Jahrhundertregen

Ich bin ja, wie die meisten, ein aktiver Verkehrsteilnehmer. Im Wesentlichen betrifft das die Bereiche Autofahrer, Fahrradfahrer, Fußgänger. Es gibt aktuell noch andere Fortbewegungsmethoden, die ignoriere ich jetzt mal. Also, ich fahre gerne mit dem Fahrrad. Es ist emotionaler, sensibler, als mit dem Auto. Und natürlich nicht ganz so haptisch, wie zu Fuß gehen, aber schneller. Egal. Mit dem Fahrad, komme ich mittlerweile genausoschnell in mein Büro, wie mit dem Auto. Und das ist vor allem zuverlässiger! Keine Staus, Umleitungen, Sperrungen, Verkehrsidioten. Voraussetzung ist: entsprechendes Wetter. Es darf nicht regnen, nicht zu kalt sein. In dem Sinne sehe ich mir immer die Wettervorhersage an, an, bevor ich mich für das Fahrrad entscheide. Es ist manchmal ein Wagnis. 50% Regenwahrscheinlichkeit heißt: es kann regenen, aber auch nicht.

Eines Tages bin ich – etwas waghalsig – mit dem Fahrrad ins Büro gefahren, weil die Vorhersage für den Vormittag ansprechend aussah. Für den Nachmittag wohl leider nicht. Auf der Rückfahrt bin ich in einen extremen Regenschauer gekommen, der sich im Nachhinein als der extremste Niederschlag seit XXX Jahren herausgestellt hat. Die Rede war von „Jahrhundertregen“. Als es losging, war ich gerade Unter den Linden und dachte,  es wäre eine gute Idee, unter dem Brandenburger Tor Schutz zu suchen und den Regenguß abzuwarten. Wie ca. 100 andere Menschen, Touristen, die auf die gleiche Idee kamen oder keine andere Wahl hatten. Es war kaum noch Platz unter dem Tor. Der Regen ließ nicht nach, sondern wurde eher schlimmer. Dann kam auch noch ein starker Wind auf, der den Regen quasi horizontal durch das Tor fegte, so daß das Dach keinen Schutz mehr bot.

Die ersten Touristen entschieden sich dafür, loszulaufen und ein Taxi aufzurufen. Ich entschied mich aufgrund der aussichtslosen Lage dann dazu, einfach weiterzufahren. Egal. Wenn man sich erstmal damit abgefunden hat, dass alles nass wird, ist es egal! Man fährt durch 10cm hohe Pfützen, das Wasser spritzt an die Schuhe, die jetzt auch total durchnässt sind. Egal. Alles andere ist sowieso schon naß. Dann macht es auch auf einmal Spaß: im schlimmsten Jahrhundertregen durch die Stadt zu fahren und sich einen Scheiß darum zu kümmern, dass alles naß wird. Zu Hause angekommen, einfach alles ausziehen, die Haare föhnen, die Wäsche in die Waschmaschine stopfen, ein Kurzen zu sich nehmen und entspannen. Alles wieder gut.

Jahrhundertregen in Berlin. Ich war dabei. An historischem Ort.

15. November 2019 // Erfahrungen // Kommentar schreiben!

Dummheit ist die größte Weltmacht

Habe ich irgendwo gelesen und stimme zu. Es ist schade und schädlich, dass die Intelligenz an Bedeutung verliert.

„Der Dumme lernt aus seinen Fehlern, der Kluge aus den Fehlern der anderen.“ – Aus China (klug)

„Für jede Dummheit findet sich einer, der sie macht.“ – Aus Deutschland (stimmt)

„Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont.“ – Konrad Adenauer (klug)

„Das Wesen der Dummheit ist ja, dass sich die Betroffenen derer nicht bewusst sind.“ – GORG (klug)

„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ – Albert Einstein (wunderbar indirekt)

15. November 2019 // Gedanken // Kommentar schreiben!

Was ist wichtiger: Kunst oder Künstler?

Was passiert eigentlich mit toller Kunst, Musik, Literatur, Bilder, wenn der Künstler schlimmes verbockt hat? Ist sie noch gut?

Natürlich kann und soll man Kunst vom Künstler trennen. Aus aktuellem Anlass bewerte ich die Verleihung des Literaturnobelpreises an einen Künstler, der für manche „umstritten“ (mein Unwort des Jahres) ist.

Kunst ist absolut. Entscheidend ist allein, ob sie einem persönlich gefällt. Und das sollte man ohne jegliches Hintergrundwissen entscheiden. Kunst spricht für sich allein – wenn sie gut ist.

Das Problem dabei ist möglicherweise,dass man den Künstler durch den Konsum seiner Kunst (oder durch eine Preisverleihung) unterstützt. Es läuft darauf hinaus, wie wichtig ist mir das Werk.

In diesem Sinne finde ich die Entscheidung des Nobelkommites gut und richtig und angenehm unpopulistisch.

11. November 2019 // Gedanken, Kulturelles // Kommentar schreiben!

Parolen, Demo- und Klosprüche der Achtziger

Es ist schade: ich hatte die Idee, Sprüche aus den Achtzigern aus meinem Gedächtnis abzurufen und hier zu veröffentlichen. Da dies nicht ausreichend und zufriedenstellend funktionierte, fing ich an zu recherchieren, um doch noch eine veröffentlichbare Sammlung zusammenstellen zu können. Leider ist es im Netz so, dass sich schon haufenweise andere Menschen mit allem beschäftigt haben und man von den Informationen erschlagen wird. Dennoch möchte ich hier eine kleine Zusammenfassung aus eigenen und übernommenen Sprüchen zeigen. Also eine Art Management Summary mit kompetenter Bewertung (das gibt es bisher nicht!).

  • Gemeinsam sind wir unausstehlich.
    Eigentlich klug, aber nicht schön formuliert.
  • Mutter drehte Kind durch Fleischwolf, BILD sprach zuerst mit der Frikadelle.
    Der ist gut, weil er das Niveau der Zeitung gut beschreibt.
  • Wir gehen mit unserer Welt um, als hätten wir noch eine zweite im Kofferraum.
    Ja, schon damals gab es eine Umweltbewegung, das war Avantgarde.
  • Stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin.
    Ist wohl eher ein Überbleibsel aus den Siebzigern. Wunderbare Hippievorstellung.
  • Lieber arm dran als Arm ab.
    Hmm, naja…
  • Auf die Dauer hilft nur Power.
    Das war einfach eine sehr politisiert Zeit mit sehr viel Power.
  • Keine Macht für Niemand!
    Außer für den, der das fordert…
  • Petting statt Pershing!
    Hat definitiv noch etwas Hippieeskes …
  • Haut die Bullen platt wie Stullen!
    Das wurde auf Demos wirklich skandiert. Politisch nicht ganz korrekt.
  • Heute Haig, morgen Steak.
    Eine unfreundliche Anspielung auf den damaligen US-Außenminister.
  • Tuwat
    Bedeutet: tue etwas gegen Wohnungsnot, engagiere Dich in der Hausbesetzerszene
  • Legal, illegal, scheissegal.
    Ein echter Spontispruch
  • Du hast keine Chance, darum nutze sie!
    Den habe ich nie verstanden; absurd.
  • Unter dem Pflaster liegt der Strand.
    „… verbindet so Hedonismus mit Militanz“ (Wikipedia)
  • Als Gott den Mann erschuf, übte sie nur.
    Damals gab es auch schon Diskriminierung gegen Männer!
  • Computer lösen die Probleme, die wir ohne sie nicht hätten.
    Waren damals noch ein Hassobjekt
  • Was meinen Sie als Unbeteiligter zum Thema Intelligenz?
    Kann man viele fragen
  • USA – SA-SS
    Etwas polemisch, aber manchmal passend.
  • Gestern standen wir noch vor einem Abgrund. Heute sind wir schon einen großen Schritt weiter.
    Auch recht aktuell. Ändern sich die Zeiten nie?
  • Fighting for Peace is like Fucking for Virginity
    Etwas anglophil aber zeitgemäß.
  • Kein Alkohol ist auch keine Lösung.
    Richtig: Alkohol ist ja nur die Folge von Problemen, die nicht gelöst wurden.
  • Es gibt viel zu tun – warten wir es ab
    Arbeitsverweigererspruch
  • 1-2-3 – lasst die Leute frei
    Unterstüzung für Gleichgesinnte, die im Knast gelandet sind
  • Feuer und Flamme für diesen Staat
    So lautete eine beliebte Parole militanter Hausbesetzer im Sommer 1981 in West-Berlin.
    Wohl nicht im übertragenen Sinne gemeint

Ein paar dieser Parolen sind meinem Gedächtnis entsprungen, der Rest wurde durch achtziger.de inspiriert. Aber Kommentare sind meine! Und: Sprüche sind Allgemeingut, daher keine Quellangabe erforderlich, oder?!

11. November 2019 // Achtziger // Kommentar schreiben!

Anglizismusfaschismus

Folgendes habe ich bei einem Internetauftritt für die Zielgruppe „Netzbranche“ gefunden:

Git-Commit-Messages bringen richtig eingesetzt viel Mehrwert – sie sind quasi eine fortlaufende Doku eurer Codebase, die sowieso passiert. Fürs Schreiben von Git-Commit-Messages gibt es ein paar Best Practices – wir haben die wichtigsten Punkte für euch zusammengetragen.
Quelle: https://t3n.de/news/schreibt-richtig-gute-1214910/

Dies ist nur die Einführung. Der Artikel selber ist genauso schlimm. Hier ein paar Beispiele:

  • Über Commit-Messages kommuniziert ihr nicht nur mit den anderen, sondern auch mit eurem Future Self.
  • Gegenchecken könnt ihr das über git -blame, das euch sagt, welche Revision für den Change verantwortlich ist.
  • Wrappt den Body bei 72 Zeichen.

Ich habe dazu einen Kommentar verfasst:

Ich habe mich extra angemeldet, nur um diesen Kommentar loszuwerden: Wie kann man nur so einen Müll schreiben? Abgesehen von der miserablen Grammatik, werden hier auf eine faschistische Art zwanghaft Anglizismen eingesetzt, die für einen normalen Leser vollkommen unverständlich sind. Unabhängig vom Inhalt ist die Schreibweise in diesem Artikel unerträglich, die Verfasserin sollte sich einen anderen Job suchen bzw. sofort gekündigt werden.

Der Kommentar wurde erst veröffentlicht, dann am nächsten Tag aber wieder gelöscht. Ich nehme an, das Wort „faschistisch“ war zuviel. Oder war es einfach nur unsachliche Kritik? Ja, das war es auf jeden Fall, aber doch zutreffend, oder? Egal.

Das Portal wird von Menschen betrieben, die sich „digitale Pioniere“ nennen und war mal eine gute Anlaufstelle für Netzgestalter. Mittlerweile ist es zu einer Marketingplattform für Großkonzerne und Gründer verkommen. Alles ist toll, Kritik vollkommen unerwünscht. Der Name t3n deutet auf das Redaktionssystem Typo3 hin, das alle mal toll fanden, aber keiner wirklich versteht. Die Internetseite selbst wurde aber ursprünglich mit WordPress umgesetzt ;-)

Also, alles nicht wichtig, aber ignorierwürdig. Und – es lässt mich nicht in Ruhe. Ich habe einen Vorschlag für die Auszeichnung als „Sprachpanscher des Jahres“ („Für besonders bemerkenswerte Fehlleistungen im Umgang mit der deutschen Sprache“) beim Verein Deutsche Sprache eingereicht. Aber nie eine Rückmeldung bekommen.

Versandhändler lügen (und alle anderen auch)

Nun, es ist ja mittlerweile bekannt, dass Rezensionen bei Händlern im Netz gekauft, geschönt, gelogen, übertrieben, gefälscht, computergeneriert, manipuliert sind. Das heißt: sie sind vollkommen irrelevant. Dennoch sehe ich mir eigentlich gerne Rezensionen an (übrigens eines der beliebtesten Rechtschreibfehler im Netz ist „Rezessionen“ LINK), nehme diese aber nicht mehr ernst. Wenn mich ein Artikel interessiert, konzentriere ich mich vor allem auf die negativen Rezensionen und überlege, ob die beschriebenen Nachteile für mich relevant sind.

Neu entdeckt habe ich jetzt die zusätzliche Manipulation der Anbieter, in diesem Fall ein Versandhändler mit A. Ein Beispiel ist die Beurteilung eines Monitors, der extrem gut sein soll und entsprechend viel kostet: 2.154,00 €! Dazu gab es drei Rezensionen: zweimal einen Stern (die geringstmögliche Beurteilung) und einmal fünf Sterne (die höchstmögliche Beurteilung). Abgesehen davon, dass diese extrem unterschiedlichen Bewertungen möglich sind, hat der Algorithmus des Versandhändlers daraus ein zweifelhaftes und geschöntes Fazit gezogen: 2,7 Sterne.

Rein rechnerisch müsste das Gesamturteil heißen: 2,3 Sterne. Ich verstehe, dass der Algorithmus dahinter auch die Glaubwürdigkeit der beurteilenden Nutzer berücksichtigt. Aber die meisten fanden die Rezension mit einem Stern hilfreich! Daher müssten die rechnerisch korrekten 2,3 Sterne nochmal erheblich verringert und nicht erhöht werden. Auch Prozentualrechnung kann er nicht: Einmal 5 Sterne werden mit 43% angerechnet, zweimal ein Stern nur mit 57%. Korrekt wäre 33% zu 66%. Das passiert nicht. Es wird geschönt. Der Konzern will verkaufen. Und dafür lügt er.

Und hier der Beweis: amazonluege.

05. November 2019 // Internetz // Kommentar schreiben!

Lebensmittel

Was sind eigentlich Lebensmittel? Na, das, was man zum Leben braucht: Brot, Butter, Aufschnitt, Wasser, Schampus.

Halt! Schampus? Ist der Lebenswichtig?

Nun, könnte etwas umstritten sein. Nicht eindeutig. Aber der Rest wird allgemein anerkannt, oder?

11. September 2019 // Gedanken // Kommentar schreiben!

Zurechtweisung ist gut!?

Ich habe eine Eigenschaft als Mensch, die ich hiermit zur Disposition stellen möchte: ich weise andere Menschen zurecht, wenn sie etwas falsch machen, wenn sie gegen rechtliche oder soziale Normen verstoßen, wenn sie anderen auf die Nerven gehen. Trotz der vielen Anlässe mache ich es äußerst selten.  Ich weiß, es ist vollkommen nutzlos, und ich mag es selber nicht so, aber ich habe ein Bedürfnis. Das Ziel ist es, die Welt ein klein wenig besser zu machen.

Zurechtweisen würde ich nur Menschen, die bei ihrem unrechtmäßigen Verhalten andere stören, behindern, ausgrenzen, verachten. Wer allein ist und keinen stört, kann machen was er will. Zu Hause in der Nase popeln und rumpupsen: kein Problem: In der U-Bahn: lieber nicht. Bei rot über die Ampel gehen, kein Problem. Bei rot über die Ampel gehen und den Verkehr behindern (oder bei anwesenden Kindern): sollte unterbunden werden. Auf einer Wiese den Hund laufen lassen: kein Problem. In der Stadt/auf dem Kinderspielplatz: sollte man sich gegen wehren. Fahrradfahrer auf dem Gehweg: kein Problem. Fahrradfahrer auf dem Gehweg, die einem mit hoher Geschwindigkeit fast über die Füße fahren: muss gemaßregelt werden. Es geht hier – wie immer im Zusammenleben – um Rücksichtnahme.

Wenn mehr Menschen bei der Zurechtweisung mitmachten (ich denke, die Menschen, die sich an Regeln halten und rücksichtsvoll sind, sind immer noch in der Mehrheit, obwohl man denken könnte, dass es die anderen sind; das kommt aufgrund des extrovertierten Verhaltens), ginge es uns, der Mehrheit, besser.

Aber hier in Berlin herrscht weitgehend Gleichgültigkeit in solchen Angelegenheiten. Und wenn jemand etwas sagt, wird er im besten Fall verständnislos angesehen, ansonsten schwer beschimpft. Neulich auf dem Gehweg: ein Mopedfahrer fährt mir von hinten fast in die Hacken. Ich weise darauf hin, dass dies ein Gehweg sei. Er sagt: „Soll ich Dir einen in die Fresse hauen, Du Idiot?“ Dit/Det is Berlin. Es gibt noch mehr Beispiele dazu.   Auch von der Politik/Exekutive gibt es wenig Unterstützung. Daher rufe ich zur massenhaften Einmischung und Solidarität auf – das würde helfen!

26. August 2019 // Erfahrungen // Kommentar schreiben!

Problembehandlung auf berlinerisch

Ich habe bereits leicht kritische Artikel über die politische Unführung in Berlin geschrieben (die ist gemeint; es fehlt noch einer zum Schulsektor) und mich entsprechend ausgelassen. Und Ihr kotzt jetzt wahrscheinlich ab, weil Ihr das Thema nicht mehr hören könnt; ich eigentlich auch nicht mehr; und es ist auch vollkommen sinnlos darüber zu schreiben, weil es nichts nutzt; und es gibt natürlich schöneres. Fast alles ist schöner! Aus ständig aktuellem und sich wiederholendem Anlass muss ich aber doch noch mal etwas dazu loswerden, das mir in letzter Zeit aufgefallen ist.

Es ist ja mittlerweile bekannt und akzeptiert, dass in Berlin alles schief läuft, was schieflaufen kann, dass an Problemen herumgedoktert wird anstatt sie zu lösen, dass vollkommen unfähige Menschen mit hohen Ämtern bekleidet sind und ohne jegliche Erfahrung machen können, was sie wollen, dass es Bestrebungen gibt, das Rad zurückzudrehen und den Sozialismus in beiden Teilen der Stadt einzuführen. Das hat viel mit der aktuellen Stadtregierung zu tun. Ich fürchte aber, mit einer anderen wäre es nicht viel besser. Das Versagen hat Tradition in Berlin und den Bürgern scheint es egal zu sein, weil niemand jemals für sein schlimmes Handeln zur Verantwortung gezogen wird.

Aber ich möchte auch mal etwas positives hervorheben!

Das ist die unglaubliche Kreativität im Umgang mit Problemen – die bewundere ich! Hier ein paar herausragende, fast historische Beispiele:

  • Straßen sind kaputt? Kein Problem, wir reduzieren einfach die Höchstgeschwindigkeit, damit es keine Klagen gibt
  • Keine Lust, den Grünstreifen zu pflegen? Kein Problem, der wird zur Wildblumenwiese erklärt und sich selbst überlassen.
  • Zuviele Luftschadstoffe durch den Autoverkehr? Kein Problem, wir setzen einfach Geschwindigkeitsbeschränkungen auf den Hauptstraßen um, dadurch wird weniger emittiert!
  • Autofahrer fahren immer massiver bei Rot über die Ampel? Problem erkannt; bei Problembehandlung versagt: es werden zwei bis drei neue homöopatische Blitzer für ganz Berlin aufgestellt.
  • Keine Lust, den Müll wegzuräumen? Geniale Idee: das können doch die Touristen machen!
  • Der öffentliche Nahverkehr bricht immer öfter zusammen? Wird nicht als Problem anerkannt.
  • Busspuren werden ständig zugeparkt? Soll sich die BVG selber drum kümmern.
  • Der Leiter einer Problemschule wird zu beliebt und ist auch noch erfolgreich? Den sägen wir ab – bloß keine Eliten mehr.
  • Die Schulnoten werden immer schlechter? Kein Problem, einfach die Anforderungen senken, dann stimmt’s schon wieder!
  • Es gibt zu wenige Lehrer? Kein Problem, wir senken einfach die Einstellungsanforderungen; dann kann jeder auf unsere Kinder losgelassen werden.
  • Die Mieten steigen zu stark? Bloß nicht den Wohnungsbau fördern! (mehr dazu)

Ein Beispiel für kreative Problemumgehung in Berlin. Keine Lust, den Grünstreifen zu pflegen? Wir machen eine Wildblumenwiese daraus, das Schildaufstellen kostet sicher weniger! (Seht Euch auch mal etwas genauer das Ergebnis an; gesehen: Altonaer Straße am großen Stern 26/08/19).

Also, ich habe immer gedacht, als Profi sollte man Probleme erkennen, angehen, lösen und nicht verschieben, delegieren, umgehen, verklären, ignorieren, ideologisieren, verbrämen, verdecken, schönreden.

Dies ist keine Politikerschelte. Ich bin Anhänger der repräsentativen Demokratie, aber ich wünsche mir zurecht auch etwas Professionalität, wie in anderen Bereichen. Hallo? Ihr arbeitet auch für mich; ich bezahle Euch mit! Mehr Altrusimus und weniger Ideologie. Gemeinsamkeit, statt Ausgrenzung. Berücksichtigung aller Belange.

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