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gorgs // deutschpop schönundschräg

Eigentlich geht es hier ja vorrangig um Sprache, aber in letzter Zeit immer mehr und gerne auch um Musik! Vielleicht muss ich dieses Tagebuch bald mal in lustmusik umbenennen? Aber man darf auch beides machen. Und während ich mich bereits ausführlich mit der deutschen Sprache befasst habe, kann ich auch mal wieder etwas zur Musik loswerden.

Kenner wissen bereits, dass der Titel auf eine Abspielliste hinweist, die bei einem Strömungsdientsleister mit S. erstellt wurde und von allen abrufbar ist. Das hier ist „Meine spezielle Auswahl an sehr guter, ungewöhnlicher und weitgehend unbekannter deutscher Popmusik. „. In vielen Jahrzehnten professionellen Musikhörens habe ich deutsche Künstler bisher zu wenig beachtet. Die wichtigsten Phasen – Krautrock und Deutsche Welle – natürlich nicht (sehr nicht nicht beachtet)! Die deutschen Achtziger habe ich in der Liste // deutsche welle unbekannt dokumentiert. Im Vergleich merkt man erst, wie viel besser die Musik der Achtziger im Vergleich zu heute war. Eine Liste zum Krautrock ist in der Planung.  Es gibt aber auch viel hörenswertes aus halbwegs aktueller Zeit und dieses Portal hilft mir dabei, das ergiebig zu erkunden und zu dokumentieren.

Deutsche Popmusik hatte ich auch immer etwas vernachlässigt, weil sie musikalisch nicht so interessant war, und selten die tolle Leichtigkeit und Verspieltheit britischer Popmusik  erreichte, das hat sich mittlerweile erheblich verbessert, teilweise internationales Niveau, aber viel schlimmer waren und sind nach wie vor deutsche Texte, die im anglophilen ja anerkennend als Lyrics bezeichnet werden. Die sind manchmal einfach nicht poetisch, passen nicht zur Musik, sind nicht im Rhythmus und sind oft verkrampft, bürokratisch und möchtegern-lustig. Ein Ausschlusskriterium. Dennoch habe ich durch weitreichende Recherchen eine ansehnliche Sammlung (unter 100 Titeln mache ich es nicht) sehr guter und höhrenswerter Musik der letzten Jahrzehnte zusammenstellen können, die überwiegend nicht bekannt sind und gerne mal etwas ungewöhnlich sind. Das kann man gut nebenbei hören und es macht Spaß! Und ich möchte auch dabei helfen, diese Musik etwas bekannter machen, da es in Deutschland ja nicht so eine imperialistische Marketingmaschinerie wie in den USA gibt, um anderen Ländern ihre Kultur aufzuzwingen und weil deutsches im Radio viel zu selten zu hören ist.

Eine echte Entdeckung ist Sofia Portanet, von der ich so begeistert bin, dass ich einen eigenen Artikel dazu schreiben wollte. Das wird mir aber gerade zuviel Arbeit, daher erstmal hier: Musik im Klang der Achtziger mit einer wunderbaren und exprimentierfreudigen Stimme. Wenn sie xxx macht (das klingt so, als wenn man mit beiden Fingern die Haut an der Gurgel anfasst und hin schnell und herbewegt, dabei die Gurgel berührt; ich kenne den Fachbegriff nicht, aber sie macht es natürlich ohne) schmelze ich dahin. Etwas ähnlich, wie meine Lieblingin Siouxsie, oder wie xxx (Name fällt mir gerade nicht ein, wird nachgeliefert. Lene Lovich? Ari Up? Egal.) Und dann noch mit Texten von Heine. Und eine starke Musik! Und eine charmante Frau. Ich glaube, ich habe sie letztens am Winterfeldmarkt vorbeilaufen sehen, und wir haben uns lange 1,5 Sekunden  nachgeguckt, ich habe mich aber nicht getraut, zu fragen, ob ihre Initialen S.P. wären. Das hätte mir gereicht, um ihr meine Begeisterung mitzuteilen. Wenn Du das wirklich warst, melde dich mal!

Sofia P. geht mit Heine als Wanderratte akustisch auf die Reise. Ein wunderbarer Auftritt! Vielleicht etwas illegal, aber ich mach‘ ja hier Werbung, wenn’s Probleme gibt, bitte melden! Und schade, dass Ansage und Absage nicht auf deutsch sind.

Die Liste umfasst sehr unterschiedliche Musik, aber aufgrund des Popfaktors meistens kompatibel und hörbar. Ich nenne mal ein paar ungewöhnliche Namen, die mir aufgefallen sind, nicht nur positiv und unabhängig von der Qualität der Musik: Acht Eimer Hühnerherzen, Blond, Die Goldenen Zitronen, Die Wilde Jagd, The Düsseldorf Düsterboys, Erregung Öffentlicher Erregung, Farin Urlaub, Mühlheim Asozial, Schnipo Schranke, Oum Shatt.

Hier der Link https://open.spotify.com/playlist/5pKkailmTuXEsbNyOuuKLH?si=200196e6a03f453c

Und hier eine Auswahl:

 

Gewalt

Gewalt ist nicht gut; sie ist zu Recht negativ besetzt. Zumindest für den, der Gewalt erfährt. Der, der sie ausübt, kann sich austoben, abreagieren, ein Ziel erreichen, was ja eigentlich gut ist. Aber Ziele sollte man heutzutage lieber ohne sie anstreben. Was oft nicht gesehen wird, es gibt zwei Arten von Gewalt: Die physische und die psychische. Erstere ist aber verbreiteter, oder? Nein, sie wird nur zu Unrecht als wesentlicher angesehen. Psychische Gewalt kann Menschen genauso fertig machen. Ich verstehe nicht, warum das bisher nicht so gesehen wird. Das Problem ist natürlich, dass man psychische Gewalt nicht so gut erkennen und nachvollziehen kann. Wenn der Mann seine Frau verprügelt, sieht man die Spuren, das blaue Auge. Die Ausrede, sie wäre gegen die Wand gelaufen hilft meist nicht. Macht aber zum Beispiel die Frau den Mann psychisch fertig, ist es sehr schwer, die angegriffene Psyche zu erkennen und als Gewalteinwirkung zu definieren und zuzuordnen. Ich bin dafür, beide Gewaltarten gleichzustellen. Und manchmal wäre auch für das Kind eine Ohrfeige besser, als ihm mit Liebesentzug zu drohen.

Kassetten

Ich bin froh darüber, in einer Zeit aufgewachsen zu sein, in der ich sowohl das analoge als auch das digitale Leben und alle damit verbundenen technischen Errungenschaften erfahren und nutzen konnte. Junge Menschen von heute werden nie verstehen, was es bedeutet, eine Schallplatte vorsichtig aus der Hülle zu nehmen (ohne sie anzufassen!), sie sorgsam auf den Plattenspieler zu legen, vorsichtig die Nadel anzuheben und auf sie niederzulassen, um dann vollkommen entspannt eine wunderbare Musik mit ausgeprägtem Knistern, Rumpeln und Rauschen zu hören. Ein sehr individueller und einzigartiger Musikgenuss.

Da ist die Kassette als Medium einfacher zu handhaben, aber auch nicht mehr ganz aktuell. Hier nennt man die Nebengeräusche aber eher Fiepen und Leiern, aber auch hier gibt es ein ausgeprägtes Rauschen. Also: das sind Minitonbänder, auf denen man Musik speichern und wieder abspielen und anhören konnte. Damals war es ein Ansporn für Liebhaber, diese mit unterschiedlicher Musik in einem sehr individuellen und bestimmten Stil aufzunehmen („Mixtapes“) und zu verschenken. Eine besondere Ehre, es zu machen und/oder eine zu erhalten. Das meiste habe ich aber für mich aufgenommen und gehört. Viel John Peel dabei, aber auch unterschiedlich inspirierte Mixe, entweder per Schallplattenspieler oder aus dem Radio aufgenommen. Und ich habe auch mal selber Musik gemacht: mit E-Gitarre, Plattenspieler und zwei Kassettenrekordern. Ziemlich experimentell! Aktuell traue ich mich noch nicht, das hier zu veröffentlichen; es könnte auch verstörend wirken. Vielleicht später.

Und ich habe alles aufbewahrt und werde mir das später als Rentner mal wieder anhören. Oder? Im Rahmen einer unerklärlichen und vollkommen übertriebenen Aufräumphase habe ich letztens damit begonnen, die wichtigsten Sachen zu digitalisieren und die unwichtigen wegzuschmeißen. Aber nicht zuende geführt. Zwei drei weggeschmissen, bis mich dann doch die Skrupel überfielen. Das sind doch Zeitdokumente! Teilweise noch aus den Siebzigern! Musik ist doch Dein Lebensinhalt! Viele alte Erinnerungen! Die darf man nicht wegschmeißen! Allein das Wort ist schon unschön! Nun das gute an Kassetten ist ja auch, dass sie so klein sind und so gesehen wenig Platz wegnehmen. Es gibt eigentlich keinen Grund, diese aus einem Leben zu verbannen in dem die Musik und die Technik eine herausragende Rolle spielen. Und das kann man ja später immer noch. Oder auch nicht.

Ein Teil der lebenswichtigen Sammlung mit selbst gestalteten Hüllen

09. Mai 2021 // Privates // 2 Kommentare

Judin

Eine kleine Episode aus den Siebzigern, als ich jugendlich war und ein Pony hatte. Nein erstmal nicht mehr. Das Pony war noch in Irland und wir mussten es erst nach Deutschland in eine Kleinstadt in der Eifel transportieren.

Ich weiß nicht mehr genau, wie das ablief. Eine Spedition? Egal, ich musste mit meiner Mutter im R4 mit entsprechendem Anhänger nach Le Havre gurken, wo das Tier mit einer Fähre angeschifft wurde. Viele Stunden Fahrt durch ganz Frankreich. Einmal machte die Karre mitten in der französischen Pampa Ärger und blieb fast stehen. Wir schafften es aber irgendwie noch in den nächsten Ort. Und es gab sogar eine Werkstatt und ich erklärte dem Typen auf französisch radebrechend, was wir wollten und was das Problem war. Nach einiger Zeit sagte er dann in bestem berlinerisch: „Na, dann wolln wa mal sehen, wat sich machen lässt.“

Ich bin immer sehr interessiert an Ursachen. In diesem Fall war es eine verstopfte Einspritzdüse. Das Problem war dann schnell erledigt und wir konnten die Fahrt fortsetzen. Ankunft und Übergabe des Ponys in Le Havre irgendwann mitten in der Nacht. Geklappt! Dann wieder Rückfahrt über die gleiche Monsterstrecke, wohl ohne weitere Probleme und das Pony kam in den örtlichen Reitstall. Der Stallmeister hatte einen lokalen Dialekt drauf, den ich beim besten Willen nicht verstand. Dauner Platt. Wer es nicht glaubt, hier eine Beispiel: „Os hey jet off jiff jen?“ heißt zum Beispiel für normale Menschen: „Ist hier etwas abgegeben worden?“. Egal, ich drifte ab.

Zu der Zeit hatte ich einen Freund Klaus T., der ca. 7 Jahre älter war (ich hatte meistens ältere Freunde), und schon etwas weiter und der auch ein Pony hatte und der vorschlug, zu zweit, einen Verein im Verein zu gründen. Den Pony Club Daun! Wir haben uns rote Kapuzenpullis gekauft und unser Logo vorne in mühevoller Handarbeit in weiß drauf gestickt.

Pony Club Daun Ausritt mit kunstvoll selbstbestickten roten Kapuzenpullis

Über dem Ponystall war eine zweite Ebene zur Lagerung von Heuballen, in der man sich als Jugendlicher aber auch ganz gut aufhalten konnte, heimlich rauchen konnte (Lord war angesagt) und von den Eltern unbemerkt in der Clique große Flaschen Jägermeister vertilgen konte. Aber es ging auch um das Reiten und da habe ich sehr viel gelernt in dieser Zeit. Und ich liebte mein hübsches und unaufgeregtes Apfelschimmel-Connemara (während die Anka von Klaus immer etwas hysterisch war) das aus irgendeinem Grund nach der „unilateral declaration of independence“ benannt war.

Und hier noch eine kleine Würdigung des Autos, das ja auch einiges mitgemacht hat

Eine kleine Würdigung unseres R4, mit dem ich später nach Berlin umzog, außerdem ich und eine Schwester

 

04. Mai 2021 // Privates // Kommentar schreiben!

Es gibt da ein Problem mit der Gleichbehandlung

Wenn ich über etwas schreibe, muss ich mich festlegen: Schreibe ich zum Beispiel über Frauen und Männer? Oder über Männer und Frauen. Eine Gruppe wird bevorzugt, da sie zuerst genannt wird. Die andere ist stark beleidigt, empört sich zutiefst und der jeweilig zuständige Verband und die Interessenvertretung protestieren auf’s Schärfste und  fordern öffentlich und ultimativ die sofortige und unbedingte Gleichstellung.

Das ist grundsätzlich in Ordnung: Ich bin ja für die Gleichbehandlung. Aber wie kann man das umsetzen? In der Sprache, in der Literatur, in der Musik? Manche sagen, Frauen sind benachteiligt, deswegen sollte man sie zuerst nennen. Das hält aber nicht lange. Irgendwann melden sich dann die Männer zu Wort. Mich interessieren aber nur gerechte und nachhaltige Lösungen.

Und das wird schwierig. Selbst wenn man Männer und Frauen, bzw. Frauen und  Männer untereinander schriebe und sie damit im Lesefluss gleichzeitig auftauchten, würden Fanatiker bemängeln, dass eine Gruppe oben, die andere unten stünde. Auch wenn ich abwechselnd die eine und dann die andere Gruppe zuerst nennte, wäre das ungerecht, da in der Summe immer eine Gruppe öfter zuerst genannt würde, außer wenn ich zufällig eine gerade Anzahl an Aussagen getroffen hätte. Aber auch bei numerischer Gleichheit wäre es angreifbar, wenn bei bestimmten wichtigen Themen, eine Gruppe häufiger genannt würde als bei unwichtigen. Gibt es einen Kompromiss, der beide zusammenfasst, wie Männen oder Frauer? Männ*Innen, Frau_er. Nein, auch hier ist ein Wortstamm immer zuerst.

Vielleicht besinnen wir uns auf übergeordnete Kriterien. Ich bin auch eigentlich dafür, die Einteilung in Gruppen komplett zu vermeiden. Sie unterstützt Vorurteile und grenzt ab. Menschen wäre der Kompromiss; das sind wir doch alle! Oder seien wir mal gelassen und finden uns damit ab: mal ist der eine vorn, mal die andere?

11. März 2021 // Gedanken // 1 Kommentar

Mannfrau

Ich bin eigentlich eine Frau. GORG-IA. Aber eine mit einem Hang zum Maskulinismus. Der Schniedelwutz heißt doch noch lange nicht, dass ich ein Mann bin, oder? Aber auch mit einem Körper, der mir nicht mehr sooo gefälllt, da er nicht mehr sooo gut funktioniert, wie früher (früher war mehr Lametta). Das Gute: das Hirn ist noch aktiv. Das sagt mir: Du bist ein Mann! Im Stehen gezielt zu pinkeln ist schon ein Vorteil. Aber, sich ständig rasieren zu müssen nervt auch. Aber mir gefällt diese vorvorletzte und eindeutige Erkenntnis.