Ambivalenz

Ambivalenz (lateinisch ambo „beide“ und valere „gelten“) bezeichnet ein Erleben, das wesentlich geprägt ist von einem inneren Konflikt. Dabei bestehen in einer Person sich widersprechende Wünsche, Gefühle und Gedanken gleichzeitig nebeneinander und führen zu inneren Spannungen. (Wiki)

Begleitet mich seit meiner Geburt. Erst in Form meines Vaters, darunter habe ich gelitten, aber wurde auch inspiriert. Jetzt ich selbst. Das ist etwas anderes, bei mir mag mag ich das! Ich bin sogar stolz darauf, keine festgelegte Meinung zu haben, alles aus verschiedenen Richtungen zu betrachten und wankelmütig zu sein. Heute so, morgen so. Man hat mehr vom Leben. Und es ist tatsächlich so, dass man alles aus verschiedenen Perspektiven beurteilen kann. Alles ist gut und schlecht zugleich. Aber es nervt auch manchmal, keine eindeutige Richtung zu haben.

Leider gibt es auch diese Aussage: „Ambivalenz ein Hauptmerkmal der Schizophrenie„. Puh, das klingt nach Krankheit. Soziologen und Psychologen werden vermutlich ihre wahre Freude daran haben, meine Texte zu lesen, obwohl sie eigentlich nicht meiner Zielgruppe entsprechen und ich eher im Hinblick auf meine Aussagen und meinen herausragend spielerischen Umgang mit der deutschen Sprache bekannt werden möchte, als in medizinischen Fachzeitschriften als wissenschaftliches Beispiel einer Person mit ausgeprägter Ambivalenz, ja gar Schizophrenie veröffentlicht zu werden. Aber es gibt auch Entwarnung: Von medizinischen Laien wird Schizophrenie häufig fälschlicherweise mit der Vorstellung einer „gespaltenen Persönlichkeit“ verbunden. Oder sollte ich eine Doppelkarriere anstreben?

08. Dezember 2023 // Privates // Kommentar schreiben!

Mein Einstieg in Berlin

Es war Anfang der Achtziger. Mit dem R4 meiner Mutter und allen Sachen nach Berlin umgezogen. Eine Familienfreundin hatte mir eine temporäre Unterkunft angeboten. Ein Hochbett in einem ganz passablen Zimmer in der Danckelmannstraße.

Mein erster Eindruck von Berlin war schlimm. Ich hatte mir Großstadt, moderne Urbanität, viele nette Leute und schicke Gebäude vorgestellt. Statt dessen: Gaslaternen (Jahrhundertwende?), alles Altbauten mit vielen Verzierungen, die Stadt vollkommen heruntergekommen (seht Euch mal Filme aus dieser Zeit an!), coole und arrogante Leute, Berliner Schnauze – und der R4 mit dem Umzugsgut wurde nach ca. zwei Tagen aufgebrochen und bestohlen.  // weiterlesen! ☞

Verstümmelung – oder verharmlosend Zirkumzision genannt

Ein heikles Thema. Insbesondere, da es von religiösen Interessengemeinschaften (jüdischen und muslimischen) sogar in Deutschland ziemlich massiv vertreten wird. Christen haben das übrigens wohl auch mal durchgezogen, begnügen sich aber dank Apostel Paulus  seit langem mit der harmlosen Taufe als Zeichen des Bundes mit Gott.

Die Juden vollziehen die Beschneidung (Brit Mila) „am achten Lebenstag des männlichen Säuglings“; Muslime sind manchmal etwas lockerer und führen diesen brutalen Akt (Chitān) erst am 4-12 jährigen Opfer durch.

Gemeint ist die Verstümmelung von Kindern, meist Jungen,  am Penis. Dabei wird „in einer feierlichen Zeremonie“ die Vorhaut mit einem Messer oder Skalpell abgeschnitten. Es gibt auch die Verstümmelung der Klitoris bei Frauen. Dafür gilt dieses Pamphlet gegen die körperliche Versehrtheit ebenso. Als potentiell Betroffener beschränke ich mich erstmal auf diesen Bereich.

Also, die Beschneidung ist – wie auch auch immer – mit extremen Schmerzen – oft auch mit einem Trauma – verbunden. Es nimmt dem Mann einen Teil des Körpers. Nach heutigem Verständnis ist das natürlich vollkommen inakzeptabel. Man greift in die Schöpfung Gottes ein. Ich denke, es kann nicht Gottes Wille sein, dass seine Schöpfung korrigiert wird. Es ist besonders fatal, dass die Beschneidung an Kindern vorgenommen wird, die sich nicht wehren können. Als Erwachsener kann jeder selber bestimmen, was er mit seinem Körper macht. Aber Kinder zu verstümmeln ist schon kriminell.

Es gibt außerdem – weltlich gesehen – ein Recht auf körperliche Unversehrtheit. Das gilt als Menschenrecht. Und wurde auch im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankert (Art. 2 (2)): „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.“

Nun, vor einigen Jahren hat ein deutsches Gericht (2012; Landgericht Köln) dieses Grundgesetz mutig verteidigt. Es verkündete, dass die Beschneidung illegal sei. Da dies auch Deutsche jüdischen Glaubens betraf, hat die Politik aufgrund der geschichtlichen Verpflichtung gegenüber Juden hektisch reagiert, und die Beschneidung „AUFGRUND RELIGIÖSER ÜBERZEUGUNG“ genehmigt. Ein unnötiger Kniefall vor der Religion. Und eine Missachtung des Grundgesetzes.

Bei Wikipedia fand ich ein Foto einer Beschneidung, das so abstoßend ist, dass ich es hier nicht zeigen möchte, obwohl es vielleicht auch für andere etwas abschreckende Wirkung zeigen könnte. Wer es wagt, kann hier mal gucken.

Ich finde es in Ordnung, dass es verschiedene Religionen gibt, und dass alle ihre eigenen Vorstellungen haben. Es soll jeder so leben, wie er möchte. Aber in Deutschland, sollte dies auf Grundlage des Grundgesetzes erfolgen. Das steht über privaten Interessen! Ich verstehe nicht, warum es für einzelne (Lobby-)Gruppen hier Ausnahmen gibt; das ist nicht gerecht.

Es gibt übrigens keinen medizinischen Grund für diesen Scheiß. Manchmal wird das Argument der besseren Hygiene bemüht, was natürlich Quatsch ist. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: ich bin glücklich, dass ich eine Vorhaut habe. Ich kann diese nach Belieben verschieben und den Unterschied beurteilen.  Und ich fühle mich geborgener, geschützter, entspannter, wenn dich Vorhaut da ist.

Auch Religionen können sich wandeln und sich entsprechend der menschlichen Entwicklung weiterentwickeln. Bitte beendet diese archaische Praxis!

09. November 2018 // Politisches // Kommentar schreiben!

Textformatierung

Braucht kein Mensch! Ab und zu ein Ausrufe-/Fragezeichen. Korrekte Zeichensetzung, gerne auch mal mit Semikolon, oder Gedankenstrich (die werden etwas vernachlässigt). Ausnahmsweise auch mal schräge Buchstaben, um ein Zitat zu kennzeichnen. Aber sonstige Hervorhebungen, wie Fettschrift, Unterstreichungen, Durchstreichungen,  GROSSCHRIFT – alles Manipulationsmaßnahmen des Autors und verzichtbar. Obwohl: Großschrift setze ich – AUSNAHMSWEISE – gerne mal ein.

27. März 2020 // Kulturelles // Kommentar schreiben!

Vorurteile

Sind Urteile, die man fällt, vor etwas, aber was? Nun ich nehme an, bevor man sich ausführlich informiert hat. Hatte ich schon erwähnt, dass ich Vorurteile liebe? Die machen einen Riesenspaß! Und sind natürlich vollkommen unkorrekt und sollte man auf keinen Fall mehr einsetzen, da sie falsche Meinungen festigen und oft unzutreffend sind. Aber manchmal doch: Vorurteile entstehen ja nicht von alleine, oder weil sich jemand etwas ausdenkt. Sie gründen auf individuellen Erfahrungen, also Tatsachen, haben aber die ungünstige Tendenz, diese zu verallgemeinern. Das ist das Problem. Ein Vorteil von Vorurteilen ist: sie machen einem das Leben einfacher. Es ist doch viel schöner zu sagen: alle xxx sind yyy, als zu differenzieren: nun, manche sind so, manche so und manche ganz anders. Man müsste auch den Anteil nennen, wer wie ist, um ernst genommen zu werden. Daher nutze ich gerne auch Vorurteile, meine es aber auch nicht immer ernst.

XXX – Wilmersdorfer Straße, nahe Adenauerplatz

Wie hieß noch dieser Laden – Zugang nur über eine Außentreppe? Runde Tanzfläche, wie im Zirkus, nur mit einer einzelnen nackten Glühbirne beleuchtet. Toller New Wave. Ich weiß, dass ich in den frühen Achtzigern öfters da war und es mir sehr gut gefallen hat.  Kommt wohl auch kurz im Film B-Movie vor (?) Wahrscheinlich Wilmersdorfer Straße 82.

So sieht es heute in Berlin an zentraler Stelle, nähe Kudamm aus. In den Achtzigern war hier mal eine gepflegte Diskothek in den Räumen mit dem großen Graffito auf den Scheiben. Freue mich über weitere Hinweise dazu!

Nachtrag: So langsam denke ich, das war das frühe Linientreu, das erst später in die Budapester umgezogen ist und dann uninteressant wurde?

Entwickler

Ich bin unter Anderem Entwickler. D.h. ich entwickle Rechnerprogramme, die im Netz lauffähig sind. Privat bin ich ein Spätentwickler. Aber ich entwickele mich. Im Gegensatz zu manchen.

19. November 2015 // Gedanken // Kommentar schreiben!

Ein echtes Buch!

Wenn ich denn mal ein Buch schreiben werde – so wie alle – dann erfinde ich nicht nur neue Wörter, sondern auch eine neue Zeichensetzung. Vielleicht sogar eine neue Grammatik. Eine, die sich den künstlerischen Aussagen unterordnet und nicht bürokratisch und diktatorisch über meine Wortkunst bestimmt!

Ich stelle mir vor, wie ich mit dem lektierenden Korrektor streite. Er: da kann man kein Komma setzen! Ich: Doch! Ich möchte das so, es erhöht die DRAMATURGIE!  // weiterlesen! ☞

Eire

Wie bereits erwähnt, bin ich in Irland aufgewachsen. Auf dem Land; in einem riesigen Haus, mit einem riesigen Grundstück. Und ich hatte ein riesiges Kinderzimmer, mit Blick über ca. 1km eigene Felder zum Meer. Ich möchte hier nicht angeben, aber dokumentieren, was mich geprägt hat. Die Natur, das Meer, die Tiere, die Weite, die Freiheit, die Einsamkeit, die Natürlichkeit, die Einfachheit – und natürlich das Essen.

Mein Vater hatte entschieden, nach Irland zu ziehen. Es war Anfang der sechziger Jahre, kalter Krieg und der Russe wurde immer bedrohlicher. War kurz davor, die Mauer zu bauen. Viele sind in dieser Zeit aufgrund der politischen Verhältnisse ausgewandert.

Es gibt viele Geschichten aus dieser Zeit zu erzählen, aber ich beschränke mich etwas unwillig auf das Thema Essen, damit das hier nicht ausufert.

Mein Vater hat neben seinem Job als Arzt in einem Krankenhaus in Dublin – die Ländereien bewirtschaftet, Korn und Kartoffeln angebaut und geerntet. Ich saß mit Vorliebe auf dem riesigen Mähdrescher, um das Korn einzuholen. Auch ging mein Vater auf die Jagd. Und schoss mal einen Fasan, mal eine Taube und mal ein Kaninchen. Alles landete in unserer riesigen Speisekammer. Ein extra Raum zur Lagerung von Lebensmitteln, neben der Küche. Dort wurde das Wild erstmal ein paar Tage aufgehängt/abgehängt, weil das wohl einen besseren Geschmack bewirkt.

Der Autor mit Vater und dem Trecker, mit dem das Feld bestellt wurde

Ich durfte dann dabei sein – und es hat mich sehr interessiert – wenn meine Mutter den ganzen Kram für das Essen vorbereiten musste. Das heißt, das Wild, nehmen wir den Fasan, musste gerupft zerschnitten und ausgenommen werden. Dabei lernte ich, wie man die Federn am besten abzupft, wo man den Schnitt setzen muss, und wie Leber, Niere, Magen, Herz, Lunge beim Fasan (bzw. Taube, Fisch, Kaninchen) aussehen. Dass man auf keinen Fall die Milz anschneiden darf, damit das Ganze nicht ungenießbar wird.

Manchmal musste zur Verpflegung der Familie auch ein Huhn aus dem hauseigenen Bestand dran glauben. Schon das Einfangen war gar nicht so einfach, wie man denkt. Dann hielt man es mit gestrecktem Hals über einen großen Holzklotz. Ein Mittäter haute das Beil genau auf den Hals, was das Huhn in zwei Teile trennte und durchaus mit einigen Blutspritzern erfolgte. Es kam vor, dass der Körper dann noch ein paar chaotische Schritte unternahm, aber dann war das Abendessen für die weitere Zubereitung verfügbar. Damals war vegetarisches Essen noch nicht so ein Thema.

Wir sind auch auf das Meer zum Angeln gefahren und haben Fische mitgebracht. Ich hatte einmal sieben Makrelen an einer Nylonleine mit Federködern, weil wir zufällig in einen Schwarm geraten waren.

Manchmal gab es auch einen Hummer. Das war damals nicht elitär, aber schon etwas besonderes. Lebend natürlich. Der wurde so in das kochende Wasser geworfen und wechselte während des verzweifelten Zappelns seine Schalenfarbe von Blau zu dem bekannten Rot-Orange.

Auch bin ich mit meinem Freund durch die Wälder gestreift und zu einem Bach gewandert, aus dem wir Aale gefangen haben. Übrigens sehr schwer, zu töten. Üblicherweise steckt man den Daumen in den Mund des Fisches und knickt den Kopf nach hinten ab, so dass das Genick bricht. Beim Aal war das schwierig, weil er auch so glitschig war. Egal, ich drifte ab: Er hat sehr gut geschmeckt.

Das Essen hat mich wohl auch geprägt. Ich mag Lamm, das dort viel gegessen wird, Fisch, billige Sausages und manchmal sogar Instant-Kaffee. Oder Cheddar-Käse. Damals war es so: wenn man in den Laden ging, um Käse zu kaufen, wurde gefragt: „Do you want the red one or the yellow one?“. Mehr gab es nicht.

Es gab auch kein vernünftiges Brot, Vollkorn schon gar nicht, nur Toast in vielen Varianten. Für Menschen aus Deutschland eine Qual. So wurde meine Mutter dazu verpflichtet, eigenes Vollkornbrot zu backen. Das braucht übrigens viel Geduld und Erfahrung: Sauerteig ansetzen und pflegen, davon immer einen Teil für das nächste Brot einsetzen und den Ursprungsteig gut und gekühlt aufbewahren. Leider weiß ich das nicht mehr so genau wie das geht.

Um das mal zusammenzufassen: das Essen in Irland war damals furchtbar. Nur durch die Selbstversorgung und Beschaffung durch meinen Vater, sowie die Kreativität und Kochkunst meiner Mutter konnten wir überleben. Im Garten wurden dazu dann die wichtigsten Gemüse- und Obstsorten angebaut. Ein Ideal der Selbstversorgung!