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Martenstein

Ist das ein toller Name? Und nicht nur ein Name: Herr Martenstein schreibt und spricht seine Gedanken öffentlich aus und ist dabei recht beliebt. Leider kann er damit die Welt wohl auch nicht mehr retten. Aber es wäre oft hilfreich, danach zu handeln.

Egal, ich lese regelmäßig seine Kolumnen im Tagesspiegel und habe ihn dort sehr zu schätzen gelernt! Dies ist einer der wenigen Mitbürger mit einem gesunden Menschenverstand. Und es ist sein eigener Verstand – nicht das, was andere gut finden, kein Mainstream. Das Gegenteil von Populismus! Oldschool, aber es freut mich, dass es so jemanden noch gibt. Er nennt Dinge beim Namen. Hat eine klare und einfache Sprache. Und sagt dabei genau das richtige. In neun von zehn Fällen spricht mir Herr M. aus der Seele. Ich kenne bisher keinen vergleichbaren Schreiberling.

Der Tagesspiegel führt aktuell seine jährliche Versteigerungsaktion durch und bietet dabei verschiedene Produkte und Dienstleistungen zum Höchstgebot an. Ein Angebot lautet: Eine Stunde private Lesung von Herrn M. in den eigenen vier Wänden. Das hat mich gereizt.

Die Lesung interessiert mich dabei gar nicht. Ich hätte Herrn M. gebeten, darauf zu verzichten, und einfach ein schönes Gespräch bei einer guten Flasche Rotwein zu führen. Ich hätte gerne auch etwas leckeres gekocht, um ihn länger als eine Stunde zu halten. Es interessiert mich, wie ein Mensch so ist, der so viele Geschichten geschrieben und soviel Kluges von sich gegeben hat. Ist der auch in Wirklichkeit so? Nun, ich bin überzeugt, einen netten Abend mit ihm gehabt zu haben.

Als ich das Angebot jedoch das erste Mal aufrief, lag der Preis schon bei 450,00 €. Das ist mir dann doch zu viel. Schade. Vielleicht versuche ich ihn mal unabhängig vom Tagesspiegel anzuschreiben. Es muss ja nicht unbedingt ein persönliches Treffen sein, aber er sollte zumindest mal auf diese Seiten geguckt haben, oder?

Nachtrag: Der Zuschlag bei der  Versteigerung erfolgte schließlich bei einem Gebot von 1.103,00 € von RolfR.

Vom 21. November 2018 in Kultur | Kein Kommentar

Ein sehr unbekanntes Tagebuch

Dies ist wahrscheinlich das unbekannteste Netz-Tagebuch in Deutschland. Es existiert seit 10 Jahren, aber kaum einer guckt drauf. Zumindest nicht gezielt. Ich habe es bisher auch nicht kommuniziert. Klar, gibt es Zugriffe, die über Suchmaschinen kommen – das sind Zufallstreffer, den jeweiligen Nutzer interessiert das hier geschaffene einen Scheiß.

Es gibt weiche Ware mit der man protokollieren kann, wie die Nutzer auf die Seite kommen und was sie sich ansehen. Die beliebtesten Seiten 2018 sind:

Die beliebtesten Suchbegriffe sind „eifon“ und „gugel maps“. Ich schließe daraus, dass die Seite eher von Analphabeten besucht wird. Im Prinzip wäre das auch Teil meiner Zielgruppe. Aber ich glaube nicht daran, dass ich hier einen nennenswerten Einfluss ausüben kann.

Bisher bin ich nicht unglücklich darüber. Ich mache das ja vor allem für mich und freue mich selbst über meine Ergüsse. Trotzdem wäre es auch ganz schön, mal etwas Rückkopplung zu bekommen. Finden Sie das irgendwie interessant oder vollkommen überflüssig?

Im Moment kann ich noch schreiben, was ich will. Ich habe Angst davor, was passiert, wenn das alles bekannt wird. Nutzer finden es es toll oder blöd. Werde ich dann unter Druck gesetzt, kompatibler zu schreiben? Ist das das Ende von Lustwort?

Vielleicht erzähle ich mal meiner Frau davon, oder dem Jungen. Meine Mutter würde sich auch freuen.

Vielleicht werde ich auch irgendwann mal ohne mein Zutun entdeckt?

Vom 20. November 2018 in Kultur, Lieblingsgeschichten | Kein Kommentar

Bernhard-Viktor v. Bülow

So steht es auf seinem Grabstein. Ich verehre diesen Menschen und habe Angst, ihm mit deser Würdigung nicht gerecht zu werden. Besser ist er bekannt unter dem Namen „Loriot“. Der allzeit größte Humorist (ich hasse das Wort Komiker, noch schlimmer ist Comedian) Deutschlands. Ein Land, das es schwer hat mit Humor.

Aber Vicco hat uns rausgrissen! Mit feinsinnigen Beobachtungen, die heute noch gelten, seiner pedantischen Art der Umsetzung und einer schrägen Liebe zum Mops. Viele Ideen, die filmisch oder akustisch umgesetzt wurden, sind heute legendär. Auch Evelyn Hamann passte genial dazu.

Vieles ist im kollektiven Bewusstsein der deutschen verankert. Weihnachten bei den Hoppenstedts. Streit um den Kosakenzipfel. Die Badewanne mit oder ohne Ente. Das feinsinnige Gespür für lustige Situationen, die teilweise radikale und absurde Umsetzung dieser Ideen, das alles im Umfeld der siebziger Jahre – macht ihn genial, einzigartig, Zeitlos – und absolut komisch.

Zur Erinnerung ein paar Stichworte:

  • Opa Hoppenstedt (seitdem höre ich mir auch ab und zu mal Marschmusik an!)
  • Früher war mehr Lametta (ein zeitloser Spruch, den ich mir als URL gesichert habe!)
  • Kosakenzipfel (Mokka-Trüffel-Parfait mit einem Zitronencreme-Bällchen)
  • Sie haben da was. Bitte sagen Sie jetzt nichts, Hildegard
  • Es saugt und bläst der Heinzelmann … (siehe auch hier)
  • Knollennase
  • Liebe im Büro
  • Erwin Lindemann
  • Pedantisch
  • Die gemeine Steinlaus
  • Müller-Lüdenscheidt
  • Das Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.
  • Die Ente bleibt draußen!
  • Melusine
    Kraweel, Kraweel!
    Taubtrüber Ginst am Musenhain!
    Trübtauber Hain am Musenginst!
    Kraweel, Kraweel!

RIF Ruhe in Frieden und danke für die Förderung des Humors in Deutschland. Bei Gelegenheit möchte ich eine Ente oder einen Kosakenzipfel hinzufügen! Quelle: Wikipedia

Vom 16. November 2018 in Kultur | Kein Kommentar

Sehr geehrter Herr Martenstein,

vielen Dank für Ihre wunderbaren Artikel im Tagesspiel. Sie sprechen mir – zumindest in 9 von 10 Fällen – aus der Seele!

Ich möchte Sie hiermit auf meinen privaten Blog Lustwort aufmerksam machen. Nichts weltbewegendes, private Alltagskultur mit Hang zur deutschen Sprache, aber unterhaltsam geschrieben und mit eigenem Kopf.

Den habe ich bisher nicht kommuniziert; Sie wären der Erste, der bewussten Zugang hat!

Sie werden auch darin erwähnt und können dies über die Suchfunktion nachprüfen.

Ich denke, das könnte Ihnen auch gefallen und würde mich sehr über eine entsprechendes Rückmeldung freuen,

Schöne Grüße
GORG

Hier noch ein paar Links, die als Einstieg dienen könnten:
Potentielle Kritik zu Lustwort 
Oder für’s Ego: Suche nach „martenstein“
Etwas politisches:Berliner Politik
Oder dieses Management Summary: Sammlung meiner Lieblingsgeschichten

(Entwurf; bisher nicht zugestellt.)

(Hier die fiktive Antwort.)

Vom 07. November 2018 in Kultur | Kein Kommentar

GORG auf TSP

<fiktiv> Neulich hat mich der Tagesspiegel angefragt, ob ich nicht eine Kolumne für ihn schreiben könnte.

Herr Martenstein hatte mich der Redaktion empfohlen.

Ich habe abgelehnt.

Ich mag Herrn Martenstein – der Name allein! Aber sobald ich unter Druck gesetzt werde, ist es keine freie Kunst mehr. Sorry, aber Ihr könnt mich gerne zitieren. </fiktiv>

Vom 12. Oktober 2018 in Kultur | Kein Kommentar

Lesen Schriftsteller eigentlich ihre eigenen Bücher?

Oder: Lesen Journalisten ihre Geschichten später noch einmal/zweimal/dreimal/x-mal? Das würde mich wirklich interessieren! Und wenn ja, was denken sie dabei? Ich will mich nicht mit diesen vergleichen, aber mir macht es jedenfalls großen Spaß, meine Geschichten hier im Nachhinein zu lesen. Ich tue es mehrmals. Und ich freue mich: über schöne Formulierungen und tiefgreifende Erkenntnisse!

(Menschen, die in sog. „sozialen Netzwerken“ ihre Gedanken oder ihren Müll veröffentlichen, achten wahrscheinlich eher darauf, wie viele „Anhänger“ sie haben, als darauf, ob etwas wichtig ist.)

Natürlich bin ich nicht immer begeistert; hier und da wird nochmal daran gefeilt, ein Wort korrigiert, eine Formulierung verbessert. Ich habe kein Problem damit, auch mal ganze Passagen im Nachhinein zu ändern. Das ist der Vorteil im Netz – es lebt! Dabei kann es durchaus sein, dass manche Leser, die später einsteigen, eine andere – die bessere – Version zu sehen bekommen, was eigentlich ungerecht ist. Aber die echten Anhänger gucken natürlich mehrmals nach, ob sich etwas getan hat.

Egal. Es geht mir um Verbesserung, Weiterentwicklung, Perfektionierung. Und in 100 Jahren wird man sagen: was für ein einfühlsamer und vielseitiger Weiser und Gelehrter, was für ein (bisher unerkanntes; Stand 2018) Genie!

Vom 12. Oktober 2018 in Gedanken, Kultur | Kein Kommentar

Deppenseiten

Ich habe früher auch mal gerne die Seiten im Netz gelesen, wie deppenapostroph, deppenleerzeichen, deppensonstwas, die sich mit öffentlich begangenen Rechtschreibfehlern befassen und das auch entsprechend kommentieren. Auf die Dauer wird das öde. Ich mag es auch nicht mehr, wenn man sich nur noch über die Urheber lustig macht. Es muss nicht jeder gut in Rechtschreibung sein. Man sollte schon unterscheiden, wie gebildet die Urheber sind und wie wichtig die korrekte Rechtschreibung im jeweiligen Fall ist.

Der Depp wird in der freien Enzyklopädie mit „Idiot“ gleichgesetzt, was ich nicht ganz passend finde. Idiot ist schon etwas zu stark; der Depp ist für mich eher ein harmloser Trottel.

Ich gebe aber zu, dass zum Beispiel der falsch gesetzte Apostroph extrem verbreitet ist und offensichtlich auch immer häufiger vorkommt. Das liegt zum Einen an der zunehmenden Gleichgültigkeit gegenüber der eigenen Sprache zum anderen am Einfluss der Ami’s (Spaß), bei denen der Genitiv eines Namens entsprechend geschrieben wird. Man sollte durchaus versuchen, das aufzuhalten, nur scheinen die oben genannten Seiten ihre Zielgruppe zu verfehlen.

Im akademischen Bereich ist es natürlich etwas anderes, wenn Rechtschreibfehler begangen werden. Insbesondere in den Medien und anderen Bereichen, die öffentlich auftreten und einen professionellen Anspruch haben. Hier kann und sollte man durchaus kritisieren, zumal hier auch eine Vorbildfunktion zu erfüllen ist. Leider lässt auch hier die Rechtschreibfähigkeit, oder der Wille dazu auch immer weiter nach, weil alles nur noch schnell veröffentlicht werden muss und die Qualität dabei keine Chance mehr hat.

Im Netz habe ich übrigens aufgehört, mich über Rechtschreibfehler aufzuregen, da hier eine Verhinderung des ständigen Missbrauchs der deutschen Sprache vollkommen aussichtslos ist. Man müsste schon grundsätzlich rangehen: falsche Rechtschreibung verbieten, unter Strafe stellen, ein Meldeportal zur Anzeige besonders schlimmer Fälle einrichten, die entsprechenden Seiten sperren und deren Urheber den Führerschein entziehen, an den Pranger stellen, verhaften, auspeitschen. Oder vielleicht die Genehmigung zur Veröffentlichung von Texten an den erfolgreichen Abschluss eines Pflichtkurses zur deutschen Sprache mit Zertifikat knüpfen. Nun, sooo wichtig ist das alles nicht. Ich habe aus Spaß vor längerem mal eine kleine Sammlung mit den beliebtesten Rechtschreibfehlern im Netz angefangen, aber nach kurzer Zeit das ausufernde Projekt wieder eingestellt.

Unabhängig davon finde ich es grundsätzlich gut, wenn Fehler aufgedeckt, dokumentiert und ggf. erklärt und korrigiert werden. Das hilft auch der Weiterbildung – für mich und andere. Und korrekte Rechtschreibung hilft der Kommunikation und der Kultur. Immerhin haben die Seiten auch einen Einfluss auf mich gehabt: beim Schreiben denke ich immer wieder daran, bloß keinen falschen Apostroph zu setzen (habe ich weniger Schwierigkeiten mit) und kein falsches Leerzeichen zu setzen (hatte ich bisher nicht so beachtet.). Und ich habe durchaus den Anspruch, nicht auf einer dieser Seiten als abschreckendes Beispiel zu landen!

Hier einfach mal ein lustiges Beispiel (mehrere Rechtschreibfehler, und vor allem eher ein Freud’scher Verschreiber). Das nachträglich eingefügte o ist kaum zu erkennen. Auch: die Fliege hat’s schon erwischt.

Vom 08. Oktober 2018 in Kultur, Lieblingsgeschichten | Kein Kommentar

Die unerträgliche Schönheit des Untergangs

Auf dem Gymnasium habe ich in Kunstgeschichte unter anderem gelernt, Bilder zu beschreiben und zu interpretieren. Dabei ging es um klassische Kunst, große und bekannte und vor allem anerkannte Künstler. Man kann aber natürlich auch andere Bilder betrachten. Wichtig ist, dass diese besonders sind, eine Aussage und/oder eine Bedeutung haben. Also, hier nach mehreren Jahrzehnten ein neuer Versuch der Bildbeschreibung, an einem Objekt, das mich dazu inspirierte und das eine gewisse gesellschaftliche Rolle spielt(e).

Hat sich hier jemand einen Scherz erlaubt?

Man sieht eine karge Landschaft in düsteren Farben. Alles ist in Grautönen gehalten, mit leichten Nuancen in das rötliche. Tief hängende Wolken, ein unendlicher Horizont. Im Hintergrund könnte das Meer sein. Eine Szene am Strand? Egal, entscheidend ist das monströse Gebilde in Bildmitte. Auf den ersten Blick ein riesiger Pilz. Auf den zweiten: eine Rauchwolke, wie sie typisch für Fotos von Atomexplosionen ist, also ein „Atompilz“. Mit Fuß, mit Stamm und mit Kopf.

Das abweichende ist vor allem der Kopf. Es sieht eher aus wie eine dreiköpfige Hydra. Einer nach links, einer nach rechts und einer nach vorne. Und dieser ist nochmal besonders: wenn man genauer hinsieht, erscheinen ein Knollennase, zwei Augen, ein groß geöffneter lachender Mund. Ein Clowngesicht! Als ich dies bemerkte, fragte ich mich: ist das ein echtes Foto? Ist das vielleicht gemalt, manipuliert, eine Persiflage?

Ich fing an zu recherchieren. Es gibt Suchmaschinen, die ähnliche Bilder oder Webseiten finden, die das Bild darstellen. Ich konnte keine Originalquelle finden. Kein Hinweis darauf, ist das ein Foto oder gemalt? Das macht die Sache mystischer, aber etwas unbefriedigend. Falls jemand hierzu etwas sagen kann, gerne, danke. Es gibt aber noch andere Bilder mit beeindruckender und erschreckender Schönheit (LINK)

Ich fürchte, das Bild ist nicht echt. Zumindest kein Foto. Schade.

Ich hatte damals in Kunst eine 4. Ich denke und hoffe, dass der Lehrer von dieser Interpretation begeistert wäre. Aber es liegen ja auch viel Jahrzehnte dazwischen. Das nennt man Spätentwickler.

Vom 01. Oktober 2018 in Kultur | Kein Kommentar