Das X-Wort

Oder das Z-Wort. Das A-Wort? Aktuell beliebt ist das N-Wort. Die deutsche Sprache wird immer verklausulierter. Neben den schlimmen und unnötigen Wortmonstren zur Berücksichtigung sogenannter geschlechtergerechter Sprache, die man sagen soll, kommen auch Wörter auf den Index, die man gar nicht mehr sagen darf. Nur noch den Anfangsbuchstaben – eine Andeutung ist erlaubt! Genauer gesagt: man SOLL es nicht mehr sagen. Es ist nämlich nicht verboten, das Wort „Neger“ auszusprechen.

Es ist nur so, dass es in letzter Zeit als abwertend eingestuft wird und es selbsternannte Sprachbewacher gibt, die das kritisieren, und es gibt dafür eine allgemeine Unterstützung in den Medien, so dass man im Anwendungsfall sofort grundsätzlich verteufelt, kriminalisiert, verachtet, diskriminiert wird. Selbst wenn es gar nicht abwertend gemeint ist! Die Menschen achten nicht mehr auf Zusammenhänge, auf Aussagen, auf den Hintergrund, sonderen reagieren reflexartig und dogmatisch auf Stichwörter, Reizwörter.

Es ist kein guter Stil, sich abfällig über andere zu äußern. Es gibt aber auch noch haufenweise andere abfällige Wörter in der deutschen Sprache, die gar nicht beachtet werden. Sollen die alle eliminiert werden? Oder gibt es hier Unterschiede? Wird die Welt dann besser? Warum ist es überhaupt in manchen Fällen wichtig, in anderen nicht? Und in Zukunft wird das übrigens schwierig; das Alphabet hat wohl nur ca. 26 Buchstaben! Man müsste anfangen, mit Zahlen zu ergänzen: Das A1-Wort darf man auf keinen Fall mehr aussprechen, während das X3-Wort noch durchgelassen werden kann. Hallo B3-Wort, kannst Du mir ein F7-Wort geben? Mathematisch gesehen hätte man aber immerhin 26 hoch 10 Möglichkeiten, Wörter zu verklausulieren; das wäre schon etwas. In Zukunft müsste man aber darauf hinarbeiten, sämtliche Wörter der deutschen Sprache zu verschlüsseln, da sie potentiell schlimm, abfällig, nichtssagend, eingrenzend, ausgrenzend, ethnopaulistisch, mißverständlich, oder sonst irgendetwas erdenklich-negatives sein können. Heute vielleicht noch nicht, aber morgen. Je nach aktueller politischer Richtung und Zeitgeist.

Abgesehen von der zwanghaften Umbenennung in unserem heutigen Alltag, gibt es auch Bestrebungen, in die Geschichte zu gehen, und unbeliebte Wörter sogar aus klassischen Werken der Literatur zu streichen. Also, wenn wir anfangen, die Kunst oder die Sprache zu zensieren, und zu steuern, fangen wir an, die Kultur politischen Interessen unterzuordnen und zu zerstören. Es sind erste Anzeichen eines totalitären Staates. Demnächst werden wieder Bücher aus politischen Gründen verbrannt. Es gibt aber keine gute und schlechte Zensur. Kunst ist absolut.

Und bitte nicht unsere schöne deutsche Sprache weiter verhunzen. Es ist auch so: Jeder, der N-Wort liest, übersetzt es gleich. Wofür steht nochmal das N? Es ist ja nicht weg. Ich denke sogar, die Ganze Sache hätte weniger Bedeutung, wenn man das nicht so thematisieren würde. Diese Initiativen sind manchmal auch kontraproduktiv. Ich bin übrigens mit schlimmen Wörtern aufgewachsen, habe Pipi Langstrumpf gelesen, Die kleine Hexe. Fünf Freunde und Der Räuber Hotzenplotz, Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer (in der Augsburger Puppenkiste gesehen) alles Bücher, die heute kritisiert werden, und bin trotzdem ein ganz anständiger Mensch geworden. Der Hintergrund zählt, nicht das Wort.

Meine Wortbibel DWDS meldet dazu „Im heutigen Sprachgebrauch als stark herabwürdigend geltende Fremdbezeichnung für Schwarze, Afroamerikaner, Afrodeutsche usw. Ältere Verwendungen des Wortes zeigen häufig keine abwertende Absicht.“ Man achte auf die wunderbare Differenzierung!

Mich würde auch mal interessieren, was Betroffene dazu sagen. Bisher ist das eine sehr elitäre Diskussion von weißen Stellvertretern. Von mir aus bezeichnen wir einfach alle als Menschen. Es gibt keine Gruppen mehr. Das wäre schön neutral.

27. August 2021 // Deutsches // Kommentar schreiben!

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