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Unwort des Jahres

Ich hatte bereits vor langer Zeit eine kurze Würdigung dazu geschrieben und später sogar mein persönliches Unwort des Jahrzehnts gewählt, möchte aber noch einmal näher auf das Thema eingehen.

Eine löbliche Initiative, um auf Mißstände im Gebrauch der deutschen Sprache hinzuweisen und besonders schlimme Wörter zur Abschreckung mit einem Negativpreis zu versehen. Manche Mäkelfritz*Innen (Spaß) sagen aber auch „Sprachpolizei“ dazu und meinen es abwertend, aber eigentlich ist das gut! Jemand muss sich doch um die Erhaltung unserer Kultur kümmern. Für alles gibt es heutzutage eine Lobby, warum nicht auch für unsere Sprache. Der Begriff „Polizei“ ist auch vollkommen unangebracht, weil die Anwender von Unwörtern ja leider nicht verfolgt, verurteilt und eingesperrt werden können.

Wer steckt eigentlich dahinter? Das ist etwas unklar: Ursprünglich wurde das Unwort wohl von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) gewählt. Die Jury hat sich aber offensichtlich „Nach einem Konflikt mit dem Vorstand der GfdS“ (Wikipedia) selbständig gemacht und kann jetzt machen, was sie will. Der GfdS bleibt jetzt nur noch das Wort des Jahres, das sehr prominent vermarktet und kommuniziert wird, aber doch langweilig ist! Beim Unwort urteilen jetzt ein paar selbsternannte Experten über unsere Sprache und haben mittlerweile einen Achtungserfolg damit. http://www.unwortdesjahres.net/ Aber auch andere möchten mitmischen (siehe unten), selbst Wikipedia ruft Nutzer zur Nennung ihres Unwortes auf (uninteressant). https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Unwort_des_Jahres_2020

Dabei werden weniger Wörter gewählt, die sprachwissenschaftlich zum kotzen sind, als Wörter, – genaugenommen sind es meist Wortneuschöpfungen von Menschen, die im Rampenlicht stehen, was ich eigentlich gut und kreativ finde – die ethisch und/oder moralisch und/oder politisch nicht tragbar sind, was die ganze Sache natürlich etwas angreifbar macht, weil es natürlich unterschiedliche Ansichten dazu gibt. Also eher Aufregerwörter. Zum Beispiel 2019: Klimahysterie; 2018: Anti-Abschiebe-Industrie; 2017: alternative Fakten [das ist für mich das allerbeste Unwort bisher, da es sowohl sprachlich widersinnig, als auch politisch unerträglich ist]; 2016: Volksverräter; 2015: Gutmensch; 2014: Lügenpresse. Zu allen hätte ich etwas zu sagen, aber aktuell keine Lust.

Viele der gewählten Unwörter scheinen eher aus dem konservativen Spektrum zu stammen, das macht die Sache etwas tendenziös; vielleicht ist es aber auch so, dass diese besonders kulturlos sind. Und: es ist natürlich schwierig, nur ein Wort als das besonders herausragend schlimme auszuwählen. Ich schlage vor, 100, vielleicht 1000 Unwörter zu küren, da es sicher so viel Auswahl gibt. Vielleicht könnte Lenny mal ein Buch mit kuratierten Listen darüber schreiben; aber er befasst sich – wie ich – viel lieber mit den schönen Wörtern der deutschen Sprache.

Aktuell ist auch der Tagesspiegel auf die Idee gekommen, mal eigene Unwörter zu verkünden und daraus einen vielleicht verkaufsfördernden Artikel zu machen, und er hat kurz vor der neuen offiziellen Wahl im Januar nächsten Jahres wohl ein paar Mitarbeiter dazu aufgefordert, ihr ganz persönliches Unwort zu küren und die Wahl zu begründen. Das ist natürlich nicht wissenschaftlich, eher schwer subjektiv, aber grundsätzlich eine gute und interessante Aktion und immerhin der eigentliche Anlass für diesen Artikel. Aber das Ergebnis ist frustrierend.
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/von-geisterspiel-bis-genderwahn-wir-praesentieren-unsere-zehn-unwoerter-des-jahres/26646512.html

Folgendes wird aufgeführt und ich erlaube mir entsprechende Kurzkommentare zu jedem Beitrag.

Risikogebiet

Die Autorin regt sich über die Einteilung der Viruslandschaft in Gefährdungsgebiete auf, dabei ist das doch wissenschaftlich begründet und sinnvoll. Also kein Unwort.

umstritten

Das gefällt mir sehr gut, im negativen Sinne! Die Autorin zeigt auf, wie das Wort die Bedeutung wichtiger Künstler oder Politiker schlagartig entwertet. Sobald ein anderer eine andere Meinung hat, ist jemand umstritten? Nein, das müssten schon ca. 50% der Gesellschaft sein, die etwas kritisieren. Das Wort wird populistisch und inflationär eingesetzt, macht oft harmlose, eigentlich bewundernswerte Menschen nieder, die vielleicht auch nebenbei einmal etwas unpopuläres sagen und könnte damit gut zu meinem Lieblingsunwort des Jahres werden!

Cancel Culture

Ein englisches Wort, schwer verständlich, daher schon kritikwürdig, das aber eine schlimme Entwicklung benennt: Kunst darf nicht mehr stattfinden, weil es Bedrohungen dagegen gibt. Das ist kein Unwort, sondern eine schwer inakzeptable Entwicklung. Der Autor sieht das Ganze etwas zu politisch und meint, äh was eigentlich? Auf jedenfall ist das aus meiner Sicht kein Unwort, aber der Hintergund durchaus verhindernswert.

Geisterspiele

Kein Unwort, brauche ich nicht darauf einzugehen.

Genderwahn

Puh, ich bin aus sprachlichen Gründen ein erklärter Gegner der genusgerechten Sprache, weil sie damit verhunzt wird, aber auch ein Befürworter der totalen Gleichbehandlung der Geschlechter und sonstiger. Aber das Wort ist schön prägnant und griffig und gefällt mir als einprägsames Schlagwort. Die Autorin schreibt etwas diffus über dessen Bedeutung. Aber nicht wirklich ein Unwort, oder?

Opferanspruchsideologie

Das ist ein ziemlich langes und unschönes Wort. Auch der Hintergund etwas kompliziert und musste etwas recherchieren, was eigentlich gemeint ist. Die Autorin erklärt es nicht genau, aber was ich mitbekomme: man darf Menschen mit jüdischem Glauben nicht kritisieren, sonst wird man zum Unwortschöpfer erklärt. Und natürlich ist das ein Kampfbegriff, der auch abwertend sein kann, aber kein Unwort des Jahres. Dafür ist er auch zu wenig präsent und wird durch die Nennung unnötig gefördert und überbewertet.

Wahlkrimi

Das ist sicher kein nennenswertes Unwort – brauche ich nicht näher darauf einzugehen.

Systemrelevant

Ein interessantes Wort, das in Zeiten des Virus‘ sehr aktuell aber sicher nicht zeitlos ist. Die Einteilung finde ich in diesem Fall richtig und wichtig. Gleichzeitig verstehe ich die Kritik daran, da sich andere benachteiligt fühlen könnten. Aber in diesen Zeiten sind Prioritäten nun mal wichtig. Etwas wirrer Beitrag des Autors. Da könnte ich sogar besssere Pro-Argumente liefern, obwohl ich kontra bin. Nicht überzeugend.

Telko

Ein Wort, dass mir in heutiger Zeit nie begegnet ist, ich verorte das eher in die Neunzigerjahre, daher irrelevant.

Islamfaschist

Bezeichnet eine Ausrichtung des Islam, die vorhanden ist. Für mich eine neutrale Bezeichnung. Soweit ich weiß, auch nicht neu, sondern ein bereits „in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts aufgestellter Neologismus “ (Wikipedia).  Politisch korrekt, unterwürfig, Neudeutsch  und weniger angreifbar könnte man schreiben „Islamismusfaschist“. Der Autor flippt allerdings hauptsächlich aus, weil das Wort von einer Rechtspopulistin ausgesprochen wurde. Deswegen ist es aber doch nicht gleich ein Unwort?!

Leute, kommt mal runter! Nicht jede mißliebige Aüßerung muss gleich mit allen Mitteln bekämpft und stigmatisiert werden. Lest auch mal den Zusammenhang. Toleranz tut auch ganz gut. Es gibt auch Menschen, die mal schlimme Wörter nutzen, in Wirklichkeit aber ganz nett und harmlos sind. Das Gesamtbild ist wichtig.

Ich überlege, ob ich wohl mal selber eine Kategorie der Unwörter eröffnen soll, obwohl ich mich lieber mit dem Schönen befasse. Mein erstes Unwort wäre vielleicht „Unwort“.

02. Dezember 2020 // Deutsches, Wörter // 2 Kommentare

Mit Schreiben Geld verdienen!

Vorbemerkung: Wenn Ihr über eine Suchmaschine auf diesen Artikel stoßt, seid Ihr hier vermutlich falsch und braucht nicht weiter zu lesen, da das hier kein Ratschlagmedium ist, eher der Unterhaltung dient und der Titel  nicht das hält, was er mutmaßlich verspricht.

Niemals möchte ich mit dem Schreiben Geld verdienen! Man fängt an, sich zu verkaufen. Sobald man einen Geldgeber hat, fühlt man sich verpflichtet, kompatibel zu schreiben, sich anzupassen, sich zu verbiegen – sich zu PROSTITUIEREN. Nein, das hier ist Kunst. Absolut, unabhängig und frei von jeglichen Zwängen, Rücksichtnahmen, Gefälligkeiten, politischen Korrektheiten. Hier kann ich schreiben, was ich will, und deswegen mache ich das.

Ganz selten, aber doch auch öfter mal in letzter Zeit, frage ich mich unter anderem – aus reinem Interesse – trotzdem manchmal, ob es vielleicht auch möglich wäre, ähh – damit Geld zu verdienen. Da ich niemanden kenne, der das erfolgreich umsetzt, habe ich mal die Suchgeräte mit diesem etwas beschränktem Halbsatz bestückt. Natürlich gibt es hunderte Ergebnisse, Vorschläge, Portale, Blogs, die einem aufzeigen, und es total leicht machen, wie man mit der schriftlichen Aneinanderreihung von Wörtern haufenweise Geld scheffeln kann.

Ich bin aber noch etwas skeptisch. Hintergrund ist ja die Vorstellung, dass ich in meinem Beruf vielleicht nicht mehr lange angesagt bin und mir daher ein zweites, hoffnungsvollerweise später erstes Standbein aufbauen möchte. Ist das realistisch? Ich bin doch kein Profi, habe etwas ganz anderes studiert. Egal, aktuell verdiene ich ja auch in einem nicht erlernten Beruf. Die angebotenen Möglichkeiten überzeugen mich aber nicht. Genaugenommen ist es erschreckend, was einem im Netz da angeboten wird. Habe aber keine Lust das jetzt weiter auszuführen.

Aber eines muss ich doch loswerden! Ein abschreckendes Beispiel – immerhin an fünfter Stelle der Suchergebnisse: „Blogger“ [das sollte Bloggen heißen; ein Vorschlag unter dem Haupttitel] 4 [hier sollte man vier schreiben] Alternativen [gemeint sind Möglichkeiten; hier fehlt ein Komma] wie du [sollte man hier groß schreiben] mit deinen [sollte man hier groß schreiben] eigenen [das Wort ist hier überflüssig; einfacher wäre es natürlich mit fremden] Texten Geld verdienen kannst“. Weiter im Text: „Bloggen ist aber [warum aber?] kein einfacher Beruf: du [s.o.] musst genau wissen, was deine [s.o.] Zielgruppe will und auch genau das liefern [puh, also in erster Linie sollte man das machen, was man möchte und sich eine Zielgruppe dazu erarbeiten]. Du musst ständig neuen genialen [klar!] Inhalt schreiben und das am besten 2 [s.o.] bis 3 [s.o.] Mal die Woche oder noch öfter [klar!]. Je besser dein [s.o.] Inhalt, desto mehr Erfolg wirst du [s.o.] haben [immerhin; toller Ratschlag: der Inhalt ist wichtig]. Natürlich musst du [s.o.] es schaffen, deinen [keine Lust mehr] Inhalt auch richtig gut zu promoten [gemeint ist vermarkten]. Die Formel für den Blogerfolg lautet: 20 % [hier setzt man kein Leerzeichen] schreiben, 80 % promoten [der Inhalt ist also doch unwichtig; es geht vor allem um Vermarktung! Ich glaube sogar, dass das heutzutage stimmt. In meinen Träumen ist das Verhältnis umgekehrt!]. Wenn du das schaffst, also regelmäßigen und noch dazu genialen Inhalt zu liefern sowie diesen entsprechend zu promoten [kotz], dann kannst du sehr schnell, sehr gutes [lieber wäre mir viel] Geld mit deinen Texten verdienen! [wow, das war echt hilfreich und spornt mich jetzt total an]

Was für ein Müll. Diese Frau verdient angeblich ihren Unterhalt mit so etwas. Um die Ergüsse von „Jenny – selbstständige Webdesignerin & Content Marketing Managerin“, nicht bekannt zu machen, verlinke ich das nicht; der Quellennachweis erfolgt gerne auf Anfrage, aber finden kann man sie auch so.

Und ja, ich könnte meinen Blog ausbauen; der ist ja schon da und hat auch vielleicht ein paar Leser. Aber die Möglichkeiten dafür gefallen mir nicht. Niemals würde ich, unter gar keinen Umständen, Werbung einbinden, da sie meine Seite zerstört, da fremdes und nicht kontrollierbares in mich eindringt, sie vom Inhalt ablenkt und wohl nur ein paar lächerliche Kröten einbringt. Werbung ist eine Vergewaltigung der Kultur. Oder bezahlte Links auf irgendwelche Großkonzerne einbinden: würg! Ich würde vielleicht etwas verdienen, aber nicht mit den Inhalten, was mein Anspruch ist, und dabei einen Großteil meiner gewünschten Zielgruppe, kultivierte Menschen, die sich für Inhalte und neue Gedankengänge und Sprache interessieren, und nicht abgelenkt werden möchten, verlieren.

Auch bin ich nicht überzeugt von Medien im Netz. Es gibt auch gute, aber tendenziell wäre ich eher stolz darauf, professionelle, etablierte, klassische, seriöse, erwachsene Medien als Partner zu gewinnen. Aber keine Auftragsarbeiten erstellen, das setzt einen nur unter Druck und behindert die Kreativität und Freiheit. Es sollte andersherum gehen: ich schreibe, was ich will, und andere können das kaufen, exklusiv erstveröffentlichen und bezahlen. Auch würde ich gerne nur an Medien verkaufen, die ich mag und gut finde. Es kommt das Gefühl auf: die Zielgruppe und die Chancen schrumpfen damit leider auf ein Minimum. Genaugenommen: ca. Null. Aussichtslos.  Vielleicht sollte ich mir etwas anderes suchen. Aber falls jemand doch mal Interesse hat: meldet Euch!

13. November 2020 // Deutsches, Glossen // Kommentar schreiben!

Ein unterstützenswerter Worterhalter

Diese Seite habe ich erst jetzt entdeckt. Ich wusste wohl schon von jemandem, der schöne Wörter sammelt, und ich wollte mir das immer schonmal ansehen. Nun bin ich zufällig auf seine Seite gestoßen und bin etwas frustriert. Dieser Kerl nennt sich Lenny und hat meine Idee geklaut! Der erste Eintrag zu meinem Tagebuch ist vom Januar 2008. Bei ihm fing es erst 10 Jahre später an. Aber er macht es wesentlich ausführlicher und konsequenter als ich. Er sammelt und dokumentiert „Begriffe mit dem besonderen Klang.“ „schöne, seltene, originelle, alte Wörter aus der deutschen Sprache“. Ein wichtiges Anliegen.

Diese werden zu Listen mit bestimmten Themen zusammengefasst. Die Idee finde ich gut! Ich habe bis heute keine schöne Lösung gefunden, meine mühsam gesammelten Wörter wirkungsvoll zu präsentieren und habe mich auf die Minimalversion festgelegt: ein Lustwort pro Sekunde. Bei ihm kann man sich – je nach Stimmung (er ist ein Romantiker) – gleich eine ganze Liste bestimmter Wörter ansehen und sich daran erfreuen (Wohlfühlwörter, Schlummerwörter, Schimmerwörter, LUSTWÖRTER – das hat mich auf diese Seite gebracht!). Das wird schon lange in der Musik so gemacht – Abspiellisten für jede Stimmung. Wobei ich mich gerade frage, ob man sich bestimmte Musik anhört, wenn man in einer Stimmung ist, oder weil man will, dass die Musik diese Stimmung erzeugt. Egal. Bei ihm sind das Listen, mit bis zu 187 Wörtern, oder 99, 49, 59, 69, (niemals ganze Zehner, die 9 muss immer am Ende stehen) die heruntergerattert werden. Mit kurzer Einführung und Beispielen aus der Literatur. Manchmal immerhin mit Kommentar, und dann wird es erst interessant.

Manche Listen haben nur einen bestimmten Wortstamm gemein, Wörter, die zum Beispiel die Silbe „Wohl“ oder „LUST“ https://sternenvogelreisen.de/lust-woerter/ enthalten. Bei diesen habe ich den Eindruck, Monsieurchen hat einfach nur  das sehr empfehlenswerte Grimmsche Wörterbuch aufgerufen, seine Silbe in die Suchfunktion eingegeben, die Ergebniswörter kopiert und dann bei sich eingefügt; vielleicht nochmal etwas redigiert und ein paar gelöscht. Egal: das Ergebnis zählt. Aber keiner macht sich wohl die Mühe, alle Wörter einer Liste auf sich wirken zu lassen. Hier hätte ich mir eine größere Beschränkung oder mehr Erläuterung gewünscht.

Das Ganze macht er nicht nur zum Spaß. Sondern er hat ein Buch darüber geschrieben, das verkauft werden soll. Die Seite ist im wesentlichen eine Anstiftung dazu, die Hinweise dazu sind prominent und recht penetrant eingebunden. Schade. Trotzdem macht es großen Spaß, darin zu stöbern! Leider lässt er keine Kommentare zu.

Nach Ausweitung meiner Recherche, musste ich dann feststellen, dass es doch noch haufenweise andere Bücher gibt, die sich mit schönen, seltenen, in Vergessenheit geratenen, schrägen, lustigen, altmodischen, sonstwas Wörtern der deutschen Sprache beschäftigen. Dazu muss ich wohl leider nochmal einen getrennten Artikel verfassen. Ganz altruistisch rufe ich hiermit dazu auf, diese Bücher zu kaufen, da das Anliegen unterstützenswert ist. Guckt aber auch abundzu mal bei Lustwort vorbei, hier gibt es alles kostenlos und immer wieder mal Neues!

Ich fing an zu recherchieren, was er sonst so macht und habe festgestellt, dass er ein sehr umtriebiger und unternehmenslustiger Mensch ist, dass er fleißig auch noch andere Bücher schreibt und vor allem: dass ich ihm schon früher begegnet bin! Damals hieß er noch Sven und hat die wichtigste Netzgestalterbibel Deutschlands herausgebracht und unter dem in der Szene hoch angesehenen Namen „Dr. Web“ vertrieben (eine sehr interessante und reflektierte Geschichte dazu hat er hier verfasst).

Falls Du das liest: Danke Sven, das hat mir sehr in meiner Selbständigkeit geholfen, und ich habe mir das gelbe Buch damals auch gekauft! Und Dein Wörterbuch hole ich mir auch noch, muss ja gucken, was die Konkurrenz so macht …

Und den internationalen Nachfolger „Smashing Magazine“, leider nur in englisch, mir zu plakativ und abgehoben. Auch hat er einen Blog unter dem Namen conterest betrieben, der ganz interessant ist. Hier zeigt sich schon seine Vorliebe für Listen. Ein Listenfetischist!  In „1001 Gründe für Blogger“ nennt er tatsächlich ebensoviele. Ein beachtenswerte Fleißarbeit. Aber auch etwas beliebig. Auch hier wird das keiner durchlesen sondern nur vom Umfang beeindruckt sein. Der Artikel stammt von 2018. Dann kam nichts mehr. Es ist schade, dass dieser Blog und das Bloggen allgemein trotz der preisverdächtig vielen gebloggten Gründe weitgehend ausgestorben sind. Ein Ausdrucksmittel des Individualismus, der Selbständigkeit, der Freiheit, der Unabhängigkeit. Mehr Gründe braucht es eigentlich nicht, um eigenes zu veröffentlichen.  Heute treiben sich fast alle nur noch in Netzwerken der Großkonzerne herum und unterwerfen sich dem Anbieter und den Mag-Ich-Zahlen. Auch Svenny?

Und hier die Klickhilfe: https://sternenvogelreisen.de/

06. November 2020 // Deutsches, Rezensionen // 4 Kommentare

Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute

Den bietet uns das DWDS – ein wunderbar selbstgenanntes „Wortinformationssystem“, oder offiziell: „Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache“. Es ist zu meinem Lieblingsnachschlagewerk in diesem Zusammenhang avanciert, das hatte ich in meiner etwas lustlosen Dokumentation der wichtigsten Anlaufstellen für Informationen zur deutschen Sprache im Netz bisher nicht berücksichtigt. Daher nun eine gesonderte und verdiente Würdigung.

Dahinter steckt die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW), gefördert von uns, über das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Eine Institution, die „Auskunft über den deutschen Wortschatz in Vergangenheit und Gegenwart gibt“. Und das wunderbar wissenschaftlich tut.

Die Datenbasis bilden mehrere Korpora – ein Wort, das ich bis dahin nicht kannte – und das das System selbst nicht findet! Ich nehme an, Quellensammlungen. Viele – auch Zeitungen und das Netz – werden berücksichtigt. Der umfangreiche Fundus wird für die verschiedensten Analysen und Dokumentationen verwendet.

Zentrale Grundlage ist natürlich das Wörterbuch. Zu jedem gesuchten Wort (und ich habe bisher keines, außer dem oben genannten, nicht gefunden) gibt es alle Informationen zu Grammatik, Bedeutung, Etymologie, Thesaurus, Typische Verbindungen, Verwendungsbeispiele.

Ich nutze das Wörterbuch mittlerweile auch per Verlinkung im Rahmen meiner Präsentation zum Lustwort der Sekunde, da ich hier nicht alles bieten kann und will.

Zu „Lustwort“ gibt es leider nur eine karge, dafür aber sehr interessante Information, da ich es selbst erfunden habe und es trotz dieses tollen Tagebuchs noch nicht in die Wörterbücher und Suchapparate geschafft hat. Es gibt aber eine historische Textstelle aus der Literatur dazu: „‚alte kirchen haben dunkle gläser! — wie kirschen und beeren schmecken, musz man kinder und sperlinge fragen!‘ diesz waren unsere lust- und leibworte.“ Göthe 26, 69. (Goethe!!! Allein, die Namensschreibung irritiert mich etwas, aber der ist gemeint! Und: kannte der keine Großschreibung?)

Das Wörterbuch ist sonst sehr solide und hilfreich und umfassend. Aber was ich liebe, ist die Wortverlaufskurve. Die zeigt an, wie häufig ein Wort im Laufe der Jahre eingesetzt wurde. Das ist neu und interessant. Die Nutzung des Wortes „Demografie“ hat zum Beispiel extrem zugenommen, während „Backfisch“ abgenommen hat (wobei hier unklar ist, ob der Fisch oder das Mädchen gemeint ist). Man kann auch zwei Wörter gleichzeitig betrachten; der Anbieter nennt das Beispiel Turnschuhe und Sneakers. Obwohl beide in letzter Zeit zugenommen haben, holt Sneakers den Turnschuh doch langsam aber sicher ein. Ich habe mal die Wörter Freiheit und Demokratie eingegeben, die beide seit den späten Vierzigern abgenommen haben und seit einigen Jahren auf gleichem Niveau aber wieder etwas ansteigen. Das ist beruhigend.

Für die Profis unter Euch: Es gibt auch die Möglichkeit, nach Kookkurenzen zu beliebigen Wörtern zu suchen. Oder – sicher hochinteressant – eine Kollokationsanalyse in diachroner Perspektive durchzuführen!

Und eine Suche nach Wörtern aus politischen Reden. Die Nutzung ist hier, wie bei anderen, leider eher etwas für Programmierer; aber die können sich dann hemmungslos austoben, auch reguläre Ausdrücke einsetzen und alles sehr flexibel. Seht Euch mal die Möglichkeiten der „Suchabfragesprache“  an, das könnte man sicher mal nutzerfreundlicher gestalten.

Die haben sogar eine Erweiterung für meinen Lieblings-Netzseitenanzeiger mit F. programmiert, die es ermöglicht, Wörter, denen man damit im virtuellen begegnet, direkt per Markierung und Rechtsklick im DWDS nachzuschlagen. Und auf den Bildschirm  zu zaubern.  Die habe ich gleich installiert.

Und es gibt noch mehr. Das soll hier keine umfassende Bewertung und/oder Beschreibung werden. Schaut einfach mal rein. Es ist wirklich eine wunderbar wissenschaftliche, neutrale Seite, die sicher jedem Sprachinteressierten Spaß macht.

Hier die Klickhilfe: https://www.dwds.de/

24. Oktober 2020 // Deutsches, Rezensionen // Kommentar schreiben!

Wortschatz

Ein schönes Wort! Es verbindet das Wort mit etwas sehr wertvollem. Das ist eine besondere Wortschatz, ähh, Wertschätz(-ung; Mann, GORG, Du hast schonmal besseres geleistet)! Es definiert die Summe der Wörter, die es gibt, oder die jemand drauf hat. Dabei wird nochmal unterschieden in Wörter, die man versteht (passiv), und Wörter, die man anwendet (aktiv). Es ist ein Zeichen von Bildung, Kultur und Sprachbegabung, wenn man sich auch vielseitig aktiv ausdrücken kann. Darum geht es mir hier.

In diesem Zusammenhang wird gerne der Wortschatz unseres Herr Goethe genannt, der im Rahmen seines Gesamtwerkes wohl auf 91.000 Wörter kommt, das ist wesentlich mehr, als der allgemeine deutsche Wortschatz, der 75.000 Wörter umfasst (Wikipedia). Was aber auch daran liegt, dass er ziemlich viel geschrieben hat, was die Wahrscheinlichkeit für viele Wörter – zumindest bei Menschen mit Anspruch – erhöht. Luther kommt dagegen eher auf 23.000 Wörter (Quelle). Im Alltag braucht man das alles nicht, es reichen wohl wenige tausend, um im Leben klarzukommen.

Das Logo als schöne aber etwas anrüchige Anspielung auf den Titel Wer hat den Größten

Vor einigen Jahren ist ein deutscher Radiosender für Jugendliche auf die Idee gekommen, mal nachzuprüfen, was deutsche Darbieter des Sprechgesangs wohl für einen Wortschatz haben, da diese ja besonders viel mit Wörtern jonglieren. Das Ganze wurde unter dem etwas bemüht provokanten Titel (und Logo!) „Wer hat den Größten“ 2015 veröffentlicht (Quelle). Genauer gesagt, war es nicht deren Idee, das wurde in Amiland schon für Popmusiker durchgeführt (2015 Quelle), die die Idee aus einer Untersuchung für US-Amerikanische Reimer – dem Original – geklaut haben (2011  Quelle).

Die Untersuchung ist natürlich nicht wissenschaftlich, sie wurde von einem bekennenden Anhänger des Sprechgesangs betreut und geht nur peripher auf die Rahmenbedingungen ein: Es wurden die letzten 16.000 Wörter untersucht, die durch die Akteure veröffentlicht wurden. Diese wurden einer Firma zur Auswertung übergeben, die auch bestimmte Filter vorgenommen hat, wobei auch verschiedene Formen eines Wortes ignoriert wurden. Das klingt in Ordnung, zumal, wenn alle dem gleichen Procedere unterworfen werden. Zum Vergleich wurden nach demselben Verfahren Werke von Goethe (Faust I) und einer Schlagersängerin herangezogen.

Das Ergebnis ist verblüffend: Unser Goethe steht mit 2913 Wörtern nur auf dem dritten Platz während der erste Platz eines Sprechgesangsdarbieters  3093 Wörter aufweist. Kann das sein? Die Schlagersängerin auf dem letzten Platz! Es wundert mich vor allem, weil aktuell die genannten Darbieter sich von selbst meist auf wenige Themen beschränken: Kriminalität, Frauenfeindlichkeit, Homophobie, Antisemitismus. Da müsste der Wortschatz doch stark eingeengt sein?! Von der Unmusikalität ganz zu schweigen, aber darum geht es hier nicht.

Im Vergleich mit der Amistudie zeigt sich, dass dort mit 35.000 wesentlich mehr Wörter untersucht wurden und sich der größte Wortschatz auf 7392 Wörter summiert. Das kommt im Verhältnis ungefähr hin, wenn man bedenkt, dass in einem größeren Werk auch mehr Wörter gefunden werden, hier also mehr als doppelt so viel. Auch dort wurde ein Vergleich mit einem Schriftsteller (Shakespeare) gezogen (unter Berücksichtigung unterschiedlicher Werke), der wohl gerade noch im oberen Drittel landete.

Zurück nach Deutschland: es werden auch die häufigsten Wörter bei bestimmten Akteuren genannt. Hier ein paar Beispiele ohne Zuordnung: haben, ficken, leben, immer, kommen, Junge, so, egal, Geld, Wissen, leben, Rapper, Bitch. Und als sogenannte Ad-Libs (von „ad libitum“, die Kür unter den Berufs-Stotterern) Yeah!, Ey!, Hey, Yo!, uh.

Besonders bei letzteren würde ich etwas anzweifeln, ob man die als Wörter definieren kann. Ich verstehe Wörter als Bestandteile des klassischen Sprachgebrauchs. Von mir aus, alles, was im Duden steht, obwohl der auch schon versucht , den Zeitgeist einzufangen und schlimme Modewörter mit aufnimmt. Ich könnte ein Werk nur mit Pupslauten erstellen und würde damit Goethe und alle Sprechgesänger in den Schatten stellen. Natürlich kommt es nicht nur auf die Anzahl an, sondern auch auf den Inhalt!

Einer der Darbieter (Platz 8) hat eine schöne Stellungnahme von sich gegeben: „Ich bin überrascht, dass ich so weit vorne bin. Ich sag‘ ja immer nur das gleiche. Aber eigentlich ist es sowieso viel schwieriger, mit wenig Worten irgendwas sehr Gutes zu sagen. Deswegen ist mein Ziel: Ich möchte an das Ende dieser Liste! Ich will auf Platz 100 sein und auf dem nächsten Album nur noch drei Worte benutzen. Aber trotzdem vielleicht mehr aussagen als manch ein Rapper mit tausenden Wörtern sagt.“ Also, das gefällt mir; es ist ein Merkmal der Kunst mit wenigen Mitteln etwas auszusagen; was ich gut finde; aber es ist auch schön und stilvoll, die Vielfalt eines Wortschatzes zu auszuleben.

Mich würde natürlich auch mal interessieren, wie sich Lustwort so schlägt. Also eigentlich habe ich den Anspruch, mehr als Sprechgesänger zu bieten, aber Goethe will ich nicht übertrumpfen.

Der Titel der Studie ist damit doch sehr zutreffend und ironisierend zugleich. Es geht nicht darum, wer den größten hat, sondern (auch) darum, welche Aussagen getroffen werden und was die Wörter einem bedeuten.

29. September 2020 // Deutsches, Wörter // Kommentar schreiben!