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Parolen, Demo- und Klosprüche der Achtziger

Es ist schade: ich hatte die Idee, Sprüche aus den Achtzigern aus meinem Gedächtnis abzurufen und hier zu veröffentlichen. Da dies nicht ausreichend und zufriedenstellend funktionierte, fing ich an zu recherchieren, um doch noch eine veröffentlichbare Sammlung zusammenstellen zu können. Leider ist es im Netz so, dass sich schon haufenweise andere Menschen mit allem beschäftigt haben und man von den Informationen erschlagen wird. Dennoch möchte ich hier eine kleine Zusammenfassung aus eigenen und übernommenen Sprüchen zeigen. Also eine Art Management Summary mit kompetenter Bewertung (das gibt es bisher nicht!).

  • Gemeinsam sind wir unausstehlich.
    Eigentlich klug, aber nicht schön formuliert.
  • Mutter drehte Kind durch Fleischwolf, BILD sprach zuerst mit der Frikadelle.
    Der ist gut, weil er das Niveau der Zeitung gut beschreibt.
  • Wir gehen mit unserer Welt um, als hätten wir noch eine zweite im Kofferraum.
    Ja, schon damals gab es eine Umweltbewegung, das war Avantgarde.
  • Stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin.
    Ist wohl eher ein Überbleibsel aus den Siebzigern. Wunderbare Hippievorstellung.
  • Lieber arm dran als Arm ab.
    Hmm, naja…
  • Auf die Dauer hilft nur Power.
    Das war einfach eine sehr politisiert Zeit mit sehr viel Power.
  • Keine Macht für Niemand!
    Außer für den, der das fordert…
  • Petting statt Pershing!
    Puh, etwas einfach gestrickt, aber sehr beliebt.
  • Haut die Bullen platt wie Stullen!
    Das wurde auf Demos wirklich skandiert. Politisch nicht ganz korrekt.
  • Heute Haig, morgen Steak.
    Eine unfreundliche Anspielung auf den damaligen US-Außenminister.
  • Tuwat
    Bedeutet: tue etwas gegen Wohnungsnot, engagiere Dich in der Hausbesetzerszene
  • Legal, illegal, scheissegal.
    Ein echter Spontispruch
  • Du hast keine Chance, darum nutze sie!
    Den habe ich nie verstanden; absurd.
  • Unter dem Pflaster liegt der Strand.
    „… verbindet so Hedonismus mit Militanz“ (Wikipedia)
  • Als Gott den Mann erschuf, übte sie nur.
    Damals gab es auch schon Diskriminierung gegen Männer!
  • Computer lösen die Probleme, die wir ohne sie nicht hätten.
    Waren damals noch ein Hassobjekt
  • Was meinen Sie als Unbeteiligter zum Thema Intelligenz?
    Kann man viele fragen
  • USA – SA-SS
    Etwas polemisch, aber manchmal passend.
  • Gestern standen wir noch vor einem Abgrund. Heute sind wir schon einen großen Schritt weiter.
    Auch recht aktuell. Ändern sich die Zeiten nie?
  • Fighting for Peace is like Fucking for Virginity
    Etwas anglophil aber zeitgemäß.
  • Kein Alkohol ist auch keine Lösung.
    Richtig: Alkohol ist ja nur die Folge von Problemen, die nicht gelöst wurden.
  • Es gibt viel zu tun – warten wir es ab
    Arbeitsverweigererspruch
  • 123 – lasst die Leute frei
    Unterstüzung für Gleichgesinnte, die im Knast gelandet sind

Ein paar dieser Parolen sind meinem Gedächtnis entsprungen, der Rest wurde durch achtziger.de insiriert. Aber Kommentare sind meine! Und: Sprüche sind Allgemeinut, daher keine Quellangabe erforderlich, oder?!

Vom 11. November 2019 in Achtziger | Kein Kommentar

Meine Achtzigerjahre-Hedonistenkarriere

Habe nicht mehr alle Informationen parat und muss etwas recherchieren, wo meine liebsten Diskos (so hießen die Klubs früher (früher war mehr Lametta)) und Kneipen in den Achtzigern waren und was sie zu bieten hatten. Es gibt relativ wenig dazu im Netz, da es dies damals nicht gab, deswegen im wesentlichen nur meine eigenen Erfahrungen, ergänzt durch ein paar offiziell gefundene Infos.

Wichtiges

Turbine Rosenheim – Eisenacher Straße
Sehr gute Musik. Ich habe dort meine heutige Frau näher kennengelernt. Auch der damals noch unbekannte Plattenaufleger „Dr. (ich nehme an, eine illegale Titelaneignung) Motte“ hatte sie angebaggert, ohne Erfolg. Finanziell wäre das für sie sicher die bessere Partie gewesen.  Egal. Glück gehabt! Eines Abends kam Jim Jarmush durch die Tür, was mich begeisterte. Der war nach „Stranger than Paradise“ und „Down by Law“ ein Held! Der schlimme Wichtigtuer von Türsteher wohnte bei uns im Nachbarhaus und man konnte immer Abends durch sein Fenster beobachten, wie er vor dem Spiegel stand und stundenlang in genussvoller Eitelkeit sein wallendes langes Haar bearbeitete.

Dschungel – Nürnberger Straße
Den kennen alle. Und ja, war schon cool. Aber für mich damals viel zu etabliert, bäh, für die Schickeria! Aber auch für andere – eigentlich war es eine wunderbare Mischung. Aus heutiger Sicht sympathisch unkommerziell und mit wirklich guter, neuer Musik. Es wurde natürlich alles mögliche genommen und geraucht; einmal hatte ich einen wirklich bestialischen Gestank in der Nase, würde mich interessieren, was das war. Promis waren auch da, aber die erkenne ich meistens nicht. Ich erinnere mich auch an einen Besuch mit einem Freund F., der vorschlug, eine Frau anzusprechen, ob sie nicht einen flotten Dreier mitmachen wollte (was aus verschiedenen Gründen nicht umgesetzt wurde). Aber ich freue mich heute noch, dass wir neben den ganzen Promis vom Türsteher akzeptiert wurden und Spaß haben konnten: Mich hat eigentlch mehr die Stimmung und das Tanzen interessiert, als Promis zu sehen.

XXX – Adenauerplatz
Wie hieß noch der Laden am Adenauerplatz – Zugang nur über eine Außentreppe? Runde Tanzfläche,wie im Zirkus, nur mit einer einzelnen nackten Glühbirne beleuchtet. Kommt wohl auch kurz im Film B-Movie vor (?)… Freue mich über Hinweise.

Nachtrag: So langsam denke ich, das war das frühe Linientreu, das erst später in die Budapester umgezogen ist und dann uninteressant wurde?

Loft – Nollendorfplatz
Das war eigentlich DIE Konzertlocation. Im Nebeneingang zum Metropol. Ein legendäres Konzert von Fad Gadget (in dem er anfing, mit einem gekonnten Feldaufschwung die Hängedecke zu zerstören), ein legendäres Konzert der Einstürzenden Neubauten, die mit einem Presslufthammer die Wände bearbeiteten und ein erstes Konzert der Hosen, bei dem dieses passierte. Mich würde noch interessieren, wer für die ganzen Schäden aufgekommen ist. Am Eingang stand ein freundlicher, oft uniformierter Brite, der viel später zu einem glorreichen Film über die Achtziger beisteuerte.

Was macht man nur mit dem Mikro, wenn keine Hand mehr frei ist? Frank Tovey macht es vor. Und produziert dabei noch Geräusche, die gut zur Musik passen!  (Foto Boo Anderson / lastfm)

Metropol – Nollendorfplatz
Die Mutter des Loft? Aber auch langweiliger. Ich erinnere mich aber an ein – natürlich – legendäres Konzert von The Cramps. Ich hatte meine Kamera mit und stand ziemlich weit vorne und habe tolle Fotos geschossen. Damals analog – auf Filmstreifen, die von entsprechenden Dienstleistern  entwickelt und abgezogen werden mussten. Davon war eine Bekannte so begeistert, dass ich sie ihr ausgeliehen habe. Leider habe ich sie nie wieder bekommen. Ein paar Abzüge müssten aber noch irgendwo sein. Wenn ich Rentner bin, suche ich sie mal, weil die waren wirklich gut. Ansonsten uninteressante Disko.

Café Swing – Nollendorfplatz
Keine Disco aber tolle Konzerte. Direkt neben Loft und Metropol. Immer zu voll und zu eng, aber schwer Avantgarde. Beginn 1.00 Uhr morgens und meist umsonst.

SO36 – Oranienstraße
Darf natürlich nicht fehlen. Ein furchtbarer, stickiger, enger, verrauchter, voller, dreckiger Punk-Laden, legendär. Die Geschichte dazu sollte man sich mal durchlesen/streamen/zappen! Auch unbedingt die geniale und einzigartige Dokumentation ansehen: „So war das S.O. 36“. Da möchte ich nochmal eine Kritik zu schreiben. Ich wohnte damals in der Nähe und war daher gerne öfter da. Habe ein fast legendäres Konzert der Dead Kennedys verfolgt. Zum starkfühlen hatte ich mir eine Kunstleder-Punkjacke von meinem Freund F. ausgeliehen, der klamottenmäßig immer für alle Fälle gewappnet war. In die passten gerade mal zwei Dosen Karlsquell; zwei weitere musste ich in der Hand mitnehmen. Damals ging sowas noch. Und wenn das Konzert schlecht war – oder besonders gut war – pfefferten manche die leeren bzw. vollen Dosen auf die Künstler auf die Bühne. Das war nicht so schlimm, wie das auch übliche Anspucken. Und Ratten-Jenny war natürlich auch immer da. Den Laden gibt es heute noch.

Viel später habe ich nochmal mit AND ein Konzert hier gesehen. Bei Ankunft bekam ich einen Schreck: die Leute stehen alle brav in einer Schlange, um Eintrittskarten zu kaufen. Drinnen war es wie immer. Schlechter Sound, eng, stickig. Mit etwas Gras ertragbar.  Und Interpol ist schon ziemlich achtziger und ziemlich gut. Aber nochmal muss ich nicht hin.

Tempodrom – Potsdamer Platz
Auch ein legendärer Veranstaltungsort, an einem besonders historischen Platz – heute nicht mehr vorstellbar! Damals ein Zirkuszelt, mit einem Zaun drumherum. Ich wollte auf ein Konzert von DAF und ging solange am Zaun hin und her, bis der Aufpasser dahinter nicht mehr zu sehen war. Schwupp, drübergestiegen und im Zelt verschwunden. Damals war ich noch ein armer Student und es gehörte auch zum sportlichen Ehrgeiz, sich irgendwie an der Kasse vorbeizuschummeln, obwohl die Eintrittspreise lächerlich gering waren.

Drinnen in der Manege waren mehrere halbstarke Männer mit nackten und schweißnassen Oberkörpern zu sehen, die in weißem Licht auf irgendwelche Geräte einhauten und einen irren Sound verursachten. Das war noch am Anfang meiner Berlin-Karriere und ich war sehr beeindruckt. In der Pause lief Gabi Delgado Lopez zufällig durch die Sitzreihen zwei Meter an mir vorbei, ein Held im Publikum! In späteren Interviews hat er sich als sehr sympathischer und reflektierter Zeitgenosse präsentiert. In der Zeit wohnte sein Bruder Eduardo in Neukölln (Sonnenallee) direkt neben mir und wir sind mal zusammen mit anderen in einem VW-Bus auf eine Party in der Pfuehlstraße gefahren. Er hat dabei ständig The Gun Club gehört, was mich etwas nervte. Ansonsten habe ich dort noch den wahren Heino und später die Ramones gesehen. Das war nicht mehr so beeindruckend. Aber La Fura Dels Baus schon.

Dank an und Bewunderung für Irene Moessinger, die diesen wunderbaren alternativen Veranstaltungsort mit einem Erbe, ohne Businessplan, aber mit vielen Freunden einfach geschaffen und erfolgreich betrieben hat. Heute würde ich ihr gerne das Eintrittsgeld zurückgeben. Später musste der Laden in den Tiergarten ziehen und dann wegen des Neubaus des Bundeskanzleramtes dort wieder verschwinden. Kurze Zeit später steht neben dem Kanzleramt ein anderes Veranstaltungszelt. Das habe ich nie verstanden und finde es nach wie vor ungerecht! Das Tempodrom wurde dann mit viel Geld am Anhalter Bahnhof komplett neu gebaut und besteht seitdem ohne Charme aber immer noch ganz gut.

Linientreu – Budapester Straße
Legendär, selten besucht, aber wohl gut.

Ferner liefen

Basement – Mehringdamm
Eine kleine unbekannte Absackerdisco mit guter Musik. Eher regional bedeutend. Etwas rockiger und erst später besucht. Ansonsten bisher keine weiteren Infos gefunden

bronx – Wiener Straße
War halt in der Nähe. „Das bronx in der Wiener Straße 34 in Kreuzberg befand sich in einem ehemaligen Kinosaal, der in den 70er Jahren unter dem Namen Wiener Lichtspiele als Underground-Discothek genutzt wurde.“ http://www.rockinberlin.de/index.php?title=Bronx
Mehr habe ich dazu nicht gefunden.

XXX – Am Ende der Hauptstraße (?)
Weiß den Namen nicht mehr, nur dass ich selten da war und zu Tears for Fears getanzt habe.

Sektor – Hasenheide
Späte Achtziger. Man tanzte auch mal zu Pop und Rap. Großer Laden mit einem eindrucksvollen Tunnel als Zugang. Habe ich da C. kennen- und liebengelernt? Die später dann zu meinem Freund R. umgeschwenkt ist?

Grex – Muskauer Straße
Ein kleiner Tanzschuppen in Kreuzberg 36. Das war schon eher in den späten achtzigern. Ich habe mich als DJ beworben und hatte Chancen. Weiß aber nicht mehr warum nix daraus wurde, ist auch ok so.

Sound – Genthiner Straße
Im Nachhinein sehr interessant. Scheint sogar mal in einem Tatort thematisiert worden zu sein. Eher ein Überbleibsel aus den Siebzigern? Weiß nicht mehr, warum ich so selten da war. Wird auch oft mit Drogenkonsum in Verbindung gebracht. Würde ich gerne mehr drüber erfahren.

Ballhaus Spandau
Etwas rockiger und ok, aber zu weit weg und kein Kult. Gibt es wohl heute noch!?

Madonna – Wiener Straße
Eine angesagte „Szenekneipe“ mit guter Musik; war mal eine Zeitlang Treffpunkt mit anderen. Gibt es wohl heute noch?

Trash – Oranienstraße
Ja, blöder Name, aber der Laden immerhin etwas punkiger als die anderen.

Triebwerk – Flughafenstraße
Etwas angesagte Kneipe in Neukölln, das damals sonst vollkommen uninteressant war. War Schichtleiter in einem Kraftwerk. Nach der Nachtschicht, ca. 6.00 Uhr morgens, gingen wir mit der ganzen Mannschaft noch dorthin, weil nichts anderes mehr auf hatte. Kollege P. spendierte etwas zu rauchen und wir haben uns wunderbar amüsiert und entspannt, bevor es dann doch ins Bett ging. Später war ich mal alleine dort und die hübsche Bedienung interessierte sich ungemein für die Hose, die ich an hatte. Das war eine Hose aus rotem Leder, zusammengehalten durch braune Lederstriemen, die ich mir mal selber geschneidert hatte. Am nächsten Tag brachte ich ihr die Hose; sie ging mit mir ins Nebenzimmer, zog sich – bis auf die Unterhose aus – und zog meine Hose an. Gekauft! Für 80,00 DM oder so. Etwas wenig im Nachinein und vor allem aus heutiger Sicht.

Exxcess – Kurfürstenstraße
Ich war wohl nur einmal da, hat aber einen bleibenden Eindruck vermittelt. Alles mit Weißen Fliesen; das obligatorische Neonlicht. Und dann standen noch drei Gestalteten in extremen New Wave Stil mit den wildesten Frisuren herum. Cooler und abweisender hatte ich es noch nie empfunden. Später zog dort eine Sauna ein. Heute ist in dem Haus oder Komplex wohl der „Ruhesitz am Zoo“. Wie sich die Zeiten ändern…

Madow – Pariser Straße am Olivaer Platz
War das die Disko, die Bowie betrieb? So raunte man sich zu. War für mich aber etwas uninteressant.

Far Out – Kudamm
Von den Sanyassins und später sehr angesagt. Hat mir nicht gefallen.

Fischlabor – Frankenstraße
Einer der Läden, die neu und wirklich außergewöhnlich waren. Gemütliche Athmosphäre – das war in den Achtzigern eine Revolution. Aber doch noch mit Neonlicht. Das war das, was man heute Lounge und Chillen nennen würde.

Cri du chat – Joachimstaler Straße
War ich mehrfach, kann aber nicht mehr dazu sagen.

Oranienbar – Oranienstraße
War sehr angesagt. Man trank Campari Orange oder Curacao Blue. Hinter der Theke war ein Spruch auf die Wand gemalt: „No fucking Beck’s“. Der gefällt mir heute noch.

 

Sonstige

Mir fällt auf, das mein heutiges Schöneberg mal total angesagt war. Hier noch ein paar bekannte Namen:

Risiko – Yorckstraße
Ich erinnere mich, wie Blixa Bargeld mir ein Bier über die Theke reichte.
Mr. Dead & Mrs. Free – Bülowstraße
Ein legendärer Plattenladen, der erst vor kurzen geschlossen wurde.
Scheißladen – Großbeerenstraße
Inhaber: Der wahre Heino. Hat sich neben seinen Auftritten im echten Heino-Stil einen Namen damit gemacht, unsere Nationalhymne zu FURZEN. War in Kreuzberg, und in der Nähe; war aber nie da.
K.O.B – Potsdamer Straße
Selten da, aber im besetzten Nachbarhaus öfter meine Kommilitonin D. besucht.
Ex‘n‘Pop – Schwäbische Straße
War ich nie, obwohl es wohl auch eine Reminiszenz an meinen Lieblingsmoderator war.
Cafe Mitropa – Goltzstraße
Hat mir nie so gefallen, gibt es aber heute noch – wegen Namensstreitigkeiten unter dem Namen Cafe M.
Domina Bar – Winterfeldtstraße
Dort ging man hin, wenn der Dschungel oder die anderen geschlossen hatten, also ca. ab 4.00 Uhr. Und man traf die anderen Diskogänger deren Läden geschlossen wurden. „Wo wart Ihr denn heute?“
Slumberland – Winterfeldplatz
Eine Legende, aber war ich auch selten. Und gibt es heute noch(?) Auch noch mit Sand auf dem Boden?
Music Hall – ?
War wohl mal da, weiß aber nicht mehr wo!?
Cafe Anfall – Gneisenaustraße
Ein netter, origineller, kleiner Laden. Betrieben unter anderen von einem Schulkumpel RCM (†). Beliebter Treffpunkt der Clique.
Offline – Kreuzbergstraße
Kein Klub, eine neue und leicht avantgardistische Modemesse. Schwer angesagt. Meine spätere Frau hat als Studentenjob die Models eingekleidet. Und ich habe – unabhängig davon – mich mal als Model beworben. Der Typ, der das Casting veranstaltete, sagte zu mir, er hätte mich gerne engagiert, der Chef (war das Offline-Frank?) aber nicht. Mein Gang war ihm nicht forsch genug, zu federnd. Egal. Ich lebe noch.

Ein paar mehr Infos gibt es noch von „Westbams Club-ABC“ auf der Seite von Zitty.

Vom 24. Juni 2019 in Achtziger, Allerbestes | Kein Kommentar

Kapitalistenschweine

Ein schöner Kampfbegriff aus den Achtzigern. Könnte heutzutage wieder sehr aktuell werden. Hat aber keine Anhänger mehr. Die Menschen mögen die Konzerne wieder. Wird außerdem auch von der Rechtschreibkorrektur nicht erkannt. Auch Bonzenschweine nicht.

Vom 29. März 2019 in Achtziger, Wörter | Kein Kommentar

Verpasst

Es war 1989 als ich nach einem mittelmäßigen doch-noch-Studiumabschluß die letzte Chance nutzte, vor dem harten Arbeitsleben noch etwas die Welt zu erkunden.

Das war damals noch Amerika. Auf dieser Reise habe ich auch etwas anderes erlebt. Welche Story wollte ich jetzt schreiben? Ach ja, von einem besonderen, historischen Erlebnis, das ich nicht hatte. Ich war in New York auf einer Privatparty. Alle beglückwünschten und umarmten mich als deutschen. Warum!?

Also, ich las an diesem Morgen auch die New York Times auf deren Titel ein Foto von Menschen war, die auf der Mauer standen (oder tanzten)!? DER Mauer. Was ist da los in Berlin?

Ich lebe seit Anfang der Achtziger in dieser Stadt und war nie länger weg, als ein, zwei Wochen. Jetzt hat es mich erwischt. Ich habe DEN historischen Tag in der Geschichte meiner Heimatstadt verpasst. Die zurückgebliebene Freundin bestätigte mir leider telefonisch das fröhliche Chaos, das ausgebrochen war und was ich alles verpasste.

Ich saß allein in der Weltstadt N.Y. auf einer tollen Party, wurde als Held gefeiert und wünschte mir nichts sehnlicher, als in Berlin zu sein.

Mal Pech gehabt.

Mein Einstieg in Berlin

Es war Anfang der Achtziger. Mit dem R4 meiner Mutter und allen Sachen nach Berlin umgezogen. Eine Familienfreundin hatte mir eine temporäre Unterkunft angeboten. Ein Hochbett in einem ganz passablen Zimmer in der Danckelmannstraße.

Mein erster Eindruck von Berlin war schlimm. Ich hatte mir Großstadt, moderne Urbanität, viele nette Leute und schicke Gebäude vorgestellt. Statt dessen: Gaslaternen (Jahrhundertwende?), alles Altbauten mit vielen Verzierungen, die Stadt vollkommen heruntergekommen (seht Euch mal Filme aus dieser Zeit an!), coole und arrogante Leute, und mein R4 mit dem Umzugsgut wurde nach ca. zwei Tagen aufgebrochen und bestohlen.

Die Wohnungssuche war schwer. Es gab akute Wohnungsnot (kommt mir auch heute noch bekannt vor; Berlin eben.) Am Freitag- oder Samstag-Abend stellte man sich – auch als linksorientierter Springer-Hasser – vor das Hauptgebäude in der Kochstraße und wartete, bis die frisch gedruckte  Morgenpost ausgeliefert wurde.

Und ich war nicht der einzige. Als die Wagen um die Ecke kamen, hielten sie tatsächlich an und man konnte – wahrscheinlich illegal – die neueste Ausgabe der Zeitung (ein ehemalig erfolgreiches Printmedium) als erster erwerben. Die Zeitung mit den meisten Vermietungsanzeigen. Dann so schnell wie möglich zur nächsten Telefonzelle gerannt (damals gab es noch keine Schlautelefone) und (sofern die nicht schon von der Konkurrenz besetzt war) die wichtigsten Angebot-Ersteller angerufen. Erfolglos.

Dann gab es eine Selbsthilfegruppe, die ich besuchte. Alle auf dramatischer Wohnungssuche. Es gab Vollkornbrot und Salbei-Tee. Und es kam irgendwann der Vorschlag: Wir besetzen einfach ein leer stehendes Haus! Ich war schockiert. Man kann doch nicht einfach die Tür aufbrechen und einziehen. Wichtiges Hintergrundwissen: Zu der Zeit gab es aufgrund der akuten Wohnungsnot weit über hundert besetzte Häuser in Berlin – weil die Jahrelang leer standen und die Eigentümer damit spekulierten. Es gab quasi ein Recht auf Besetzung. Man muss anerkennen, dass die Hausbesetzer dazu beigetragen haben, einen großen Teil der Altbausubstanz in Berlin zu erhalten! Später habe ich dann in einem der Häuser gewohnt, aber eher temporär. Dazu später vielleicht mehr..
(Aus dramatischen und fiktiven Gründen habe ich den Satz „Es gab Vollkornbrot und Salbei-Tee.“ in falschem Zusammenhang genannt: Dies gab es erst später, in einem besetzten Haus.)

Jedenfalls habe ich dann doch noch regulär eine Wohnung gefunden. In Kreuzberg 62 – da hatte ich erst etwas Bedenken. Aber wohl nicht so schlimm, wie 36 und Preis war ok. 185,- D-Mark pro Monat für zwei Zimmer. Ich hatte immer ein Faible für große Wohnumgebungen. Leider mit kalten Wasser, ohne Bad (zum Duschen ging man in das Stadtbad), Ofenheizung, Erdgeschoss, Blick in einen verkommenen Hof, Himmelsicht nur, wenn man sich vor dem Fenster auf den Boden legte und nach oben sah. Immerhin Innenklo. Und einmal hatte ich eine Ratte im Schlafzimmer. Aber es gab schöne Parties. Kein Problem, dass Karslquell-Dosen an die Wand gepfeffert wurden.

Mexico

Es war ca. 1989 als ich – nach dem Abschluss des (seeehr langen) Studiums – eine ausgedehnte Fernreise unternahm und dabei auch durch Mexiko fuhr. Genauer gesagt, wollte ich mit dem Nachtbus von Mexiko-Stadt nach Dallas fahren. In Mexiko gibt es Grenzen zwischen den Bundesstaaten, und da wird auch ab-und-zu kontrolliert. Jedenfalls gerieten wir in eine solche Kontrolle. Die Grenzschützer kamen in den Bus, sahen sich um, und zeigten auf mich, den einzigen Ausländer. Ich musste meinen Rucksack öffnen und den Inhalt zeigen und dann sagten sie: „Komm mal mit“.

Dann musste ich mit ihnen im Dunkeln in ein provisorisches Zelt gehen und den Rucksack auspacken. Die hatten alle schwere Maschinengewehre und sonstige martialische Ausrüstung bei sich! Und ich war alleine im nirgendwo. Damals gab es kein Mobiltelefon. Keine Verbündeten.

Dann kam die Forderung: Dollares. Häh? Dollares, 200. Ich verstand. Die hatten mich als Gringo identifiziert und wollten Geld von mir. Aber ich war Student, und deutscher und hatte nicht so viel Geld. Das versuchte ich klarzumachen. Ich verhandelte!

Meine größte Sorge war dabei, dass die Leute im Bus dachten, och, keine Lust mehr zu warten, ist ja auch nur ein Ausländer, fahren wir weiter. Und mein Koffer war noch in dem Bus! Egal, ich schlug vor: 20 Dollar und das wurde schließlich akzeptiert. Ich war überglücklich, dass der Bus gewartet hatte und konnte mit einem kleinen Verlust meine nächtliche Reise fortsetzen.

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