Gendergerechte Sprache

Im angelsächsischen gibt es eine schöne bewusste und praktizierte Unterscheidung zwischen den Worten Geschlecht (Sex) und Geschlechtszugehörigkeit (soziales Geschlecht; Gender). Selten taucht im Deutschen das lateinische Wort „Genus“ auf, dass wohl vergleichbar ist. Nun, es gibt mittlerweile viele und wohl in Zukunft immer mehr Menschen, die versuchen, durch eine Anpassung der Sprache eine neutralere Haltung zu bestärken und sprachliche Ungleichheiten auszubügeln. Ziel ist die Gleichbehandlung von Mann und Frau (es gibt noch andere, das macht es kompliziert, siehe unten).

Man darf demnach nicht mehr „Studenten“ sagen, sondern sollte auch die weibliche Form berücksichtigen. Da dies im allgemeinen Sprachgebrauch nur sehr umständlich mit „Studenten und Studentinnen“ umzusetzen ist, hat man sich auf die Kurzform „Student*innen“ geeinigt, alternativ auch StudentInnen oder Student_Innen. Hat jemand noch mehr? Damit wird die weibliche Form berücksichtigt, die männliche fällt dabei aber unter den Tisch und deklassiert die gewollte Gleichbehandlung. Es müsste demnach eher heißen „Student*inn*en“, bzw. „StudentInnEn“, bzw „Student_inn_en“. Damit erhält die weibliche Form allerdings den Vorzug, da sie zuerst genannt wird. Was dabei vollkommen vernachlässigt wird: das ist ja vollkommen ungerecht gegenüber Menschen, die sich weder als Mann, noch als Frau fühlen. Ist auch alles schon wieder überholt, da im Sprachgebrauch nicht besonders praktikabel. Mittlerweile sagt man „Studierende“. Das ist eine gute Lösung, da alle einbezogen werden und keiner benachteiligt ist. Hier funktioniert das auch noch, aber bei anderen Wörtern nicht mehr. Was ist mit Schülern, Eltern, Männern?

Abgesehen davon gibt es ja noch Menschen, die sich nicht eindeutig zuordnen möchten oder können. Biologisch werden diese als Hermaphroditen bezeichnet, wenn es um ein Gefühl geht, aktuell als Divers, was mittlerweile bei jeder Stellenbeschreibung berücksichtigt werden muss. Ich finde es gut, dass unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen respektiert werden, aber es ist nicht die Sprache dabei entscheidend, sondern das Verhalten! Ich stelle mir vor, dass es Menschen gibt, die sich nur 30% männlich und 70% weiblich fühlen. Die werden demnächst nicht mehr akzeptieren, dass sie in einen Topf mit Menschen geworfen werden, die das umgekehrte Verhältnis ausmachen. Dann müssen wir weitere Differenzierungen vornehmen: Divers-m70-w30, und divers m30-w70. Was ist mit 20 zu 80? Menschen, die bi, homo, hetero sind, oder von jedem nur ein Bisschen, mit einem Hang zum S/M?

Ich finde es grundsätzlich gut, dass die Belange von Minderheiten berücksichtigt werden; es ist allein die Frage, wie weitgehend man das umsetzt. Und viel wichtiger, als die Anpassung der Sprache ist die tatsächliche Beachtung und Rücksichtname. Das kann man sich wünschen, aber nicht einfordern.

Aus pragmatischen und grammatikalischen Gründen bin ich für die Beibehaltung der bisherigen Sprachregelung, bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Belange und Respektierung von Andersartigen.

03. August 2020 // Kultur, Meinungen // Kein Kommentar

Diesen Artikel kommentieren

Mit dem Absenden dieses Formulars erklären Sie sich (erklärst Du Dich) damit einverstanden, dass der Betreiber dieser Internetseite die von Ihnen (Dir) eingegebenen Daten auf dem Netzrechner speichert. Ihr (Dein) Name, der Kommentartext und die angegebene Netzadresse werden für die anderen Besucher dieser Seite angezeigt. Der Betreiber dieser Internetseite gibt Ihre (Deine) Daten, insbesondere Ihre (Deine) E-Mail-Adresse, nicht an Dritte weiter und nutzt diese auch nicht für Marketing- oder Statistik-Zwecke. Sie können (Du kannst) alle Daten zu einem späteren Zeitpunkt wieder löschen lassen. Nutzt das ruhig, ich nehme Datenschutz ernst!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.