Anglizismen und Alternativen // Seite 1

Anglizismusfaschismus

Folgendes habe ich bei einem Internetauftritt für die Zielgruppe „Netzbranche“ gefunden:

Git-Commit-Messages bringen richtig eingesetzt viel Mehrwert – sie sind quasi eine fortlaufende Doku eurer Codebase, die sowieso passiert. Fürs Schreiben von Git-Commit-Messages gibt es ein paar Best Practices – wir haben die wichtigsten Punkte für euch zusammengetragen.
Quelle: https://t3n.de/news/schreibt-richtig-gute-1214910/

Dies ist nur die Einführung. Der Artikel selber ist genauso schlimm. Hier ein paar Beispiele:

  • Über Commit-Messages kommuniziert ihr nicht nur mit den anderen, sondern auch mit eurem Future Self.
  • Gegenchecken könnt ihr das über git -blame, das euch sagt, welche Revision für den Change verantwortlich ist.
  • Wrappt den Body bei 72 Zeichen.

Ich habe dazu einen Kommentar verfasst:

Ich habe mich extra angemeldet, nur um diesen Kommentar loszuwerden: Wie kann man nur so einen Müll schreiben? Abgesehen von der miserablen Grammatik, werden hier auf eine faschistische Art zwanghaft Anglizismen eingesetzt, die für einen normalen Leser vollkommen unverständlich sind. Unabhängig vom Inhalt ist die Schreibweise in diesem Artikel unerträglich, die Verfasserin sollte sich einen anderen Job suchen bzw. sofort gekündigt werden.

Der Kommentar wurde erst veröffentlicht, dann am nächsten Tag aber wieder gelöscht. Ich nehme an, das Wort „faschistisch“ war zuviel. Oder war es einfach nur unsachliche Kritik? Ja, das war es auf jeden Fall, aber doch zutreffend, oder? Egal.

Das Portal wird von Menschen betrieben, die sich „digitale Pioniere“ nennen und war mal eine gute Anlaufstelle für Netzgestalter. Mittlerweile ist es zu einer Marketingplattform für Großkonzerne und Gründer verkommen. Alles ist toll, Kritik vollkommen unerwünscht. Der Name t3n deutet auf das Redaktionssystem Typo3 hin, das alle mal toll fanden, aber keiner wirklich versteht. Die Internetseite selbst wurde aber ursprünglich mit WordPress umgesetzt ;-)

Also, alles nicht wichtig, aber ignorierwürdig. Und – es lässt mich nicht in Ruhe. Ich habe einen Vorschlag für die Auszeichnung als „Sprachpanscher des Jahres“ („Für besonders bemerkenswerte Fehlleistungen im Umgang mit der deutschen Sprache“) beim Verein Deutsche Sprache eingereicht. Aber nie eine Rückmeldung bekommen.

Deal

Dieses Wort kann ich nicht ausstehen. Bekannt gemacht wurde es vor allem durch einen geschäftsgeilen Schwachkopf aus Amiland. Verbreitet wird es in Deutschland ebenfalls durch professionelle Trottel in den Medien, wenn auch aus anderen Gründen. Weil sie denken, dass es angesagt ist?

Ich verstehe nicht, warum die Sprache von extremen Rechtspopulisten selbst in angesehenen Medien übernommen und unreflektiert eingesetzt wird. Auf englisch! Es gibt – auch für nur halbwegs gebildete Menschen – Alternativen, wenn man möchte: Ein Geschäft, eine Absprache, ein Abkommen. Da es hauptsächlich bei wirtschaftlichen Absprachen vorkommt, sollte es in der Politik sowieso nicht eingesetzt werden.

Mein Kommentar dazu bei SPON wurde zensiert, daher hier nochmal für alle:
Könnt Ihr nicht dieses unsägliche Wort „Deal“ mal vermeiden? Soll das cool sein? Ihr macht Euch die Sprache eines extremen Rechtspopulisten zu Eigen – es gibt Alternativen.

Nachtrag: Mittlerweile wurde das komplette Forum von SPON im Rahmen einer Neugestaltung gelöscht! Es gibt nur noch Kommentare ab dem 08.01.20. Es ist unglaublich, wie man diesen Schatz einfach vernichten konnte – und aus technischen Gründen nicht nachvollziehbar. Ein weiteres Argument, sich nicht auf andere Plattformen zu verlassen, sondern nur auf die eigene!

Dumme Anglizismen

Dieser Wahn zum Anglizismus bringt ja bisweilen auch lustige und ungewollte Ergebnisse zutage: Ein bekanntes Beispiel ist der Spruch einer Parfümeriekette. „Come in and find out“. Von vielen wurde das als Herausforderung angesehen: wie finde ich aus dem Laden wieder raus?

Ein Beispiel aus meiner Feder ist die Parfumwerbung: „Get XXX the new fragrance from YYY“.

Habt ihr das schon mal gehört, das Wort FRAGRANCE, amerikanisch ausgesprochen? Vollkommen unpassend, brutal, ja abstoßend! Da lobe ich mir das französische „Parfum“. Selbst „Duftstoff“ klingt verlockender. Gut, das interessiert nur Sensibelchen.

Shitstorm

Eigentlich ein tolles Wort – so anschaulich! Mir fällt auch kein äquivalentes Wort im Deutschen ein. Kacksturm? Schimpflawine? Kritikerangriff? Runtermachinitiative? Wer kann es besser?

Im Anglizismenindex des – etwas braven aber wichtigen – Verein Deutsche Sprache wird dann doch eine ganz vernünftige Lösung geboten: Empörungswelle.

Die Rechtschreibprüfung dieses Redaktionssystems kennt allerdings keines der oben genannten Wörter!

Protestwelle habe ich auch gefunden. Alles viel zu brav. Bleiben wir aus Anschauungsgründen ausnahmsweise beim Anglizismus!

Flatrate – Flachrate

Nun „flats“ sind ja mittlerweile so verbreitet, dass man sich gar nicht mehr vorstellen kann, wie man so etwas überhaupt auf deutsch ausdrücken könnte. Ich mußte – zugegebenermaßen – auch etwas nachdenken. Doch was bedeutet flat eigentlich? Es bedeutet, daß man eine Leistung für einen fest definierten Betrag so viel und so oft nutzen kann, wie man möchte (ich weiß, manche DSL-Anbieter sehen das etwas anders und schränken dann doch auf illegitime Weise die Leistung irgendwie ein). Jedenfalls gibt es eine sehr sinnvolle Übersetzung hierfür, nämlich Pauschalpreis! Einmal zahlen und beliebig nutzen, oder? …