Glossen // Seite 1

Unter einer Glosse wird ein meist kurzer und pointierter, oft satirischer oder polemischer, journalistischer Meinungsbeitrag in einer Zeitung, einer Zeitschrift oder im Fernsehen verstanden. (Wikipedia) ODER IM NETZ:

Kulturelle Aneignung

Ein neues Modewort mit Aufregercharakter. Von denen gibt es viele und ich möchte sie mal gesammelt darstellen, um den absurden Stand der öffentlichen Diskussion zu dokumentieren. Hier aber erstmal ein paar Gedanken zur „Cultural Appropriation“, wie es auf englisch heißt und das wie die meisten dieser pseudowissenschaftlichen und dogmatischen Verhalten-Modewörter aus den USA kommt. Die haben für jegliches angebliche Fehlverhalten einen Begriff, der Menschen zugewiesen wird, diese in eine Schublade steckt und sie pathologisiert.

Mein Anlass, hierüber zu schreiben ist schon etwas länger her: Eine deutsche Musikerin mit Dreadlocks (verfilzte Haare, kommt in letzter Zeit vor allem aus Jamaika, worauf sich die Moralwächter beziehen; dort wurde es aber nicht erfunden, sondern das gab es auch schon viel früher in verschiedenen Kulturen) war eingeladen, auf einem Fest einer Umweltorganisation (regionale Gruppierung des FFF) zu spielen. Kurz vor dem Auftritt kam aber eine Absage. Ihre Haare wären eine schlimme KA, die man nicht unterstützen wolle. Hallo? Die Musikerin liebt verschiedene Kulturen, spielt mit einem internationalen Ensemble internationale Musik. Aber soll es nicht leben dürfen? Das pseudo-vermeintliche Einlenken der Veranstalter zeigt einen Auswuchs an unerträglicher Arroganz: sie könne sich ja die Haare abschneiden, dann wäre der Auftritt kein Problem. Puh!

Menschen aufgrund von Äußerlichkeiten oder Einstellungen auszugrenzen ist respektlos, intolerant und widerspricht unserem demokratischen Verständnis. Und dem Anspruch der Vielfalt. Das ist für mich ein erstes Anzeichen von Faschismus, dem wir dringend entgegen treten müssen.

Grundsätzlich hat der Begriff ja einen sinnvollen Hintergrund: man sollte nicht respektlos Merkmale von anderen Kulturen übernehmen, insbesondere, wenn diese schlimm unterdrückt oder benachteiligt wurden. Das entscheidende Unterschied ist übrigens das Wort respektlos. Man kann auch liebevoll und würdevoll mit anderen Kulturen umgehen. Das nennt man dann „Kultureller Austausch“. Den hat es schon immer gegeben und wird es hoffentlich auch noch in Zukunft geben. Es ist wichtig, zu unterscheiden und genauer hinzugucken! KA passiert ständig und ist Teil unserer Weiterentwicklung. Oder sollen wir demnächst wieder einen BDM gründen und nur noch fördern, was deutsch ist? Nein, natürlich darf man sich Merkmale anderer Kulturen aneignen. Meinen Cappuccino werde ich in Zukunft jedenfalls weiterhin genießen, vielleicht auch etwas respektvoller.

Schreibblockade

Ist ein psychisches Phänomen, bei dessen Auftreten ein Autor dauerhaft oder vorübergehend nicht in der Lage zu schreiben ist. Sie kann als Spezialfall der Kreativitätsblockade gesehen werden. Darunter leiden besonders Schriftsteller, Journalisten und Studenten beim Schreiben von Haus- und Examensarbeiten. (Wikipedia; grammatikalische Unzulänglichkeiten übernommen)  // weiterlesen! 

29. Oktober 2021 // Gedanken, Glossen // 2 Kommentare

Tücken des Alltags

Kennt Ihr das: Man möchte mal eben im Vorbeigehen ein Stück zusammengekrumpeltes Papier loswerden und es in den Mülleimer werfen. Es ist nur eine Entfernung von knapp einem Meter und die Aufgabe klingt einfach und überschaubar. Doch es geht schief. Die Papierkugel landet auf einem Stück Pappe, das schon im Papierkorb liegt, hüpft auf den Rand des Papierkorbs, überlegt kurz – und fällt dann auf die andere Seite auf den Boden. Das ist kein dramatischer Vorgang, auch nicht wirklich dokumentationswert, aber es macht doch etwas zusätzliche Mühe, zum Papier zu schreiten, sich zu bücken und es dann hochkonzentriert und gezielt IN den Papierkorb zu legen.  // weiterlesen! 

Das Leben ist so – analog!

Neulich hatte ich Hunger und wollte etwas einfaches und schnelles essen. Zum Beispiel eine Schnitte Brot. Eine Stulle. Ein Vorhaben: Man geht in die Küche nimmt das Brot aus der Tüte, holt das Brotmesser aus dem Schrank, schneidet mit hoher Kunstfertigkeit eine Scheibe ab, ohne sich dabei eines Fingers zu entledigen. Geschafft. Jetzt die Butter und den Käse aus dem Kühlschrank holen. Die Butter ist noch etwas kalt und zäh. Hierfür braucht man übrigens eher ein klassisches Messer. Aber nach mehrmaligem Verstreichen verteilt sie sich halbwegs gleichmäßig auf der Brotscheibe. Dann den Käse schneiden und in passenden Scheiben auf das Brot legen. Fertig. Nein! Ich brauche noch etwas frisches: Tomaten zum Beispiel. Also, waschen, spezielles Tomatenschneidemesser aus der Schublade holen, schneiden, drauf legen und fertig ist ein kleines Kunstwerk, das nur dazu dient, den kleinen Hunger zu stillen, aber auch lecker schmeckt!  // weiterlesen! 

Sprachvergutbesserer

In einem Forum bekam ich den Hinweis auf ein interessantes Zusatzprogramm für meinen Netzseitananzeiger mit dem wilden Namen Feuerfuchs. Mit solchen Einstöpseln kann man die Funkionen des Programms nach Belieben erheblich erweitern. Ich nutze zum Beispiel die Erweiterung vom DWDS. So kann ich interessante Wörter markieren und per Rechtsklick direkt im Digitalen Wörterbuch der Deutschen Sprache  anzeigen/erklären lassen.

Der etwas seltsame und anglophile Name der empfohlenen Erweiterung lautet „Binnen-I be gone“. Das Binnen-I dürfte reflektierten Lesern bereits bekannt sein: es soll gerechte Genusbezeichnungen erlauben. Eine kleine Glosse hatte ich mir dazu schon erlaubt. Be gone ist offensichtlich englisch und heißt im Zusammenhang mit einem Ausrufezeichen: „Fort mit Dir!“ Und genau das macht unser Zusatzprogramm auf Wunsch auf jeder Internetseite. Es ersetzt diese misslungenen Sprachschöpfungen mit der schönen alten maskulinfixierten aber nicht im Sinne der Diskriminierung erschaffenen Schreibweise (3.596 Menschen nutzen das aktuell)!

Nein, 3.597 Menschen.  Ich habe es sofort installiert. Nicht, weil ich ein fieser Frauenfeind bin und grundsätzlich und mit allen Mitteln Mikrosexismen unterstützen und verbreiten möchte. Sondern, weil ich diese sprachlichen Neuerschaffungen nicht mag. Sie stören den Lesefluss. Sie sind sprachlich nicht schön. Und sie sind ungerecht. Bei mir ändern solche Formulierungen auch nichts an meinem Verständnis, da sie äußerlich sind.

Ein Klick und alles ist wie früher (früher war mehr Lametta) – ist das nicht schön? Student*innen wird wieder zu Studenten. Und alles andere mit :, _, /, auch! Sogar die Anzahl der gefundenen Vorkommen wird einem angezeigt. Das ist hilfreich für den Vergleich unterschiedlicher Medien. Jetzt brauchen wir nur noch eine technische Lösung für den Fernseher und das Radio, vielleicht auch für den Menschen, und die Welt ist wieder in Ordnung.

Und es hat mich auf die Idee gebracht, mal zu recherchieren, was es sonst noch für tolle Erweiterungen gibt, die für Sprachinteressierte von Bedeutung sein könnten.

Als erstes möchte ich der Sportlichkeit halber eine Erweiterung erwähnen, die genau das Gegenteil von dem oben genannten macht: Der „Gender Changer“ (auch ziemlich anglizistisch), „Ändert die Männliche ausdrucksform zu einer Weiblichen * z.b (Arbeiter zu Arbeiter*innen)“. Hier wird endlich mal zugegeben, dass die neue Schreibform Frauen bevorzugt und Männer unter den Tisch fallen läßt (ganze ein (1!) Benutzer_-*In; die Verhältnisse sind damit klar).

Auch gibt es noch ein erwähnenswertes Programm, das Binnen-Is verbannt mit dem furchtbaren Namen „Genderclown“ (auch nur ein Benutzer; wohl der Programmiererin selbst? Und es wundert mich langsam, dass sich dogmatische Anglizismusfanatiker und teilweise Analphabeten für die deutsche Sprache einsetzen). Das Programm ersetzt wohl Binnen-Is ziemlich abwertend durch ein Clownsgesicht, geht aber auch noch etwas weiter und ersetzt auch den neugeschaffenen Partizip Präsens: „die Studierenden“ wird wieder zum guten alten „die Studenten“.

Das Suchwort „deutsche sprache“ liefert – neben den üblichen Wörterbüchern – auch das Gestaltungselement „Deutsches Reich“. So kann man selbst seinen Browser stark auf national einstellen. Aber interessieren tun mich ja die Zusatzprogramme; da gab es sonst nichts nennenswertes. Nächster Versuch: „deutsch“: Schön: man kann sich als alter Sprachdogmatiker ein deutsches Wörterbuch mit alter Rechtschreibung installieren.

Interessant scheint noch das „Grammatik- und Rechtschreibprüfung – LanguageTool“ (und wieder englisch, es geht wohl nicht anders; stolze 182.760 Benutzer). „eine freie Textprüfung für Grammatik, Stil und Rechtschreibung.“ (noch nicht getestet). Ein Nutzer schreibt dazu: „we are at the point we wont be using our brain soon, but thank you awesome app!“

Insgesamt nicht sehr ergiebig, das Angebot. Warum gibt es eigentlich keine Programme, die schlimme invasive Anglizismen tilgen (wäre aufgrund der Vielzahl wohl zu aufwändig)? Programme, die häßliche neue Wörter durch schöne alte ersetzen? Programme, die den Stil des Textes ändern, Wunschstimmungen unterstützen/erzeugen können (wie Dokumentation/Fiktion/Prosa/Glosse/Schundroman)? Nach Belieben unerwünschte Wörter filtern? Die Texte analysieren und interpretieren? Die einem die Qualität eines Textes vorhersagen, damit man nicht jeden Schund erst lesen muss? Die politisch korrekte Begriffe wieder in unkorrekte übersetzt? Da gibt es noch viel zu tun. Oder nehmen wir die Texte einfach so wie sie sind und bemühen unser Hirn zur Einschätzung?

(Hinweis: alle Namen und Zitate wurden mit originalen Rechtschreibfehlern übernommen und liegen nicht in der Verantwortlichkeit der/des/das/xxx Autor(s):_*-/In (kleiner Test für die oben genannten Programme, bei dem sie sicher durchfallen))

28. Februar 2021 // Deutsches, Glossen // Kommentar schreiben!

Erdmännchen

Sind schon süß! Ich könnte stundenlang ohne Ermüdung Filme über diese eher androiden Wesen ansehen. Und dann noch der tolle Name! Sind das die männlichen Vertreter dieser Erde? Nein, sonst hießen sie ja Erdemännchen. Aber kleine Männer sind sie dem Namen nach. Eine ziemlich diminutive Sichtweise! Aber es passt gut und ist besser so: ohne -chen würden die primatigen Erdbewohner sie nicht so lieb haben.

Wie nennt man eigentlich die weiblichen Erdmännchen, es gibt sie doch, oder? Das ist schwierig, und heikel,  weil das Wort „Mann“ vorkommt. Erdfrauchen wäre zu banal, Erdweibchen sicher zu abfällig, beides außerdem wieder möglichen Angriffen ausgesetzt und außerdem ausgrenzend. Aktuell schlage ich folgende genusgerechte, allgemein anerkennungswürdige Gleichberechtigungsneologismusvokabel vor, um keinem Schitstorm ausgesetzt zu werden: Erdmännch*Innen. Das könnte im nächsten Jahr, aber schon wieder deplaziert sein. Sexistisch. Die männliche Form wird benachteiligt! Aber die Verniedlichung sollte auch erhalten bleiben: Erdmännch*Innen-chen. Neutraler: Erdchen*Innen?

Uff. Nach diesem Beweis eines bewussten und reflektierten Umgangs mit Neutralismen kann ich das Foto hier jetzt ganz entspannt veröffentlichen. Nur müsste man noch sämtliche Tierbücher auf der Welt in dieser Hinsicht entsprechend umschreiben. Und die Filme neu aufnehmen oder zumindest neu synchronisieren. Liedtexte nach auffälligem durchforsten. Radio- und Fernsehsendungen überprüfen und absetzen.  Dann kann man, sorry, dann können alle  sich wieder unbeschwert zumindest über diese Tierchen erfreuen! Zunächst.

Um die geht es hier eigentlich gar nicht. Ein Symbolbild. Mit Achtziger-Kajal-Augen, die liebe ich! Links, die Frau, rechts der Autor, unten, der Junge. Sind die nicht  süß? Nur  ein gerechter Name muss noch gefunden werden. Kajaltierchen? Erdchen? Foto: pinterest.de

12. Februar 2021 // Deutsches, Glossen, Nettes // 2 Kommentare