Normal ist nicht mehr normal

Man geht in ein Cafe und bestellt einen Cappuccino. Das geht leider nicht mehr so einfach. Es kommt die Rückfrage, mit Hafermilch, Sojamilch, Mandelmilch, Ziegenmilch, XXX-Milch? (Das ist natürlich alles keine Milch, weil mit Milch üblicherweise Kuhmilch gemeint ist. Es sollte verboten werden, alles andere als Milch zu bezeichnen!) Mit Koffein oder ohne? Groß, mittel oder klein? Zum Hiertrinken oder zum Mitnehmen? Puh, wer einen normalen Cappucino trinken möchte, muss heutzutage sagen: Cappuccino mit Koffein, mittelgroß, Kuhmilch, zum Hiertrinken! Die Welt wird komplizierter.

Und ein Croissant bitte! Nee, so geht das nicht: Mandelcroissant? Mit Marzipan gefüllt? Schokocroissant? Also, das normale Croissant heißt heutzutage umständlich Buttercroissant. „Ich bin ein Mann“, war mal eine eindeutige Aussage. Nein Cis-Mann (die Rechtschreibfunktion bietet mir Mannesmann an) heißt das heute (Personen, „deren Geschlechtsidentität dem Geschlecht entspricht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde“).

Ich hatte bereits darüber philosophiert, was eigentlich normal ist. Es ist das, was die Mehrheit ausmacht. Warum muss man das normale eigentlich mittlerweile spezifizieren? Sind das Interessengruppen von Minderheiten, die sagen, wir möchten nicht mehr als besonders gelten, daher soll das normale auch als etwas besonderes gekennzeichnet werden? Ich bin dafür, nur das außergewöhnliche zu kennzeichnen. Vielfalt ist ja schön, aber Klassiker sollten Klassiker bleiben (sonst wären sie ja auch keine).

Lebensmittel

Was sind eigentlich Lebensmittel? Na, das, was man zum Leben braucht: Brot, Butter, Aufschnitt, Wasser, Schampus.

Halt! Schampus? Ist der Lebenswichtig?

Nun, könnte etwas umstritten sein. Nicht eindeutig. Aber der Rest wird allgemein anerkannt, oder?

11. September 2019 // Gedanken // Kommentar schreiben!

Datenschutz

Ich sage hiermit voraus, dass in wenigen Jahren der Datenschutz kein Thema mehr ist. Nicht weil unsere Daten bestens verwahrt sind, es vollkommene Informationsfreiheit gibt und kein unbefugter auf unsere Daten zugreifen kann. Nein weil wir selbst bald alle Daten öffentlich machen oder diese durch Diebstahl, Fahrlässigkeit, Schlamperei, kriminelle Handlungen öffentlich gemacht werden.

Wenn heute schon die Bundesregierung geklaute Daten kauft und darauf (zu Recht) Verfahren anstrengt, was erwartet uns in Zukunft? Wir haben einen Beauftragten für Datenschutz, wie heißt er noch Herr Schaar? So etwas nennt man Alibi. Schöne Funktion, viel Öffentlichkeit aber keine Befugnisse. Ich gehöre noch zur Generation, die die Volkszählung in den achtzigern boykottieren wollte, zumindest indem man unsinnige Angaben machte (die Totalverweigerung wäre als Straftat geahndet worden).

Heute geben viele freiwillig alles von sich Preis – im Internet. Also öffentlicher geht es nicht. Und vor allem nachhaltiger. Bei den vielen Veranstaltern, bei denen man sich anmelden kann und – ach so tolle – Nachrichten austauschen kann, Freunde hat und ganz aktuell darüber informiert wird, dass der Kumpel gerade eine lauwarme Pizza gegessen hat.

Egal, soll jeder seine Zeit verschwenden wie er will. Was ich kritisiere, ist dass die Veranstalter eine gewissen Datenschutz versprechen, der nicht eingehalten wird. Noch schlimmer: sogenannte Datenskandale passieren einfach so, Millionen Datensätze gelangen an die Öffentlichkeit und – nichts passiert. Wird jemand zur verantwortung gezogen? Wird dem Dienstleister wegen Unfähigkeit die Lizenz entzogen? Nein. Es interessiert niemanden mehr wirklich. da kann unser engagierter Datenschützer noch so sehr wettern – er wirkt wie aus einer anderen Zeit, wie ich …

Nachtrag: Bitte achtet auf das Datum der Veröffentlichung. Das ist echt!

03. Februar 2010 // Politisches // Kommentar schreiben!

GORG auf TSP

<fiktiv> Neulich hat mich der Tagesspiegel angefragt, ob ich nicht eine Kolumne für ihn schreiben könnte.

Herr Martenstein hatte mich der Redaktion empfohlen.

Ich habe abgelehnt.

Ich mag Herrn Martenstein – der Name allein! Aber sobald ich unter Druck gesetzt werde, ist es keine freie Kunst mehr. Sorry, aber Ihr könnt mich gerne zitieren. </fiktiv>

12. Oktober 2018 // Kulturelles // Kommentar schreiben!

Kassetten

Ich bin froh darüber, in einer Zeit aufgewachsen zu sein, in der ich sowohl das analoge als auch das digitale Leben und alle damit verbundenen technischen Errungenschaften erfahren und nutzen konnte. Junge Menschen von heute werden nie verstehen, was es bedeutet, eine Schallplatte vorsichtig aus der Hülle zu nehmen (ohne sie anzufassen!), sie sorgsam auf den Plattenspieler zu legen, vorsichtig die Nadel anzuheben und auf sie niederzulassen, um dann vollkommen entspannt eine wunderbare Musik mit ausgeprägtem Knistern, Rumpeln und Rauschen zu hören. Ein sehr individueller und einzigartiger Musikgenuss.  // weiterlesen! 

09. Mai 2021 // Autobiographisches // 2 Kommentare

Radikala

Frauen sind so radikal, das mag ich – (langer Gedankenstrich) – manchmal!

In der Musik gibt es einige Beispiele, die liefere ich nach.

Hier ein Beispiel aus der realen Welt: Eine Bekannte und ich gehen Schlittschuhlaufen auf dem Schlachtensee. Super Wetter, schöne Stimmung. Im Anschluss geht man in die Fischerhütte, damals noch die originale Westberliner Fischerhütte. Ihr werdet gleich erfahren, warum das wichtig ist.

Also, wir sind die einzigen Gäste und bestellen etwas zu trinken. Die Bedienung ist offensiv unmotiviert, schlecht gelaunt und hat wohl keine besondere Lust uns jetzt auch noch etwas zu servieren. Es gibt kleine Wortgefechte, ohne Besserung der Situation. Aber die bestellten Getränke bekommen wir – nach entsprechender Wartezeit. Wir bezahlen so schnell, wie möglich.

Im Gehen nimmt meine weibliche Begleitung vor der Bedienung ein Glas in die Hand, hält es hoch, guckt sie an – und lässt es auf den Boden fallen, wo es mit lautem Klirren zerbricht. „Oh Entschuldigung“ sagt sie. Die Bedienung ist fassungslos, sodass sie kein Wort hervorbringt. Ich auch etwas. Und beeindruckt. Wir verlassen schnell und mit nennenswerter Erleichterung das Lokal.

Einen habe ich noch:

Es ist in Hannover, Zeit egal. Eine Bekannte der Familie und ich gehen durch ein Passage, wo ein mobiler Eisstand steht. Wir möchten ein leckeres Eis bestellen, aber es es ist keiner da! Die Begleitung geht hinter den Stand und fragt  mich,  welches Eis ich möchte, nimmt den Kugellöffel und serviert mir den Wunsch. Nimmt sich dann selbst eins und wird dann noch so frech, andere Passanten nach ihren Wünschen zu fragen. Mein erstes kostenloses Eis. Und eine beeindruckende Aktion.

Massive Attacke?

Der Name ist ja ziemlich furchtbar, trotzdem habe ich Massive Attack dann doch lieben gelernt. Eigentlich über eine etwas untypische und späte Scheibe, nämlich Heligoland. Vorher gab es schon vereinzelte Titel, die wirklich herausragend waren (ich nenne mal Protection oder Teardrop oder Lately), aber hier hat es Klick gemacht (ich nenne mal Saturday Come Slow!). Nein, eigentlich hat es hmmmmmm… gemacht und die alten Scheiben wurden wieder herausgekramt, und Massive Attack wurde in die Bestenliste aufgenommen. Ich weiß noch nicht ob TOP 20 oder TOP100. Später habe ich dann auch mal Videos gesehen, die gibt es ja bei einschlägigen Portalen, schön radikal. Anyway, auch die Musik immer wieder schön …

Beklopptes Bild auf der Schallplatte/CD, aber schöne Musik
Quelle: https://www.discogs.com/Massive-Attack-Heligoland/release/2126330

Wort des Jahres 2016

Bin gerade – und etwas spät, ist aber immer noch aktuell,  über das Wort des Jahres 2016 gestolpert:

„Das Wort des Jahres 2016 ist postfaktisch. Diese Entscheidung traf am Mittwochabend eine Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden. Sie richtet damit das Augenmerk auf einen tiefgreifenden politischen Wandel. Das Kunstwort postfaktisch, eine Lehnübertragung des amerikanisch-englischen post truth, verweist darauf, dass es in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen heute zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten geht. Immer größere Bevölkerungsschichten sind in ihrem Widerwillen gegen »die da oben« bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen bereitwillig zu akzeptieren. Nicht der Anspruch auf Wahrheit, sondern das Aussprechen der »gefühlten Wahrheit« führt im »postfaktischen Zeitalter« zum Erfolg“
(Gesellschaft für deutsche Sprache e. V.; https://gfds.de/wort-des-jahres-2016/)

Könnte auch das Wort des Jahres 2017 sein – und 2018 und vielleicht auch noch länger. Dem ist sonst nichts mehr hinzuzufügen, außer vielleicht: es ist scheiße, dass es so ist (vorsichtiger formuliert: ein für einen akademischen Menschen unerträglicher Zustand).

Mir gefällt übrigens das Wort „Lehnübertragung“ in dem o.g. Zitat, habe ich noch nie gehört und schön altmodisch!

02. Juli 2018 // Wörter // Kommentar schreiben!

Wolkenpolitik

Ich bin – unter anderem – Computer- und Internet-Freak. Aber da gibt es immer wieder Sachen, die ich nicht verstehe: Zum Beispiel die Wolke. Alle wollen in die Cloud, also ihre ganzen Daten bei einem Dienstleister im Internet speichern . Ja, man kann dann auch über das Internet von überall darauf zugreifen aber das lässt sich auch auf einem eigenen Server verwirklichen, entweder bei einem vertrauenswürdigen Provider in Deutschland oder über eine DynDNS-Verbindung vom eigenen Rechner. Warum soll ich meine Daten irgendwelchen (vorwiegend US-Amerikanischen) Dienstleistern anvertrauen? Auch vor dem Hintergrund der aufgedeckten NSA-Aktivitäten ist das sicherlich vollkommen  unverständlich, vor allem, wenn es sich um wichtige Daten handelt. Dann gibt es immer wieder Skandale, bei denen sämtliche Daten öffentlich oder geklaut werden, oder die Anbieter gehen pleite und die Daten sind weg. Nee, ein paar eigene Festplatten in einem eigenen NAS sind doch nicht teuer und man braucht keine monatlichen Gebühren zu zahlen. Also, macht Euch selbständig!