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Liberales

Ich bin ein sehr liberaler Mensch. Ich denke, jeder soll das machen, was er will. Es gibt aber eine kleine Einschränkung: Er darf dabei anderen nicht auf die Nerven gehen!

Damit wird es leider unmöglich mit der Liberalität, insbesondere im öffentlichen Raum. Hier kann es nur eine Mischung aus gegenseitiger Rücksichtnahme und Toleranz geben, da jedes Auftreten potentiell andere Menschen verärgern, verunsichern, beeinträchtigen, unterdrücken, einschränken, demütigen, beleidigen kann.

Das heißt konkret: derjenige, der sich ausleben möchte, muss dabei auch Rücksicht auf andere nehmen, derjenige, der das erleiden muss, kann das Verhalten des ersteren in gewissem Maße tolerieren, auch wenn es nicht gefällt.

Das nennt man zivilisierte Gesellschaft. Oder: Kultur. Gemeinsame Werte mit Toleranz für Abweichungen bis zu einem bestimmten Maß. Im Endeffekt geht es also darum, Maß zu halten und Rücksicht zu nehmen. Leider ist in letzter Zeit eine gewisse Tendenz zur hemmungslosen und egozentrischen Selbstdarstellung zu verzeichnen, die keine Rücksicht mehr auf Mitmenschen nimmt. Das ist gefährlich für das Zusammenleben in einer Gesellschaft und fördert die Intoleranz.

Es gibt auch so etwas wie „Scheißliberalität“. Davon distanziere ich mich hiermit. Das begegnet mir in Deutschland öfters. Es bedeutet, dass zum Beispiel „Intensivtäter“ (den Begriff verstehe ich nicht, da ein Täter ja normalerweise in Haft sitzen müßte und keine Straftaten mehr begehen kann) meist nach Aufnahme der Personalien laufen gelassen werden. Es geht um Integration in die Gesellschaft. Nur funktioniert das meist nicht so, da die betreffenden keinen Sinn für die Gesellschaft haben. Berlin ist ein gutes Beispiel für Scheißliberalität. Hier kann jeder fast alles machen, was er will, ohne belangt zu werden. Hunde illegal laufen lassen, falsch parken, Drogen verkaufen, bei rot über die Ampel fahren, Müll auf die Straße werfen, Polizisten, Sanitäter, Arbeitsamtmitarbeiter, Busfahrer angreifen. Keinen interessiert das. Und dann wird das auch noch als sexy bezeichnet.

Der Wille Gottes

Es ist ja ziemlich heikel, über Gott zu schreiben und ich hoffe, ich mache hier nichts falsch. Also, ich bin ja durchaus auch gottesgläubig, bete auch ab und zu, und gehe auch (ganz selten) mal in die Kirche.

Ich mag den Gedanken, dass es eine höhere Macht gibt, die über den Menschen steht und wacht. Und die Ehrfurcht vor etwas Übergeordnetem tut gut. Das sollte etwas verbreiteter sein. Dabei muss man ja nicht – wie ich – einer Kirche angehören. Das muss auch nicht ein Gott sein, wie er klassischerweise gesehen wird.  Dennoch ist man als Christ weitgehend von der Bibel geprägt, und die zehn Gebote sind zumindest der kleinste gemeinsame Nenner, den die meisten unterschreiben können (oder?).

Vor einigen Jahren habe ich auf unserem benachbarten St. Matthäus-Friedhof ein auf die Wand gemeißeltes Zitat – wohl aus der Bibel – gelesen, das mir aber gar nicht gefallen hat. „Im Ja zum Willen Gottes verliert das Leiden seine Macht„.

Herkunft leider unbekannt. Falls jemand dazu etwas sagen kann, gerne.

Das ist eindeutig zuviel verlangt! Sarkasmus pur. Ersteinmal ist Gott verantwortlich für Dein Leiden und Deine Bestrafung. Ist das so? Zweitens soll man dann auch noch nicht Leiden, sondern das Leid akzeptieren, weil es der Wille Gottes ist?

Vielleicht ist es blasphemisch, aber manchmal denke ich, dass wir selbst Gott sind. Alle Menschen sind Gott. Und das Zusammenwirken der Menschen ist Gottes Wille oder – weltlich gesprochen – Schicksal. Und wir tragen alle dazu bei. Deswegen lasst uns Gutes tun, damit die Welt besser wird. Leiden ist nicht schön, aber es geht meist auch vorüber.

Das Bild von einem treusorgenden Gott da oben lässt sich manchmal schwer kommunizieren. Der Glaube gibt trotzdem Hoffnung. Und lange Jahre haben wir dem Jungen mit einem selbst erfundenen Gebet auch beim seligen Einschafen geholfen:

Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm. Vielen Dank für diesen schönen Tag und hilf uns weiterhin gesund und munter durch’s Leben zu gehen, gemeinsam mit Mama, Papa und J. Amen.

Vom 30. September 2018 in Philosophisches | Kein Kommentar