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Meine Achtzigerjahre-Hedonistenkarriere

Habe nicht mehr alle Informationen parat und muss etwas recherchieren, wo meine liebsten Diskos (so hießen die Klubs früher (früher war mehr Lametta)) und Kneipen in den Achtzigern waren und was sie zu bieten hatten. Es gibt relativ wenig dazu im Netz, da es dies damals nicht gab, deswegen im wesentlichen nur meine eigenen Erfahrungen, ergänzt durch ein paar offiziell gefundene Infos.

Wichtiges

Turbine Rosenheim – Eisenacher Straße
Sehr gute Musik. Ich habe dort meine heutige Frau näher kennengelernt. Auch der damals noch unbekannte Plattenaufleger „Dr. (ich nehme an, eine illegale Titelaneignung) Motte“ hatte sie angebaggert, ohne Erfolg. Finanziell wäre das für sie sicher die bessere Partie gewesen.  Egal. Glück gehabt! Eines Abends kam Jim Jarmush durch die Tür, was mich begeisterte. Der war nach „Stranger than Paradise“ und „Down by Law“ ein Held! Der schlimme Wichtigtuer von Türsteher wohnte bei uns im Nachbarhaus und man konnte immer Abends durch sein Fenster beobachten, wie er vor dem Spiegel stand und stundenlang in genussvoller Eitelkeit sein wallendes langes Haar bearbeitete.

Dschungel – Nürnberger Straße
Den kennen alle. Und ja, war schon cool. Aber für mich damals viel zu etabliert, bäh, für die Schickeria! Aber auch für andere – eigentlich war es eine wunderbare Mischung. Aus heutiger Sicht sympathisch unkommerziell und mit wirklich guter, neuer Musik. Es wurde natürlich alles mögliche genommen und geraucht; einmal hatte ich einen wirklich bestialischen Gestank in der Nase, würde mich interessieren, was das war. Promis waren auch da, aber die erkenne ich meistens nicht. Ich erinnere mich auch an einen Besuch mit einem Freund F., der vorschlug, eine Frau anzusprechen, ob sie nicht einen flotten Dreier mitmachen wollte (was aus verschiedenen Gründen nicht umgesetzt wurde). Aber ich freue mich heute noch, dass wir neben den ganzen Promis vom Türsteher akzeptiert wurden und Spaß haben konnten: Mich hat eigentlch mehr die Stimmung und das Tanzen interessiert, als Promis zu sehen.

XXX – Adenauerplatz
Wie hieß noch der Laden am Adenauerplatz – Zugang nur über eine Außentreppe? Runde Tanzfläche,wie im Zirkus, nur mit einer einzelnen nackten Glühbirne beleuchtet. Kommt wohl auch kurz im Film B-Movie vor (?)… Freue mich über Hinweise.

Nachtrag: So langsam denke ich, das war das frühe Linientreu, das erst später in die Budapester umgezogen ist und dann uninteressant wurde?

Loft – Nollendorfplatz
Das war eigentlich DIE Konzertlocation. Im Nebeneingang zum Metropol. Ein legendäres Konzert von Fad Gadget (in dem er anfing, mit einem gekonnten Feldaufschwung die Hängedecke zu zerstören), ein legendäres Konzert der Einstürzenden Neubauten, die mit einem Presslufthammer die Wände bearbeiteten und ein erstes Konzert der Hosen, bei dem dieses passierte. Mich würde noch interessieren, wer für die ganzen Schäden aufgekommen ist. Am Eingang stand ein freundlicher, oft uniformierter Brite, der viel später zu einem glorreichen Film über die Achtziger beisteuerte.

Was macht man nur mit dem Mikro, wenn keine Hand mehr frei ist? Frank Tovey macht es vor. Und produziert dabei noch Geräusche, die gut zur Musik passen!  (Foto Boo Anderson / lastfm)

Metropol – Nollendorfplatz
Die Mutter des Loft? Aber auch langweiliger. Ich erinnere mich aber an ein – natürlich – legendäres Konzert von The Cramps. Ich hatte meine Kamera mit und stand ziemlich weit vorne und habe tolle Fotos geschossen. Damals analog – auf Filmstreifen, die von entsprechenden Dienstleistern  entwickelt und abgezogen werden mussten. Davon war eine Bekannte so begeistert, dass ich sie ihr ausgeliehen habe. Leider habe ich sie nie wieder bekommen. Ein paar Abzüge müssten aber noch irgendwo sein. Wenn ich Rentner bin, suche ich sie mal, weil die waren wirklich gut. Ansonsten uninteressante Disko.

Café Swing – Nollendorfplatz
Keine Disco aber tolle Konzerte. Direkt neben Loft und Metropol. Immer zu voll und zu eng, aber schwer Avantgarde. Beginn 1.00 Uhr morgens und meist umsonst.

SO36 – Oranienstraße
Darf natürlich nicht fehlen. Ein furchtbarer, stickiger, enger, verrauchter, voller, dreckiger Punk-Laden, legendär. Die Geschichte dazu sollte man sich mal durchlesen/streamen/zappen! Auch unbedingt die geniale und einzigartige Dokumentation ansehen: „So war das S.O. 36“. Da möchte ich nochmal eine Kritik zu schreiben. Ich wohnte damals in der Nähe und war daher gerne öfter da. Habe ein fast legendäres Konzert der Dead Kennedys verfolgt. Zum starkfühlen hatte ich mir eine Kunstleder-Punkjacke von meinem Freund F. ausgeliehen, der klamottenmäßig immer für alle Fälle gewappnet war. In die passten gerade mal zwei Dosen Karlsquell; zwei weitere musste ich in der Hand mitnehmen. Damals ging sowas noch. Und wenn das Konzert schlecht war – oder besonders gut war – pfefferten manche die leeren bzw. vollen Dosen auf die Künstler auf die Bühne. Das war nicht so schlimm, wie das auch übliche Anspucken. Und Ratten-Jenny war natürlich auch immer da. Den Laden gibt es heute noch.

Viel später habe ich nochmal ein Konzert hier gesehen. Bein Ankunft bekam ich einen Schreck: die Leute stehen alle brav in einer Schlange, um Eintrittskarten zu kaufen. Drinnen war es wie immer. Schlechter Sound, eng, stickig. Mit etwas Gras ertragbar.  Und Interpol ist schon ziemlich achtziger und ziemlich gut. Aber nochmal muss ich nicht hin.

Tempodrom – Potsdamer Platz
Auch ein legendärer Veranstaltungsort, an einem besonders historischen Platz – heute nicht mehr vorstellbar! Damals ein Zirkuszelt, mit einem Zaun drumherum. Ich wollte auf ein Konzert von DAF und ging solange am Zaun hin und her, bis der Aufpasser dahinter nicht mehr zu sehen war. Schwupp, drübergestiegen und im Zelt verschwunden. Damals war ich noch ein armer Student und es gehörte auch zum sportlichen Ehrgeiz, sich irgendwie an der Kasse vorbeizuschummeln, obwohl die Eintrittspreise lächerlich gering waren.

Drinnen in der Manege waren mehrere halbstarke Männer mit nackten und schweißnassen Oberkörpern zu sehen, die in weißem Licht auf irgendwelche Geräte einhauten und einen irren Sound verursachten. Das war noch am Anfang meiner Berlin-Karriere und ich war sehr beeindruckt. In der Pause lief Gabi Delgado Lopez zufällig durch die Sitzreihen zwei Meter an mir vorbei, ein Held im Publikum! In späteren Interviews hat er sich als sehr sympathischer und reflektierter Zeitgenosse präsentiert. In der Zeit wohnte sein Bruder Eduardo in Neukölln (Sonnenallee) direkt neben mir und wir sind mal zusammen mit anderen in einem VW-Bus auf eine Party in der Pfuehlstraße gefahren. Er hat dabei ständig The Gun Club gehört, was mich etwas nervte. Ansonsten habe ich dort noch den wahren Heino und später die Ramones gesehen. Das war nicht mehr so beeindruckend. Aber La Fura Dels Baus schon.

Dank an und Bewunderung für Irene Moessinger, die diesen wunderbaren alternativen Veranstaltungsort mit einem Erbe, ohne Businessplan, aber mit vielen Freunden einfach geschaffen und erfolgreich betrieben hat. Heute würde ich ihr gerne das Eintrittsgeld zurückgeben. Später musste der Laden in den Tiergarten ziehen und dann wegen des Neubaus des Bundeskanzleramtes dort wieder verschwinden. Kurze Zeit später steht neben dem Kanzleramt ein anderes Veranstaltungszelt. Das habe ich nie verstanden und finde es nach wie vor ungerecht! Das Tempodrom wurde dann mit viel Geld am Anhalter Bahnhof komplett neu gebaut und besteht seitdem ohne Charme aber immer noch ganz gut.

Linientreu – Budapester Straße
Legendär, selten besucht, aber wohl gut.

Ferner liefen

Basement – Mehringdamm
Eine kleine unbekannte Absackerdisco mit guter Musik. Eher regional bedeutend. Etwas rockiger und erst später besucht. Ansonsten bisher keine weiteren Infos gefunden

bronx – Wiener Straße
War halt in der Nähe. „Das bronx in der Wiener Straße 34 in Kreuzberg befand sich in einem ehemaligen Kinosaal, der in den 70er Jahren unter dem Namen Wiener Lichtspiele als Underground-Discothek genutzt wurde.“ http://www.rockinberlin.de/index.php?title=Bronx
Mehr habe ich dazu nicht gefunden.

XXX – Am Ende der Hauptstraße (?)
Weiß den Namen nicht mehr, nur dass ich selten da war und zu Tears for Fears getanzt habe.

Sektor – Hasenheide
Späte Achtziger. Man tanzte auch mal zu Pop und Rap. Großer Laden mit einem eindrucksvollen Tunnel als Zugang. Habe ich da C. kennen- und liebengelernt? Die später dann zu meinem Freund R. umgeschwenkt ist?

Grex – Muskauer Straße
Ein kleiner Tanzschuppen in Kreuzberg 36. Das war schon eher in den späten achtzigern. Ich habe mich als DJ beworben und hatte Chancen. Weiß aber nicht mehr warum nix daraus wurde, ist auch ok so.

Sound – Genthiner Straße
Im Nachhinein sehr interessant. Scheint sogar mal in einem Tatort thematisiert worden zu sein. Eher ein Überbleibsel aus den Siebzigern? Weiß nicht mehr, warum ich so selten da war. Wird auch oft mit Drogenkonsum in Verbindung gebracht. Würde ich gerne mehr drüber erfahren.

Ballhaus Spandau
Etwas rockiger und ok, aber zu weit weg und kein Kult. Gibt es wohl heute noch!?

Madonna – Wiener Straße
Eine angesagte „Szenekneipe“ mit guter Musik; war mal eine Zeitlang Treffpunkt mit anderen. Gibt es wohl heute noch?

Trash – Oranienstraße
Ja, blöder Name, aber der Laden immerhin etwas punkiger als die anderen.

Triebwerk – Flughafenstraße
Etwas angesagte Kneipe in Neukölln, das damals sonst vollkommen uninteressant war. War Schichtleiter in einem Kraftwerk. Nach der Nachtschicht, ca. 6.00 Uhr morgens, gingen wir mit der ganzen Mannschaft noch dorthin, weil nichts anderes mehr auf hatte. Kollege P. spendierte etwas zu rauchen und wir haben uns wunderbar amüsiert und entspannt, bevor es dann doch ins Bett ging. Später war ich mal alleine dort und die hübsche Bedienung interessierte sich ungemein für die Hose, die ich an hatte. Das war eine Hose aus rotem Leder, zusammengehalten durch braune Lederstriemen, die ich mir mal selber geschneidert hatte. Am nächsten Tag brachte ich ihr die Hose; sie ging mit mir ins Nebenzimmer, zog sich – bis auf die Unterhose aus – und zog meine Hose an. Gekauft! Für 80,00 DM oder so. Etwas wenig im Nachinein und vor allem aus heutiger Sicht.

Exxcess – Kurfürstenstraße
Ich war wohl nur einmal da, hat aber einen bleibenden Eindruck vermittelt. Alles mit Weißen Fliesen; das obligatorische Neonlicht. Und dann standen noch drei Gestalteten in extremen New Wave Stil mit den wildesten Frisuren herum. Cooler und abweisender hatte ich es noch nie empfunden. Später zog dort eine Sauna ein. Heute ist in dem Haus oder Komplex wohl der „Ruhesitz am Zoo“. Wie sich die Zeiten ändern…

Madow – Pariser Straße am Olivaer Platz
War das die Disko, die Bowie betrieb? So raunte man sich zu. War für mich aber etwas uninteressant.

Far Out – Kudamm
Von den Sanyassins und später sehr angesagt. Hat mir nicht gefallen.

Fischlabor – Frankenstraße
Einer der Läden, die neu und wirklich außergewöhnlich waren. Gemütliche Athmosphäre – das war in den Achtzigern eine Revolution. Aber doch noch mit Neonlicht. Das war das, was man heute Lounge und Chillen nennen würde.

Cri du chat – Joachimstaler Straße
War ich mehrfach, kann aber nicht mehr dazu sagen.

Oranienbar – Oranienstraße
War sehr angesagt. Man trank Campari Orange oder Curacao Blue. Hinter der Theke war ein Spruch auf die Wand gemalt: „No fucking Beck’s“. Der gefällt mir heute noch.

 

Sonstige

Mir fällt auf, das mein heutiges Schöneberg mal total angesagt war. Hier noch ein paar bekannte Namen:

Risiko – Yorckstraße
Ich erinnere mich, wie Blixa Bargeld mir ein Bier über die Theke reichte.
Mr. Dead & Mrs. Free – Bülowstraße
Ein legendärer Plattenladen, der erst vor kurzen geschlossen wurde.
Scheißladen – Großbeerenstraße
Inhaber: Der wahre Heino. Hat sich neben seinen Auftritten im echten Heino-Stil einen Namen damit gemacht, unsere Nationalhymne zu FURZEN. War in Kreuzberg, und in der Nähe; war aber nie da.
K.O.B – Potsdamer Straße
Selten da, aber im besetzten Nachbarhaus öfter meine Kommilitonin D. besucht.
Ex‘n‘Pop – Schwäbische Straße
War ich nie, obwohl es wohl auch eine Reminiszenz an meinen Lieblingsmoderator war.
Cafe Mitropa – Goltzstraße
Hat mir nie so gefallen, gibt es aber heute noch – wegen Namensstreitigkeiten unter dem Namen Cafe M.
Domina Bar – Winterfeldtstraße
Dort ging man hin, wenn der Dschungel oder die anderen geschlossen hatten, also ca. ab 4.00 Uhr. Und man traf die anderen Diskogänger deren Läden geschlossen wurden. „Wo wart Ihr denn heute?“
Slumberland – Winterfeldplatz
Eine Legende, aber war ich auch selten. Und gibt es heute noch(?) Auch noch mit Sand auf dem Boden?
Music Hall – ?
War wohl mal da, weiß aber nicht mehr wo!?
Cafe Anfall – Gneisenaustraße
Ein netter, origineller, kleiner Laden. Betrieben unter anderen von einem Schulkumpel RCM (†). Beliebter Treffpunkt der Clique.
Offline – Kreuzbergstraße
Kein Klub, eine neue und leicht avantgardistische Modemesse. Schwer angesagt. Meine spätere Frau hat als Studentenjob die Models eingekleidet. Und ich habe – unabhängig davon – mich mal als Model beworben. Der Typ, der das Casting veranstaltete, sagte zu mir, er hätte mich gerne engagiert, der Chef (war das Offline-Frank?) aber nicht. Mein Gang war ihm nicht forsch genug, zu federnd. Egal. Ich lebe noch.

Ein paar mehr Infos gibt es noch von „Westbams Club-ABC“ auf der Seite von Zitty.

Vom 24. Juni 2019 in Achtziger, Allerbestes | Kein Kommentar

Berliner Politik

Wenn es nicht so dramatische Auswirkungen hätte, könnte man herzhaft und nachhaltig darüber lachen, wie einfältig und kurzsichtig der Berliner Senat mit Problemen umgeht und durch stümperhafte Flickschusterei und populistische Maßnahmen versucht, große Probleme unserer sonst ganz schönen Hauptstadt zu lösen. Seit Jahren beobachte und verachte ich das auf dem Bildungssektor. In letzter Zeit versucht der Stadtentwicklungssektor diesen zu übertrumpfen und mit aller Macht den Titel „Dümmste politische Führung“ an sich zu reißen.

Seit einigen Jahren gibt es in der Billigstadt – wie überall – ansteigende Mieten und Immobilienkosten. Viele können sich die geforderten Mieten nicht mehr leisten und müssen deshalb umziehen. (Ich beziehe mich hier erstmal auf die Mieter; der Kauf von Wohnungen wird auch astronomisch teuer.) Ich finde es durchaus zumutbar, dass man in ein anderes Viertel mit günstigeren Preisen umzieht. Man hat kein Recht darauf, dort zu wohnen, wo man möchte. Aber ich finde es auch durchaus richtig, dass man in unserem wunderbaren Sozialstaat das Recht auf eine „bezahlbare“ Wohnung haben sollte. Wohnen in vier Wänden ist schon ein Grundbedürfnis. Aus diesem Grund wurde übrigens der Soziale Wohnungsbau erfunden. Berlin war mal ganz gut darin. Leider haben die Unverantwortlichen vor vielen Jahren angefangen, diese Wohnungen an private Gesellschaften zu verkaufen. Ich weiß nicht warum: Geldmangel? Desinteresse? Kurzsichtigkeit? Opportunismus? Unprofessionalität? Egal. Diese fehlen jetzt.

Immerhin wurde das Problem erkannt. Und es werden Möglichkeiten erdacht und mal ausprobiert, um dem entgegenzuwirken. Die Losung lautet: bloß nicht selbst etwas umsetzen, lieber andere dazu zwingen. Eine einfache Lösung wäre natürlich der Neubau von Wohnungen und dessen Förderung. Es ist alles eine Sache von Angebot und Nachfrage! Leider ist die zuständige Senatorin ziemlich Links und findet Investoren doof. Daher werden Neubauvorhaben nur noch schleppend zugelassen. Man versucht sich lieber mit kleinen Schritten – ganz vorsichtig – an das Problem heranzutasten. Versuch und Irrtum ist ein beliebtes Mittel Berliner Politik.

Eine schlimme und bereits umgesetzte  Maßnahme ist die Einführung von sogenannten „Milieuschutzgebieten“. Hier wird die Weiterentwicklung der Menschheit per Dekret gestoppt. Mieter müssen ein Lebenlang mit ihren einfachen Verhältnissen zurechtkommen. Jetzt soll auch die Gegend um die Kurfürstenstraße zum Schutzgebiet erklärt werden. Ich frage mich, welches Milljöh (das horizontale Gewerbe?)  da geschützt werden soll. Ein zweites Bad oder ein Balkon werden ab sofort verboten. Investitionen in die Substanz verhindert. Eine weitere Idee, die bei manchen Randgruppen auch noch Beifall fand: Enteignung der bösen Eigentümer. Das ist sicher eine gute Methode, um jegliche Investitionen in Zukunft zu verhindern und den Sozialismus aus dem Ostteil der Stadt wieder für alle einzuführen.

Die aktuelle Idee: Einfrieren der Mieten, für fünf ganze Jahre. Genial: Wir haben etwas angestoßen und können uns über die Legislaturperiode retten. Aber was passiert nach den fünf Jahren? Dasselbe wie vorher! Und: Die Vermieter haben natürlich eine Schock bekommen und setzen alles dran, die Mieten vor diesem Zeitraum so hoch wie möglich anzusetzen. Und zwar auch die, die bisher moderat waren. Toller Effekt; so ungefähr das Gegenteil vom gewünschten Ziel. Besonders lustig finde ich aber die Reaktion der Politiker: „Ooch, das ist aber unfair, jetzt noch schnell die Mieten zu erhöhen. Spielverderber!“ Kurz vor Verabschiedung gab es doch noch kurze Bedenken: Da sind ja auch die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften betroffen. Die haben dann kein Geld mehr für den Neubau. Egal. Wir ziehen das durch.

Man sollte bedenken, dass die Hauptakteurin Mitglied einer Partei ist, die aus der DDR als sozialistische Einheitspartei hervorgegangen ist. Wollen die das Rad zurückdrehen?

Berlin eben.

Diesen Spruch mag ich nicht, aber es fällt mir gerade nichts anderes dazu ein: „Herr, lass Hirn auf sie regnen. Ein winziges kleines bisschen wenigstens. Bitte! Amen.“

Vom 11. Juni 2019 in Allerbestes, Politik | Kein Kommentar

Potentielle Kritik zu Lustwort

Hier eine kleine Vorlage für Journalisten, die besonders lese- und schreibfaul sind, keine Lust haben, sich mit kleinen Themen des Alltags auseinanderzusetzen, bisher keinerlei Erfolg hatten, unbekannt sind, eigentlich nach Höherem streben,  und dann vom Chef mit folgendem konfrontiert werden: „Habe von einem privaten Blog gehört, der ganz beliebt sein soll, das klingt interessant und neu, da sollten wir dranbleiben; sieh‘ Dir das mal an und schreibe eine kurze Kritik dazu (gähn)“.

Also, Ihr seid Teil meiner Zielgruppe und wichtige Multiplikatoren, daher biete ich Euch kostenlos folgende Rezension  an:

<ab_hier_kopieren>Also, dieser Autor hat auch zu jedem Scheiß etwas zu sagen. Das alles unter dem etwas provozierendem Namen „Lustwort“. Interessiert uns das? Nun, es scheint eher so, dass er das für sich selbst macht, und für die Familienangehörigen. Ein ziemlich privater Blog, aber sicherlich nicht ganz privat. Trotzdem ist es als Außenstehender oft auch unterhaltsam und inspirierend die Geschichten zu lesen, den ungewöhnlichen Gedanken zu folgen, die Vielseitigkeit zu genießen.

Das besondere am Schreibstil ist der Sinn und die Liebe zur deutschen Sprache. Der Autor schreibt sehr eigenwillig, ungewöhnlich, manchmal etwas altmodisch und achtet darauf, keine Anglizismen zu nutzen, keine Namen zu nennen, alles oft sehr indirekt. Man muss sich manchmal etwas damit beschäftigen: was will er jetzt sagen? Wen meint er? (Es ist ein ER!)

Er hat Humor. Oft auch mit einer wunderbaren Selbstironie; die gibt es selten heutzutage. Beim Lesen muss man sich das Augenzwinkern dazu denken. Aber auch sehr vereinfachend, verallgemeinernd, manchmal fiktiv, oberflächlich, ohne Quellenangabe, das ist gefährlich, aber gut. Und manchmal gibt es leider auch nur plumpe Meinungsäußerungen, die nicht allen gefallen werden.

Das ist alles keine große Kunst, die Themen vom Alltag geprägt, die Gedanken recht privat, Beobachtungen und Erkenntnisse aus dem Alltag, der Schreibstil eher unprofessionell, der Autor etwas anmaßend und dennoch interessant. Es macht Spaß, darin zu lesen! Man muss etwas vielseitig und liberal sein, dann kann das Ganze auch inspirierend sein. Ein kleines Einod in der ruppigen und meist schnöden Welt der Medien. Insgesamt wunderbar unpopulistisch und anders. Guckt mal rein! Man kann auch Kommentare hinterlassen.</bis_hier_kopieren>

Dieser Text ist frei verfügbar (Open Source) und kann zu privaten und kommerziellen Zwecken unentgeltlich genutzt werden. Ich bitte aber um eine Info dazu, wo es veröffentlicht wird. Danke.

Demokratie

Ist toll und richtig und logisch und gut: das Volk bestimmt erfolgreich über sich selbst. Oder?

Zumindest ist die repräsentative Demokratie, so wie wir sie kennen, gut. Auf keinen Fall möchte ich mehr direkte Demokratie, mehr Einfluss des Volkes haben, da dieses weitgehend kurzsichtig und/oder unerfahren und/oder dogmatisch und/oder egozentrisch und/oder ungebildet ist; und demnach komplexe Zusammenhänge nicht hilfreich beurteilen kann. Ich finde es im Prinzip gut, dass Profis über unser Schicksal entscheiden. Menschen, die wir wählen und die sich beruflich mit den Fragen des erfolgreichen Zusammenlebens beschäftigen. Die grundsätzlich die Voraussetzungen dafür haben, dass es uns gut geht: Nachhaltigkeit, Weitsichtigkeit, Altruismus.

Leider handeln sie nicht immer in diesem Sinne, sondern oft nach dem Kriterium: „Was muss ich tun, um wiedergewählt zu werden und meine Macht zu erhalten?“ Das ist eher populistisch und egozentrisch. Also im Endeffekt doch wieder im Sinne des gemeinen Volkes. Das ist nicht gut; hilft uns langfristig nicht. Es sind nicht alle so. Wir haben zum Beispiel eine tolle Kanzlerin, die ihre Arbeit gut macht. Ein Problem der Demokratie ist aber auch, dass alles abgestimmt, besprochen, abgewogen, geregelt, kontrolliert, abgesegnet, freigegeben, kompromissgeregelt werden muss. Das ist sehr aufwändig und zeitintensiv und es kommt nicht immer das Beste dabei heraus.

Ideal wäre demnach doch eigentlich die Diktatur. Ein Mensch, der keine Rücksicht auf Popularität oder Gesetze nehmen muss, der alles umsetzen kann, was gut ist. Der einfach bestimmt, wo es lang geht, keine Rücksicht auf Gesetze nehmen muss. Der den BER innerhalb eines Jahres fertig stellt. Natürlich mit bestimmten Rahmenbedingungen. Er müsste umsichtig sein. Die Belange der Bevölkerung beachten. Entscheidungen gut abwägen. Alle Interessensgruppen zufriedenstellen. Die Belange aller Menschen berücksichtigen. Viele gute und neutrale Berater haben, die ihm die erforderlichen Entscheidungsgrundlagen liefern. Dem Wohl aller dienen und immun gegen Lobbyisten sein. Neutral sein. Das wäre doch gut!

Leider erfüllen bisherige Diktatoren diese Kriterien nicht zufriedenstellend. Das Problem ist, dass die meisten Menschen mit Macht wohl nicht altruistisch umgehen können. Ein grundsätzlicher Gen-Defekt. Wahrscheinlich müsste es eine neue Art von Mensch sein. Oder ein Roboter, der entsprechend programmiert wurde und nach ausgeklügelten Algorithmen entscheidet.

Ist wohl doch eine Utopie. Bleiben wir lieber bei der etwas unperfekten Demokratie? Also, ich wäre ein guter Diktator, habe aber keine Lust auf den Job.

Verpasst

Es war 1989 als ich nach einem mittelmäßigen doch-noch-Studiumabschluß die letzte Chance nutzte, vor dem harten Arbeitsleben noch etwas die Welt zu erkunden.

Das war damals noch Amerika. Auf dieser Reise habe ich auch etwas anderes erlebt. Welche Story wollte ich jetzt schreiben? Ach ja, von einem besonderen, historischen Erlebnis, das ich nicht hatte. Ich war in New York auf einer Privatparty. Alle beglückwünschten und umarmten mich als deutschen. Warum!?

Also, ich las an diesem Morgen auch die New York Times auf deren Titel ein Foto von Menschen war, die auf der Mauer standen (oder tanzten)!? DER Mauer. Was ist da los in Berlin?

Ich lebe seit Anfang der Achtziger in dieser Stadt und war nie länger weg, als ein, zwei Wochen. Jetzt hat es mich erwischt. Ich habe DEN historischen Tag in der Geschichte meiner Heimatstadt verpasst. Die zurückgebliebene Freundin bestätigte mir leider telefonisch das fröhliche Chaos, das ausgebrochen war und was ich alles verpasste.

Ich saß allein in der Weltstadt N.Y. auf einer tollen Party, wurde als Held gefeiert und wünschte mir nichts sehnlicher, als in Berlin zu sein.

Mal Pech gehabt.

Mein Einstieg in Berlin

Es war Anfang der Achtziger. Mit dem R4 meiner Mutter und allen Sachen nach Berlin umgezogen. Eine Familienfreundin hatte mir eine temporäre Unterkunft angeboten. Ein Hochbett in einem ganz passablen Zimmer in der Danckelmannstraße.

Mein erster Eindruck von Berlin war schlimm. Ich hatte mir Großstadt, moderne Urbanität, viele nette Leute und schicke Gebäude vorgestellt. Statt dessen: Gaslaternen (Jahrhundertwende?), alles Altbauten mit vielen Verzierungen, die Stadt vollkommen heruntergekommen (seht Euch mal Filme aus dieser Zeit an!), coole und arrogante Leute, und mein R4 mit dem Umzugsgut wurde nach ca. zwei Tagen aufgebrochen und bestohlen.

Die Wohnungssuche war schwer. Es gab akute Wohnungsnot (kommt mir auch heute noch bekannt vor; Berlin eben.) Am Freitag- oder Samstag-Abend stellte man sich – auch als linksorientierter Springer-Hasser – vor das Hauptgebäude in der Kochstraße und wartete, bis die frisch gedruckte  Morgenpost ausgeliefert wurde.

Und ich war nicht der einzige. Als die Wagen um die Ecke kamen, hielten sie tatsächlich an und man konnte – wahrscheinlich illegal – die neueste Ausgabe der Zeitung (ein ehemalig erfolgreiches Printmedium) als erster erwerben. Die Zeitung mit den meisten Vermietungsanzeigen. Dann so schnell wie möglich zur nächsten Telefonzelle gerannt (damals gab es noch keine Schlautelefone) und (sofern die nicht schon von der Konkurrenz besetzt war) die wichtigsten Angebot-Ersteller angerufen. Erfolglos.

Dann gab es eine Selbsthilfegruppe, die ich besuchte. Alle auf dramatischer Wohnungssuche. Es gab Vollkornbrot und Salbei-Tee. Und es kam irgendwann der Vorschlag: Wir besetzen einfach ein leer stehendes Haus! Ich war schockiert. Man kann doch nicht einfach die Tür aufbrechen und einziehen. Wichtiges Hintergrundwissen: Zu der Zeit gab es aufgrund der akuten Wohnungsnot weit über hundert besetzte Häuser in Berlin – weil die Jahrelang leer standen und die Eigentümer damit spekulierten. Es gab quasi ein Recht auf Besetzung. Man muss anerkennen, dass die Hausbesetzer dazu beigetragen haben, einen großen Teil der Altbausubstanz in Berlin zu erhalten! Später habe ich dann in einem der Häuser gewohnt, aber eher temporär. Dazu später vielleicht mehr..
(Aus dramatischen und fiktiven Gründen habe ich den Satz „Es gab Vollkornbrot und Salbei-Tee.“ in falschem Zusammenhang genannt: Dies gab es erst später, in einem besetzten Haus.)

Jedenfalls habe ich dann doch noch regulär eine Wohnung gefunden. In Kreuzberg 62 – da hatte ich erst etwas Bedenken. Aber wohl nicht so schlimm, wie 36 und Preis war ok. 185,- D-Mark pro Monat für zwei Zimmer. Ich hatte immer ein Faible für große Wohnumgebungen. Leider mit kalten Wasser, ohne Bad (zum Duschen ging man in das Stadtbad), Ofenheizung, Erdgeschoss, Blick in einen verkommenen Hof, Himmelsicht nur, wenn man sich vor dem Fenster auf den Boden legte und nach oben sah. Immerhin Innenklo. Und einmal hatte ich eine Ratte im Schlafzimmer. Aber es gab schöne Parties. Kein Problem, dass Karslquell-Dosen an die Wand gepfeffert wurden.