Kultur // Seite 0

Gendergerechte Sprache

Im angelsächsischen gibt es eine schöne bewusste und praktizierte Unterscheidung zwischen den Worten Geschlecht (Sex) und Geschlechtszugehörigkeit (soziales Geschlecht; Gender). Selten taucht im Deutschen das lateinische Wort „Genus“ auf, dass wohl vergleichbar ist. Nun, es gibt mittlerweile viele und wohl in Zukunft immer mehr Menschen, die versuchen, durch eine Anpassung der Sprache eine neutralere Haltung zu bestärken und sprachliche Ungleichheiten auszubügeln. Ziel ist die Gleichbehandlung von Mann und Frau (es gibt noch andere, das macht es kompliziert, siehe unten).

Man darf demnach nicht mehr „Studenten“ sagen, sondern sollte auch die weibliche Form berücksichtigen. Da dies im allgemeinen Sprachgebrauch nur sehr umständlich mit „Studenten und Studentinnen“ umzusetzen ist, hat man sich auf die Kurzform „Student*innen“ geeinigt, alternativ auch StudentInnen oder Student_Innen. Hat jemand noch mehr? Damit wird die weibliche Form berücksichtigt, die männliche fällt dabei aber unter den Tisch und deklassiert die gewollte Gleichbehandlung. Es müsste demnach eher heißen „Student*inn*en“, bzw. „StudentInnEn“, bzw „Student_inn_en“. Damit erhält die weibliche Form allerdings den Vorzug, da sie zuerst genannt wird. Was dabei vollkommen vernachlässigt wird: das ist ja vollkommen ungerecht gegenüber Menschen, die sich weder als Mann, noch als Frau fühlen. Ist auch alles schon wieder überholt, da im Sprachgebrauch nicht besonders praktikabel. Mittlerweile sagt man „Studierende“. Das ist eine gute Lösung, da alle einbezogen werden und keiner benachteiligt ist. Hier funktioniert das auch noch, aber bei anderen Wörtern nicht mehr. Was ist mit Schülern, Eltern, Männern?

Abgesehen davon gibt es ja noch Menschen, die sich nicht eindeutig zuordnen möchten oder können. Biologisch werden diese als Hermaphroditen bezeichnet, wenn es um ein Gefühl geht, aktuell als Divers, was mittlerweile bei jeder Stellenbeschreibung berücksichtigt werden muss. Ich finde es gut, dass unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen respektiert werden, aber es ist nicht die Sprache dabei entscheidend, sondern das Verhalten! Ich stelle mir vor, dass es Menschen gibt, die sich nur 30% männlich und 70% weiblich fühlen. Die werden demnächst nicht mehr akzeptieren, dass sie in einen Topf mit Menschen geworfen werden, die das umgekehrte Verhältnis ausmachen. Dann müssen wir weitere Differenzierungen vornehmen: Divers-m70-w30, und divers m30-w70. Was ist mit 20 zu 80? Menschen, die bi, homo, hetero sind, oder von jedem nur ein Bisschen, mit einem Hang zum S/M?

Ich finde es grundsätzlich gut, dass die Belange von Minderheiten berücksichtigt werden; es ist allein die Frage, wie weitgehend man das umsetzt. Und viel wichtiger, als die Anpassung der Sprache ist die tatsächliche Beachtung und Rücksichtname. Das kann man sich wünschen, aber nicht einfordern.

Aus pragmatischen und grammatikalischen Gründen bin ich für die Beibehaltung der bisherigen Sprachregelung, bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Belange und Respektierung von Andersartigen.

03. August 2020 // Kultur, Meinungen // Kein Kommentar

Berlinerisch

Habe vor einigen Jahren aus glaubwürdiger Quelle von RD (heute im Umfeld des Bürgermeisters tätig) folgendes erfahren: „Berlinerisch ist kein Dialekt, keine wirkliche MUNDART, sondern eine Gossensprache.“ Ein hartes Urteil. Wollte das jetzt mal untermauern, habe aber keine Quelle mehr dazu gefunden. Es wird überall als Dialekt bezeichnet! Ein erfolgreiches Ergebnis der Berlin-Marketing Agenturen? Ein Machtwort des Bürgermeisters? Viele konspirative Anhänger, die die Einträge bei Wikipedia manipulieren? Würde gerne mal einen Sprachforscher dazu befragen. Ich finde den Begriff „Gossensprache“ aber sehr zutreffend. Wird ja gerne auch als „Berliner Schnauze“ bezeichnet.

„Der Berliner Dialekt, ooch als Berlinerisch (Berlinisch), Berliner Jargon oda umjangssprachlich Berliner Schnauze bezeichnet, iss die Mundart Berlins. Dabei iss die Stadt die „Zentrale“ eenes Dialektjebietes, wat sich vom südlichen Mecklenburg-Vorpommern über Brandenburg bis nach Sachsen-Anhalt und ins nördliche Sachsen zieht.“
Quelle: http://www.berliner-dialekt.de/#/berlinerisch

14. Dezember 2019 // Det/Dit is Berlin, Kultur // Kein Kommentar

Sprache ist Kultur

Kommentar zum SPON-Artikel „Schmach über jeden Deutschen, der seine heilige Muttersprache schändet!“

Es ist schon schade, wie die meisten Schreiberlige hier vor dem Sprachimperialismus kapitulieren und ihre Kultur nicht mehr wertschätzen. Klar entwickelt sich Sprache weiter und es bürgern sich Wörter mit fremdsprachiger Herkunft ein. Man muss das auch nicht dogmatisch sehen. Aber der aktuell immer massivere Einsatz von Anglizismen ist vollkommen unnötig und schädlich. Ganz dumm und peinlich wird es, wenn Anglizismen eingesetzt werden (um „cool“ zu sein?), die es gar nicht gibt (Beispiel Handy, etc)! Es ist doch gut, wenn wir zu unserer Kultur stehen, das hat nichts negatives.

14. Dezember 2019 // Kommentare, Kultur // Kein Kommentar

Was ist wichtiger: Kunst oder Künstler?

Was passiert eigentlich mit toller Kunst, Musik, Literatur, Bilder, wenn der Künstler schlimmes verbockt hat? Ist sie noch gut?

Natürlich kann und soll man Kunst vom Künstler trennen. Aus aktuellem Anlass bewerte ich die Verleihung des Literaturnobelpreises an einen Künstler, der für manche umstritten ist.

Kunst ist absolut. Entscheidend ist allein, ob sie einem persönlich gefällt. Und das sollte man ohne jegliches Hintergrundwissen entscheiden. Kunst spricht für sich allein – wenn sie gut ist.

Das Problem dabei ist möglicherweise,dass man den Künstler durch den Konsum seiner Kunst (oder durch eine Preisverleihung) unterstützt. Es läuft darauf hinaus, wie wichtig ist mir das Werk.

In diesem Sinne finde ich die Entscheidung des Nobelkommites gut und richtig und angenehm unpopulistisch.

11. November 2019 // Kultur // Kein Kommentar

Martenstein

Ist das ein toller Name? Und nicht nur ein Name: Herr Martenstein schreibt und spricht seine Gedanken öffentlich aus und ist dabei recht beliebt. Leider kann er damit die Welt wohl auch nicht mehr retten. Aber es wäre oft hilfreich, danach zu handeln.

Egal, ich lese regelmäßig seine Kolumnen im Tagesspiegel und habe ihn dort sehr zu schätzen gelernt! Dies ist einer der wenigen Mitbürger mit einem gesunden Menschenverstand. Und es ist sein eigener Verstand – nicht das, was andere gut finden, kein Mainstream. Das Gegenteil von Populismus! Oldschool, aber es freut mich, dass es so jemanden noch gibt. Er nennt Dinge beim Namen. Hat eine klare und einfache Sprache. Und sagt dabei genau das richtige. In neun acht von zehn Fällen spricht mir Herr M. aus der Seele. Ich kenne bisher keinen vergleichbaren Schreiberling.

Der Tagesspiegel führt aktuell seine jährliche Versteigerungsaktion durch und bietet dabei verschiedene Produkte und Dienstleistungen zum Höchstgebot an. Ein Angebot lautet: Eine Stunde private Lesung von Herrn M. in den eigenen vier Wänden. Das hat mich gereizt.

Die Lesung interessiert mich dabei gar nicht. Ich hätte Herrn M. gebeten, darauf zu verzichten, und einfach ein schönes Gespräch bei einer guten Flasche Rotwein zu führen. Ich hätte gerne auch etwas leckeres gekocht, um ihn länger als eine Stunde zu halten. Es interessiert mich, wie ein Mensch so ist, der so viele Geschichten geschrieben und soviel Kluges von sich gegeben hat. Ist der auch in Wirklichkeit so? Nun, ich bin überzeugt, einen netten Abend mit ihm gehabt zu haben.

Als ich das Angebot jedoch das erste Mal aufrief, lag der Preis schon bei 450,00 €. Das ist mir dann doch zu viel. Schade. Vielleicht versuche ich ihn mal unabhängig vom Tagesspiegel anzuschreiben. Es muss ja nicht unbedingt ein persönliches Treffen sein, aber er sollte zumindest mal auf diese Seiten geguckt haben, oder?

Nachtrag: Der Zuschlag bei der  Versteigerung erfolgte schließlich bei einem Gebot von 1.103,00 € von RolfR.

21. November 2018 // Kultur // Kein Kommentar