Philosophisches // Seite 1

Mannfrau

Ich bin eigentlich eine Frau. GORG-IA. Aber eine mit einem Hang zum Maskulinismus. Der Schniedelwutz heißt doch noch lange nicht, dass ich ein Mann bin, oder? Aber auch mit einem Körper, der mir nicht mehr sooo gefälllt, da er nicht mehr sooo gut funktioniert, wie früher (früher war mehr Lametta). Das Gute: das Hirn ist noch aktiv. Das sagt mir: Du bist ein Mann! Im Stehen gezielt zu pinkeln ist schon ein Vorteil. Aber, sich ständig rasieren zu müssen nervt auch. Aber mir gefällt diese vorvorletzte und eindeutige Erkenntnis.

Tschuldigung!

Es ist schön, dass es eine Möglichkeit gibt, Versehen oder Rüpeleien wieder gut zu machen, oder genau genommen, zumindest die Achtung der anderen wieder zu erlangen und Unstimmigkeiten zu klären. Das ist ein bisschen so, wie die Beichte in der katholischen Kirche. Ich  erkläre mich und erhalte den Segen.

Ich weiß nicht mehr genau, wie es früher war (früher war mehr Lametta), aber heutzutage kann man den größten Blödsinn oder Beleidigungen oder Hetze von sich geben und mal abwarten, was passiert. Wenn dann der Schitstorm zu groß wird, und das mühsam erarbeitete Image oder die Einnahmen wegzusacken drohen, entschuldigt man sich einfach: So war das gar nicht gemeint, falsch verstanden, ich bin eigentlich ein netter Kerl, alles vollkommen überzogen. Und dann ist alles wieder gut. Meistens funktioniert das, weil die Menschen offen für Eingeständnisse und oft nachsichtig sind.

Aber leider ist das formal gesehen kein korrektes Vorgehen. MAN KANN SICH NICHT SELBST ENTSCHULDIGEN. Die Schuld abladen, loswerden. Man kann um Entschuldigung bitten, und die Betroffenen können das akzeptieren, oder auch ablehnen. Das finde ich richtig so, sonst wäre es ja auch zu einfach. Aber keiner achtet mehr auf solche Feinheiten. Die meisten Täter kommen mit der Selbstentschuldigung durch. Und das ist ungerecht. Aber ich muss auch sagen, dass die Öffentlichkeit aktuell sehr hysterisch und immer intoleranter auf bestimmte Aussagen reagiert. Das fördert die Entschuldigungsunkultur und hemmt den Meinungsaustausch.

 

23. Januar 2021 // Gedanken, Philosophisches // 2 Kommentare

Wichtiges

Es ist schön, zu sehen, wie etwas, das einem mal extrem wichtig war, auch mal wieder unwichtig wird. Zunächst wollte ich dieses Tagebuch unbedingt einem bekannten Schreiberling nahebringen, den ich großartig fand, der aber totz wiederholter Kommunikationsversuche, nicht willens war, zu antworten. In der Zwischenzeit rasen die Gedanken davon. Und ich entdecke andere Schreiberlinge, die auch nicht schlecht sind und die sich als Zielgruppe anbieten. Konkurrenz ist etwas gutes (wenn man der Konsument ist)! Mittlerweile bin ich gar nicht mehr soo wild auf den Erstwunschkontakt. Phasenweise sogar eher auf gar keinen Kontakt. Das kann einen ja auch unter Druck setzen. Ich existiere auch so.

Dazu fällt mir eine extrem gute und komprimierte Szene aus „Blow Up“ ein. Späte Sechzigerjahre, genaugenommen 1966. Der Hauptprotagonist läuft etwas ziellos durch die Stadt und landet in einem Beatkeller, dem wohl damals real existierenden und einflussreichen Ricky-Tick (das bedeutet: „as soon as possible“ oder es bezeichnet „A style of jazz regarded as old-fashioned or unsophisticated“). Es spielt, in einer legendären Szene, eine legendäre Band, mit den später legendären Jimmi Page und Jeff Beck, ein tolles Stück (für die Liebhaber unter Euch: The Yardbirds – Train Kept A Rollin‘).

Das Publikum schaut stoisch und unbeweglich zu. Nur ein Paar tanzt am Rande, selbstverliebt und etwas lustlos, dazu. Dann passiert etwas unerhörtes. Der Gitarrist zerdeppert – vor Publikum – aus Frust vor dem schlechten Verstärker seine Gitarre;  kaputt! (hat er hier von Pete von The Who abgeguckt oder umgekehrt?) Während die Musik weiter läuft! Die funktioniert auch ohne Leadgitarre. Und wirft den übriggebliebenen Gitarrenschaft in die Menge. Alle flippen aus und stürzen sich wie verrückt darauf. Zufällig erhascht unser Protagonist das Teil, kann sich gerade noch aus der ihn wild verfolgenden Menge winden und schafft es nach draußen. Dort ein kurzer Blick auf die Beute und dann schon ehemalige Devotionalie: das gute Stück wird desinteressiert in die Ecke geworfen. Ein Passant sieht es, hebt das Teil nochmal prüfend auf – und wirft es etwas achtlos wieder weg.

Die Wichtigkeit ergibt sich manchmal nur aus dem Zusammenhang heraus, aus Vorstellungen und Bildern – und kann sich auch wieder verflüchtigen. Das entspannt.

Und hier das Werk zum Beweis.

Wunderbare Szene aus Blow Up von Antonioni, die zeigt, dass wichtiges auch sehr schnell mal wieder  unwichtig werden kann.

Was ist eigentlich normal?

Grundsätzlich bedeutet es ja „der Norm entsprechend“. Nun ich denke, wir sind Weltmeister der Normung, also extrem normal. Im technischen Bereich macht das DAS DIN, aber alles ist noch nicht erfasst. Und das ist gut so! Außerhalb DER DIN (aufmerksame Leser hätten sich jetzt gefragt: warum nicht „DES DINS“; Antwort siehe unten) ist alles normal, was der Mehrheit entspricht, oder? Die meisten Menschen haben zwei Beine, also ist das normal. Die Mehrheit der Männer sieht sich als Mann. Die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland ist christlich geprägt. Die meisten Menschen stehen zu ihrer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Statistiken, die die Normalität beschreiben. Ich sehe das entsprechend nicht wertend, sondern als Feststellung und wunderbaren Gedanken. Es ist gut, dass es auch Abweichungen von der Norm gibt, sonst gäbe es ja auch keine Normalen! Und: das macht das Leben interessant! Aber die anderen dürfen sich nicht als normal proklamieren.

Interview mit GORG nach Veröffentlichung
Er: Sag mal, Gorg, warum schreibst Du einmal DAS DIN und einmal DER DIN in Versalien?
Ich: och, ich fand das Wortspiel ganz lustig. Der Artikel ändert die Bedeutung des Wortes!

Alles für alle kostenlos!

Die Idee von der Grundrente war gestern. Meine etwas radikale Idee: Jeder sollte ohne Entlohnung arbeiten und alles kostenlos zur Verfügung stellen. Das heißt, jeder kann auch alle Leistungen kostenlos in Anspruch nehmen. Dann brauchen wir gar kein Geld mehr, und alle wären glücklich – oder? Nein, leider funktioniert das nicht. Da es keine Motivation zur Arbeit mehr gibt. Das heißt, es werden kaum noch Leistungen zur Verfügung gestellt, die in Anspruch genommen werden können. Alle fahren nur noch Porsche und trinken Schampus. Schade, wäre schön gewesen. Eine Utopie.

Der Mensch besteht aus Körper und Geist

Ich, zumindest. Aber während der Körper in seinen Aufgaben immer nachlässiger wird, strebt der Geist zu Höhenflügen auf (q.e.d.!) Letzterer wird heutzutage leider vernachlässigt, unterdrückt, ignoriert. Oder fehlt einfach nur. Alles dreht sich nur um Gesundheit, Stärke, Aussehen, Muskeln, Figur, Sportlichkeit. Körperkult ist schon seit den Dreißigern beliebt. Damals staatlich organisiert und gefördert, heute freiwillig. Das ist äußerlich, oberflächlich, und daher nicht so wichtig.

Warum gibt es keine Trainingsangebote, keine Fitness-Studios für den Geist? Dort könnte man lernen, das Gedächtnis zu verbessern, kritisch zu denken, Zusammenhänge zu erkennen, neue Gedanken zu entwickeln. Ach so; im Prinzip gibt es das schon! Nennt sich Schule. Ist aber für Kinder und langfristig wohl nicht so erfolgreich. Ich glaube, es gibt durchaus  auch Akteure die dies verhindern möchten. Selbständiges Denken kann Probleme für die Gesellschaft provozieren.

Grundlage eines erfüllten Lebens ist aber doch die erfolgreiche Symbiose aus Körper und Geist. Und einzig der Geist zählt und wird überleben.