Ich lese keine Bücher

Manchmal wundere ich mich – ich habe seit vielen Jahren kein einziges Buch gelesen und schreibe trotzdem.

Ich finde Bücher lesen eigentlich gut! Man erhält Anregungen und wird – im besten Falle – akademischer. Aber es kommt natürlich darauf an, welche Bücher man liest. Früher (war mehr Lametta) las man Bücher für die Erbauung: Prosa, philosophisches, anspruchsvolle Romane. Heute nur noch Krimis und Alltagsgeschichten (so wie hier).

Ich hatte sogar lange Jahre den Anspruch, unbedingt Bücher zu lesen, so wie es mein Vater empfahl und vorgelebt hat. Nein ich habe einfach keinen Bezug dazu gefunden. Vielleicht habe ich mich auch zu sehr an die Häppchenmentalität der Netz-Generation gewöhnt. Egal.

Früher habe ich übrigens durchaus mal gelesen: Fünf Freunde (auf englisch). Das einzige Buch das ich zweimal gelesen habe heißt „Der Räuber Hotzenplotz“. Und sonst: Die Mythen des Alltags, und – Moment, ich gucke mal kurz in mein Regal: Alles von Kafka, außerdem Nadolny: Netzkarte, Böll, Hesse, Handke, Anleitung zum Unglücklichsein, Überleben in der Wildnis, Rhinozeros, Das Japanische Kino, Dorian Gray, On the Road, Der Meister und Margerita, Fuck Machine. Alles gelesen! Und hat mir alles gefallen. Scheint aber zu reichen. Bei Gelegenheit Rezension.

Mein Gott ist das altmodisch und analog. Aber ich traue mich noch nicht, das alles zu entsorgen.

Ich denke, ich werde bald mein eigenes Buch schreiben und später immer wieder gerne darin lesen. Mehr Buch brauche ich dann nicht.

21. September 2018 // Kulturelles // Kommentar schreiben!

Ein strukturelles Problem

Ich war auch mal auf einem Internat. Mein Vater wollte mich fördern. Und ich wollte gerne vom Kaff in eine größere Stadt ziehen. Die Wahl fiel auf ein privates Jungen-Internat, am Rand der ehemaligen Bundeshauptstadt, von den Jesuiten betrieben und mit ausgezeichnetem Ruf.

Ich erinnere mich noch an das Aufnahmegespräch. Der Rektor fragte mich (nachdem er die Eltern rausgeschickt hatte) ob ich denn überhaupt auf ein Internat gehen wolle? Das hat mich beeindruckt und ich war überzeugt. Als Evangele habe ich mich dann auch mit dem katholischen abgefunden, da ich nicht so bevormundet wurde und vor allem nicht an den wöchentlichen Gottesdiensten teilnehmen musste.

Ein- bis zweimal im Jahr gab es ein Fest. Vom nahegelegenen Mädcheninternat wurden die weiblichen Gegenstücke mit dem Bus eingefahren. Diese haben einmal eine Vorstellung gegeben, die bei mir hängen geblieben ist: Zum Stück „Walk on the wild side“ traten sie in Hosenanzügen auf, rauchten Zigarillos und bewegten sich unglaublich cool zur Musik. Am späten Abend mussten alle wieder in den Bus einsteigen und es gab herzzerreißende Abschiedsszenen.

Viele Jahre später in den Zehnern, ging eine Nachricht durch die Presse, dass es genau in diesem Internat auch Missbrauch gegeben habe. Gemeint ist sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen. Ich war erschüttert. Das war mir nicht klar, aber in Nachhinein, erinnert man sich doch an manche Details. So hing in der Stella zum Beispiel ein fröhliches Nacktbild von einem Schüler. Aber mein Gott – es waren die siebziger! Was erst später herauskam ist, dass der Junge, den ich kannte – damals und heute – sehr darunter und vor Allem auch auch unter anderen Tätigkeiten gelitten hat. Das tut mir Leid.

Es sind laut Medienberichten – und ich glaube diesen – noch viele unschöne Details in der katholischen Kirche passiert die auch die Systematik des Missbrauchs dokumentieren. In diesem Fall wurde vor allem Pater Stüper (gestorben 2010), der Internatsleiter, genannt. Ich mochte ihn eigentlich, obwohl er ein Choleriker war, und er mochte mich, was mir Privilegien verschaffte (Einzelzimmer im Jägerhäuschen). Mehr war nicht und viel mehr bekam ich damals nicht mit. Heute ist das natürlich erschreckend – auch weil sich öffentlich ein Bewusstsein für den Missbrauch entwickelt hat. Und es reiht sich ein in eine systemimmanente, institutionelle Praktik.

Ich bin froh, dass mein Vater, der zum katholischen Glauben konvertierte (und das Internat bezahlt hat!), von alledem nichts mitbekommen hat, er würde sich im Grabe umdrehen.

Heute lese ich auf SPON, dass das Internat „wegen mangelnder Auslastung“ geschlossen wurde. Den Artikel kann ich genau genommen nicht lesen, da dies zahlungspflichtig ist und ich im Moment keine Lust darauf habe, dem nachzukommen. Die Schlagzeile aber hat mich jedenfalls zu diesem Artikel animiert. Die Hintergrund-Informationen habe ich dann woanders bekommen. Der beste Artikel zum Thema wurde übrigens 2013 im Berliner Tagesspiegel geschrieben. Vielleicht noch hier.

Das trügerisch idyllische Jägerhäuschen, in dem ich (mit anderen auserwählten) wohnen durfte.

Foto: By Fujicolor [Public domain], from Wikimedia Commons

21. September 2018 // Autobiographisches // Kommentar schreiben!

Geheimratsecken

„Mit Geheimratsecken wird umgangssprachlich der Haarausfall am Haaransatz an den Schläfen eines Mannes bezeichnet.“ (Wikipedia)

Was dort nicht steht: Sie sind auch ein Zeichen hoher Intelligenz. Ich kenne jedenfalls zwei Personen, auf die das zutrifft, mich und jemand anderes.

Im Netz finden sich zu diesem Stichwort hauptsächlich Ratgeber, wie man mit dubiosesten Methoden, die Bildung der GRE verhindern kann. Mann sollte aber doch keine Maßnahmen gegen Intelligenz vornehmen, oder? Ich mag meine jedenfalls ….

Autor bei der Arbeit. Fortgeschrittenes Stadium der GRE – irreversibel. Und das ist gut so.

14. September 2018 // Gedanken // Kommentar schreiben!

Ein Teil der Frauen aus Medien, die mich beeindruck(†)en

In Ergänzung zum Männerteil, hier der Frauenteil.

Unbekannt
Es war in den siebzigern. Im Jungen-Internat. Einmal im Jahr kam eine Busladung aus dem Mädcheninternat vorbei, um eine Party zu feiern. Dabei gab es auch Vorstellungen durch die jeweiligen Geschlechter. Die Mädels waren als Männer verkleidet. Mit Anzug und Schnurrbart und Zigarillo. Und performten zur Musik von Lou Reed – Walk on the Wild side. Das hat mich beeindruckt.

Iris Radisch
Ressortleiterin im Ressort Feuilleton, DIE ZEIT. Gesehen vor vielen Jahren in einer Gesprächsrunde im Fernsehen. Wunderhübsch, lässig, schön maskulin in einem Hosenanzug. Sie redet nur kluge Sachen. Die hätte ich an dem Abend sofort geheiratet.

© Klaus Kallabis

Angela Merkel
Ja, wirklich! Nicht ganz mein Typ, aber wunderbar solide und zuverlässig. Ich verstehe das aktuelle „Bashing“ nicht. Seit Frau Merkel geht es uns so gut wie nie. Sei macht einfach ihren Job.  Und sie hat alle Utopien der Sozis und Grünen verwirklicht. Was will man mehr?

Maybritt Illner
Die einzige Quatschrunde, die ich mir ab und zu gerne ansehe. Weil es nicht um die Moderatorin geht, sondern um die Gäste und das Thema. Vor vielen Jahren sind wir ihr im Tiergarten begegnet und sie sagte irgendetwas nettes zu unserem kleinen Sohn. Das hat die Wahl aber nicht beeinflusst.

Charlotte Roche
Die war mal bei einem großen Fernseh-Musiksender. Sie erzählt etwas, beim Autofahren, durch das Fenster, in die Kamera, die wohl irgendwie außen befestigt ist. Inhaltlich alles Quatsch, aber sehr charmant und unterhaltsam. Ich bin gebannt! Irgendwann fängt sie an, sich einen Spaß daraus zu machen, immer länger in die Kamera zu gucken. Ich halte das kaum aus: Mädel, guck nach vorne, nach vorne!!! Aber es geht dann doch noch  gut…
(Ich weiß um die Bedeutung und die Auswirkung des Wortes „Mädel“ aber ich fand das hier passend. )

Sahra Wagenknecht
Ja, Vertreterin der Linken, Nachfolgepartei der SED. Aber überzeugend. Angenehm sachlich und klassisch links. Die Aussagen gegen Großkonzerne unterstütze ich voll und ganz. Auch alles für Abrüstung und erneuerbare Energien. Leider ist sie in der falschen Partei.

Isabelle Huppert
Französische Schauspielerin, mit roten Haaren. Und das unglaublich gut. Gesehen das erste Mal in „Die Spitzenklöpplerin“ Als beeindruckter Jugendlicher. Viel später auf der Berlinale: Malina. Und im Netz La Pianiste. Sehr schön schräge Rollen. Später habe ich sie (nicht wirklich, oder?) in Berlin gesehen, wie sie über die Straße ging.

Hier noch eine private Erfahrung.

OK, Musikerinnen gelten wohl nicht; trotzdem hier drei davon: Siouxsie SiouxPJ Harvey und Nina Hagen.

Jetzt muss ich wohl auch noch ein Rubrik für Transgender und sonstige machen. Aber da fällt mir nur einer ein: Genisis P. Orridge, oder auch Anthony?

14. September 2018 // Kulturelles // Kommentar schreiben!

Sprüche

Wo Verstand ist, da braucht es nicht viele Worte (- unbekannt -)
(Nun, manche meiner Texte sind auch ziemlich lang, trotzdem finde ich diese Aussage gut.)

Ich fand Sprüche eigentlich immer doof. Altmodisch verklärend, belehrend, zu undifferenziert, für einfache Gemüter, spießig! Nun, auf meine alten Tage entdecke ich doch ein paar Sprüche, die zumindest eine nennenswerte Aussage beinhalten. Ich meine damit sogenannte Volksweisheiten, die irgendwann in die Welt gesetzt wurden und dann immer wieder wiedergegeben wurden und sich stur im Bewusstsein der Menschen verankert haben.

Was ich gut an Sprüchen finde, ist wenn eine Weisheit oder allgemein gültige  Erkenntnis in wenigen Worten zusammengefasst und formuliert wird. Das ist Kunst: mit geringen Mitteln etwas aussagen.

Hier ein paar Klassiker mit Anmerkungen:

Wissen ist Macht.
Irgendwie mag ich das nicht, aber es ist so.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.
Mann, habe ich es gehasst wenn mich mein Vater damit konfrontierte! Mittlerweile finde ich das eine vernünftige Einstellung, die das Leben erleichtert und handele (meistens) danach.

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.
Ein trauriger Spruch. Bloß nicht freuen oder das Leben genießen, es kann noch etwas blödes passieren. Sollte man nicht befolgen!

Ohne Fleiß kein Preis.
Das stimmt erwiesenermaßen nicht! Es gibt haufenweise Menschen, die ohne Fleiß erfolgreich sind oder elend viel Geld haben.

Scherben bringen Glück.
Das ist nur ein (schwacher) Trost für Menschen, bei denen etwas schief gegangen ist, aber leider nicht zutreffend.

In der Kürze liegt die Würze.
Das gefällt mir wiederum. Wird allgemein leider nicht so beachtet.

Wie der Vater so der Sohn.
Puh, schweres Thema. Die Aussage stimmt aber nicht, zumindest nicht ganz. Also, es gibt grundsätzlich Eigenschaften, die übertragen werden, aber bei unangenehmen Eigenschaften kommt (zumindest bei mir) das Gegenteil heraus, was ja nicht schlecht ist.

Übung macht den Meister.
Gut, kann man wohl nichts gegen sagen, oder? Allgemeingültig.

Lügen haben kurze Beine.
Schön wär’s! Leider ist dem nicht so. Heutzutage sogar eher im Gegenteil. Die Lüge ist sehr verbreitet und akzeptiert. Folgen sind selten.

Kein Genuß ohne Reue.
Stimmt, das geht mir häufig so.

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.
Der gefällt mir wiederum: man kann sich gehen lassen, ohne Berücksichtigung jeglicher Konventionen.

Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr
Isso. Dies stammt nicht (wie vielfach angegeben) von Wilhelm Busch, sondern es handelt sich um eine allgemeine Redensart.

Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.
Also, den habe ich nie verstanden.

Was nich is, kann ja noch werden
Das ist beruhigend

Übrigens: die Suche nach Sprichwörtern bringt haufenweise Plattformen als Ergebnisse. Scheint doch von allgemeinen Interesse zu sein. Möchte bei Gelegenheit ein paar Adressen nennen.

14. September 2018 // Deutsches, Kulturelles // Kommentar schreiben!

Unabhängigkeit

Ist mir sehr wichtig. Nicht immer möglich, aber ich bin bei Bedarf auch pragmatisch.

Ein gutes Beispiel für Unabhängigkeit ist dieses Tagebuch. Ich muss mich nicht einem US-Amerikanischen Dienstleister unterwerfen und dessen Vorstellungen von Anstand und Moral. Ich kann beliebige Schimpfwörter einsetzen, auch wenn das nicht mein Stil ist. Ich gebe auch nicht meine Würde und alle Rechte an den Inhalten ab. Ich habe auch keinen Arbeitgeber, dem ich verpflichtet bin. Ich bekomme keine Kündigung, keine Lohnminderung, bestenfalls bissige Kommentare (und die kann ich löschen ;) Nein, ich kann hier schreiben, was ich will, und bestimmen, und es ist meins! Zumindest im Rahmen des Grunzgesetzes und der zehn Gebote. Der Rest bleibt in meinem Kopf. Das ist ok so.

Anmerkung: mir ist bewusst, dass das oben geschriebene Wort „Grunzgesetzes “ ein Rechtschreibfehler ist, aber es war spontan so und ich fand es ganz lustig, und verzichte daher auf Korrektur. Das ist nicht als Herabwürdigung gedacht!

14. September 2018 // Gedanken // Kommentar schreiben!

Das gefällt mir, oder das ist gut!

Gibt es einen Unterschied zwischen diesen beiden Aussagen? Ja, definitiv! Und es ist wichtig, das zu unterscheiden. Das tue ich auch.

Aufgefallen ist mir dieser Gedanke bei einer Weinverkostung in größerer Runde. Ist das ein guter Wein, oder schmeckt er mir einfach (nur)? Hat es eine Bedeutung, was die anderen sagen? Diese Fragestellung lässt sich auf alle Bereiche anwenden. Mein wichtigster, die Musik: Es gibt Musik, die erkenne ich als gut an, obwohl sie mir nicht gefällt. Und es gibt Musik, die mir etwas bedeutet.

Mit gut meine ich: so wie man Musik macht, wenn man Profi ist und ein Gefühl für Musik hat. Man hört ein Stück und denkt, jetzt muss dieser Akkordwechsel kommen, und er kommt, oder: jetzt sollte die Melodie in diese Richtung gehen und sie tut es. Das ist Handwerk, aber oft auch genial. Jedenfalls gekonnt. Also, es gibt auch viele Musik, die für gut befunden wird, aber hören tue ich, was mir gefällt. Und das ist natürlich alles gute Musik!

14. September 2018 // Musikalisches // Kommentar schreiben!

Lineares Fernsehen

So nennt man heutzutage normales Fernsehen. Und das geht so: Mann holt sich ein Bier, eine Tüte Chips, lässt sich auf das Sofa fallen, nimmt die Fernbedienung in die Hand (ein Hoch auf die Fernbedienung, ich habe noch Zeiten ohne erlebt!), lehnt sich zurück, macht die Glotze an (so hieß der Smart-TV früher) und schaltet per Knopfdruck durch das Programm, bis es etwas interessantes gibt. Heute wird das immer schwieriger, weil das Programmangebot – in Korrelation zu dem Zeitgeist – doch erheblich nachgelassen hat. Man muss den Knopf häufiger drücken.  Trotzdem bleibe ich dabei.

Eine immer größer werdende Minderheit nicht. Diese Generation guckt sich Minifilme auf entsprechenden Portalen an, guckt Filme über die Internetspeicher des Unterschichtenfernsehens, oder nutzt US-Amerikanische Dienste, die Filme, oder im wesentlichen Serien, die nichts mit unserem Leben zu tun haben und fragwürdige Werte vermitteln, gegen Geld über das Netz anbieten.

Abgesehen davon, dass es uninteressant ist, alles viel zu kompliziert! Man muss einen Zugang anlegen, seine Daten preisgeben, Geld bezahlen, sich einloggen, Filme suchen, sich für einen passenden Film entscheiden, den Film anklicken. Und dann wird noch alles protokolliert, was man macht. Die Daten werden an Dienstleister verkauft, die einen dann mit Werbung zuballern. Im klassischen Fernsehen genügt ein Knopfdruck – und ich kann gucken, was ich will, ohne Auswertung. Das ist entspannend!

Leider wurde das Fernsehen über Antenne immer schwieriger. Abschaltung des analogen Signals. Umstellung auf digital, was für den bisherigen Fernseher wieder neue Technik erforderte. Einführung der zweiten Version des digitalen Fernsehens, DVB-T2, was wieder neue Technik erforderte. Zudem soll man für das Unterschichtenfernsehen trotz Werbung noch zusätzlich bezahlen. Dann gab es immer Empfangsprobleme, Rauschen, Bild weg, Klötzchen. Nee, ich habe mir jetzt ein Abonnement mit geringen Kosten bei einem Dienstleister aus der Schweiz mit Z. besorgt (das ist wirklich der beste!). Damit kann ich über das Netz fast 100 Programme empfangen, und am Rechner, am Telefon oder am Fernseher Zuhause oder unterwegs ansehen. Meistens sehe ich am Rechner/im Browser; dann mit Adblocker und Anti-Tracking -Einstellungen, damit nicht alles protokolliert wird. Alles wieder gut.

Wie verändert das Fernsehen unser Denken, unser Wissen, unser Weltbild? (Nun, ich denke, dass es kaum noch eine Rolle spielt – im Gegensatz zum Internet)

Quelle: https://www.zeitblueten.com/news/fernsehen/

Lustiges

Humor ist etwas schönes, er macht Spaß! Und Lachen soll auch noch gesund sein. „Humor ist die Medizin, die am wenigsten kostet und am sichersten hilft.“ (Volksmund)

Aber es gibt zuwenig davon in dieser Welt. Alles rational, emotional, differential, suboptimal, kongenial, marginal, aber wenig humorinal. Humor ist natürlich auch Geschmackssache. Das, was manche im Fernsehen als Humor verstehen, ist für mich oft unerträglich. Menschen, die auf der Bühne stehen und Geschichten erzählen und sich dann auf die Schenkel klopfen und selbst am lautesten lachen. Wenn ich das Wort „Comedy“ höre, muss ich kotzen. Zur Unterstützung wird dann noch etwas Gelächter vom Band hinzugemischt. Oft wird hier auch Humor verwechselt, mit ’sich über andere lustig machen‘. Das ist Schadenfreude und hat natürlich nichts mit Humor zu tun. Mehr dazu weiter unten.

In Deutschland war und ist es auch immer schwierig, Humor zu entdecken oder auszuleben. Heinz Ehrhardt sollte man natürlich nicht vergessen. Mit Karl Valentin konnte ich nie etwas anfangen, wohl nur für bajuwarische Zeitgenossen lustig. Im Nachhinein ist mir noch Wilhelm Busch aufgefallen, der muss in diesem Zusammenhang natürlich unbedingt genannt werden, auch wenn etwas älter, und ich fühle mich mich verpflichtet, bei Gelegenheit eine Sonderwürdigung über ihn verfassen.

Ach ja, Otto gibt es auch noch; sogar ganz gut aber natürlich etwas zu blödelig. („Deutscher Humor ist ja ein echter Schlankmacher: Man muss meilenweit laufen, bis man ihn trifft.“ Dieter Hallervorden) Und Dieter  Krebs möchte ich noch nennen. Mir fällt aber aktuell nur eine sehr herausragende Persönlichkeit ein, die sich klug und erfolgreich für den Humor in Deutschland eingesetzt und ihn umfassend gefördert hat: Loriot! Um dies angemessen zu würdigen, möchte ich noch einen gesonderten Artikel schreiben.  (erledigt!) Oft gibt es hier ja sonst Humor nur in Zusammenhang mit ideologischer oder politischer Wertung, also Satire. Das habe ich nie gemocht. Man lacht nur, wenn man sich über den politischen Gegner lustig macht. Es gibt aber auch gute Satiriker. Der  macht Witze, über die ich herzhaft lachen kann und dann leider auch noch Witze, bei denen mir das Lachen in Halse steckenbleibt.

Copyright Loriot

Obwohl ich ein eher akademischer und feinfühliger Mensch bin, habe ich auch einen ausgeprägten Sinn für ‚Freude am Unsinn‘ und geradezu derben Humor. Das habe ich wohl unter anderem auch von meinem Vater. Obwohl er immer fanatischer Anhänger der Hochkultur war und Popkultur als total verwerflich oder entartet ansah, hat er sich doch öfters das Magazin MAD gekauft und mir nahegelegt.

Zum Medium Film fallen mir folgende Beispiele mit herausragendem (derben) Humor ein: Die nackte Kanone, Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug, Ein Single kommt selten allein. Und ganz wichtig, aber kein Film: Tom und Jerry.  Ziemlich viel aus den USA, sind die wirklich so lustig? Nein, nur ein Ergebnis des kulturellen Imperialismus‘. Hier Europa: Der große Blonde mit dem Schwarzen Schuh, Loui de Funès (Nein! – Doch! – Ohh! siehe unten das Original) , Das Leben des Brian (ziemlich blasphemisch, aber sehr lustig) und ähnliches. Die Asiaten haben einen besonderen Sinn für Humor: Jackie Chan fällt mir ein, es gibt aber bessere. Auch in Horrorfilmen oder Splatterfilmen, kann dort zwischendurch mal Humor auftauchen, das finde ich sehr interessant. Während es bei uns Filme gibt, die nur lustig oder spannend oder actionreich oder unterhaltend oder dokumentarisch sind, kann das in asiatischen Filmen alles auf einmal vorkommen.

Nein! – Doch! – Ohh! im Original (Quelle)

Zum Humor gehört wohl auch ein gewisses Maß an Selbstironie. Ich denke, das ist das Problem für die meisten Menschen. Von Loriot stammt wohl auch der Satz „Wer glaubt, Humor bestehe darin, sich über andere lustig zu machen, hat Humor nicht verstanden. Um komisch zu sein, muss man sich vor allem selbst zur Disposition stellen„. Selbst Hermann Hesse hat sich dazu geäußert: „Aller Humor fängt damit an, dass man die eigene Person nicht mehr ernst nimmt.

Puh, bin gerade über einen Wikipedia-Artikel zum Humor gestolpert und überlege, ob ich überhaupt noch andere Quellen in meine Artikel einbeziehen soll. Einerseits kommt man von Hölzchen auf Stöckchen, andererseits muss man sich mit anderen Aussagen auseinandersetzen. Da mich hier die Aussage ärgert, möchte ich doch darauf eingehen und widersprechen: „Humor ist die Begabung eines Menschen, der Unzulänglichkeit der Welt und der Menschen, den alltäglichen Schwierigkeiten und Missgeschicken mit heiterer Gelassenheit zu begegnen.“ Ist das nicht eine extrem negative Sichtweise? Und: Das nennt man Galgenhumor. Das ist etwas anderes. Kann man nicht einfach so Spaß haben, auch wenn es einem gut geht? „Diese engere Auffassung ist in der sprichwörtlichen Wendung Humor ist, wenn man trotzdem lacht ausgedrückt, die dem deutschen Schriftsteller Otto Julius Bierbaum (1865–1910) zugeschrieben wird.“ Was für ein Idiot. Das ist wohl eher Sarkasmus. Die Aussage ist aber wohl leider symptomatisch deutsch.

Unsoziales

Habe vor vielen Jahren mal einen gefälschten Zugang zu einem „sozialen Netzwerk“ angelegt, um Informationen über einen Teilnehmer zu erlangen und das ist dabei herausgekommen.

Zugegeben: die Freundschaftsanfrage habe ich ignoriert, da es irgendjemand unbekanntes aus Brasilien war, der mich nicht interessierte.

07. September 2018 // Erfahrungen // Kommentar schreiben!