Bewegtbild

Die drittwichtigste Kunstform – nach dem Laut und dem Wort – ist das Bewegtbild. Und sorry: erst danach kommt das Standbild, das ich auch sehr schätze. Vor dem Film aber habe ich großen Respekt. Er ist ein Gesamtkunstwerk! Ein Gemeinschaftsprojekt. Ich hätte einen Horror davor, diese Vielzahl an Beteiligten zu koordinieren, im Zaum zu halten und dazu zu bringen, das zu machen, was ich mir vorstelle. Bild, Schnitt, Bewegung, Geschichte, Spannungsaufbau, Musik, Drehort, Geräusche, Hintergrund, Technik, Requisiten (den Schnitt als Unterkunstform möchte ich bei Gelegenheit hervorheben, der wird unterschätzt). Ist alles entscheidend. Und dann noch die Schauspieler! Menschen mit Allüren. Eigenheiten. Stimmungen, die alles tragen oder auch zerstören können (ich denke da zum Beispiel an Herrn Kinski, über den noch ein Artikel fällig wird).  // weiterlesen! ☞

24. Juli 2021 // Kulturelles // 2 Kommentare

Motherboard

Nein, nicht „Mutterbrett“, wie schon im Netz von anderen hämisch vorgeschlagen – das wäre zu banal und – dumm. Es gibt das Wort „Hauptplatine“, das ursprünglich recht verbreitet war und sehr passend ist, dann aber verdrängt wurde.

19. Februar 2009 // Anglizismen // Kommentar schreiben!

Wichtiges

Es ist schön, zu sehen, wie etwas, das einem mal extrem wichtig war, auch mal wieder unwichtig wird. Zunächst wollte ich dieses Tagebuch unbedingt einem bekannten Schreiberling nahebringen, den ich großartig fand, der aber totz wiederholter Kommunikationsversuche, nicht willens war, zu antworten. In der Zwischenzeit rasen die Gedanken davon. Und ich entdecke andere Schreiberlinge, die auch nicht schlecht sind und die sich als Zielgruppe anbieten. Konkurrenz ist etwas gutes (wenn man der Konsument ist)! Mittlerweile bin ich gar nicht mehr soo wild auf den Erstwunschkontakt. Phasenweise sogar eher auf gar keinen Kontakt. Das kann einen ja auch unter Druck setzen. Ich existiere auch so.

Dazu fällt mir eine extrem gute und komprimierte Szene aus „Blow Up“ ein. Späte Sechzigerjahre, genaugenommen 1966. Der Hauptprotagonist läuft etwas ziellos durch die Stadt und landet in einem Beatkeller, dem wohl damals real existierenden und einflussreichen Ricky-Tick (das bedeutet: „as soon as possible“ oder es bezeichnet „A style of jazz regarded as old-fashioned or unsophisticated“). Es spielt, in einer legendären Szene, eine legendäre Band, mit den später legendären Jimmi Page und Jeff Beck, ein tolles Stück (für die Liebhaber unter Euch: The Yardbirds – Train Kept A Rollin‘).

Das Publikum schaut stoisch und unbeweglich zu. Nur ein Paar tanzt am Rande, selbstverliebt und etwas lustlos, dazu. Dann passiert etwas unerhörtes. Der Gitarrist zerdeppert – vor Publikum – aus Frust vor dem schlechten Verstärker seine Gitarre;  kaputt! (hat er hier von Pete von The Who abgeguckt oder umgekehrt?) Während die Musik weiter läuft! Die funktioniert auch ohne Leadgitarre. Und wirft den übriggebliebenen Gitarrenschaft in die Menge. Alle flippen aus und stürzen sich wie verrückt darauf. Zufällig erhascht unser Protagonist das Teil, kann sich gerade noch aus der ihn wild verfolgenden Menge winden und schafft es nach draußen. Dort ein kurzer Blick auf die Beute und dann schon ehemalige Devotionalie: das gute Stück wird desinteressiert in die Ecke geworfen. Ein Passant sieht es, hebt das Teil nochmal prüfend auf – und wirft es etwas achtlos wieder weg.

Die Wichtigkeit ergibt sich manchmal nur aus dem Zusammenhang heraus, aus Vorstellungen und Bildern – und kann sich auch wieder verflüchtigen. Das entspannt.

Und hier das Werk zum Beweis.

Wunderbare Szene aus Blow Up von Antonioni, die zeigt, dass wichtiges auch sehr schnell mal wieder  unwichtig werden kann.

Alexa, mach Sport für mich!

Es ist ja beeindruckend, was moderne Technologie heutzutage schon leistet. Aber wirklich überzeugt bin ich noch nicht.

Welches Gerät hilft mir dabei, abzunehmen ohne Bewegung? Wie kann ich viel Geld verdienen ohne zu arbeiten? Warum gibt es immer noch Menschen, die mich nerven? Wie kann ich ohne Freunde glücklich sein? Warum bin ich nicht ständig Gesund? Welcher Drucker produziert Geldscheine? Welche App knackt den Lotto-Jackpot für mich? Welche Tablette lässt mich ewig leben?

Also, da bleibt noch viel Arbeit für die Gründer und Entwickler!

Polly Jean

pj-harvey-rid-of-me

Nicht das beste Album, aber ein tolles Cover!

Es wird Zeit, dass ich etwas über die glorreiche PJ Harvey schreibe; oder zumindest über meine audiophilen Erlebnisse mit ihr. Immerhin eine der größten Musikerinnen aller Zeiten – für mich zumindest. Ich hoffe, ich kann ihr hiermit gerecht werden.

Der erste Kontakt war mit Dress in den Achtzigern – bei John Peel. Das Lied beeindruckte mich mit dem ungewöhnlichen, sehr musikalischen Gesang, der Variation und der Eigenschaft, hängen zu bleiben. Doch das wurde damals nicht weiter verfolgt. Im Jahr 2014 hatte ich dann die Gelegenheit, ein ganzes Album von Ihr zu hören: „Uh Uh Her“. Einmal gehört, das zweite Mal gehört – dann als eines der wichtigsten Alben der Popgeschichte eingestuft. … It’s You – eines der besten Songs in meiner All-Time-Top-Liste. Und das hat sie alles alleine eingespielt, bis auf das Schlagzeug!

Das herausragende Album, das sie fast komplett alleine eingespielt hat mit „It’s You“.

Ich habe mich danach nicht mehr getraut, anderes von ihr anzuhören – aus Angst vor Enttäuschung. Erst ein halbes Jahr später wurde Neues versucht. Manches nicht so doll, anderes wieder herausragend. Ich kenne keine so vielseitige Musikerin, die so gute Musik macht. Ja, ich weiß, sie liebt Patti Smith, aber sie hat ihren eigenen Stil. Manchmal fängt es sehr einfach an, es klingt fast langweilig, doch dann kommt der Mittelteil und man schmilzt dahin. Vom Protestsong der sechziger über Rockballaden und düstere Ergüsse bis hin zu poppig klingenden Liedern mit Engelszungen (aber gern mit radikalen Texten). PJ ist keine Musikerin – sie ist Künstlerin. Wie so oft: in England beliebt in Deutschland wenig bekannt. Hört! Euch! das! an!

Sehr sehenswert das Konzert BBC4 Sessions (Live at St. Lukes Church)

Neulich in Irland

Wir gehen auf dem Kai im Hafen einer hübschen Kleinstadt im Osten entlang und sind begeistert: abundzu tauchen schnuckelige Seehunde aus dem Wasser auf, prusten durch die Nase und sehen sich interessiert um. Da kommen zwei ältere Herren (ok, die waren sicher jünger, als ich, das spielt hier aber keine Rolle) aufgeregt auf uns zu und rufen: „Out there you can see Whales!“. Jetzt auch noch Wale hier? Wir gucken und gucken, aber sehen weit und breit keine. Der Junge nimmt sein Schlautelefon, ruft ein Kartenprogramm auf und sagt: Kann sein: Wales ist direkt gegenüber von hier. Kleine Verwechslung. Gemeint war ein Bundesland von Großbritannien. Aber auch das konnte ich nicht sehen.

Vom Kai im Hintergrund kann man angeblich manchmal Wales sehen

01. Februar 2019 // Erfahrungen // Kommentar schreiben!

Mein erstes Interview

Er: Hallo GORG, toll dass Du heute Zeit für uns hast (ist ok, wenn ich DU sage, oder?), wie geht es Dir?
Ich: Hmm, naja, so lala….
Er: Das ist ja toll! Erzähle uns etwas aus Deinem Leben!
Ich: Also, ähm ..
Er: Danke, das klingt gut und nach unglaublichen Erfahrungen. Wer ist denn Deine Zielgruppe?
Ich: Also, ich freue mich, wenn möglichst viele ..
Er: Ach nee, Monsieurchen hat als Zielgruppe die ganze Welt?
Ich: Das ist eigentlich nicht mein Anspruch, aber …
Er: Egal. Warum bist Du so beliebt?
Ich: Weiß nich so genau, vielleicht weil …
Er: Bestimmt, weil Du dieses tolle Tagebuch geschrieben hast!?
Ich: Nun, das würde mich freuen..
Er: Danke für dieses tolle Gespräch und alles Gute noch!
Ich: Danke auch …

08. März 2020 // Gedanken // Kommentar schreiben!

Musik, die mir etwas bedeutet

Auf meinem Lieblings-Radiosender (das ist eine technische Einrichtung, über die man Musik hören kann, die von Personen, realen Menschen!, aus einem Studio in Echtzeit aufgelegt wird und die ohne Netz über die Luft über entsprechende Geräte empfangen und ausgegeben werden kann; demnächst konnte) Radioeins gibt es eine sonntägliche Sendung, in der mehr oder weniger prominente Menschen bis zu zehn Musikstücke vorstellen können, die ihnen in ihrem bisherigen Leben etwas besonderes bedeute(te)n. Dazu müssen sie dann auch etwas zum Hintergrund erzählen und werden von der Moderatorin noch vorsichtig ausgequetscht. Das kann sehr interessant sein. Nur ist Frau Rust ziemlich brav, verständnisvoll, uninspirert, überkorrekt und trägt daher selten dazu bei, die Sendung wirklich interessant zu machen. Aber um sie geht es auch nicht.

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15. Dezember 2021 // Musikalisches // Kommentar schreiben!

Fahrradimpression

Man sitzt an einem Sommerabend auf dem Balkon in einer ruhigen Seitenstraße und beobachtet die Fahrräder/Fahrradfahrer, die unten lautlos vorbeifahren: schickes Rennrad, lässiger Mensch der freihändig fährt, Paare, die nebeneinander fahren, einer, der telefoniert und freihändig fährt; cool! Und dann kommt ein alter Mann mit weißem Rauschebart auf einem riesen-Dreirad obergemütlich vorbeigeradelt; der schlägt alles!

Kleiner Nachtrag im Zusammenhang mit Zweiradfahrkünsten: letztens habe ich einen jungen Erwachsenen auf der Potsdamer Straße  gesehen, dem es auf dem Fahrrad wohl zu warm wurde, und seinen Pulli ausziehen wollte. Im Fahren natürlich. Und er hatte noch einen Rucksack um. Also: erstmal den Rucksack auf einer Seite ausgezogen, den linken Ärmel des Pullis ausgezogen, den Rucksack links wieder umgehängt auf der rechten Seite ausgezogen, den Ärmel auf der rechten Seite ausgezogen. Dann konnte der Rucksack wieder normal getragen werden. Der Pulli wurde über den Kopf gezogen. Alles beim freihändigen Fahren. Geschafft. Nicht ganz: der Pulli musste natürlich noch im Rucksack verstaut werden! Also Rucksack wieder ausgezogen (siehe oben), Pulli rein, Rucksack angezogen.  Alles gut. Ich fuhr im Auto die ganze Zeit neben ihm her. Im Endeffekt war er noch schneller vorangekommen als ich.