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Sprachvergutbesserer

In einem Forum bekam ich den Hinweis auf ein interessantes Zusatzprogramm für meinen Netzseitananzeiger mit dem wilden Namen Feuerfuchs. Mit solchen Einstöpseln kann man die Funkionen des Programms nach Belieben erheblich erweitern. Ich nutze zum Beispiel die Erweiterung vom DWDS. So kann ich interessante Wörter markieren und per Rechtsklick direkt im DWDS anzeigen/erklären lassen.

Der etwas seltsame und anglophile Name der empfohlenen Erweiterung lautet „Binnen-I be gone“. Das Binnen-I dürfte reflektierten Lesern bereits bekannt sein: es soll gerechte Genusbezeichnungen erlauben. Eine kleine Glosse hatte ich mir dazu schon erlaubt. Be gone ist offensichtlich englisch und heißt im Zusammenhang mit einem Ausrufezeichen: „Fort mit Dir!“ Und genau das macht unser Zusatzprogramm auf Wunsch auf jeder Internetseite. Es ersetzt diese misslungenen Sprachschöpfungen mit der schönen alten maskulinfixierten aber nicht im Sinne der Diskriminierung erschaffenen Schreibweise (3.596 Menschen nutzen das aktuell)!

Ich habe es sofort installiert. Nicht, weil ich ein fieser Frauenfeind bin und grundsätzlich und mit allen Mitteln Mikrosexismen unterstützen und verbreiten möchte. Sondern, weil ich diese sprachlichen Neuerschaffungen nicht mag. Sie stören den Lesefluss. Sie sind sprachlich nicht schön. Und sie sind ungerecht. Bei mir ändern solche Formulierungen auch nichts an meinem Verständnis, da sie äußerlich sind. Ein Klick und alles ist wie früher (früher war mehr Lametta) – ist das nicht schön? Auch die Anzahl der gefundenen Vorkommen wird einem angezeigt. Das ist hilfreich für den Vergleich unterschiedlicher Medien.

Und es hat mich auf die Idee gebracht, mal zu recherchieren, was es sonst noch für tolle Erweiterungen gibt, die für Sprachinteressierte von Bedeutung sein könnten.

Als erstes möchte ich der Sportlichkeit halber eine Erweiterung erwähnen, die genau das Gegenteil von dem oben genannten macht: Der „Gender Changer“ (auch ziemlich anglizistisch), „Ändert die Männliche ausdrucksform zu einer Weiblichen * z.b (Arbeiter zu Arbeiter*innen)“. Hier wird endlich mal zugegeben, dass die neue Schreibform Frauen bevorzugt und Männer unter den Tisch fallen läßt (ganze ein (1!) Benutzer_-*In; die Verhältnisse sind damit klar).

Auch gibt es noch ein erwähnenswertes Programm, das Binnen-Is verbannt mit dem furchtbaren Namen „Genderclown“ (auch nur ein Benutzer; wohl der Programmiererin selbst? Und es wundert mich langsam, dass sich dogmatische Anglizismusfanatiker für die deutsche Sprache einsetzen). Das Programm ersetzt wohl Binnen-Is ziemlich abwertend durch ein Clownsgesicht, geht aber auch noch etwas weiter und ersetzt auch den neugeschaffenen Partizip Präsens: „die Studierenden“ wird wieder zum guten alten „die Studenten“.

Das Suchwort „deutsche sprache“ liefert – neben den üblichen Wörterbüchern – auch das Gestaltungselement „Deutsches Reich“. So kann man selbst seinen Browser stark auf national einstellen. Aber interessieren tun mich ja die Zusatzprogramme; da gab es sonst nichts nennenswertes. Nächster Versuch: „deutsch“: Schön: man kann sich als alter Sprachdogmatiker ein deutsches Wörterbuch mit alter Rechtschreibung installieren.

Interessant scheint noch das „Grammatik- und Rechtschreibprüfung – LanguageTool“ (und wieder englisch, es geht wohl nicht anders; stolze 182.760 Benutzer). „eine freie Textprüfung für Grammatik, Stil und Rechtschreibung.“ (noch nicht getestet).

Insgesamt nicht sehr ergiebig, das Angebot. Warum gibt es eigentlich keine Programme, die schlimme invasive Anglizismen tilgen (wäre aufgrund der Vielzahl wohl zu aufwändig)? Programme, die häßliche neue Wörter durch schöne alte ersetzen? Programme, die den Stil des Textes ändern, Wunschstimmungen unterstützen/erzeugen können (wie Dokumentation/Fiktion/Prosa/Glosse/Schundroman)? Nach Belieben unerwünschte Wörter filtern? Die Texte analysieren und interpretieren? Die einem die Qualität eines Textes vorhersagen, damit man nicht jeden Schund erst lesen muss? Die politisch korrekte Begriffe wieder in unkorrekte übersetzt? Da gibt es noch viel zu tun. Oder nehmen wir die Texte einfach so wie sie sind und bemühen unser Hirn zur Einschätzung.

(Hinweis: alle Namen und Zitate wurden mit originalen Rechtschreibfehlern übernommen und liegen nicht in der Verantwortlichkeit der/des/das/xxx Autor(s):_*-/In (kleiner Test für die oben genannten Programme, bei dem sie sicher durchfallen))

28. Februar 2021 // Deutsches, Glossen // Kommentar schreiben!

Seiten zum Deutsch

Abseits der offiziellen Institutionen zum Schutz und zur Förderung des Deutsch, hier eine kleine Liste mit Seiten, die sich auch mit Aspekten der deutschen Sprache befassen und mir so nebenbei besonders aufgefallen sind. Es gibt haufenweise! Hier im Wesentlichen private und unkommerzielle Projekte und nicht zu akademische und zu offizielle Seiten oder Institutionen. Und auch nicht immer meine Lieblingsblogs. Wird bei Gelegenheit ergänzt.

Gesellschaft zur Stärkung der Verben

Selbstdarstellung
Wir verwandeln schwache Verben in starke Verben.
Wir verwandeln hässliche Substantive in attraktive Substantive.
Wir verhelfen Singularen zu Pluralen, wenn es jenen bisher an diesen molng und umgekehrt.
Wir dichten, denken und träumen auf Neutsch.
Und vieles mehr.

Mein Senf dazu
Gleich zum Anfang die schrägste Seite zur deutschen Sprache, die ich bisher gefunden habe. Wesentliches Ziel ist es, „Verben zu stärken. Der Vereinfachung Einhalt zu gebieten und der schrittweisen Wiederverkomplizur der Sprache zu dienen“. Häh? Als Beispiel wird genannt „Warum heißt es: ich sterbe, ich starb, ich bin gestorben, aber nicht ich erbe, ich arb, ich habe georben?“ Das leuchtet mir etwas ein, im Sinne der Regelmäßigkeit. Aber hier wird unsere Sprache komplett umgeschrieben! Es gibt eine Liste mit hunderten von Verben, die entsprechend einer „Verstärkung“ neu definiert werden. Auch die Formen werden angegegriffen: Sythetisches Futur zum Beispiel. Bei „ich werde leben“ wird das Hilfswort bemängelt, das in anderen Sprachen nicht vorkommt. Der Alternativvorschlag heißt: „ich lebae, du lebast, er lebat“. Und so weiter. Alles steht zur Disposition und wird neu geschrieben. Das Ganze wird als Neutsch bezeichnet und auch aus der Seite bis zum Letzten durchgezogen. Alles sehr durchdacht und wohl sehr pseudowissenschaftlich! Gottseidank sehen die Beteiligten das selbst nicht so ernst, sondern eher als Anregung. Hier haben sich Sprachwissenschaftler mal auf unkonventionelle Art und Weise ausgetobt. Und es macht Spaß, darin zu stöbern.

Mehr unter
https://neutsch.org/Startseite

Sprachnudel – Wörterbuch der Jetztsprache

Selbstdarstellung
Was nicht im Duden steht soll zukünftig auf sprachnudel.de gefunden werden – dem Wörterbuch für Umgangssprache.

Mein Senf dazu
Es geht um Umgangssprache und ist für den Akademiker nicht so interessant, mit einem eindeutigen Hang zur Vulgärsprache, macht aber auch Spaß, darin zu stöbern. Die meisten Wörter habe ich nie gehört und kann nicht bestätigen, ob sie existieren, z.B. Fotzenhobel, Dackelkontakt, Teufelsdreier. Alles von der Rechtschreibprüfung nicht erkannt und eher frivol. Es gibt aber auch interessante Wortlisten zu bestimmten Themen: Gaunersprache, Geheimsprache, Szenesprache und zu Dialekten: Bairisch [ja, so geschrieben], Berlinisch [ja, so geschrieben], Plattdeutsch, etc. Man kann auch eigene Wörter beisteuern und Kommentare hinterlassen; diese sind manchmal noch interessanter.

Mehr unter
https://www.sprachnudel.de/

Wortwuchs – Literaturlexikon

Selbstdarstellung
Wortwuchs ist ein Literaturlexikon und Nachschlagewerk für Deutsch- und Germanistikfragen aller Art. Außerdem veranschaulichen wir Grammatik und Rechtschreibung.

Mein Senf dazu
Ein sehr umfangreiches und vielseitiges Werk zu vielen Themen der deutschen Sprache. Man kann sich über die Erstellung von Aufsätzen informieren, welche Möglichkeiten die Poetik bietet, Informationen zu Literaturepochen, Autoren und Grammatik abrufen und noch anderes. Zufällig bin ich auf eine Abhandlung über Reimformen gestoßen. Diese listet allein um die 50 Möglichkeiten des Reimens auf, mit Beispielen und Erklärungen! Das Ganze ist angenehm seriös und unkommerziell, von zwei begeisterten Profis gepflegt und sicher eine gute Hilfe für Deutschleistungskursler und angehende Germanisten.

Mehr unter
https://wortwuchs.net/

German Language Stack Exchange

Selbstdarstellung
German Language Stack Exchange is a bilingual question and answer site for speakers of all levels who want to share and increase their knowledge of the German language.

Mein Senf dazu
Eine englische Seite! Genauer gesagt, ein Forum zu Fragen der deutschen Grammatik. Zunächst einmal ist es interessant zu sehen, was anglophile am deutschen so in den Wahnsinn treibt; andererseits gibt es auch sehr interessante Beiträge zu Detailfragen unserer Sprache. Ein Nutzer wundert sich unter dem Titel „Genus der Flüsse: eine komische Regel“, warum Flüsse im Ausland immer männlich sind, während inländische weiblich sind. Das scheint zwar überwiegend so zu sein, ist aber keine Regel. Die Erklärung lautet: „Es gibt einige wenige männliche Flussnamen. Sie sind meist vorgermanischen Ursprungs: „der Rhein“, „der Main“, „der Inn“, „der Neckar“, „der Eisack“, „der Lech“, „der Regen“. Diese Namen haben ein maskulines Geschlecht, da in vorgermanischer Zeit die Flüsse als verkörperte (männliche) Götter betrachtet wurden. “ (https://german.stackexchange.com/questions/1933/genus-der-fl%c3%bcsse-eine-komische-regel#) Oder „Why is “doofer” pronounced [‚doːvɐ] insead of [‚doːfɐ]?“ Hier gibt es noch viel zu entdecken.

Mehr unter
https://german.stackexchange.com/

korrekturen.de – Portal für Rechtschreibung

Selbstdarstellung
Auf diesen Seiten finden Sie ein umfassendes Informationsangebot rund um die Rechtschreibung der deutschen Sprache.

Mein Senf dazu
Eine sehr umfangreiche und interessante Seite mit Informationen und nützlichen Funktionen zur deutschen Sprache. Zum Beispiel eine Flexionssuche zur Konjugation oder Deklination von über 72.000 Substantiven, Substantivierungen, Adjektiven und Verben. Es gibt Informationen zu Regeln, Unterhaltsame Quizspiele. Auch einen Blog, in dem Fragen zu „Zornesröte und Schamesröte“ erörtert werden. Und besonders interessant: ein Forum mit Leserfragen und Antworten. Es wundert mich, dass es so etwas nicht auch von etablierten Institutionen gibt.

Mehr unter
https://www.korrekturen.de/

26. Februar 2021 // Deutsches // Kommentar schreiben!

Probleme

Manchmal, wenn es mir schlecht geht (das kommt vor!), sehe ich mir Sendungen im Unterschichtenfernsehen an, wie „Hartes Deutschland“. Dokumentationen über Menschen, die abgestürzt sind, drogensüchtig, allein, arm, obdachlos und wo auch alles andere schlimm läuft. Und denke, auf einmal, Mann, geht es mir gut! Es ist sehr traurig zu sehen, wie manche Menschen leben müssen. Ich habe durchaus auch Probleme, die mich beschäftigen und ich weiß, dass ich grundsätzlich abgesichert bin, Familie, Arbeit, Gesundheit, Wohnung, und dass ich, solange ich keinen schlimmen Mist baue, ganz gut klar komme. Trotzdem leide ich auch manchmal. Das relativieren hilft nur kurzfristig, Probleme und Sorgen sind ja trotzdem da. Subjektiv gesehen. Egal, ich habe immer noch den Vorteil und den Luxus zu denken: irgendwie komme ich schon durch’s Leben. Eine Hoffnung, die manchen leider abhanden gekommen ist. Das ist tragisch.

20. Februar 2021 // Erfahrungen // Kommentar schreiben!

Manipulation

Ein Thema, das ich hochinteressant finde und das meiner Meinung nach im öffentlichen Diskurs zu wenig Beachtung findet. Weil zu viele davon profitieren und sie demnach nicht thematisiert oder gar kritisiert wird, werden darf.

Ich habe damals in der Schule gelernt, Texte kritisch zu betrachten. Immer zu hinterfragen: ist das wahr? Warum wird das so und nicht anders beschrieben? Was hat der Autor für einen Hintergrund? Ist das Information oder zielgerichtet? Was sagen andere dazu? Möchtegern-Akademiker werfen in diesem Zusammenhang immer gerne und zu Recht den mittlerweile schwer abgedroschenen Begriff „Cui Bono?“ ein. Das alles zu berücksichtigen, macht das Leben natürlich etwas schwieriger, weil man nach langer Abstinenz auch mal wieder sein Hirn in Gang setzen muss,  nachdenken, prüfen, vergleichen, einschätzen, beurteilen, entscheiden muss. Aber es lohnt sich! Und man wird mit vielen eigenen Gedanken und gegebenenfalls auch Taten belohnt.

Das Wort bezeichnet die Beeinflussung, die Steuerung von Menschen. Meist in eine Richtung, die diese gar nicht einschlagen wollen. Heutzutage ist dieses schlimme Agieren sogar ein angesehener Beruf (Beeinflusser). Werbung ist ein Bereich, der das zum Hauptanliegen erklärt und sie gezielt und hochprofessionell, teilweise kriminell unter Zuhilfenahme von Lügen und Betrug,  betreibt. Und sich in unser Leben einfrisst. Und verboten werden sollte. Und sie wird immer häufiger und massiver eingesetzt, weil es den Interessen der Politik, der Großkonzerne, der Medienmogule nutzt.

Wichtige Medien (das sind für mich immer noch etablierte Analogmedien bzw. deren Netzableger, sowie die von uns zu Recht unterstützten öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Radiosender; ich brauche nicht zu erwähnen, dass die Asi-Netzwerke im Hinblick auf Information vollkommen irrelevant sind) zum Beispiel sollten neutral berichten. Natürlich können sie das auch nicht wirklich und tun es in letzter Zeit auch immer weniger, auch weil sie dem Zeitgeist hinterher rennen. Eine Zeitung mit Großbuchstaben hat die Manipulation zum Hauptanliegen erklärt. Aber auch andere manipulieren, ohne das zu wollen. Es gibt aber auch gute und schlechte Manipulation oder nicht?

Eigentlich ist ja alles Manipulation. Jedes öffentliche Agieren ist schlimme Manipulation. Allein durch das Weglassen oder die Reihenfolge von Meldungen wird schon eine Bewertung ausgeübt, da kann der Inhalt noch so neutral sein. Das ist nicht bösartig, sondern entspricht dem unausweichlichen und professionellen Vorgehen. Manche Empfänger lassen sich ja auch gerne manipulieren. Sie denken: „wenn ich dem folge, gehöre ich dazu“. Oder sie sind einfach nur faul und dumm. Nur wenige möchten das explizit nicht und haben ihren eigenen Kopf. Für sie gibt es zwei Möglichkeiten: sich obige Fragen stellen und sich aus Originalquellen oder verschiedenen, weitgehend seriösen Sekundärquellen informieren. Die gibt es noch. Aber im Netz wird letzteres aufgrund der vielen Bezahlschranken leider immer schwieriger. Diese tragen wohl mittlerweile neben den Volksmedien auch dazu bei, dass die Menschen immer einseitiger denken und handeln.

Auch dieser Artikel ist Manipulation, aber gute!

Deutsche Welle Unbekannt

Das hier ist ja eigentlich ein Tagebuch mit Liebe zur Sprache, aber ehrlich gesagt ist mir die Musik eigentlich ein kleines etwas wichtiger; ohne sie könnte ich tatsächlich nicht überleben (sorry an PJ)! Anders formuliert: Sprache ist mein Steckenpferd, damit befasse ich mich gerne, aus Spaß, nach der Arbeit, am Feierabend, nebenbei. Musik hören ist dagegen eher mein Zweitberuf! Ich mache das professionell und bin sehr vielseitig. Lange Jahre war für mich die Musik aus den Achtzigern die einzig wichtige. Aber ein bekanntes Strömungsportal mit S. hat mir auch unglaublich viele sehr gute Musik aus der Zeit danach und aktuell beschert und meinen Horizont erweitert. Das wird von Zeit zu Zeit auch dokumentiert, zum Beispiel unter gorgs // schöne töne.

Dennoch, die Achtziger waren prägend: mehr schräges, experimentelles, psychedelisches, politisches, saxophonisches, unkorrektes, deprimierendes, rohes, kreatives, nicht medienoptimiertes, autotuneloses, künstlerisches, welliges, dilettantisches, sympathisch unprofessionelles (aber oft auch unsympathisch unprofessionelles), punkiges, anarchisches, originelles; und vor allem mehr Charme!

Jeder konnte auf einmal Musik machen, und damit Erfolg haben, das war neu und wurde ausgiebig praktiziert und ist sehr interessant. Eine Demokratisierung der Musik, die aber teilweise auch zu ihrem Tod geführt hat. Man findet die Einflüsse dieser Musik heute noch in gefühlt 50% aller Musik. Das kann gut sein, aber nicht so einzigartig – es fehlt der historische Kontext der wilden Achtziger. Das Flair! (oder der Flair, le Flair? Das möchte ich bei Gelegenheit mal näher ausführen.) Egal. Wenn ich mich entscheiden müsste, nur noch aus einem bestimmten Jahrzehnt Musik hören zu dürfen, würde ich mich gerne und gefügig auf dieses einschränken und wäre trotzdem glücklich.

Es sind vor allem die Tommies, die damals unglaublich vieles und gutes hervorgebracht haben. Hierzu kann ich keine Liste erstellen, viel zu umfangreich und aufwendig! Aber auch die Krauts waren nicht schlecht – das wird unterschätzt, auch weil die nicht so ein wahnsinniges Marketing hatten und wie immer im eigenen Land nicht so wichtig genommen wurden. Ich sehe die Achtziger als zweite wichtigste Periode für deutsche Popmusik aller Zeiten, nach den Siebzigern mit dem sehr erfolgreichen und anerkannten Krautrock.

Dies möchte ich daher (auch für  mich) dokumentieren und ein wenig fördern und habe eine Liste mit unglaublich guten, weitgehend unbekannten definitiv deutschen Stücken (inkl. ein paar Ösis und Seitenbachern) – strikt nur aus den Achtzigern – zusammengestellt und bei dem genannten Musikportal veröffentlicht.

Vieles davon habe ich damals in den Sendungen von John Peel gehört, manches, aber auch erst jetzt entdeckt. Dabei sind Stücke, die dauern nur 37 Sekunden.

Hier mal ein paar Namen zum Anreiz und als Futter für die Suchaggregate:

1. Futurologischer Kongress (akademisch und schräg), 39 Clocks (wird im Zusammenhang mit Velvet Underground genannt), AG Geige (die einzige Ossi-Kapelle, erst kürzlich entdeckt), Abwärts (Helden), Bärchen und die Milchbubis (poppig und punkig), Carambolage (neu entdeckt, sehr hörenswert), Christiane F. (die hat auch Musik gemacht), Conrad Schnitzler (ein Klassiker der elektronischen Musik), DAF (Deutsch-Amerikanische-Freundschaft; Helden; haben auch bisher unbekannte tolle Sachen gemacht), Der Moderne Man (wunderbar punkwavig und supergut), Die Krupps (bekannt und musste mit rein), F.S.K. (schräge Deutsche Welle, musikalisch und eingängig), Geisterfahrer (schräg-punkiger Untergrund mit Mathias Schuster), Hans-A-Plast (bekannter, aber unterschätzter Frauenpunk; Feminismus zum Mitgröhlen), Kleenex/Liliput (wunderbarer Teenie-Mädels-Wave), Malaria! (bekannt, auch international erfolgreich, wunderbar psychedelisch), Mathias Schuster (eine tolle Elektronik-Neuentdeckung), Mittagspause (ja, mit Peter Hein, später bei Fehlfarben) , Mythen in Tüten (wunderbare Popstücke mit viel Saxophon), Notorische Reflexe (eine Künstlergruppe, die nebenbei auch Musik machte und mich damals schon sehr beeindruckt hat),  Östro 430 (Frauenwavepunk mit toller Hauptdarstellerin; Video ansehen! Starkes Saxophon, ohne Gitarre, das ist bemerkenswert.), Phillip Boa and the Voodooclub (professionell und international), Pyrolator (herausragende und originelle Elektronik, vollkommen unterschätzt!), Silvia (wunderbarer wavepop, vollkommen unbekannt, wohl mit dem genialen Tommi Stumpff; die später schlimme Schlagermusik gemacht hat?), S.Y.P.H. (sehr psychedelisch und gut), X Mal Deutschland (ja bekannt und Helden, mussten aber mit rein)  und noch mehr.

Ist das nicht Bettina Köster, zumindest, die halbe (und 1/2 Gudrun Gut?), die ziemlich androgyne, Sängerin und gelegentliche Saxophonikerin von Malaria!? Vorher Mania D. Ein tolles Bild und eine Frau mit einer tollen Stimme! Die ist heute noch aktiv, zum Beispiel bei radioeins und spielt zwar furchtbare Musik, hat aber mittlerweile ein vollkommen unglaubliches, dunkles Timbre bekommen, das mich zuerst an einen Übertragungsfehler glauben ließ. Die Staatsanwältin im Münster-Tatort ist nichts dagegen! Siehe unten. (Foto: https://de-de.facebook.com/bettinakoster/)

Es gehört nicht ganz hierher, aber ich möchte hier gerne mal die aktuelle unglaubliche Stimme der Frau Köster dokumentieren, da sie einzigartig ist. Ich hoffe, ich breche hiermit keine Urheberrechte und bitte um Nachsicht/Nachricht, falls doch.

Dokumentation des aktuellen Stimmorgans von Bettina Köster in Radio1 vom 19.01.2021, aber wohl auch technisch etwas nachgeholfen …

Es haben sich auch ein paar bekannte Gruppen eingeschlichen, aber dann eher mit unbekannten Stücken. Das war mir wichtig, wie im Titel angedeutet. Es gibt natürlich auch sehr viele bekannte tolle Sachen, HELDEN, sehr erfolgreich, die sind hier nicht berücksichtigt, da ja schon bekannt. Und: die Musikauswahl war leider recht beschränkt, da nur ein kleiner Teil bei diesem Portal verfügbar war. Es fehlen zum Beispiel Kapellen, wie PVC, Die Tödliche Doris, Neonbabies.

Zu finden unter
https://open.spotify.com/playlist/1BmOoEAdcNDmpc2fpwl2Vo

Hier der Link für das Programm:
spotify:playlist:1BmOoEAdcNDmpc2fpwl2Vo

Oder nur teilweise hier:

Erdmännchen

Sind schon süß! Ich könnte stundenlang ohne Ermüdung Filme über diese eher androiden Wesen ansehen. Und dann noch der tolle Name! Sind das die männlichen Vertreter dieser Erde? Nein, sonst hießen sie ja Erdemännchen. Aber kleine Männer sind sie dem Namen nach. Eine ziemlich diminutive Sichtweise! Aber es passt gut und ist besser so: ohne -chen würden die zweibeinigen Erdbewohner sie nicht so lieb haben.

Wie nennt man eigentlich die weiblichen Erdmännchen, es gibt sie doch, oder? Das ist schwierig, und heikel,  weil das Wort „Mann“ vorkommt. Erdfrauchen wäre zu banal, Erdweibchen sicher zu abfällig, beides außerdem wieder möglichen Angriffen ausgesetzt und außerdem ausgrenzend. Aktuell schlage ich folgende genusgerechte, allgemein anerkennungswürdige Gleichberechtigungsneologismusvokabel vor, um keinem Schitstorm ausgesetzt zu werden: Erdmännch*Innen. Das könnte im nächsten Jahr, aber schon wieder deplaziert sein. Sexistisch. Die männliche Form wird benachteiligt! Aber die Verniedlichung sollte auch erhalten bleiben: Erdmännch*Innen-chen. Neutraler: Erdchen*Innen?

Uff. Nach diesem Beweis eines bewussten und reflektierten Umgangs mit Neutralismen kann ich das Foto hier jetzt ganz entspannt veröffentlichen. Nur müsste man noch sämtliche Tierbücher auf der Welt in dieser Hinsicht entsprechend umschreiben. Und die Filme neu aufnehmen oder zumindest neu synchronisieren. Liedtexte nach auffälligem durchforsten. Radio- und Fernsehsendungen überprüfen und absetzen.  Dann kann man, sorry, dann können alle  sich wieder unbeschwert zumindest über diese Tierchen erfreuen! Zunächst.

Um die geht es hier eigentlich gar nicht. Ein Symbolbild. Mit Achtziger-Kajal-Augen, die liebe ich! Links, die Frau, rechts der Autor, unten, der Junge. Sind die nicht  süß? Nur  ein gerechter Name muss noch gefunden werden. Kajaltierchen? Erdchen? Foto: pinterest.de

12. Februar 2021 // Deutsches, Glossen, Nettes // 2 Kommentare