheit

In meiner späten Jugendzeit, in den Siebzigern (Ihr könnt jetzt mein Alter abschätzen), haben wir im elitären Jesuiteninternat (in dem auch dieses passierte), umfangreiche Diskussionsrunden abgehalten und stundenlang sehr akademisch über bestimmte sehr philosophische Fragestellungen diskutiert. Zum Beispiel: Was ist Freiheit?

Das Ergebnis ist interessant: Freiheit gibt es nicht! Alles ist relativ. Nur ein Stein hat weitgehende, aber auch nicht vollkommene Freiheit. Er kann nicht denken, er weiß gar nicht, was Freiheit ist. Er ist einfach da. Alles andere ist unwichtig. Erst wenn ich von allen Möglichkeiten, Gedanken, Regeln befreit bin, bin ich frei. Freedom is just another word for ‚Nothing left to loose‘ (mehr dazu). Aber so frei möchte ich dann auch wieder nicht sein.

Die unerträgliche Schönheit des Untergangs

Auf dem Gymnasium habe ich in Kunstgeschichte unter anderem gelernt, Bilder zu beschreiben und zu interpretieren. Dabei ging es um klassische Kunst, große und bekannte und vor allem anerkannte Künstler. Man kann aber natürlich auch andere Bilder betrachten. Wichtig ist, dass diese besonders sind, eine Aussage und/oder eine Bedeutung haben. Also, hier nach mehreren Jahrzehnten ein neuer Versuch der Bildbeschreibung, an einem Objekt, das mich dazu inspirierte und das eine gewisse gesellschaftliche Rolle spielt(e).

Hat sich hier jemand einen Scherz erlaubt?

Man sieht eine karge Landschaft in düsteren Farben. Alles ist in Grautönen gehalten, mit leichten Nuancen in das rötliche. Tief hängende Wolken, ein unendlicher Horizont. Im Hintergrund könnte das Meer sein. Eine Szene am Strand? Egal, entscheidend ist das monströse Gebilde in Bildmitte. Auf den ersten Blick ein riesiger Pilz. Auf den zweiten: eine Rauchwolke, wie sie typisch für Fotos von Atomexplosionen ist, also ein „Atompilz“. Mit Fuß, mit Stamm und mit Kopf.

Das abweichende ist vor allem der Kopf. Es sieht eher aus wie eine dreiköpfige Hydra. Einer nach links, einer nach rechts und einer nach vorne. Und dieser ist nochmal besonders: wenn man genauer hinsieht, erscheinen ein Knollennase, zwei Augen, ein groß geöffneter lachender Mund. Ein Clowngesicht! Als ich dies bemerkte, fragte ich mich: ist das ein echtes Foto? Ist das vielleicht gemalt, manipuliert, eine Persiflage?

Ich fing an zu recherchieren. Es gibt Suchmaschinen, die ähnliche Bilder oder Webseiten finden, die das Bild darstellen. Ich konnte keine Originalquelle finden. Kein Hinweis darauf, ist das ein Foto oder gemalt? Das macht die Sache mystischer, aber etwas unbefriedigend. Falls jemand hierzu etwas sagen kann, gerne, danke. Es gibt aber noch andere Bilder mit beeindruckender und erschreckender Schönheit (LINK)

Ich fürchte, das Bild ist nicht echt. Zumindest kein Foto. Schade.

Ich hatte damals in Kunst eine 4. Ich denke und hoffe, dass der Lehrer von dieser Interpretation begeistert wäre. Aber es liegen ja auch viel Jahrzehnte dazwischen. Sehr wahrscheinlich ist er tot und kann sein Urteil nicht mehr revidieren.

01. Oktober 2018 // Kulturelles // Kommentar schreiben!

Querdenkerbommel

Ein schönes Wort, das ich bisher nie gehört oder gelesen hatte. Es ist mir in einer Film-Dokumentation des Spiegel über Verschwörungstheoretiker aufgefallen. Ein Thema, das ich sehr interessant finde. Ausgesprochen hat es die Teilnehmerin einer Demonstration gegen Maßnahmen der Bundesregierung zur Eindämmung des Virus‚.

Das Schmuckstück sei ein Zeichen für die Unabhängigkeit und die Nutzung des eigenen Gehirns. Das ist ja grundsätzlich gut (so einer bin ich auch), in diesem Fall aber leider nicht zutreffend, da das Gehirn nicht eingesetzt wurde, sondern ein diffuses Gefühl. Immerhin hat sie bestätigt, dass der Bommel sie nicht vor der Invasion einer schrägen Weltmacht oder vor den Strahlen schlimmer Mobilfunktechnik schützen sollte, sondern einfach nur eine Stellungnahme sei.

Eine verkrumpelte Kugel aus Aluminiumfolie wird zum Erkennungszeichen von Menschen, die Erkenntnisse hassen und das als eigenständiges Denken bezeichnen, obwohl es nur diffuse Ahnungen sind. Aluminiumfolie spielt übrigens in der Szene eine wichtige Rolle; bisher war auch der Aluhut sehr beliebt. Beides aktuell leider sehr verbreitet.

Natürlich kann und sollte man über Verschwörungstheoretiker lachen und sie nicht ernst nehmen. Weil sie einen ziemlichen Quatsch erzählen. Das ist besser, als wenn man sie ernst nähme. Dann müsste man sie verfolgen und einsperren, da sie genau genommen schlimme Lügen verbreiten und die Bevölkerung aufhetzen.

Tschuldigung!

Es ist schön, dass es eine Möglichkeit gibt, Versehen oder Rüpeleien wieder gut zu machen, oder genau genommen, zumindest die Achtung der anderen wieder zu erlangen und Unstimmigkeiten zu klären. Das ist ein bisschen so, wie die Beichte in der katholischen Kirche. Ich  erkläre mich und erhalte den Segen.  // weiterlesen! 

23. Januar 2021 // Gedanken, Philosophisches // 2 Kommentare

Jahrhundertregen

Ich bin ja, wie die meisten, ein aktiver Verkehrsteilnehmer. Im Wesentlichen betrifft das die Bereiche Autofahrer, Fahrradfahrer, Fußgänger. Es gibt aktuell noch andere Fortbewegungsmethoden, die ignoriere ich jetzt mal. Also, ich fahre gerne mit dem Fahrrad. Es ist emotionaler, sensibler, als mit dem Auto. Und natürlich nicht ganz so haptisch, wie zu Fuß gehen, aber schneller. Egal. Mit dem Fahrad, komme ich mittlerweile genausoschnell in mein Büro, wie mit dem Auto. Und das ist vor allem zuverlässiger! Keine Staus, Umleitungen, Sperrungen, Verkehrsidioten. Voraussetzung ist: entsprechendes Wetter. Es darf nicht regnen, nicht zu kalt sein. In dem Sinne sehe ich mir immer die Wettervorhersage an, an, bevor ich mich für das Fahrrad entscheide. Es ist manchmal ein Wagnis. 50% Regenwahrscheinlichkeit heißt: es kann regenen, aber auch nicht.

Eines Tages bin ich – etwas waghalsig – mit dem Fahrrad ins Büro gefahren, weil die Vorhersage für den Vormittag ansprechend aussah. Für den Nachmittag wohl leider nicht. Auf der Rückfahrt bin ich in einen extremen Regenschauer gekommen, der sich im Nachhinein als der extremste Niederschlag seit XXX Jahren herausgestellt hat. Die Rede war von „Jahrhundertregen“. Als es losging, war ich gerade Unter den Linden und dachte,  es wäre eine gute Idee, unter dem Brandenburger Tor Schutz zu suchen und den Regenguß abzuwarten. Wie ca. 100 andere Menschen, Touristen, die auf die gleiche Idee kamen oder keine andere Wahl hatten. Es war kaum noch Platz unter dem Tor. Der Regen ließ nicht nach, sondern wurde eher schlimmer. Dann kam auch noch ein starker Wind auf, der den Regen quasi horizontal durch das Tor fegte, so daß das Dach keinen Schutz mehr bot.

Die ersten Touristen entschieden sich dafür, loszulaufen und ein Taxi aufzurufen. Ich entschied mich aufgrund der aussichtslosen Lage dann dazu, einfach weiterzufahren. Egal. Wenn man sich erstmal damit abgefunden hat, dass alles nass wird, ist es egal! Man fährt durch 10cm hohe Pfützen, das Wasser spritzt an die Schuhe, die jetzt auch total durchnässt sind. Egal. Alles andere ist sowieso schon naß. Dann macht es auch auf einmal Spaß: im schlimmsten Jahrhundertregen durch die Stadt zu fahren und sich einen Scheiß darum zu kümmern, dass alles naß wird. Zu Hause angekommen, einfach alles ausziehen, die Haare föhnen, die Wäsche in die Waschmaschine stopfen, ein Kurzen zu sich nehmen und entspannen. Alles wieder gut.

Jahrhundertregen in Berlin. Ich war dabei. An historischem Ort.

15. November 2019 // Erfahrungen // Kommentar schreiben!

ASCII-Kunst

Ist natürlich keine Kunst. Aber man kann mit einer bestimmten Anordnung von Zeichen auf dem Rechner auf eine gewissermaßen kunstvolle Art und Weise kleine Grafiken, Piktogramme oder sogar Bildchen erstellen. Sie beruht auf dem  – etwas begrenztem US-„Amerikanischen Standard-Code für den Informationsaustausch“. Eine 7-Bit-Zeichenkodierung. Aber egal. Es reicht für Spielereien.

Einfache Beispiele sind kleine emotionale Ikonen (Emoticons)

:-)
;-)
:~}
(ツ)

Gesichter sind besonders beliebt

(\__/)
( ° ° )
( ͡°͜ʖ͡°)
(❀‿❀)
( ͡° ͜ʖ ͡°)
(¬_¬)
{._.}
[‚}

Dann auch kleine Grafiken

<°}(///><

【๏̯͡๏】
(•̪●)
¯\(ツ)/¯

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Es gibt auch niedliches

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            (@ @)
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|	   LUSTWORT          |
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           |__|__| 
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           ooO Ooo

 

Und komplexes

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Aber auch ganze Bilder sind möglich. Wer erkennt das Kunstwerk?

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Richtig. Es ist die

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Nicht ganz so schön und ausgefeilt und wertvoll, wie das Original, aber erkennbar.

 

Man muss das nicht mehr alles selber erstellen und stundenlang optimieren. Es gibt mittlerweile Programme, die einem jede beliebige Schrift oder sogar Bilder in ASCII-Kunst verwandeln können. Das ist natürlich etwas zu einfach, aber macht auch Spaß. Für Wörter gibt es den genialen Text to ASCII Art Generator unter http://patorjk.com/software/taag/ der auch noch verschiedene Schriftarten und -eigenschaften generieren kann, es gibt wohl unglaubliche über 300 Variationsmöglichkeiten, eine davon ist Lary 3D:

 __                       __                               __      
/\ \                     /\ \__                           /\ \__   
\ \ \      __  __    ____\ \ ,_\  __  __  __    ___   _ __\ \ ,_\  
 \ \ \  __/\ \/\ \  /',__\\ \ \/ /\ \/\ \/\ \  / __`\/\`'__\ \ \/  
  \ \ \ \ \ \ \_\ \/\__, `\\ \ \_\ \ \_/ \_/ \/\ \ \ \ \ \/ \ \ \_ 
   \ \____/\ \____/\/\____/ \ \__\\ \___ ___/'\ \____/\ \_\  \ \__\
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Die Erstellung funktioniert auch für Bilder, sogar in Farbe, wird aber etwas komplex. Dafür nutzt man den Ascii Art Generator https://www.ascii-art-generator.org/de.html. Hier das Beispiel Autor bei der Arbeit (könnte auch Alien bei der Arbeit heißen). Das sind aber schon fast 100.000 Zeichen Quellcode und widerspricht dem Grundsatz der Simplizität. Das ganze ist natürlich auch nicht anpassbar und sieht auf kleinen Bildschirmen oder Mobilgeräten schlimm aus.

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Gorg beim Schreiben – als ASCII-Salat. Geht mal mit gedrückter linker Maustaste über das Bild – es ist kein Bild!

 

02. Mai 2020 // Kulturelles // Kommentar schreiben!